La forza del destino (deutscher Titel: Die Macht des Schicksals) ist eine Oper in vier Akten von Giuseppe Verdi (Musik) und Francesco Maria Piave (Libretto), uraufgeführt am im Bolschoi-Theater Sankt Petersburg. Antonio Ghislanzoni schrieb eine Neufassung des Librettos. In dieser Form wurde die Oper am 27. Februar 1869 in der Mailänder Scala zum ersten Mal gespielt. Bekanntestes Element der musikalischen Gestaltung ist ein „Schicksalsmotiv“, das sich von der Ouvertüre an wie ein Leitfaden durch das Werk zieht.
Handlung
Erster Akt
Ein mit Damast tapezierter Saal
Leonora de Vargas erwartet nachts ihren Geliebten Don Alvaro, um mit ihm zu fliehen und in ihrer Liebe glücklich zu leben. Dieser ist ein Sohn des einstigen spanischen Vizekönigs von Peru und „der Letzten der Inkas“. Sein Vater hatte sich vergeblich um eine Aussöhnung der beiden Völker bemüht, wurde jedoch entmachtet und hingerichtet. Alvaro ist im Kerker geboren und in der Wildnis aufgewachsen. Er ist nach Spanien gekommen, um die Ehre seiner Familie wiederherzustellen.
Als Alvaro erscheint, betritt auch Leonoras Vater, der Marchese von Calatrava, das Zimmer, beleidigt Alvaro aufs heftigste und bedroht ihn. Sich seiner Schuld bewusst, zieht Alvaro eine Pistole im Versuch, sich selbst zu töten und damit den Unmut des Marchese zu beseitigen. Er besinnt sich jedoch und wirft die Waffe auf den Boden, um den Streit beizulegen. Beim Aufprall aber löst sich ein Schuss und trifft den Marchese tödlich. Sterbend verflucht er seine Tochter – ein Fluch, der sich am Ende der Oper grausam bewahrheiten soll. Leonora und Alvaro müssen fliehen, sie verlieren sich aus den Augen.
Zweiter Akt
Große Küche im Erdgeschoss eines Gasthauses
Leonoras Bruder, Don Carlo de Vargas, hat vom Tode seines Vaters erfahren. In Unkenntnis über den wahren Hergang ist er überzeugt, dass seine Schwester und deren Liebhaber den Vater gemeinsam ermordet haben, um fliehen zu können. Voller Schmerz und Zorn hat er nur noch eines im Sinn: Leonora und Alvaro zu töten und so den Vater zu rächen.
In einem Dorfgasthaus auf dem Lande kommt das Volk der Gegend zusammen, um gemeinsam den Abend zu verbringen. Don Carlo hat sich als Student ausgegeben und sich unter die Leute gemischt: Er ist der Spur seiner Schwester bis hierher gefolgt, welche sich tatsächlich, verkleidet als Mann, in der Schenke verborgen hält. Dort erblickt Leonora ihren Bruder, bevor dieser sie entdeckt, und es gelingt ihr abermals die Flucht.
Da erscheint Preziosilla, eine junge Zigeunerin, um Freiwillige für einen Krieg gegen die Deutschen anzuwerben; die Kämpfe finden in Norditalien statt, und jedem Teilnehmer sei Ruhm, Ehre und Glück beschieden. Voller Begeisterung entschließen sich alle, in den Kampf zu ziehen, einschließlich Don Carlo; er glaubt, die Spur seiner Schwester endgültig verloren zu haben, und will in der Fremde ein neues Leben beginnen. Auf Fragen des Landvolkes, wer er sei, erzählt er seine Leidensgeschichte, wenn auch in verfremdeter Form und mit falschem Namen, um nicht erkannt zu werden.
Die Kirche Madonna degli Angeli
Leonora sucht den letzten Ausweg in einem Kloster; doch will sie nicht als Nonne leben, sondern als einsame Einsiedlerin ihre „Schuld“ büßen. Sie sucht ein Franziskanerkloster auf. Nachdem der misstrauische Bruder Melitone ihr Einlass gewährt hat, beichtet sie dem strengen, doch gütigen Pater Guardian (so heißt der Vorsteher eines Franziskanerklosters) ihre Geschichte; einzig ihm gibt sie sich als Frau zu erkennen und fleht ihn an, sie bei sich aufzunehmen. Erschüttert und gerührt ist der Guardian einverstanden, sie der Einsiedelei unweit des Klosters zuzuweisen; sie darf aber für den Rest ihres Lebens diese nicht mehr verlassen. Er ruft alle Brüder herbei, und feierlich schwören diese, das Geheimnis auf ewig zu wahren; jeden, der es frevelhaft brechen würde, soll die Rache des Himmels furchtbar treffen.
Dritter Akt
Wald
Aus Verzweiflung, da er Leonora für tot hält, wurde Alvaro Soldat. Wegen seiner großen Tapferkeit wurde er zum Hauptmann befördert. In der Nähe eines Kriegslagers rettet er, ohne ihn zu erkennen, Don Carlo bei einem Überfall das Leben. Beide schwören sich ewige Freundschaft. In der Schlacht wird Alvaro verwundet. Don Carlo soll für den Freund ein versiegeltes Päckchen mit Briefen ins Feuer werfen. Als er das tun will, fällt das Bild seiner Schwester Leonora aus diesem Päckchen.
