Adolf Meinberg (* 3. Oktober 1893 in Wickede bei Dortmund; † 11. April 1955 in Kohlstädt) war ein deutscher Arbeiterführer und Publizist. Als einer der bekanntesten Kommunisten des Ruhrgebiets übernahm er während des Ruhraufstandes im März 1920 die Befehlsgewalt über die Stadt Dortmund. 1922 wurde er aus der KPD ausgeschlossen. Er wurde freier Autor und setzte sich 1927 kritisch mit Carl Severings Darstellung der Ereignisse während des Ruhraufstandes auseinander. Die Zeit des Nationalsozialismus überstand er als Holzarbeiter, Handelsvertreter und Buchhalter.
Leben Bis zur Revolution 1918 Meinberg wurde als Sohn eines Bergmannes in dem Dortmunder Arbeitervorort Wickede-Asseln geboren. Sein Vater, der im Gewerkverein christlicher Bergarbeiter organisiert war, ermöglichte ihm den Besuch eines evangelischen Lehrerseminars. Meinberg brach die Ausbildung jedoch ab und absolvierte eine kaufmännische Lehre.Hellmuth G. Haasis und Erhard Lucas: Einleitung. In: Adolf Meinberg: Aufstand an der Ruhr. Reden und Aufsätze. Hg. von Hellmuth G. Haasis und Erhard Lucas. Verlag Roter Stern, Frankfurt/Main 1973, ISBN 3-87877-060-X, S. 7 f. Ihm wurde nachgesagt, er habe vor dem Krieg seinen Lebensunterhalt als Handlungsreisender in Heiligenbildern verdient.Carl Severing schreibt in seinen Erinnerungen 1919/20 im Wetter- und Watterwinkel (1927): „Man hat mir gesagt, daß er vor dem Kriege mit Heiligenbildern gehandelt habe. Von Heiligen und Gläubigen hatte er, wenn nicht noch anderes, jedenfalls die pathetische Sprache und die Eindringlichkeit des Vortrags“. Zit. nach Hellmuth G. Haasis und Erhard Lucas: Einleitung. In: Adolf Meinberg: Aufstand an der Ruhr. Reden und Aufsätze. Hg. von Hellmuth G. Haasis und Erhard Lucas. Verlag Roter Stern, Frankfurt/Main 1973, ISBN 3-87877-060-X, S. 18. Haasis und Lucas weisen auf den verleumderischen Charakter der Darstellung Severings hin. Ebd. S. 19. Aufgegriffen wird der Handel mit Heiligenbildern bei Günther Högl: Das 20. Jahrhundert. Urbanität und Demokratie. In: Gustav Luntowski (Hrsg.). Geschichte der Stadt Dortmund. Harenberg Verlag, Dortmund 1994, ISBN 978-3-611-00397-4, S. 361.
Meinberg wurde Mitglied der SPD, war aber kritisch gegenüber ihrer Burgfriedenspolitik eingestellt. Er wurde mit Beginn des Ersten Weltkrieges zum Militärdienst eingezogen, im Herbst 1916 als kriegsuntauglich von der Ostfront entlassen und anschließend von den Militärbehörden überwacht. Arbeit fand er auf der Zeche. 1917 schloss die SPD Meinberg als Oppositionellen aus. Gemeinsam mit dem Dorstfelder Knappschaftsältesten Hermann Linke baute er anschließend die USPD in und um Dorstfeld auf.Hellmuth G. Haasis und Erhard Lucas: Einleitung. In: Adolf Meinberg: Aufstand an der Ruhr. Reden und Aufsätze. Hg. von Hellmuth G. Haasis und Erhard Lucas. Verlag Roter Stern, Frankfurt/Main 1973, ISBN 3-87877-060-X, S. 8. Am 9. September 1917 gründeten die beiden die Dortmunder Ortsgruppe der USPD.Günther Högl: Das 20. Jahrhundert. Urbanität und Demokratie. In: Gustav Luntowski (Hrsg.): Geschichte der Stadt Dortmund. Harenberg Verlag, Dortmund 1994, ISBN 978-3-611-00397-4, S. 361. Meinberg orientierte sich jedoch zunehmend zum Spartakusbund.
