Die M. M. Warburg & CO (Eigenschreibweise: M.M.Warburg & CO ohne Leerzeichen zwischen M.M.), kurz auch Warburg-Bank genannt, ist eine 1798 in Altona von den Brüdern Moses Marcus Warburg und Gerson Warburg aus der deutsch-jüdischen Bankiersdynastie Warburg gegründete unabhängige Privatbank. M. M. Warburg erlangte im Verlauf seiner Geschichte erhebliche Bedeutung für die nationalen und internationalen Kapitalmärkte und ist auch heute noch eine der größten Banken Deutschlands in Privatbesitz. Mehr als 80 % der Gesellschafteranteile gehören den Familien von Max M. Warburg Jr. und Christian Olearius. Ab 2016 war die Bank in einen Skandal mit illegalen Steuergutschriften verwickelt, der zu einem Rückzug der Eigentümerfamilien aus dem Management führte. Im Zuge der Aufarbeitung wurden hochrangige Mitarbeiter der Bank zu hohen Haftstrafen verurteilt, der ehemaligen Generalbevollmächtigte der Bank, Christian S. zu fünf Jahren und sechs Monaten, Marcus H. zu vier Jahren und Martin D. zu einem Jahr und neun Monaten.

Unternehmensprofil Das Bankhaus M. M. Warburg & CO hat seinen Hauptsitz in Hamburg und unterhält mehrere Geschäftsstellen in ganz Deutschland, u. a. in Frankfurt, Köln, München, Berlin, Bremen, Hannover und Stuttgart. Kerngeschäftsfelder des Unternehmens sind Private Banking, Corporate & Investment Banking und Asset Management. Kernzielgruppen sind vermögende Privatkunden, Stiftungen, Unternehmen und institutionelle Investoren.Jahresbericht 2023 , M.M.Warburg & CO, abgerufen am 26. September 2024

Die M. M. Warburg & CO ist eine Tochtergesellschaft der Finanzholding-Gesellschaft M. M. Warburg & CO Gruppe GmbH. Zum Konzern gehören des Weiteren das Bankhaus Marcard, Stein & Co sowie die Fondsgesellschaft Warburg Invest KAG und das Analysehaus Warburg Research GmbH.

Geschichte 1798–1871 mini|Hauptsitz der M. M. Warburg & CO in der Ferdinandstraße 75 in Hamburg mini|Moritz M. Warburg (1838–1910)

Die Geschichte des Bankhauses begann mit dem bereits in sechster Generation als Pfand- und Geldleiher wirkenden Gumprich Marcus Warburg (1727–1801), dessen Vorfahren 1668 aus der westfälischen Hansestadt Warburg nach Altona in die Nähe Hamburgs gezogen waren. Gumprich Marcus Warburg übertrug seinen Söhnen Moses Marcus Warburg (1763–1830) und Gerson Warburg (1765–1825) im Jahr 1797 sein Unternehmen. Die Brüder gründeten am 1. Januar 1798 das Bankhaus M. M. Warburg & Co. im damals noch zum dänischen Herzogtum Holstein gehörenden Altona.Julius H. Scheps: Die Warburgs – Ron Chernows große Geschichte einer Hamburger Familie Die Zeit, 2. Dezember 1994. Website M. M. Warburg & CO; abgerufen am 9. November 2012.E. Rosenbaum, A. J. Sherman: Das Bankhaus M. M. Warburg & Co. 1798–1938. Verlag Hans Christians, Hamburg, 1976, Seite 28

