Kuppenheim () ist eine Stadt im Westen von Baden-Württemberg bei Rastatt.
Geographie mini|Blick vom Merkur im Schwarzwald nordwestwärts über die Ruine Alt-Eberstein auf Kuppenheim und die Rheinebene bis zum Pfälzerwald Lage Kuppenheim liegt am Übergang von der Oberrheinischen Tiefebene zum Nordschwarzwald und zum Murgtal, weswegen die Kommune neben „Knöpflestadt“ auch das „Tor zum Murgtal“ genannt wird. Noch in der Stadt beginnt die Vorbergzone zum Schwarzwald anzusteigen. Die Höhenlagen auf Kuppenheimer Gemarkung reichen von 118 m im Gewann „Unterer Eichelplan“ über 127 m in der Stadtmitte bis 297,6 m Höhe auf dem Dürrenberg.
Die Flächen östlich der L 67 (Friedrichstraße) und südlich der Murg gehören zum Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord. Südlich an die Bebauung Kuppenheims und Oberndorfs schließt sich das Landschaftsschutzgebiet Untere Murg an, das über 60 % des Gemeindegebiets umfasst.
Nachbargemeinden Im Uhrzeigersinn, von Norden beginnend: Muggensturm Bischweier Gaggenau, mit dem Stadtteil Bad Rotenfels und der Kernstadt Baden-Baden, mit den Stadtteilen Ebersteinburg und Haueneberstein Rastatt, mit den Stadtteilen Förch, Niederbühl und Rauental
Stadtgliederung Die Stadt Kuppenheim gliedert sich in die Kernstadt Kuppenheim und den Stadtteil Oberndorf. Die räumlichen Grenzen sind jeweils identisch mit denen der früheren Gemeinden gleichen Namens. Die offizielle Benennung des Stadtteils Oberndorf erfolgt in der Form „Kuppenheim-Oberndorf“.
Zur Kernstadt Kuppenheim gehört die Stadt Kuppenheim. Zum Stadtteil Oberndorf gehört das Dorf Oberndorf. Im Gebiet der Kernstadt liegen die Wüstungen Gigersberg und Fichtental.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 173–174
Geschichte mini|Reste der Stadtmauer Wann Kuppenheim gegründet wurde, ist unklar, sicher ist aber, dass es schon zur Römerzeit eine Ansiedlung auf Kuppenheimer Gemarkung gab, da hier die damals wichtigen Römerstraßen entlang der Vorberge des Schwarzwalds führten, auf deren Fundamenten noch heute z. B. die Landstraße L67 nach Baden-Baden entlangführt.
Kuppenheim selbst wurde um 1095 als „Cuppenheim“ erstmals urkundlich erwähnt. Es ist der althochdeutsche Personenname Kuppo/Kobbo namensgebend. Kuppenheim war zu dieser Zeit der bedeutendste Ort des Ufgaus, einer Landschaft gelegen zwischen der südlichen Ortenau und dem nördlichen Kraichgau. Zudem ist die Murg die frühere Grenze zwischen dem alemannischen und dem südfränkischen Sprachgebiet. Dadurch weist der alte Kuppenheimer Dialekt, der zu den niederalemannischen Dialekten gehört, südrheinfränkische Sprachmerkmale auf. mini|Altes Rathaus, erbaut 1730. Ansicht von Norden
Im Jahr 1283 wurde die Stadt von den Grafen von Eberstein, die den Zenit ihrer Macht bereits überschritten hatten, an die Markgrafen von Baden verkauft. 1453 ist sogar von einer „Amptsstatt Cuppenheim“ die Rede, zu der 14 Dörfer gehörten. Ab 1500 lag die Stadt außerdem im Schwäbischen Reichskreis. 1535 wurde Kuppenheim zur Oberamtsstadt der Markgrafschaft Baden-Baden erhoben und war für mehr als 22 Dörfer zuständig.
1689 wurde Kuppenheim während des Pfälzischen Erbfolgekriegs „bis auf ein Haus“ niedergebrannt und verlor seinen Status als Oberamtsstadt. Dieser ging auf Rastatt über, die Residenzstadt der Markgrafschaft Baden-Baden. Nach einem schleppenden Wiederaufbau zu Anfang des 18. Jahrhunderts wuchs die Stadt zusehends über die vormalige Stadtmauer hinaus.
Am 9. Juli 1796 fand die Schlacht bei Malsch statt. Die Reste der Befestigungsanlagen wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts geschleift; erhalten blieben nur Teile der Stadtmauer.
