Niedererbach ist eine Ortsgemeinde im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Montabaur an.

Geographie Lage Niedererbach liegt im Süden des Mittelgebirges Westerwald im Nordosten des Naturraums Eppenroder Hochfläche (Niederwesterwald), nahe der östlich in Hessen befindlichen naturräumlichen Haupteinheit Limburger Becken. Es befindet sich 10,5 km ostsüdöstlich von Montabaur, 5,5 km südwestlich von Hadamar und 7,5 km (jeweils Luftlinie) nordwestlich von Limburg an der Lahn. Hindurch fließen der Erbach sowie die kleineren Bachläufe des Willbach, welcher in den Fischbach mündet und dem Sandbach, die beide wiederum in den Erbach münden. Wenige Kilometer entfernt liegen im Südwesten der Naturpark Nassau und im Osten der Naturpark Taunus. Nordnordwestliche Nachbargemeinde ist Obererbach.

Landschaft und Geologie Die Landschaft von Niedererbach ist vom Erbach gegliedert, in dessen von Norden nach Südosten verlaufenden und von bewaldeten Bäumen gesäumten Tal sich das Dorf befindet und in den in der Ortschaft der Fisch- und Sandbach von rechts kommend münden. Die Taleinschnitte dieser Bäche gliedern das Gelände weiter. Der Untergrund besteht vornehmlich aus Basalt, Andesit, Schiefer und Grauwacke.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind Obererbach, Dreikirchen, Nentershausen, Görgeshausen und das hessische Elz.

Geschichte mini|Urkundliche Ersterwähnung Niedererbachs 12. Mai 1291 mini|Pfarrkirche Niedererbach 1725–1904 mini|hochkant|Pfarrkirche Niedererbach

Niedererbach wurde erstmals in einer Urkunde des Trierer Erzbischofs Theoderich II. von Wied erwähnt, die dem Kloster Seligenstatt bei Seck eine Schenkung des Siegfrid von Runkel bestätigt. Die genaue Datierung ist unklar, vermutet wird aber der Zeitraum von 1213 bis 1215. Die erste eindeutige Datierung ist für eine Urkunde vom 12. Mai 1291 möglich. In ihr werden ein Pastor namens Friedrich und die Pfarrgemeinde Erlebach erwähnt, die ein Rechtsgeschäft mit dem Komtur und den Brüdern des Deutschordens in Koblenz beurkunden. Das Original der Urkunde befindet sich im Zentralarchiv des Deutschordens in Wien. Die Gemeinde Niedererbach ist seit 2006 im Besitz einer Kopie der Urkunde.

Für das Spätmittelalter sind in Niedererbach Rechte der Herren von Limburg nachgewiesen, die mit dem Aussterben des Geschlechts an die Grafschaft Diez übergingen, die bereits zuvor die Landesherrschaft innehatte. Mit der Auflösung der Grafschaft Diez fiel Niedererbach 1564 an Kurtrier. Die niedere Gerichtsbarkeit lag beim Gericht des benachbarten Kirchspielgerichts in Nentershausen, die höhere Gerichtsbarkeit zunächst am alten Gerichts- und Archidakonatsstandort Dietkirchen, von 1564 an beim kurtrierischen Gericht in Diez.

Für 1594 ist eine Plünderung durch Söldnertruppen aus dem Achtzigjährigen Krieg verbürgt, bei der sieben Gebäude niedergebrannt und ein Bewohner umgebracht wurde. Bis Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Ort zum kurtrierischen Amt Montabaur. Am 19. September 1795 überfielen französische Truppen im Rahmen des Ersten Koalitionskriegs den Ort. Sie erschossen den Heimberger (Ortsvorsteher) und fünf weitere Einwohner und plünderten Niedererbach drei Tage lang. Bis 1797 folgten mehrere Plünderungen durch Truppen unterschiedlicher Herkunft. Durch den Reichsdeputationshauptschluss 1803 wurde Niedererbach, so wie der gesamte rechtsrheinische Rest des Kurfürstentums Trier, dem Fürsten von Nassau-Weilburg zugesprochen und gehörte von 1806 an nach Errichtung des napoleonischen Rheinbunds zum Herzogtum Nassau. Unter der nassauischen Verwaltung gehörte der Ort zunächst zum Amt Meudt und bis 1867 zum Amt Wallmerod.Annalen des Vereins für Nassauische Alterthumskunde und Geschichtsforschung, 10. Band, 1868, S. 334 (Google Books) Nach dem sogenannten Deutschen Krieg kam die Region 1866 zum Königreich Preußen und 1868 zur neuen Provinz Hessen-Nassau, Niedererbach war nun eine Gemeinde im Unterwesterwaldkreis.

Da sich die Niedererbacher früher auf das Anfertigen von Pfeifchen aus Weidenzweigen verstanden, werden sie heute noch als „Erwocher Peifscher“ bezeichnet.

