Mittersill ist eine Stadt im Bundesland Salzburg. Sie ist mit Einwohnern (Stand ) der größte Ort im Oberpinzgau. Mittersill war bis 2004 Sitz und Teil des Gerichtsbezirks Mittersill und gehört seit 2005 zum Gerichtsbezirk Zell am See.Bezirksgerichte-Verordnung Salzburg
Geografie mini|Blick von Mittersill auf Pihapper (li.) und Platte (re.)
Mittersill liegt in am Schnittpunkt der Hauptverkehrswege durch das Salzachtal und der Nord-Süd-Verbindung über den Pass Thurn ins Leukental nach Tirol und Bayern, bzw. nach Süden durch das Felbertal und den Felbertauerntunnel nach Osttirol und weiter Richtung Adria. Dennoch hat es seinen Charme als Bergstädtchen bewahren können. Seine zentrale Lage zwischen dem Nationalpark Hohe Tauern und den Kitzbüheler Alpen macht Mittersill zu einem beliebten Urlaubsort.
Gemeindegliederung Im Kataster setzt sich die Gemeinde aus sieben Katastralgemeinden zusammen (Fläche Stand ):
Die Gemeinde gliedert sich in 19 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Nachbargemeinden
Geschichte Frühgeschichte bis Antike Die Umgebung Mittersills war spätestens seit der Bronzezeit (um 2200 v. Chr.) besiedelt. Während der Römerzeit war der Felbertauern ein wichtiger Alpenübergang und es ist sehr unwahrscheinlich, dass Mittersill damals nicht besiedelt war. So war z. B. einst ein römischer Grabstein aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. im Mauerwerk der Felberkirche zu sehen,Chronik Mittersill, mittersill.at, Chronik der sich heute im Kunsthistorischen Museum in Wien befindet.
Mittelalter bis 18. Jahrhundert Urkundlich erwähnt wurde der Ort erstmals 963. Er war Sitz des Trägers dreier Ämter: des Kellners, Landrichters und Pflegers als Statthalter des Landesherrn. Bekanntester Pfleger war 1835 bis 1842 Ignaz von Kürsinger, der die Erstbesteigung des Großvenedigers () organisierte und persönlich zu den Erstbesteigern zählte. Vom 12. bis Anfang des 14. Jahrhunderts erlangte das lokale Adelsgeschlecht der Herren von Felben überregionale Bedeutung. Der Weiler Felben, wo heute noch ihr Stammsitz, der Felberturm, steht, das Felbertal und der Felbertauern erinnern heute noch an sie. Als Verkehrsknoten gewann Mittersill im 14. Jahrhundert weitere Bedeutung, als die Pferde- und Maultiertransporte mit Salz, Eisen oder Kupfer über den Felbertauern () nach Südtirol und Friaul zunahmen. Von dort wurden Weine, Früchte, Samt und Seide geliefert. Heute hat der Felbertauerntunnel den Pass für Warentransporte ersetzt, nicht aber für die vielen Wanderer und Bergsteiger, die durch das Felbertal und über die St. Pöltner Hütte () in die Bergwelt der Venediger- und Granatspitzgruppe aufsteigen. 1308: Erste urkundliche Erwähnung als „Markt“ in einer Urkunde der Herren von Felben. Mittersill dürfte jedoch schon vor 1300 Marktrechte besessen haben. Es war im Mittelalter ein wichtiger Handels- und Umschlagplatz, vor allem wegen des regen Saumhandels über den Felbertauern, hauptsächlich mit Wein (nordwärts) und Salz (südwärts). 1454: Mittersill hatte bereits eine Schule. In der Chronik wurde ein Mann namens Sigel als „Schuelmaister zu Velm“ genannt. 1495 ereignete sich im Talschluss des Felbertals ein gewaltiger Bergsturz, als dessen Folge sich der Hintersee bildete. Todesopfer waren wie durch ein Wunder nicht zu beklagen. 1635 suchte die Pest Mittersill heim, viele Tote waren zu beklagen. Nur der Sonnberg blieb von der Epidemie verschont. 1746 fiel fast der gesamte Markt einem großen Brand zum Opfer. Auch die alte Pfarrkirche wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen.
