mini|Wohnplatz Deutschboden und ehemaliger Wohnplatz Bergluch, Ortsteil Vogelsang, Stadt Zehdenick (Urmesstischblatt 1825) Bergluch war ein Wohnplatz im Ortsteil Vogelsang der Stadt Zehdenick (Landkreis Oberhavel, Brandenburg). Er entstand um 1725 aus einem Vorwerk, das durch Umwandlung einer Zaunsetzerstelle am Großen Wildzaun in der Zehdenicker Heide eingerichtet worden war. Der Wohnplatz wurde nach 1971 abgerissen.
Geographische Lage Bergluch liegt ungefähr acht Kilometer Luftlinie nordöstlich von der (Kern-)Stadt Zehdenick. Bergluch ist über die L 215, die zwischen der Kernstadt Zehdenick und Vogelsang nach Osten Richtung Kurtschlag abzweigt, zu erreichen. Nur etwa 500 Meter westlich liegt der Wohnplatz Deutschboden. Bergluch liegt .
Geschichte In den frühen 1660er-Jahren begann der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm mit dem Wiederaufbau des bereits Mitte des 16. Jahrhunderts angelegten Wildzaun von der Havel bis zur Oder, um das Wild am Abwandern auf die weiter nördlich folgenden Kulturlandschaften zu hindern. In diesem Zusammenhang wurden entlang des Großen Wildzaunes insgesamt elf Zaunsetzerstellen geschaffen.Matthias Asche: Neusiedler im verheerten Land: Kriegsfolgenbewältigung, Migrationssteuerung und Konfessionspolitik im Zeichen des Landeswiederaufbaus: Die Mark Brandenburg nach den Kriegen des 17. Jahrhunderts. Titel, Detail, Verlag Aschendorff, Münster 2006, S. 302, S. 382. Die Zaunsetzer hatten die Aufgabe, den Wildzaun auch instand halten. Sie erhielten für diese Aufgabe ein Stück Land am Wildzaun, das sie freilich erst räumen mussten, alsu urbar machen mussten. 1718 wird die Zaunsetzerstelle des Gottfried Wittkopp am Großen Wildzaun im Norden des Zehdenicker Revier erstmals genannt. 1721 wurde der Plan gefasst, die Zaunsetzerstellen von Gottfried Wittkopf "bey den Berkenluch" und Gert Amelangs an der "Düsterlacke" (später Vorwerk Grunewald) zu Amtsvorwerken einzurichten. Der Name Bergluch ist als Flurname zu deuten, von brandenburgisch berke = Birke und luch = Sumpf, Bruch; er hat also nichts mit einem Luch auf dem Berg zu tun. Bis 1725 scheint dieser Plan umgesetzt worden zu sein.
1736 hatte das Vorwerk 493 Morgen Land, davon 365 Morgen Acker, 127 Morgen Wiese und einen Morgen Garten. 1755 wird die Größe des Vorwerks mit 435 Mg Land angegeben, davon 289 Mg Acker, 144 Mg Wiese und 2 Mg Garten, auf dem 12 Kühe, sechs Stück Güstevieh, 250 Schafe, Schweine und Federvieh gehalten wurde. Noch vor 1766 wurden neben dem Vorwerk auch drei Kolonistenfamilien angesiedelt. Die Schmettaukarte von 1767/87 zeigt aber nur das gutsherrliche Vw. Birckluch. Die Kolonisten beschwerten sich 1766 über die "Exmission" (Zwangsräumung) ihrer Kolonistenstellen und verließen das Vorwerk wieder. 1767 wurde das Vorwerk einschließlich der drei verlassenen Kolonistenhöfe in Erbpacht an Oberamtmann Lufft gegeben. 1775 bestand neben dem Erbpachtvorwerk auch eine Schäferei; in Bergluch wohnten außerdem 5 Büdner, Einlieger und andere Bewohner, insgesamt gab es sieben Feuerstellen und 27 Bewohner. 1801 zählte man auf dem Vorwerk 5 Feuerstellen, 4 Büdner und ein Schiffer. Im Urmesstischblatt Nr. 2946 Hammelspring von 1825 sind deutlich zwei Siedlungskerne zu erkennen. Der östliche Kern ist nach der Gebäudeform als das Vorwerk zu deuten, der etwa 250 Meter westlich davon gelegene Kern als die Kolonie. 1840 gab es vier Wohnhäuser, 1860 sind neben den vier Wohnhäusern acht Wirtschaftsgebäude vorhanden. 1861 wohnten ein Maurer, ein Schneidermeister und ein Musiker mit seinem Gehilfen in Bergluch. Als Besitzer des Vorwerkes nennen Riehl und Scheu fehlerhaft einen Hauptmann a. D. von der Laaken,Wilhelm Heinrich Riehl, J. Scheu: Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Selbstverlag J. Scheu, Berlin 1861, S. 254. korrekterweise handelt es sich um die Familie von der Lancken. Um 1900 war das Vorwerk aufgegeben und abgerissen wurden. Der verbliebene, westliche Siedlungskern ist nun in der Topographischen Karten 1:25.000 Nr. 2946 Hammelspring als Kolonie Bergluch bezeichnet. Das Historische Ortslexikon nennt für 1907 einen Königlichen Förster im Forsthaus Bergluch. Dies ist jedoch ein Irrtum für das benachbarte Forsthaus Deutschboden; nach der Topographischen Karte befand sich zu dieser Zeit in (Kolonie) Bergluch kein Forsthaus. Auch die Liste der Revierförster und Förster des Regierungsbezirks Potsdam nennt explizit keine Försterei Bergluch.Deutsche Forst-Zeitung. Fachblatt für Forstbeamte und Waldbesitzer. Band 21, Hrsg. Verband Forstfachmänner, Verlag J. Neumann, Nuedamm 1906, S. 648. Die Bewohner waren ursprünglich nach Zehdenick eingepfarrt, ab 1816 nach Storkow bei Templin. 1874 gehörte der Gutsbezirk Bergluch zum 18. Standesamtsbezirk Storkow innerhalb des Kreises Templin.Königliche Regierung zu Potsdam (Red.): Beilage zum 40. Stück des Amtsblatts der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin. 1874. XV, A. W. Hayn`s Erben, Potsdam 2. Oktober 1874, S. 27.