Novemberrevolution Während der Novemberrevolution wurde Meinberg Vorsitzender des Mindener Arbeiter- und Soldatenrates, kehrte aber bald nach Dortmund zurück. Er repräsentierte den linken Flügel der Dortmunder USPD und trat im Februar 1919 zur KPD über.Hellmuth G. Haasis und Erhard Lucas: Einleitung. In: Adolf Meinberg: Aufstand an der Ruhr., S. 8f. Bei der Gründung der Dortmunder KPD spielte er eine dominierende Rolle. Mit dem Scheitern des im Februar 1919 ausgerufenen Generalstreiks im Ruhrgebiet tauchte Meinberg unter, weil konterrevolutionäre Freikorpstruppen damit begonnen hatten, radikale Hochburgen im westlichen Ruhrgebiet zu besetzen. Beim Streik der Bergarbeiter in Dortmund und Witten Ende März und beim daraus entstehenden Generalstreik der Bergarbeiter des Ruhrgebiets Anfang April 1919 trat Meinberg dann wieder als Redner bei Massenkundgebungen der Streikenden auf. Am 21. April wurde er verhaftet und in Schutzhaft genommen. Er konnte am 1. Juni aus dem Internierungslager fliehen, wurde aber am 18. September 1919 in Kiel bei einer USPD-Versammlung erneut verhaftet.
Rolle im Ruhraufstand 1920 Vorsitzender des Dortmunder Vollzugsausschusses Meinberg wurde im Dortmunder Gerichtsgefängnis in Schutzhaft gehalten. Als am 13. März 1920 auf dem Dortmunder Hansaplatz eine Kundgebung gegen den Kapp-Putsch abgehalten wurde, zu der USPD und SPD gemeinsam aufgerufen hatten, formierte sich ein Demonstrationszug zum Gerichtsgefängnis, der Meinbergs Freilassung forderte. Meinberg wurde tatsächlich freigelassen und auf Schultern zum Hansaplatz getragen, wo er eine Rede gegen den Putsch hielt und zum raschen Handeln aufforderte.Hellmuth G. Haasis und Erhard Lucas: Einleitung. In: Adolf Meinberg: Aufstand an der Ruhr., S. 9. Ebenso wie die USPD forderte Meinberg die Bildung eines Aktionsausschusses und die Aufnahme revolutionärer Arbeiter in die Sicherheitswehr, was die SPD indes ablehnte.George Eliasberg: Der Ruhrkrieg von 1920. Verl. Neue Gesellschaft, Bonn-Bad Godesberg 1974, ISBN 3-87831-148-6, S. 85.
Die Historiker Hellmut G. Haasis und Erhard Lucas weisen darauf hin, dass Meinberg seinerzeit der populärste KPD-Führer im Ruhrgebiet gewesen sei. Er sei sowohl ein „hinreißender Redner in Massenversammlungen“ als auch „ein unermüdlicher Agitator im kleinen“ gewesen, der zahllose Menschen kannte, Arbeiter auf Straßen und Lokalen ansprach und sich in den Dortmunder Arbeitervororten „wie der Fisch im Wasser“ bewegt habe.Hellmuth G. Haasis und Erhard Lucas: Einleitung. In: Adolf Meinberg: Aufstand an der Ruhr., S. 10. Vgl. auch George Eliasberg: Der Ruhrkrieg von 1920. Verl. Neue Gesellschaft, Bonn-Bad Godesberg 1974, ISBN 3-87831-148-6, S. 85. Von SPD- und Gewerkschaftsfunktionären sei er als politischer Gegner sehr gefürchtet und, so Erhard Lucas, „z. T. regelrecht dämonisiert“ worden. Die Dortmunder Ortsgruppe der KPD zählte indessen kaum mehr als 40 Mitglieder, war in sich zerstritten und, in Meinbergs eigenen Worten, ein „syndikalistischer, anti-autoritativer, föderalistischer Homunculus“.Erhard Lucas: Märzrevolution 1920. Bd. 1. Vom Generalstreik gegen den Militärputsch zum bewaffneten Arbeiteraufstand. 2. Auflage. Verlag Roter Stern, Frankfurt/Main 1974, ISBN 3-87877-075-8, S. 183.