Empfangsraum der Wohnung eines höheren Offiziers
Als Alvaro wieder genesen ist, wird er von Don Carlo zum Zweikampf aufgefordert, den er zunächst verweigert. Als er hört, dass Leonora lebt und Don Carlo sie nur sucht, um sie dann zu töten, greift Alvaro zur Waffe. Die Kämpfenden werden getrennt. Daraufhin geht Alvaro ins Kloster.
Militärlager bei Velletri
Vor dem Lager bieten sich Marketenderinnen den Soldaten an. Als Fra Melitone vorbeikommt und über deren Sünden predigt, wird dieser vertrieben. Preziosilla ergreift eine Militärtrommel und stimmt das kriegerische Rataplan an.
Vierter Akt
mini|Enrico Caruso und Rosa Ponselle in einer Aufführung von La forza del destino, 4. Akt, um 1918
Kloster der Madonna degli Angeli
Vor einem Kloster streitet eine hungrige Menge mit dem Fra Melitone. Da erscheint Don Carlo und will mit Alvaro sprechen. Sobald er diesen sieht, beleidigt er ihn aufs heftigste, als aber Alvaro keine Reaktion zeigt, schlägt Don Carlo ihn ins Gesicht. Daraufhin ergreift Alvaro den Degen, und die Freundesfeinde schreiten zum Kampf.
Tal zwischen unzugänglichen Felsen
In der Klause betet Leonora für einen bald eintretenden Tod. Als sie Geräusche hört, schließt sie sich ein und läutet die Glocke. Da erscheinen Alvaro und Don Carlo im Zweikampf. Carlo wird tödlich verwundet und bleibt liegen. Alvaro nähert sich der Klause und klopft, um geistlichen Beistand für den Sterbenden zu erbitten. Seine Überraschung ist groß, als er Leonora erkennt, die die Tür öffnet. Traurig geht sie zu dem verwundeten Bruder. Der aber sticht sie mit dem letzten Atemzuge nieder. In den Armen ihres geliebten Alvaro und des herbeigeeilten Guardians haucht Leonora ihr Leben aus. Durch die tröstenden Worte des Guardians kann sich Alvaro mit dem Schicksal abfinden, alleine weiterleben zu müssen. (Nach der Petersburger Erstfassung stürzt sich Alvaro von einem Felsen in den Tod.)
Nummerierter Ablauf
Es gibt verschiedene Unterteilungen der Akte in Szenen, Nummern und ähnliches. Die folgenden Nummern zu der Fassung von 1869 stammen aus dem Klavierauszug des Herausgebers Léon Escudier, Paris (keine Jahresangabe, vermutlich ca. 1870).La forza del destino (Verdi, Giuseppe) - Vocal Score Website der Petrucci Music Library IMSLP, abgerufen am 16. Juni 2018. Die entsprechenden Nummern in der Fassung von 1862 sind, falls anders, in Klammern angefügt., abgerufen am 16. Juni 2018.
Nummer Bezeichnung Beginnt mit: 1 SinfoniaVorspiel ATTO PRIMO - Siviglia ERSTER AUFZUG - Sevilla 2 Introduzione e Scena Introduktion und Szene MARCHESE Buona notte, mia figlia...MARCHESE Gute Nacht, meine Tochter... 3 Recitativo e RomancaRezitativ und Romanze CURRA Temea restasse qui fino a domani!CURRA Ich fürchtete schon, er bliebe bis morgen früh! 4 Scena e DuettoSzene und Duett CURRA M'ajuti, signorina...CURRA Helft mir, meine Herrin... 5 Scena e Finale PrimoSzene und Finale des Ersten Aktes LEONORA È tardi!LEONORA (Zu spät.) ATTO SECONDO - Villagio d'Hornachuelos E VicinanzeZWEITER AUFZUG - Das Dorf Hornachuelos und Umgebung 6 Coro (e) BallabileChor und Tanz MULATTIERI Holà, holà, holà!MAULTIERTREIBER Holà, holà, holà! 7 ScenaSzene ALCALDE La cena è pronta...ALCALDE Das Essen ist fertig... 8 Recitativo e CanzoneRezitativ und Kanzone PREZIOSILLA Viva la guerra!PREZIOSILLA Es lebe der Krieg! 9 PreghieraGebet PELLEGRINI Padre Eterno Signor pietà di noi.PILGER Vater, Gott in Ewigkeit, erbarme dich unser. 10 ScenaSzene STUDENTE Viva la buona compagnia!STUDENT Ein Prosit auf die gesellige Runde! 11 BallataBallade STUDENTE Poich'imberbe è l'incognito...STUDENT Da der Unbekannte bartlos ist... 12 Scena, Coro e Ripresa della Danza Szene, Chor und Wiederholung des Tanzes ALCALDE Sta ben.ALCALDE (Es ist gut.) 13 AriaArie LEONORA Son giunta!LEONORA Ich bin am Ziel! 14 ScenaSzene MELITONE Chi siete?MELITONE Wer seid Ihr? 15 Scena e DuettoSzene und Duett GUARDIANO Chi mi cerca?GUARDIANO (Wer will mich sprechen?) 