Wenige Wochen nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden Reichskreditkassenscheine eingeführt, die anstelle von Bargeld an Dienststellen der Besatzungsbehörden und teilweise auch an die Soldaten der Wehrmacht in Polen und später in weiteren besetzten Ländern ausgegeben wurden. Damit sollte die Reichsmark innerhalb des Deutschen Reiches verbleiben und eine schleichende inflationäre Entwicklung im eigenen Lande verhindert werden.

Verwendung mini|Reichskreditkassenschein im Wert von 2 Reichsmark Die Scheine sahen wie Papiergeld aus und waren in Werten von 0,50 RM bis 50,00 RM gestückelt; zeitweilig gab es auch Reichskreditkassenmünzen. Die Reichskreditkassenscheine durften in Deutschland selbst nicht benutzt werden.Götz Aly: Hitlers Volksstaat. Frankfurt/Main 2005, ISBN 3-10-000420-5, S. 103.

In Erwartung eines bevorstehenden Krieges hatte die Reichsbank vorsorglich geringwertige Reichskreditkassenscheine drucken und einlagern lassen. Diese sollten notfalls deutsche Scheidemünzen ersetzen, die dann eingezogen und kriegswirtschaftlich verwertet werden konnten. Um die Wehrmacht nach dem Einmarsch in Polen rasch mit Barmitteln auszustatten, entschloss man sich in einer „Augenblickslösung“, Reichskreditkassenscheine zum 23. September 1939 als ein vorläufiges gesetzliches Zahlungsmittel im deutsch-besetzten Teil Polens (ohne Oberschlesien) einzuführen.Ramona Bräu: Die Plünderung Polens - Die Reichsfinanzverwaltung in den Jahren der Besatzung (1939–1945). Berlin/Boston 2022, ISBN 978-3-11-071793-8, S. 151.Albert Weh: Das Recht des Generalgouvernements. Krakau 1940, S. 117. Bis Ende 1939 waren 37 Millionen Reichsmark in Form von Kreditkassenscheinen im Umlauf.Ramona Bräu: Die Plünderung Polens - Die Reichsfinanzverwaltung in den Jahren der Besatzung (1939–1945). Berlin/Boston 2022, ISBN 978-3-11-071793-8, S. 153.

Später, durch ein Dekret vom 3. Mai 1940, wurden die Reichskreditkassenscheine auch für Norwegen, Belgien, Frankreich, Luxemburg und die Niederlande als gültiges Zahlungsmittel erklärt.Treasury Department (Hrsg.): Prelimiary Study of Certain Financial Laws and Institutions – Belgium. Washington 1944, S. 279–284.

Wenn nach dem deutschen Einmarsch Pferde und Lastwagen, Treibstofflager oder Lebensmittelvorräte requiriert wurden, konnte der Eigentümer mit Reichskreditkassenscheinen befriedigt werden. Er konnte diese unverzüglich bei allen Geldinstituten in einheimische Währung eintauschen, die sich ihrerseits von der Notenbank auszahlen ließen.Götz Aly: Hitlers Volksstaat. Frankfurt/Main 2005, ISBN 3-10-000420-5, S. 104. Emil Puhl, seinerzeit Vizepräsident der Reichsbank, sprach daher von einem „in Geldform gekleideten Requisitionsschein“.Zitiert nach Götz Aly: Hitlers Volksstaat. Frankfurt/Main 2005, ISBN 3-10-000420-5, S. 103. Die Banken erhielten von der Notenbank nicht etwa Reichsmark, sondern ebenfalls Landeswährung in einem von der deutschen Finanzverwaltung festgelegten Satz, der die Reichsmark enorm aufwertete.Nils Werber in: Frankfurter Rundschau online 22. März 2005

In manchen Fällen lief die Bezahlung durch Reichskreditkassenscheine schon mit einem Abkommen über einen Waffenstillstand aus. Anders jedoch etwa in Frankreich, wo die RKK-Scheine erst im Dezember 1943 eingezogen wurden.Götz Aly: Hitlers Volksstaat. Frankfurt/Main 2005, ISBN 3-10-000420-5, S. 106. In Belgien beantragte Hermann Voss noch im Juli 1943 ein Sonderkonto bei der Reichskreditkasse Brüssel in Höhe von 250.000 RM, das zum Erwerb von Kunstwerken für das geplante „Führermuseum“ in Linz bestimmt war.Katrin Iselt: Sonderbeauftragter des Führers. Köln 2010, S. 273.

Die Reichskreditkassenscheine, die als Zahlungsmittel der Wehrmacht und anderer Verbände eingesetzt wurden, trugen als Geldmittel maßgeblich zur Aufrechterhaltung der jeweiligen Geldwirtschaft bei und dienten zugleich der maximalen Ausnutzung der Wirtschaftskraft des besetzten Gebietes. Die Kaufkraft der nur im Ausland kursfähigen Scheine wurde flexibel je nach Gebiet angepasst und bot die schnellstmögliche Lösung der Kopplung mit den Besatzungskosten.Ramona Bräu: Die Plünderung Polens - Die Reichsfinanzverwaltung in den Jahren der Besatzung (1939–1945). Berlin/Boston 2022, ISBN 978-3-11-071793-8, S. 187.

Abgelöst wurden die RKK-Scheine von „Verrechnungsscheinen der Wehrmacht“, die von der „Hauptverwaltung der Reichskreditkassen“ herausgegeben wurden und demselben Zweck dienten.Verrechnungsscheine der Wehrmacht

Deutungen Götz Aly stellt am Beispiel Frankreichs heraus, dass die Notenbank keinen korrekten Gegenwert erhielt; sie musste Geld drucken lassen, um die Reichskreditkassenscheine gezwungenermaßen aufkaufen zu können. Es handele sich um die „monetäre Ausplünderung der besetzten Länder“ und eine „von Deutschland bewusst exportierte Kriegsinflation.“Götz Aly: Hitlers Volksstaat. Frankfurt/Main 2005, ISBN 3-10-000420-5, S. 106.

Nils Werber stellt dar, dass neben den besetzten Staaten auch die Verbündeten gezwungen waren, mit ihrem Handelsbilanzüberschuss den deutschen Krieg zu kreditieren.Nils Werber in: Frankfurter Rundschau online 22. März 2005

Weblinks Händlerofferte: Reichskreditkassenscheine

Literatur Götz Aly: Hitlers Volksstaat. Frankfurt/Main 2005, ISBN 3-10-000420-5, S. 103–106.

Einzelnachweise

Kategorie:Deutschland im Zweiten Weltkrieg Kategorie:Reichsfinanzwesen Kategorie:Historische Währungseinheit (Deutschland)