Politische Geschichte und Bevölkerungsentwicklung JahrEinwohner175513177427180122181745184060185870189543192530Siehe Literatur: L. Enders: Historisches Ortslexikon (HOL). Böhlau, Weimar 1986, S. 64/66. Die Zaunsetzerstelle Bergluch bzw. das spätere Vorwerk Bergluch bzw. die Kolonie Bergluch wurde vom Amt Zehdenick verwaltet. Nach der Auflösung des Amtes wurde ein eigener Gutsbezirk geschaffen, der 1900 mit dem fiskalischen Gutsbezirk Forst Zehdenick vereinigt wurde. Kolonie Bergluch gehörte 1881 zum Amtsbezirk 12 Dargersdorf des Kreises Templin. 1929 wurde der Gutsbezirk Forst Zehdenick in die neugebildete Gemeinde Vogelsang eingegliedert. 1931 war Kolonie Bergluch ein Wohnplatz in der Gemeinde Vogelsang. 1964 und 1971 wurde Bergluch als Ortsteil von Vogelsang bezeichnet. Vogelsang bildete nach der politischen Wende in der damaligen DDR 1992 zusammen mit 13 anderen Gemeinden eine Verwaltungsgemeinschaft, die zuerst Amt Zehdenik genannt wurde, aber bereits 1995 in Amt Zehdenick und Gemeinden umbenannt wurde. Zum 31. Dezember 2001 wurde Vogelsang in die Stadt Zehdenik eingegliedert, zum 26. Oktober 2003 wurde das Amt Zehdenick und Gemeinden per Gesetz aufgelöst. Vogelsang ist derzeit ein Ortsteil der Stadt Zehdenik, Bergluch ist lediglich noch ein Wohnplatz von Vogelsang.
Zehdenick gehörte zur historischen Landschaft der Uckermark. Es kam nach der Aufteilung des Uckermärkischen Kreis 1817 zum Kreis Templin. Nach der Kreisreform von 1952 und dem Neuzuschnitt des Kreises Templin kam Zehdenick zum Kreis Gransee. Die Kreise Oranienburg und Gransee wurden in der Kreisreform von 1993 zum Landkreis Oberhavel vereinigt.
