mini|hochkant|Paul Wilhelm Magnus Paul Wilhelm Magnus (* 29. Februar 1844 in Berlin; † 13. März 1914Jacob Jacobson: Die Judenbürgerbücher der Stadt Berlin 1809–1851. Walter de Gruyter, 1962, ISBN 3-11-000448-8, S. 237, ebenda) war ein deutscher Botaniker (Mykologe und Lichenologe), der sich insbesondere mit der Phytopathologie befasste. Leben Paul Magnus’ Vater war der Geheime Kommerzienrat, Bankier und Seidenfabrikant Meyer Magnus (1805–1883), Stadtrat, Mitglied des Kollegiums der Kaufmannschaft und seit 1866 Vorsitzender des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Seine Mutter Johanna stammte aus der Wiener Kaufmanns- und Industriellenfamilie Pollack. Seine Schwester Anna war mit dem Bankier Eugen Landau verheiratet, sein Bruder Ernst Magnus war von 1891 bis 1903 Direktor der Nationalbank für Deutschland. Sein Neffe Werner Magnus (1876–1942) war Professor für Botanik in Berlin.

Magnus besuchte das Friedrichswerdersche Gymnasium und begann 1864 ein Studium der Medizin an der Universität Berlin, 1865 änderte er das Studienfach auf Naturwissenschaften. Im Sommersemester 1866 studierte er an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, wo Anton de Bary ihn zur Mykologie führte. Magnus setzte sein Studium in Berlin fort und promovierte 1870 bei Alexander Braun mit der Arbeit Beitr. zur Kenntnis der Gattung Najas. Anschließend nahm er als Botaniker an Expeditionen des preußischen Staates in die Ostsee 1871, die Nordsee 1872 und in die Schleimündung 1874 teil. Ende 1871 trat er der Gesellschaft der Freunde bei. 1875 wurde er Privatdozent an der Universität Berlin, 1880 wurde er außerordentlicher Professor für Botanik. 1897 besuchte Magnus auf Einladung der British Association for the Advancement of Science Kanada und bereiste anschließend die Vereinigten Staaten.

Wirken mini|Paul Magnus (Mitte rechts) im Darwin-Album von 1877 – Blatt 9 (Berlin I) Paul Magnus bekannte sich offen zum Darwinismus und beteiligte sich am Ehrengeschenk der deutschen Anhänger zu Darwins 69. Geburtstag, einem vom Rechnungsrat und Naturforscher Emil Rade (1832–1931) initiierten, von Ernst Haeckel geförderten und im Wesentlichen von Arthur Fitger mit insgesamt 21 Blättern gestalteten mit Silber-(und Gold-)beschlägen reich verzierten 50 cm hohen und 43 cm breiten Album (Darwin-Album von 1877),Das Album enthält insgesamt 165 Porträts und befindet sich heute noch in der Darwin Collection im Down House, London, Luxted Road, Downe, Orpington, BR6 7JT in dem ab Blatt 3 zahlreiche Fotografien seiner Anhänger in je ein bis zehn passepartoutartig geschnittenen Feldern eingefügt sind. Als Dr. P. Magnus wurde er mit der Widmung Herrn Charles Darwin in innigster Verehrung und Bewunderung. Nihil extranaturam auf Blatt 9 (Berlin I) in diesem Album, das Darwin im Februar 1877 überreicht wurde, aufgenommen.Brunhild Gries: Emil Rade (1832–1931), sein Anteil an der naturkundlichen Erforschung Westfalens und das Darwin-Album von 1877. Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde, 68, 2, Münster 2006 (PDF) Magnus bearbeitete das Sammelgut an Meeresalgen aus den Nord- und Ostsee-Expeditionen und konnte das Scheitelwachstum und die Verzweigung aufklären. Magnus beschrieb die Algenpilzfamilie Chytridiaceae, deren Formen man bis dahin für Organe von Meeresalgen gehalten hatte. Er war 1893 an der Gründung der Biologischen und Fischereistation Müggelsee beteiligt (heute Messstation des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei). Magnus’ Forschung widmete sich überwiegend der Mykologie, insbesondere den parasitischen Familien der Ustilaginaceae (Brandpilzverwandte) und Uredinaceae (Rostpilze), den Verursachern von verschiedenen Pflanzenkrankheiten. Aufgrund seiner Beziehungen zu zahlreichen Floristen und Reisenden erhielt er Material aus aller Welt – darunter Joseph Friedrich Nicolaus Bornmüller aus Syrien und der Türkei, Georg Schweinfurth aus Eritrea oder Rudolf Marloth aus Südafrika. Magnus klärte die Biologie vieler durch Wirts- und Generationswechsel scheinbar getrennter Formen auf und beschrieb mehrere Gattungen und Arten neu. Er war an der Bearbeitung der Richtlinien zur Untersuchung der Pflanzen- und Tierwelt beteiligt (Staatliche Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen, 1912).

Paul Magnus blieb ledig. Sein Grab befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof Schönhauser Allee. mini|hochkant|Grabmal

Schriften (Auswahl) Beiträge zur Kenntniss der Gattung Najas, 1870 online Zur morphologie der sphacelarieen, nebst bemerkungen über die ablenkung des vegetationspunktes der hauptachsen durch den nahe am scheitel angelegt werdenden tochterspross, 1873 Die botanischen Ergebnisse der Nordseefahrt vom 21. Juli bis 9. September 1872, 1874 Die neue Krankheit des Weinstocks, der falsche Mehlthau oder Mildew der Amerikaner, 1883 Pilze des Kantons Graubündten, 1890 Die Peronosporeen der Provinz Brandenburg, 1893 Beiträge zur Pilzflora von Franken, 1895, 1897, 1899, 1906 G. Sennholz, 1895 Joseph Schroeter, 1895 On some species of the genus Urophlyctis in Annals of Botany 11:41 S. 87–96, 1897 Die Pilze (Fungi) von Tirol, Vorarlberg und Liechtenstein. Band 3 der Flora von Tirol, Vorarlberg und Liechtenstein. Hrsg. von Karl Wilhelm von Dalla Torre und Ludwig von Sarnthein, 1905 doi:10.5962/bhl.title.3876

Auszeichnungen (Auswahl) 1876 Wahl in die Leopoldina 1895 Mitglied der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft (älteste bestehende botanische Gesellschaft der Welt) 1911 Geheimer Regierungsrat 1914 Ehrenmitglied der Schweizerischen Botanischen Gesellschaft

Literatur

Weblinks

Magnus, Paul Wilhelm im Index of Botanists der Harvard University MAGNUS, PAUL WILHELM in der Jewish Encyclopedia (jewishencyclopedia.com)

Einzelnachweise

Kategorie:Mykologe Kategorie:Lichenologe Kategorie:Botaniker (19. Jahrhundert) Kategorie:Botaniker (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Humboldt-Universität zu Berlin) Kategorie:Mitglied der Leopoldina (19. Jahrhundert) Kategorie:Mitglied der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1844 Kategorie:Gestorben 1914 Kategorie:Mann Kategorie:Absolvent der Humboldt-Universität zu Berlin