16 Finale SecondoFinale des Zweiten Aktes GUARDIANO Il santo nome di Dio Signore...GUARDIANO Der geheiligte Name Gottes... ATTO TERZO - In Italia Presso VelletriDRITTER AUFZUG - Italien, Gegend bei Velletri 17 Scena e RomanzaSzene und Romanze SOLDATI Attenti al gioco...SOLDATEN Passt auf beim Spiel... 18 Scena e DuettinoSzene und Duettino CARLOS Al tradimento...CARLOS (Falsches Spiel!) 19 Scena e BattagliaSzene und Schlacht SOLDATI All'armi!SOLDATEN Zu den Waffen! 20 Scena e DuettinoSzene und Duettino CARLOS Piano... qui posi...CARLOS (Vorsicht... stellt ihn hierher...) 21 Scena ed AriaSzene und Arie CARLOS Morir!... Tremenda cosa!CARLOS (Sterben! Es ist furchtbar!) 22 (F) RondaRondo CORO Compagni sostiamo...CHOR Gefährten, laßt uns ruhen 23 (28B&29B) Scena e Duetto Szene und Duett ALVARO Nè gustare m'è dato un'ora di quiete... ALVARO Nicht einmal eine Stunde der Ruhe ist mir gegönnt 24 (22) Coro e Strofe Chor und Lieder VIVANDIÈRE... Lorchè pifferie tamburi...MARKETENDERINNEN... Wenn Pfeifen und Trommeln... 25 (23) Scena ed AriettaSzene und Arietta SOLDATI Qua Vivandiere, un sorso.SOLDATEN Hierher, Marketenderinnen, einen Schluck! 26 (24) CoroChor CONTADINI Pane pan per caritàBAUERN (Brot, Brot, um Gottes willen!) 27 (25) Coro-TarantellaChor und Tarantella PREZIOSILLA... Nella guerra è la folia...PREZIOSILLA... (Im Krieg muss der Übermut...) 28 (26) Scena ed Aria BuffaSzene und Buffo-Arie MELITONE Toh, toh! Poffare il mondo!MELITONE (Oh, oh! Die Welt ist ein Tollhaus!) 29 (27) RataplanRataplan PREZIOSILLA Lasciatelo ch'ei vada...PREZIOSILLA (Lasst ihn doch laufen...) ATTO QUARTO - Vicinanze d'HornachuelosVIERTER AUFZUG - In der Nähe von Hornachuelos 30 Coro ed Aria Buffa Chor und Buffo-Arie MENDICANTI Fate la carità...BETTLER Seid barmherzig... 31 Scena e DuettoSzene und Duett MELITONE Auf!... Pazienza non v'ha che basti!MELITONE (Uff! Es gibt keine Geduld, die da ausreichte!) 32 ScenaSzene GUARDIANO Giunge qualcuno... aprite...GUARDIANO (Da ist jemand, öffnet...) 33 Scena e Duetto Szene und Duett CARLOS Invano Alvaro ti celasti al mondoCARLOS Vergeblich, Alvaro, hast Du Dich der Welt verborgen 34 MelodiaMelodie LEONORA Pace, pace, mio Dio!LEONORA Frieden, Frieden, mein Gott! 35 (B) Scena e Terzetto FinaleSzene und Finale des letzten Aktes CARLOS Io muoio!... Confession!...CARLOS Ich sterbe!...Beichte!
Erklärungen zu den Nummern: 22 (F): die Nummer 22 von 1869 fehlt 1862; 23 (28B&29B): die Nummer 23 von 1869 ist eine Bearbeitung der Nummern 28 und 29 von 1862; 35 (B): die Nummer 35 wurde für 1869 bearbeitet.
Instrumentation
Die Orchesterbesetzung der Oper enthält die folgenden Instrumente:Gilles de Van: La forza del destino. In: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters. Band 6: Werke. Spontini – Zumsteeg. Piper, München / Zürich 1997, ISBN 3-492-02421-1, S. 465.
Holzbläser: zwei Flöten (2. auch Piccolo), zwei Oboen, zwei Klarinetten (2. auch Bassklarinette), zwei Fagotte Blechbläser: vier Hörner, zwei Trompeten, drei Posaunen, Cimbasso Pauken, Schlagzeug: Große Trommel, Kleine Trommel, Becken Orgel zwei Harfen Streicher Bühnenmusik auf der Szene: zwei Kleine Trommeln Bühnenmusik hinter der Szene: sechs Trompeten, vier Kleine Trommeln
Werkgeschichte
Ende des Jahres 1860 wurde Verdi für den Wahlkreis Busseto – Borgo San Donnino in das neue Parlament gewählt. Als im Februar 1861 der erste König von Italien, Viktor Emanuel II., proklamiert wurde, war er zugegen und gab sein Votum ab, als am 15. März der neue Staat konstituiert wurde. Doch bald schon war er des Politikerlebens überdrüssig.