Am 15. März setzte in Dortmund der Generalstreik ein. Ein Transportzug mit Einheiten des Freikorps Lichtschlag, die vom Generalkommando des VII. Armee-Korps in Münster entsendet worden waren und den Dortmunder Hauptbahnhof mit Schwarz-Weiß-Roter Fahne und monarchistischen Liedern passiert hatten, erregte großes Aufsehen. In Wetter kam es noch am selben Tag zu Kämpfen zwischen bewaffneten Arbeiterformationen und den Freikorps-Einheiten, die sich offensichtlich hinter die Regierung Kapp-Lüttwitz gestellt hatten. Währenddessen forderte Meinberg vor einer Menschenmenge auf dem Hansaplatz unter Hinweis auf die Gefahr weiterer Truppentransporte die Bewaffnung des Proletariats. Vor dem Dortmunder Stadthaus kam es im Anschluss zu bewaffneten Zusammenstößen zwischen Demonstranten auf der einen und Polizei und Sicherheitswehr auf der anderen Seite, bei denen ein Polizist und sechs Demonstranten getötet wurden. Als in dieser Situation am 16. März die Ankunft der Hauptmacht des Freikorps Lichtschlag auf dem Dortmunder Südbahnhof gemeldet wurde, rückten bewaffnete Arbeitertruppen aus den umliegenden Orten nach Dortmund, und weitere Arbeiter bewaffneten sich.Erhard Lucas: Märzrevolution 1920. Bd. 1. Vom Generalstreik gegen den Militärputsch zum bewaffneten Arbeiteraufstand. 2. Auflage. Verlag Roter Stern, Frankfurt/Main 1974, ISBN 3-87877-075-8, S. 186–189. mini|Angehörige der „Roten Ruhrarmee“ in Dortmund Am Morgen des 17. März griffen die Arbeiter das Freikorps an, das geschlagen wurde und dessen Angehörige man gefangen nahm. Die Stadt Dortmund wurde eingenommen und Meinberg Vorsitzender des örtlichen Vollzugsausschusses. Damit fungierte er als Oberbefehlshaber bzw. Oberbürgermeister von Dortmund. Meinberg forderte, künftig den 17. März als „Tag der wirklichen Revolution“ zu feiern.Hellmuth G. Haasis und Erhard Lucas: Einleitung. In: Adolf Meinberg: Aufstand an der Ruhr., S. 10; Günther Högl: Das 20. Jahrhundert. Urbanität und Demokratie. In: Gustav Luntowski (Hrsg.). Geschichte der Stadt Dortmund. Harenberg Verlag, Dortmund 1994, ISBN 978-3-611-00397-4, S. 375. Er veranlasste die Wahl von Arbeiterräten in den Betrieben. Die gewählten Arbeiterräte wählten am 29. März einen neuen Vollzugsrat und versuchten vergeblich, SPD, DDP und Zentrum zur Mitarbeit zu bewegen.Erhard Lucas: Märzrevolution 1920. Bd. 2. Der bewaffnete Arbeiteraufstand im Ruhrgebiet in seiner inneren Struktur und in seinem Verhältnis zu den Klassenkämpfen in den verschiedenen Regionen des Reiches. Verlag Roter Stern, Frankfurt/Main 1973, ISBN 3-87877-064-2, S. 44f.; Erhard Lucas: Märzrevolution 1920. Bd. 3. Verhandlungsversuche und deren Scheitern ; Gegenstrategien von Regierung und Militär ; die Niederlage der Aufstandsbewegung ; der weiße Terror. Verl. Roter Stern, Frankfurt (am Main) 1978, ISBN 3-87877-085-5, S. 13.
Am 18. März erklärte Meinberg, nicht an die Proklamierung einer Räterepublik Dortmund zu denken und stellte am 25. März klar, dass er zwar für die Räteorganisation eintrete, aber seiner Auffassung nach nur eine einheitliche deutsche Räterepublik dauernden Bestand haben könne.Erhard Lucas: Märzrevolution 1920. Bd. 3. Verhandlungsversuche und deren Scheitern ; Gegenstrategien von Regierung und Militär ; die Niederlage der Aufstandsbewegung ; der weiße Terror. Verl. Roter Stern, Frankfurt (am Main) 1978, ISBN 3-87877-085-5, S. 25f. In seiner Rede anlässlich des Begräbnisses der beim Kampf um die Stadt gefallenen Arbeiter am 21. März bot er Verhandlungen an.Erhard Lucas: Märzrevolution 1920. Bd. 3. Verhandlungsversuche und deren Scheitern ; Gegenstrategien von Regierung und Militär ; die Niederlage der Aufstandsbewegung ; der weiße Terror. Verl. Roter Stern, Frankfurt (am Main) 1978, ISBN 3-87877-085-5, S. 35. Abgedruckt ist die Rede nach dem Bericht des Dortmunder General-Anzeigers in: Adolf Meinberg: Aufstand an der Ruhr. Reden und Aufsätze. Verlag Roter Stern, Frankfurt/Main 1973, ISBN 3-87877-060-X, S. 141–146, bes. 143–146. Die Proklamation des Generalstreiks in Dortmund am 25. März erfolgte während seiner Abwesenheit und gegen seinen Willen.Erhard Lucas: Märzrevolution 1920. Bd. 3. Verhandlungsversuche und deren Scheitern ; Gegenstrategien von Regierung und Militär ; die Niederlage der Aufstandsbewegung ; der weiße Terror. Verl. Roter Stern, Frankfurt (am Main) 1978, ISBN 3-87877-085-5, S. 104f.
Verhandlungsversuche und Niederschlagung des Aufstandes