1566 wird erstmals von Schieferabbau in der Niedererbacher Gemarkung berichtet. Das Dachschieferfeld „Theodorusfund“ erstreckt sich über die Gemarkungen Görgeshausen, Nentershausen und Niedererbach. 1886 ging das Feld an die „Niedererbacher Schiefergewerkschaft“ über. Es war Erwerbsgrundlage für zahlreiche Einwohner. 1786 werden zwei Mühlen in der Gemarkung erwähnt, von denen eine 1729 erbaut worden sei.

1913 erhielt der Ort Wasserleitungen und den ersten Telefonanschluss, zehn Jahre später Elektrizität. Am Abend des 26. März 1945 erreichten amerikanische Truppen den Ort. 1972 wurde Niedererbach Teil der Verbandsgemeinde Montabaur. Seit Dezember 2010 besitzt die Gemeinde Niedererbach ein eigenes Rathaus. Das seit Anfang der 1980er Jahre unter Denkmalschutz stehende Fachwerkhaus, ein sogenanntes Tagelöhnerhaus, stammt aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts und war zuletzt völlig heruntergekommen. 2006 erwarb die Gemeinde es von einer Erbengemeinschaft. Es wurde von 2008 bis 2010 innen und außen vom 2006 gegründeten Förderverein „Unser Dorf hat Zukunft“ in Zusammenarbeit mit der Ortsgemeinde Niedererbach restauriert. Am Zuschnitt der Zimmer wurde nichts verändert, so dass noch heute im Inneren die Struktur des rund 200 Jahre alten Hauses erhalten ist. Nach Vorgabe des Denkmalschutzes wurde es außen vollständig verschiefert. Damit wird auch indirekt an den ehemaligen Schieferabbau in Niedererbach erinnert.

Die Gemeinde Niedererbach nahm im Mai 2011 am bundesweiten Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ teil und erreichte auf Kreisebene in der Hauptklasse den zweiten Platz. Damit hatte sie sich für den Gebietsentscheid qualifiziert, bei dem im Juni 2011 unter 20 teilnehmenden Gemeinden ein Mittelplatz belegt wurde.

Bevölkerungsentwicklung Die ältesten bekannten Angaben zur Niedererbacher Bevölkerung datieren auf 1684 und berichten von 15 Feuerstellen im Ort. 1787 waren 196 Einwohner verzeichnet, im Jahr 1833 waren es 299. 1870 lag die Einwohnerzahl bei 475, 1903 bei 450, 1913 bei 416, 1921 bei 419. Die letzte Erhebung vor dem Zweiten Weltkrieg stammt von 1936 und weist 537 Niedererbacher aus. 1956 waren es wieder 600. Bis 1980 stieg die Bevölkerungszahl auf 700, bis 1990 auf 840. 2001 waren es 993 Einwohner und im Jahr 2004 1005.

Kirchengeschichte Kirchlich dürfte Niedererbach zunächst Teil der benachbarten Pfarrei Nentershausen gewesen sein. Da bereits für 1291 ein eigener Pfarrer erwähnt wird, dürfte zu diesem Zeitpunkt aber bereits eine eigene Pfarrei bestanden haben. Zum Kirchspiel Nentershausen gehörte der Ort jedoch weiter. Mit Gewissheit ist eine eigene Pfarrkirche für 1320 nachzuweisen. Die Reformation wurde in Niedererbach nie eingeführt.

Im Jahr 2006 feierte die Gemeinde die 100. Kirmes. Dieses wichtigste Dorffest findet jedes Jahr am letzten Wochenende im August statt und erinnert an die Weihe der Pfarrkirche St. Katharina im Jahr 1906. Ein Teil des Kirchturms ist wesentlich älter und dürfte aus der Zeit um 1200 stammen. Vor der jetzigen Kirche stand an der gleichen Stelle ein im Jahr 1738 errichtetes barockes Gotteshaus, etwa in der Größenordnung des heutigen Seitenschiffs. Spätestens 1892 war ein Kirchenbaufonds tätig, um eine neue Kirche zu errichten. Die alte Kirche wurde 1904 abgerissen, der Kirchturm blieb aber stehen. Nur das obere Drittel wurde abgebrochen und erneuert.

Aus einem „Architektenwettbewerb“ von 1903 ging Architekt Jakob Fachinger aus Limburg als Sieger für den Neubau hervor. Die Baupläne wurden am 1. Februar 1904 dem Bischöflichen Ordinariat in Limburg und dem Königlichen Landratsamt in Westerburg zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt. Es erfolgte jeweils ein positiver Bescheid.