Besitzer und Pächter von Gut Bergluch 1767 Oberamtmann Lufft 1774 Oberamtmann Lufft 1780 Oberamtmann Lufft 1801, 1803 Friedrich Wilhelm von Hake-Heinersdorf (Großbeeren)Marcelli Janecki (Red. zug.). Jahrbuch des Deutschen Adels. Band 1, Hrsg. Deutsche Adelsgenossenschaft (D.A.G.), Vaterländische Verlagsanstalt-Verlag von W. T. Bruer, Berlin 1896, S. 779.Vgl. u. a. Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg Für Statistiker, Geschäftsmänner, besonders für Kameralisten. Band 2: Die Mittelmark und Uckermark enthaltend. Verlag Friedrich Maurer, Berlin 1805, [ S. 527.] 1816, 1817 Erbpächter Stendel/StendalOrtschafts-Verzeichniß des Regierungs-Bezirks Potsdam nach der neuesten Kreiseintheilung vom Jahre 1817, mit Bemerkung des Kreises, zu welchem der Ort früher gehörte, der Qualität, Seelenzahl, Confession, kirchlichen Verhältnisse, Besitzer und Addreß-Oerter nebst alphabethischem Register. Mit: XII: Der Templinsche Kreis. Verlag Georg Decker-Königlich Geheimer Oberhofbuchdrucker, Berlin [1816/1817.], Nr. 38. 1824 Nagel 1834 Bergemann 1836 Erbpächter Carl Ferdinand BechtoldKammergericht (Hrsg.): Topographie der Untergerichte der Kurmark Brandenburg und der dazugeschlagenen Landesteile. Verlag L. Oehmigke, Berlin 1837, S. 300.Siehe Literatur: Ernst Fidicin: Die Territorien der Mark Brandenburg oder Geschichte der einzelnen Kreise, Städte, Rittergüter, Stiftungen und Dörfer in derselben, als Fortsetzung des Landbuchs Kaiser Karl’s IV. Teil 4, Selbstverlag, Berlin 1864, S. 120/121. 1835/1873 Karl Friedrich Ferdinand von der Lancken-a. d. Hauslinie Bartelshagen (Krs. Franzburg) 1840 v. d. Lan(c)kenSiehe Literatur: Ernst Fidicin: Die Territorien der Mark Brandenburg oder Geschichte der einzelnen Kreise, Städte, Rittergüter, Stiftungen und Dörfer in derselben, als Fortsetzung des Landbuchs Kaiser Karl’s IV. Teil 4, Selbstverlag, Berlin 1864, S. 120/121. 1855 Carl v. d. Lan(c)kenHeinrich Karl Wilhelm Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafthums Nieder-Lausitz in der Mitte des 19. Jahrhunderts; oder geographisch-historisch-statistische Beschreibung der Provinz Brandenburg, auf Veranlassung des Staatsministers und Ober-Präsidenten Flottwell. Zweiter Band. Verlag von Adolph Müller, Brandenburg 1855, S. 616. 1861 von der Laaken (sic-fehlerhaft)Fehlerhaft: Wilhelm Heinrich Riehl, J. Scheu: Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Selbstverlag J. Scheu, Berlin 1861, S. 254., Korrekt: von der Lancken 1873/1876 Richard von der Lancken 1879 Frau Auguste von der Lancken geb. Töpffer, aus Teltow stammendVgl. Paul Ellerholz, H. Lodemann, H. von Wedell: General-Adressbuch der Ritterguts- und Gutsbesitzer im Deutschen Reiche. Mit Angabe der Besitzungen, ihrer Größe (in Culturart), ihres Grundsteuer-Reinertrages, ihrer Pächter, Industriezweige und Poststationen. I. Das Königreich Preussen. I. Lieferung: Die Provinz Brandenburg. Nicolaische Verlags-Buchhandlung R. Stricker, Berlin 1879, PDF, S. 214–215. 1880 Verkauf des Gutes durch die Familie von der Lancken 1896 Fritz von Arnim-Blankensee, Verwalter Administrator Hr. ZöllnerPaul Ellerholz, E. Kirstein, Traug. Müller, W. Gerland, Georg Volger, u. v. a.: Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche. Mit Angabe sämmtlicher Güter. Nach amtlichen und authentischen Quellen. I: Das Königreich Preussen. I. Lieferung: Die Provinz Brandenburg. 3. Auflage, Mit: Kreis Templin. Nicolaische Verlags-Buchhandlung Rudolf Stricker, Berlin 1896, S. 262/263. 1914 / 1929 keine Angaben in Güter-Adreßbücher(n)Vgl. Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Brandenburg. Handbuch der Königlichen Behörden. 1914. In: Niekammer`s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 2. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 162/163.
Das Gut in Bergluch galt zumeist als nicht kreistagsfähiger Besitz, für den Besitzer bestand kein Anrecht auf einen Sitz im Kreistag und war somit zur Wahlmöglichkeit zum Landrat nicht befähigt.
Literatur Bergluch, In: Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil VIII, Uckermark. Gesamt: 792 S., Weimar 1986, ISBN 3-7400-0042-2. Nachdruck (1 u. 2): De Gruyter - De Gruyter, Berlin/Boston 2022, ISBN 978-3-11-252947-8, S. 382. Bergluch, In: Sophie Wauer, Lieselott Enders: Die Ortsnamen der Uckermark. In: Brandenburgisches Namenbuch. Teil 9, Des Weiteren: Berliner Beiträge zur Namenforschung. Band 10, Böhlau, Weimar 1996, ISBN 3-7400-1000-2, S. 65. Bergluch-von der Lancken-Bergluch, In: Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel). 1903. Vierter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1902, u. a. S. 475, S. 476. Bergluch, In: Ernst Fidicin: Die Territorien der Mark Brandenburg oder Geschichte der einzelnen Kreise, Städte, Rittergüter, Stiftungen und Dörfer in derselben, als Fortsetzung des Landbuchs Kaiser Karl’s IV. Teil 4. (Schluss des Werkes) enthält: I. den Kreis Prenzlau, II. den Kreis Templin, III. den Kreis Angermünde. Selbstverlag, Berlin 1864, S. 120/121.
Einzelnachweise
Kategorie:Geographie (Zehdenick) Kategorie:Wüstung im Landkreis Oberhavel