Zu dieser Zeit wirkte in Kuppenheim als Stadtpfarrer Pfarr-Rektor Franz Joseph Herr, ein bedeutender Geistlicher, der sowohl die Stadtkirche als auch die Antoniuskapelle renovieren bzw. neu erbauen ließ. Herr, vermutlich ein unehelicher Abkömmling von Großherzog Karl Friedrich von Baden, ist Ehrenbürger der Stadt Kuppenheim. mini|Das neue Rathaus auf dem Friedensplatz mini|Ochsengraben mit Stadtmauer mini|hochkant|Mühlkanal in der Friedrichstraße
Im Verlauf der Badischen Revolution war Kuppenheim im Jahr 1849 einer der Brennpunkte der Gefechte an der Murglinie zwischen Freischärlern und preußischen Interventionstruppen. Auch im Rahmen der Belagerung der Festung Rastatt war preußisches Militär in Kuppenheim stationiert.
Nachdem im Ersten Weltkrieg auch viele Kuppenheimer gefallen waren, trafen die Inflation und die Hyperinflation 1923 Kuppenheim schwer. Hinzu kam, dass Kuppenheim in der demilitarisierten Zone lag. Viele Bürger wanderten daher in dieser Zeit in die USA aus. Ein Auswanderer aus Kuppenheim baute in den USA im 19. Jahrhundert einen großen Textilkonzern auf und nannte ihn „Kuppenheimer“.
Auch die Zeit des Nationalsozialismus ließ Kuppenheim nicht unberührt, insbesondere was das Schicksal seiner jüdischen Bürger betraf. 1935 verlor Kuppenheim vorübergehend das Stadtrecht. Der couragierte Stadtpfarrer Heinrich Geiler, ein weiterer Ehrenbürger der Stadt, ließ sich weder vor noch nach der Machtergreifung durch das NS-Regime, ungeachtet drohender persönlicher Folgen, auf der Kanzel und in seinem Kirchenblatt davon abhalten, eine deutliche Sprache wider das Regime zu sprechen. Später wurde eine Straße nach ihm benannt.
Im Zweiten Weltkrieg kam Kuppenheim relativ glimpflich davon.
Im Jahr 1950 verlieh der damalige Präsident des Landes (Süd-)Baden, Leo Wohleb, Kuppenheim wieder das Stadtrecht.
Die Sage von der Knöpflestadt Im Dreißigjährigen Krieg entstand die Bezeichnung „Knöpflestadt“, dem bekanntesten Spitznamen Kuppenheims. Der Sage nach wurden die Kuppenheimer von den Schweden belagert und als die Nahrungsvorräte langsam zur Neige gingen, entschloss man sich zu einer List: Jeder sollte alles verfügbare Mehl und Eier zusammentragen, um daraus „Knöpfle“, eine Art Spätzle, zu kochen. Diese wurden dann über die Stadtmauer geworfen, um den Feind glauben zu machen, man habe noch genug Vorräte. Da brachen die Schweden die vermeintlich erfolglose Belagerung ab und Kuppenheim war gerettet.
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Erste Zeugnisse jüdischen Lebens in Kuppenheim datieren bis ins frühe 15. Jahrhundert zurück, die letzten Juden wurden am 22. und 23. Oktober 1940 in das Sammellager Gurs und dessen Überlebende in das KZ Auschwitz deportiert. Keiner der deportierten Kuppenheimer jüdischen Bürger überlebte die Shoa.
Die erste Erwähnung einer Synagoge datiert auf das Jahr 1714; in Kuppenheim dürfte damit die älteste Synagoge des heutigen Landkreises Rastatt gestanden haben. Während der Novemberpogrome 1938 („Reichskristallnacht“) wurde sie gebrandschatzt und weitgehend zerstört, die Trümmer wurden erst Jahre später abgetragen. Neben der Synagoge wurde 1826 ein jüdisches Schulhaus erbaut. Im Vorgängerbau befanden sich zwei Frauenbäder (Mikwe).
Der jüdische Friedhof wurde 1694 erstmals schriftlich erwähnt. Wie für jüdische Friedhöfe üblich, musste auch der Kuppenheimer in einiger Entfernung zum Ort angelegt werden, und zwar auf dem Mergelberg, direkt oberhalb des heutigen Schützenhauses. Auf diesem Friedhof wurden Juden aus der ganzen mittelbadischen Region und darüber hinaus beerdigt. Im November 1938 wurde während der Novemberpogrome die Aussegnungshalle zerstört, und bis Ende des Zweiten Weltkrieges wurden von Nationalsozialisten etliche Grabsteine umgeworfen.
Bilder vom jüdischen Friedhof in Kuppenheim ohne|120px ohne|120px ohne|120px ohne|120px ohne|120px
Eingemeindungen 50px|Oberndorf Seit dem 1. Januar 1971 ist das 1288 erstmals urkundlich erwähnte Oberndorf ein Stadtteil von Kuppenheim.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat hat 18 ehrenamtliche Mitglieder, die für fünf Jahre gewählt werden. Hinzu kommt der Bürgermeister als stimmberechtigter Gemeinderatsvorsitzender.