Am 27. Juli 1904 begann der Abbruch der alten Kirche durch Maurermeister Sellmann aus Limburg. Die Kosten betrugen 230 Mark. Zur gleichen Zeit erfolgte die Ausschreibung der Arbeiten für den Kirchenneubau im „Nassauer Boten“. Auf die Ausschreibung hin gingen 80 Angebote ein. Den Zuschlag erhielt Bauunternehmer Jakob Eufinger aus Elz für 25.387,77 Mark. Der Auftrag umfasste Erd- und Maurerarbeiten, Lieferung der Baumaterialien, Steinhauer-, Zimmerer-, Dachdecker-, Spengler-, Schlosser- und Schmiedearbeiten.

Im September 1904 wurde mit den Ausschachtungsarbeiten für die neue Pfarrkirche begonnen. Am 14. Mai 1905 wurde der Grundstein gelegt und am 10. August 1905 Richtfest gefeiert. Der Rohbau war im Dezember 1905 fertiggestellt. Im Mai 1906 begann der innere Verputz, der Einbau der Fenster und der Inneneinrichtung. Am 19. August 1906 wurde der neue Kirchenbau von Bischof Dominikus Willi feierlich eingesegnet.

Politik mini|Rathaus in der Mittelstraße Gemeinderat Der Gemeinderat in Niedererbach besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Bürgermeister Andreas Neubert wurde am 12. April 2023 Ortsbürgermeister von Niedererbach. Bei der Direktwahl am 26. März 2023 war er mit einem Stimmenanteil von 90,2 % gewählt worden. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 wurde er als einziger Bewerber mit 86,1 % für weitere fünf Jahre wiedergewählt.

Neuberts Vorgänger Gerhard Theis hatte das Amt seit dem 6. April 2011 ausgeübt. Er löste Berthold Ortseifen ab, der nach 17 Jahren vorzeitig sein Amt zur Verfügung gestellt hatte. Theis war am 27. März 2011 als einziger Kandidat bei der Bürgermeisterwahl angetreten und hatte 89,3 Prozent der abgegebenen Stimmen erhalten. Bei den Kommunalwahlen am 25. Mai 2014 wurde Theis mit 86,05 Prozent wiedergewählt, bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 mit einem Stimmenanteil von 74,21 Prozent für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt. Anfang 2023 kündigte er jedoch an, sein Ehrenamt vorzeitig zum 31. März niederzulegen, wodurch eine Neuwahl erforderlich wurde.

Wappen

Kultur, Vereine, Sehenswürdigkeiten Theaterfreunde Niedererbach 1976 e. V. Der Verein wurde im September 1976 gegründet und ist aus der Chorgemeinschaft Cäcilia St. Katharina heraus entstanden. Mehr als 50 Inszenierungen für unterschiedliche Altersklassen wurden umgesetzt. Der Verein nutzt neben dem eigenen Gebäude gelegentlich den örtlichen „Alten Sportplatz“ als Freilichtbühne.

Freiwillige Feuerwehr Niedererbach Erstmals wurde eine Feuerwehr in Niedererbach im Jahr 1869 erwähnt. Sie gehörte damals zur preußischen Provinz Hessen-Nassau. 1872 entstand ein Feuerlöschverband der Ortschaften Nentershausen und Nomborn. Am 14. Oktober 1953 wurde eine Pflichtfeuerwehr berufen, da aufgrund der hauptberuflichen Beschäftigung der ehrenamtlichen Mitglieder eine Abdeckung im Einsatzfall nicht garantiert werden konnte. Die Pflichtfeuerwehr war der Vorläufer der heutigen Freiwilligen Feuerwehr. Mitglied waren alle männlichen Einwohner im Alter von 18 bis 60 Jahre. Am 30. Mai 1970 wurde die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr beschlossen, um als organisierte Einheit mit entsprechender Ausrüstung den abwehrenden Brandschutz sicherzustellen. 19 Mitglieder schlossen sich der Freiwilligen Feuerwehr an. Gerätschaften wurden durch Spenden aus der Bevölkerung finanziert.

Im Jahr 1975 ging im Zuge der Gemeindereform die Trägerschaft auf die Verbandsgemeinde Montabaur über, damit war die Umbenennung in „Verbandsgemeinde Feuerwehr Montabaur – Löschgruppe Niedererbach“ verbunden. 1990 wurde die Feuerwehr zum eingetragenen Verein und trägt seit dem 18. September 1980 den Namen „Verein zur Förderung der Freiwilligen Feuerwehr Niedererbach e. V.“. Aktuell sind 21 Mitglieder im aktiven Feuerwehrdienst.

Musik Zwei Chöre sind in Niedererbach aktiv. 1993 wurde der „CHORamel e. V. Niedererbach“ unter dem Namen „Junger Chor Niedererbach“ als Laienchor gegründet. Ziel ist die Freude am Singen in der Gemeinschaft. Seit Mai 2000 ist Chor im Vereinsregister eingetragen. Der Name setzt sich aus den Begriffen Chor und Caramel zusammen.