19. Jahrhundert 1800–1809: Franzosenkriege. Die Pinzgauer Schützen- und Landsturmkompanien kämpften vor allem am Pass Strub bei Lofer gemeinsam mit den Tirolern gegen die napoleonischen Truppen. Der Felberturm diente als Waffen- und Proviantmagazin, dessen Umgebung als Exerzierplatz. 1834–1842: Ignaz Ritter von Kürsinger, einer der bedeutendsten Pfleger in Mittersill, trieb energisch den Bau des Salzachdammes zwischen Mittersill und Hollersbach (Kürsingerdamm) voran, um den Markt einigermaßen vor den ewigen Überschwemmungen durch die Salzach zu schützen. Wohl kaum ein Ort in der Region hatte so unter Flutkatastrophen zu leiden wie der tief gelegene Markt Mittersill. Sie trugen ihm den Beinamen „Venedig des Pinzgaues“ ein. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist mehrmals Kaiser Franz Joseph I. privat in Mittersill zu Gast, wo er im Gasthof Bräurup Quartier nahm und seiner Jagdleidenschaft nachging. Das schlimmste bekannte Unglück am Saumweg über den Felbertauern ereignete sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Viehhändler Anton Hochfilzer (Meilingerwirt in Mittersill) war am frühen Morgen des 27. Mai 1878 mit acht Viehtreibern und einer Herde von annähernd 130 Rindern vom Matreier Tauernhaus aufgebrochen, um die Etappe von hier über den Pass bis zum Tauernhaus Spital in Angriff zu nehmen. Während des Abstieges oberhalb des „Nassfeldes“ auf der Mittersiller Seite am frühen Abend gab es einen Wettersturz und im Schneesturm kamen vier der Männer (Vinzenz Riepler aus Matrei, Michael Rucker und Josef Wimmer aus Virgen und Sebastian Kratzer aus Prägraten) ums Leben. Auch von der Viehherde überlebten das Unglück nur einige wenige Tiere. Der Geruch der Viehkadaver zog nach dem Unglück Gänsegeier („Weißkopfgeier“) aus Regionen südlich der Alpen an, die bis dahin in den Hohen Tauern nicht vorgekommen waren. Man kann diese seitdem jährlich den Sommer über als „Besucher“ im oberen Felbertal beobachten.Viehtrieb-Unglück 1878 Am Sonntag, 2. Jänner 1898 wurde mit großen Feierlichkeiten die Pinzgaubahn eröffnet. Diese Schmalspurbahn von Zell am See nach Krimml steigerte die Bedeutung Mittersills als Verkehrsknotenpunkt für den Personen- und Güterverkehr enorm und ihre Inbetriebnahme war ein wichtiger Meilenstein der neueren Geschichte. Sie gilt auch als der eigentliche Beginn des Tourismus im oberen Pinzgau.
20. Jahrhundert 1936 wurden die Gemeinden Mittersill-Markt und Mittersill-Land vereinigt, Aimé von Wouwermans: Handels- und Gewerbeschematismus für das Herzogthum Salzburg. Verlag L. Taube, 1866, S. 109, Sp. 1 (). wobei einige Gebiete (von Arndorf, Rettenbach, Lämmerbichl und Jochberg) an Hollersbach abgetreten wurden.Heinz Dopsch, Hans Spatzenegger: Geschichte Salzburgs: Stadt und Land. Neuzeit und Zeitgeschichte. Band 2, 2. Auflage. Universitätsverlag Pustet, 1988, ISBN 3-7025-0197-5, Fußnote 34, S. 1358. Von 1939 bis 1945, als nach dem Anschluss allerorten in Österreich Großgemeinden konstruiert wurden, war Hollersbach komplett nach Mittersill eingemeindet., ff-hollersbach.at 1939 wurde in Mittersill eine Heeresversuchsstelle für den Seilbahnbau und leichte Kettenfahrzeuge ins Leben gerufen.Die Wurzeln der Seilbahnwirtschaft im Nationalsozialismus, ORF Salzburg online, abgerufen am 10. August 2026 1943 begann man mit dem Bau einer Seilbahn über den Gebirgskamm, die dem Materialtransport dienen sollte. Zu ihr gehörten auch eine 80 Meter hohe Seilbahnstütze aus Holz und eine gleich hohe Seilbahnstütze aus Stahl. Erstere dürfte die höchste je aus Holz gebaute Seilbahnstütze der Welt gewesen sein. Wegen des Kriegsendes konnte die Seilbahn nicht mehr fertiggestellt werden. Im Jahr 1955 wurden die Stützen demontiert. Auch in Mittersill wurde nach dem Hitler-Mussolini-Abkommen von 1939 eine Südtiroler Siedlung (Westseite der heutigen Poststraße) errichtet. Die meisten dort angesiedelten Südtiroler kehrten in den Nachkriegsjahren in ihre Heimat zurück und die Häuser wurden von der Gemeinde zu einer „Lehrer-Siedlung“ umfunktioniert. Im letzten Kriegsjahr waren im Schloss Mittersill (damals Sitz des „Reichsinstituts Sven Hedin für Innerasienforschung“) vom 24. März 1944 bis 