mini|400px|Panoramabild von Martinstein mini|Martinstein Martinstein ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Nahe-Glan an. Martinstein ist mit 39 Hektar die flächenkleinste Gemeinde Deutschlands.
Geographie Martinstein liegt direkt am linken Flussufer der Nahe. Nördlich erhebt sich der Hunsrück, südlich das Nordpfälzer Bergland. Im Westen befinden sich Simmertal und Hochstetten-Dhaun, im Osten Weiler bei Monzingen und Merxheim.Hauptstraße in Martinstein (archive.org) aus der SWR Landesschau Rheinland-Pfalz
Geschichte Der Ort entstand im Hochmittelalter an einem Übergang der Nahe auf der Gemarkung von Simmern unter Dhaun. 1340 errichtete der Erzbischof von Mainz während der „Dhauner Fehde“ gegen den Wildgrafen auf Dhaun über dem Ort eine Burg, zwei Jahre später erhielt der Ort Stadtrechte. 1518 erhielt Martinstein eine eigene kleine Gemarkung. Im 18. Jahrhundert kam der Ort in den Besitz der Markgrafschaft Baden und wurde dem Amt Naumburg unterstellt.
Die Inbesitznahme des Linken Rheinufers durch französische Revolutionstruppen beendete die alte Ordnung. Martinstein wurde von 1798 bis 1814 Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend des Französischen Kaiserreichs, verwaltungstechnisch der Mairie Monzingen im Kanton Sobernheim des Departements Rhein-Mosel zugeordnet. Nach der Niederlage Napoleons kam die Region, und damit Martinstein, aufgrund der auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen ab 1815 zum Königreich Preußen. Die Gemeinde wurde von der Bürgermeisterei Monzingen im Kreis Kreuznach im Regierungsbezirk Koblenz verwaltet.
Als Folge des Ersten Weltkriegs war die gesamte Region dem französischen Abschnitt der Alliierten Rheinlandbesetzung zugeordnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Martinstein innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des 1946 neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz.
1966 wurde die Gemarkungsgrenze so verändert, dass die Teile der Ortschaft, die bis dahin auf Flächen von Simmern unter Dhaun, Weiler bei Monzingen und Merxheim lagen, zu Martinstein gelangten. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform erfolgte 1970 eine Zuordnung des Dorfes zur Verbandsgemeinde Bad Sobernheim, die wiederum zum 1. Januar 2020 mit der VG Meisenheim zur Verbandsgemeinde Nahe-Glan fusionierte.
Bevölkerungsentwicklung Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Martinstein, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen: Jahr Einwohner 1815 132 1835 202 1871 188 1905 194 1939 295 Jahr Einwohner 1950 345 1961 367 1970 368 1987 351 1997 354 Jahr Einwohner 2005 341 2015 301 2022 257 Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Martinstein besteht aus sechs Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem. Bis zur Wahl 2014 gehörten dem Gemeinderat acht Ratsmitglieder an.
Bürgermeister Edgar Pütmann wurde am 23. Januar 2023 Ortsbürgermeister von Martinstein. Die Wahl des bisherigen Ersten Beigeordneten erfolgte durch den Rat. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 wurde er als einziger Bewerber mit einem Stimmenanteil von 92,8 % für weitere fünf Jahre wiedergewählt.
Pütmanns langjähriger Vorgänger Paul-Walter Bock hatte das Amt nach 14 Jahren zum 31. Dezember 2022 vorzeitig niedergelegt. Er hatte es von Edwin Platz übernommen.
Wappen
Bauwerke In der Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz (Stand: 2022) werden als Kulturdenkmäler die römisch-katholische Kirche St. Martin, die einen gotischen Chor aus dem 14. Jahrhundert und ein barockes Schiff (bezeichnet 1729) aufweist, sowie die ehemalige, im Heimatstil errichtete Schule (bezeichnet 1903) genannt. Beide Bauwerke befinden sich in der Hauptstraße von Martinstein.
Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Martinstein
Wirtschaft und Infrastruktur Die Bundesstraße 41 führt direkt durch den Ort. Martinstein hat einen Haltepunkt (ein ehemaliger Bahnhof) an der Nahetalbahn Bingen-Saarbrücken.
Martinstein verfügt über ein Restaurant, eine Eisdiele, zwei Bäckereien und ein Haushaltswarengeschäft.
Weblinks
Ortsgemeinde Martinstein auf den Seiten der Verbandsgemeinde Nahe-Glan Martinstein bei regionalgeschichte.net
Literatur Konrad Schneider: Versuch einer Geschichte der Veste Martinstein und ihrer Besitzer. In: Wetzlar’sche Beiträge für Geschichte und Rechtsalterthümer 2 (1845), S. 27–52 (Google-Books) Friedrich Toepfer: Beilagen. VII. Martinstein. In: ders. (Bearb.): Urkundenbuch für die Geschichte des graeflichen und freiherrlichen Hauses der Voegte von Hunolstein, Bd. II. Jacob Zeiser, Nürnberg 1867, S. 460–464 (Google-Books)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Bad Kreuznach Kategorie:Stadtrechtsverleihung im 14. Jahrhundert Kategorie:Ort an der Nahe (Rhein)