Die Kommunalwahl 2024 führte zu folgendem Ergebnis (in Klammern: Unterschied zu 2019):Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Gemeinderatswahlen 2024, Kuppenheim; abgerufen am 19. Juni 2024.Ergebnisse der Kommunalwahl 2024 in Kuppenheim. In: bnn.de, abgerufen am 19. Juni 2024.
Gemeinderat 2024 Partei / Liste Stimmenanteil Sitze Freie Wähler 44,0 % (+5,1) 8 (+1) CDU 34,8 % (±0,0) 6 (±0) SPD 21,2 % (+0,5) 4 (±0) Grüne n. a. (−5,3) 0 (−1) Wahlbeteiligung: 59,8 % (-0,5)
Bürgermeister Vor 1831 war Stabhalter die Bezeichnung des Bürgermeisters. 1832–1838: Marzell Warth 1838–1839: Wolfgang Jüngling 1839–1844: Karl Bernard 1844–1849: Lukas Müller 1852–1861: Anton Walz 1861–1875: Franz Tobias Hertweck 1875–1882: Hermann Bernard 1882–1887: Fidel Niedereder 1887–1899: Sebastian Walz 1899–1908: Lorenz Stemmle 1908–1922: Ignaz Walz 1923–1945: Gustav Grathwohl 1945–1946: Karl Feistkorn 1946: Stefan Nunn 1946–1948: Rochus Dörrer 1949–1968: Adolf Walz 1968–1979: Alfred Bachofer 1980–2004: Werner Trauthwein seit 2004: Karsten Mußler
Wappen
Das Kuppenheimer Wappen besteht aus dem typischen badischen, goldenen Staatswappen mit rotem Schrägbalken. Im oberen Feld befindet sich ein Kleeblatt, das eher ein stilisiertes Kreuz darstellen soll, welches vermutlich für das Dekanat Kuppenheim stand. Im unteren Feld befindet sich eine Wolfsangel bzw. ein Flößerhaken, ein Zeichen dafür, dass auch in Kuppenheim das Flößergewerbe ansässig war.
Am Anwesen Friedrichstraße 68 befindet sich das älteste in Stein gehauene badische Wappen. An dieser Stelle stand ursprünglich eines der vier Stadttore, welche allesamt 1813 abgebrochen wurden.
Städtepartnerschaften Kuppenheim unterhält seit 1986 eine Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt Raon-l’Étape. 2001 wurde ein Freundschaftsvertrag mit der italienischen Gemeinde Filottrano geschlossen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen In der Alten Schule in der Murgtalstraße befindet sich das örtliche Heimatmuseum.
Musik In Kuppenheim gibt es einen Musikverein, einen Handharmonikaverein, mit Oberndorf zwei Gesangsvereine und den Initiativkreis Kulturpflege Kuppenheim (IKK).
Bauwerke mini|Stadtkirche St. Sebastian mini|Heilig-Kreuz-Kirche im Stadtteil Oberndorf Sehenswerte bzw. markante Bauwerke der Stadt sind: Die neugotische Stadtkirche St. Sebastian wurde 1902–1905 unter Einbeziehung des älteren Glockenturms nach Plänen des Karlsruher Architekten Johannes Schroth erbaut. Davor befindet sich das alte Rathaus aus dem 18. Jahrhundert. Die Stadtmauer umschließt die engen Gassen der Altstadt. Jüdischer Friedhof (Führungen möglich) Heilig-Kreuz-Kirche im Stadtteil Oberndorf Hallenfreibad Cuppamare (seit Sommer 2024 geschlossen) Das neue Rathaus auf dem neu gestalteten Friedensplatz
Schloss Favorite liegt mit seinem Park zwar nur wenige hundert Meter vom Rand der Kuppenheimer Bebauung entfernt, gehört jedoch bereits zu Rastatt.
Natur Knapp zwei Drittel der Kuppenheimer Gemarkung werden von den Vorbergen des Schwarzwaldes eingenommen. Auf den zahlreichen Wegen kann der Stadtwald mit seinen Tälern und Hügeln durchwandert werden, z. B. bis hinauf zur Burgruine Alt-Eberstein.
Sport Die Stadt Kuppenheim hat ein eigenes Sport- und Freizeitgebiet, in dem unter anderem der SV Kuppenheim seine Trainingsanlage hat. Zu diesem Gebiet zählen außerdem noch der Tennisclub, die Handball-Halle und die Hallenfußball-Anlage „Soccer-Palace“. Das 1974 eröffnete und überregional genutzte Hallenfreibad Cuppamare wurde nach der Sommersaison 2024 aufgrund maroder Bausubstanz für die Öffentlichkeit geschlossen. Schulen und Vereine können eins der Hallenbäder vorerst bis 2027 eingeschränkt weiternutzen.
Die wichtigsten Sportvereine der Stadt:
Der 1960 gegründete „MSC Puma Kuppenheim“ gewann im Jahre 2010 seine zehnte Deutsche Motoballmeisterschaft.