8. Mai 1945 sechs Zwangsarbeiterinnen untergebracht, die als Außenkommando-Frauenlager des KZ Mauthausen zu Reinigungsarbeiten eingesetzt waren. Es handelte sich um Zeuginnen Jehovas, die aus dem KZ Ravensbrück kamen. Die Kapitulation der Wehrmacht und der Einmarsch der US-Truppen brachten den Frauen am 8. Mai 1945 die Freiheit, zwei von ihnen sind in Mittersill geblieben.Heide Gsell: Die Bibelforscherinnen im KZ-Mauthausen. In: Andreas Baumgartner, Ingrid Bauz, Jean-Marie Winkler (Hrsg.): Zwischen Mutterkreuz und Gaskammer. Täterinnen und Mitläuferinnen oder Widerstand und Verfolgung? edition mauthausen, Wien 2008. mauthausen-memorial.at Im Schloss (1938 durch Brand schwer beschädigt) befanden sich 1944 laut Mittersiller Stadtarchivar Hannes Wartbichler 15 Frauen als KZ-gefangene Zeugen Jehovas, als kostengünstigste Reinigungskräfte „von ganz oben zugeteilt“ am Institut und überlebten.KZ-Außenlager Schloss Mittersill beleuchtet, ORF.at vom 17. März 2014. Während der NS-Herrschaft gab es mindestens eine nicht unbedeutende Widerstandsgruppe, deren Kern sich aus dem Forschungspersonal der Heeresversuchsstelle gebildet hatte. Eine Widerstandsgruppe bildete sich gegen Kriegsende um den Postenkommandanten der Gendarmerie, Alois Scheiber (1898–1988). Scheiber leitete u. a. eine fingierte Falschnachricht an eine Einheit der Waffen-SS weiter, die den Befehl hatte, den Pass Thurn mit allen Mitteln zu verteidigen, indem er sie glauben ließ, der Einmarsch der US-Truppen würde stattdessen über den Gerlospass erfolgen. Daraufhin zog die ganze Einheit vom Pass Thurn ab und es war sichergestellt, dass es keinen Widerstand gegen die US-Truppen geben würde. Außerdem verhinderte Scheiber die durch die Waffen-SS geplante Sprengung der „Hohen Brücke“ auf der Pass-Thurn-Straße durch das Entfernen des Sprengstoffes, wodurch Mittersill von Luftangriffen durch die anrückenden amerikanischen Truppen verschont blieb. Während der alliierten Besatzung Österreichs (1945–1955) gehörte Mittersill zur US-amerikanischen Zone. Am 15. September 1945 wurde in Mittersill während der nächtlichen Ausgangssperre der Komponist Anton von Webern unter nicht restlos geklärten Umständen, wahrscheinlich versehentlich, von einem US-Soldaten erschossen. Durch Zeitzeugen ist überliefert, dass er im Freien eine Zigarette rauchen wollte und irrtümlich für einen Heckenschützen gehalten wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden in Mittersill viele Heimatvertriebene Zuflucht, die in ihrer großen Mehrheit dauerhaft hier sesshaft und schnell heimisch geworden sind. Viele von ihnen gaben mit ihrem mitgebrachten Know-how der lokalen Wirtschaft neue Impulse, wie z. B. Familie Gärtner (Fahnenfabrikation), Franz Germann (Tourismus-Entwicklung) u. v. m. Nachdem Hubert Baron von Pantz 1948 den legendären und exklusiven Sport & Shooting Club Schloss Mittersill gegründet hatte, den damals teuersten Club der Welt, avancierte Mittersill schnell zu einem Jetset-Treffpunkt. In den 1950er bis Mitte der 1960er Jahre waren der Schah von Persien und Soraya, die niederländische Königsfamilie, König Faruq von Ägypten, der Duke of Windsor (Eduard VIII.), Aristoteles Onassis, Aga Khan, Henry Ford II., Rita Hayworth, Gina Lollobrigida, Clark Gable und viele weitere Angehörige der High Society in Mittersill zu Gast. Im Jahr 1918 hatte die Familie Arnsteiner eine Tischlerei gegründet, aus der dann später die bekannte Skifabrik entstand. Toni Arnsteiner fertigte nach seiner Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg die ersten Ski und spezialisierte sich ab 1945 mehr und mehr von der Tischlerei auf die Skiproduktion. Der Durchbruch gelang 1953 mit dem neuen Namen Blizzard. Die Mittersiller Blizzard Ski wurden schnell zu einer der führenden Ski-Weltmarken. Im Jahr 1951 wurde in Mittersill das Werkschulheim Felbertal als private Internatsschule gegründet, welches 1964 an seinen heutigen Standort in Ebenau bei Salzburg übersiedelte. Mittersill war Hauptdrehort und -schauplatz des erfolgreichen Kinofilms Ferien vom Ich (1963). Die Heimatkomödie mit ihren herrlichen Landschaftsaufnahmen trug viel zur Bekanntheit von Mittersill als Ferienort bei.