Im Jahre 1810 wurde erstmals ein Gesellschaftervertrag für die M. M. Warburg & Co. aufgesetzt. Im Jahre 1830 starb Bankgründer Moses Marcus Warburg. Abraham Samuel Warburg (1798–1856), der Ehemann seiner Tochter Sara Warburg, übernahm das Bankhaus und wählte als neuen Partner seinen Vetter Elias Warburg, der bereits 1837 aus unbekannten Gründen wieder aus der Bank ausschied. Nachdem Abraham Samuel Warburg 1856 verstorben war, leitete seine Witwe Sara bis 1864 als Alleininhaberin die Geschäfte von M. M. Warburg & Co. Saras Tochter Rosa (1833–1908) heiratete Paul Schiff, den geschäftsführenden Bankdirektor der von Salomon Rothschild gegründeten Wiener Credit-Anstalt. Diese familiären Bande halfen Sara Warburg und dem Bankhaus Warburg bei der Bewältigung der durch den Krimkrieg ausgelösten existentiellen Krise der Hamburger Wirtschaft: Am Ende des Krimkriegs stürzten die Rohstoffpreise ins Bodenlose, was zum Bankrott zahlreicher amerikanischer Banken und Eisenbahngesellschaften führte. Die Panik schlug Wellen bis zur Hamburger Börse. Als auch hier Banken und Handelshäusern der Konkurs drohte, versuchte der Hamburger Senat zunächst vergeblich, in Berlin, Paris und anderen Finanzmetropolen Stützungsanleihen aufzulegen. Schließlich bekam Paul Schiff im November 1857 vom österreichischen Finanzminister den Auftrag, Hamburg eine entsprechende Anleihe zu gewähren. Österreich und die Wiener Credit-Anstalt schickten am 13. Dezember 1857 einen Zug voll Silberbarren in die Hansestadt, woraufhin sich die Unsicherheit an den Finanzmärkten schlagartig beruhigte und das Chaos beendet wurde. Das Bankhaus Warburg gewann durch diese auf persönlichen Beziehungen beruhende Rettungsaktion erheblich an Ansehen. Der hamburgische Staat erkannte die große Bedeutung der Auslandskontakte der Warburgs, die fortan stärker in die Finanzgeschäfte des Stadtstaates involviert wurden.Ron Chernow: Die Warburgs – Odyssee einer Familie. Siedler-Verlag, München, 1994, Seite 28E. Rosenbaum, A. J. Sherman: Das Bankhaus M. M. Warburg & Co. 1798–1938. Verlag Hans Christians, Hamburg, 1976, Seite 55–57

Sara Warburg übertrug ihren rivalisierenden Söhnen Siegmund Warburg und Moritz M. Warburg Führungsaufgaben in der familieneigenen Bank. Der etwas ältere Siegmund wurde 1859 Teilhaber, Moritz 1862. 1863 ersetzte die Firma den ursprünglichen Titel Geldwechsler durch die Bezeichnung Bankier- und Geldwechselgeschäft. Obwohl die Bank nur zehn Angestellte hatte, führte sie weltweit Devisen- und Wechselgeschäfte mit großen Handelshäusern und Banken durch. Zudem wuchs das lukrative Emissionsgeschäft stetig. 1864 schied Sara Warburg aus der Bank aus und übertrug die Geschäfte des Finanzinstituts endgültig auf ihre beiden Söhne. Siegmund hatte bis zu seinem Tod 1889 die unbestrittene Vormachtstellung in der Bank, der Einfluss von Moritz blieb überschaubar. 1864 heiratete Moritz Warburg die Frankfurter Juwelierstochter Charlotte Esther Oppenheim (1842–1921). Daraus entstanden Beziehungen zu den führenden Frankfurter Bankhäusern, insbesondere zum Bankhaus Moritz B. Goldschmidt. Diese Zweckheiraten trugen maßgeblich zur Ausdehnung des Geschäftsbereichs der M. M. Warburg & Co. bei.E. Rosenbaum, A.J. Sherman: Das Bankhaus M.M. Warburg & Co. 1798–1938. Verlag Hans Christians, Hamburg 1976, Seite 66, 67.

Unter Siegmunds Leitung zog die Bank 1868 standesgemäß von der Hermannstraße 47 in den neuen Hauptsitz in die Ferdinandstraße 75, einem Stadtpalais im Stil der florentinischen Renaissance nahe der Binnenalster, mit Rathaus und Börse in fußläufiger Entfernung. Die Bank befand sich damit in unmittelbarer Nähe zu den Kontoren der Großreeder und Überseekaufleute. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit kaufte das Bankhaus umliegende Grundstücke auf, bis man in der Gegend rund um den Hauptsitz zwei komplette Straßenfronten besaß. 1911 wurde das Haus in der Ferdinandstraße 75 abgerissen und am selben Platz der bis heute bestehende Hauptsitz des Unternehmens errichtet.Ron Chernow: Die Warburgs – Odyssee einer Familie. Siedler-Verlag, München 1994, Seite 29 / Seite 196.

1871–1914 miniatur|Max M. Warburg (1867–1946) mini|Paul M. Warburg (1868–1932) miniatur|rechts|Felix M. Warburg (1871–1937) mini|Carl Melchior (1871–1933) wurde 1917 als erstes Nichtmitglied der Fam. Warburg zum Gesellschafter der Bank

Der weitere Aufstieg der Warburg-Bank fiel zeitlich mit den Ereignissen zusammen, die 1871 zur Errichtung des Deutschen Kaiserreichs führten. Seit der Mitte des Jahrhunderts, insbesondere aber nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870–1871 nahm die deutsche Wirtschaft einen enormen Aufschwung. Der Geldbedarf der in der Gründerzeit entstehenden neuen Industrieunternehmen konnte durch die Privatbankiers nicht mehr gedeckt werden. Daher vervielfachte sich die Zahl der Aktiengesellschaften und die Warburg-Bank stieg in den Wertpapierhandel ein. Mit Unterstützung der Pariser Rothschild Frères wurde sie an der zweiten Anleihe beteiligt, die Frankreich aufnehmen musste, um die im Frieden von Frankfurt vereinbarten Reparationszahlungen in Höhe von fünf Milliarden Franc an Deutschland leisten zu können. Für die Bankiers bedeutete dies einen Gewinn von gigantischem Ausmaß.Ron Chernow: Die Warburgs – Odyssee einer Familie. Siedler-Verlag, München 1994, Seite 42

Wichtigste Partnerbanken neben den Rothschildhäusern waren zu dieser Zeit die Stern Bros. in London mit ihren Zweigniederlassungen in Frankfurt und Paris, das Bankhaus Bischoffsheim & Goldschmidt in London, Paris und Brüssel, das Bankhaus S. Bleichröder in Berlin sowie L. Behrens & Söhne in Hamburg.E. Rosenbaum, A. J. Sherman: Das Bankhaus M. M. Warburg & Co. 1798–1938. Verlag Hans Christians, Hamburg 1976, Seite 82,83

Mit Max Moritz Warburg und seinem jüngeren Bruder Paul Moritz Warburg aus der Linie der Mittelweg-Warburgs bekam die Bank zwei neue Teilhaber aus der vierten Generation der Familie. Vor allem das Wirken von Max M. Warburg beeinflusste die Geschichte der Bank nachhaltig. Nach Lehrjahren ab 1887 bei J. Dreyfus & Co. in Frankfurt, Wertheim & Gompertz in Amsterdam, Banque Impériale Ottomane in Paris und N M Rothschild & Sons in London trat Max M. Warburg 1891 als Prokurist in das Hamburger Familienunternehmen ein.Boris Barth: Weder Bürgertum noch Adel – Zwischen Nationalstaat und kosmopolitischem Geschäft – Zur Gesellschaftsgeschichte der deutsch-jüdischen Hochfinanz vor dem Ersten Weltkrieg. Geschichte und Gesellschaft, Ausgabe 25, 1999, Seite 100

M. M. Warburg & Co. verdiente an der Finanzierung von Eisenbahnlinien in den Vereinigten Staaten, die ihnen Kuhn, Loeb & Co. in New York vermittelte. Jacob Schiff, aus Frankfurt stammender Teilhaber dieser Bank, war 1871 Lehrling bei Warburg gewesen. Durch die eingeheiratete Familie Günzburg beteiligte sich die Warburg-Bank am Verkauf von Obligationen der Großrussischen Eisenbahn-Gesellschaft und von Anteilen an der Diamantmine Bultfontein in Südafrika und verkaufte russische, norwegische, chinesische und hamburgische Staatsanleihen.Gabrielle Hoffmann: Max M. Warburg. Ellert & Richter Verlag, Hamburg, 2009, S. 35

1893 wurde Max M. Warburg Teilhaber von M. M. Warburg & Co. Zu dieser Zeit entwickelte er eine enge geschäftliche und persönliche Beziehung zu dem mit ihm verwandten Hamburger Reeder Albert Ballin und dessen weltgrößter Fracht- und Passagierreederei HAPAG. Während M. M. Warburg & Co. Ballins HAPAG ab 1901 als Teil eines Bankenkonsortiums finanzierte und Max M. Warburg in den Aufsichtsrat der HAPAG aufstieg, wurde Ballin Patenonkel von Max M. Warburgs Sohn Erich Hermann M. Warburg. Auf Ballins Initiative wurde Max M. Warburg auch Aufsichtsrat bei der Hamburger Großwerft Blohm & Voss und damit zu einem maßgeblichen Mann in der deutschen Schifffahrtsindustrie.Gabrielle Hoffmann: Max M. Warburg. Ellert & Richter Verlag, Hamburg, 2009, S. 50 Zudem verband Warburg und Ballin ihre Tätigkeit als Berater des deutschen Kaisers Wilhelm II. In der wilhelminischen Epoche wandte sich das Bankhaus verstärkt nationalen und internationalen Emissionsgeschäften zu und vollzog unter Max M. Warburg als Seniorchef den Eintritt in die internationale Politik und Finanzwelt.Detlef Krause: Die Commerz- und Disconto-Bank 1870–1920/23: Bankgeschichte als Systemgeschichte. Franz Steiner Verlag, Stuttgart, 2004, S. 178