Rifferswil ist eine politische Gemeinde im Bezirk Affoltern (älter: Knonauer Amt, pop. Söiliamt) des Kantons Zürich in der Schweiz. Ihr Mundartname ist Riferschwiil.

Geographie mini|Luftbild von Werner Friedli (1970) Die Gemeinde Rifferswil liegt in der sanfthügligen Drumlinlandschaft des oberen Jonentals im Knonauer Amt, pop. Söiliamt genannt. Von der Gemeindefläche sind 63,7 % landwirtschaftliche Nutzflächen, 22,3 % Wald, 6,7 % Siedlungsfläche, 5,0 % Verkehrsfläche, 0,3 % Gewässer, und 2,0 % sind unproduktive Flächen (Stand 2018).Gemeindeporträts. Rifferswil. Flächen. Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2018.

Geschichte mini|links|Menhir von Rifferswil Rifferswil, in den Acta Murensia um die Mitte des 12. Jahrhunderts RifriswilActa Murensia 29r. genannt, in der ersten datierten Nennung vom 18. März 1179 Rifferswilare,Urkundenbuch von Stadt und Landschaft Zürich, Band 1, S. 210, Nr. 334. zählt zu einer Reihe von Dörfern auf -wil, die möglicherweise im 8. Jahrhundert von Blickensdorf aus gegründet wurden: Ebertswil, Tagebrechtswil (abgegangen), Rifferswil, Herferswil. Eine oft kolportierte Urkunde aus dem Jahr 1019, in der Rifferswil genannt worden sein soll, existiert nicht, sondern basiert auf einem Irrtum des Glarner Politikers und Landvogts Aegidius Tschudi, der eine rund 200 Jahre jüngere Nennung aus dem Liber Heremi des Klosters Einsiedeln falsch datiert hatte.1045 – Erste Erwähnung des Namens Mellingen, Rainer Stöckli. Aus Mellinger Städtlichroniken ab 1991.

Im Oberdorf wurden 1929 Gräber aufgedeckt, welche – ins 8. Jahrhundert datiert – die ältesten Zeugen menschlichen Daseins im Gemeindebann sein dürften. Ein den Freiherren von Eschenbach-Schnabelburg verpflichtetes Dienstadelsgeschlecht verwaltete die Ortschaft im Mittelalter. Das ritterliche Geschlecht starb Ende des 14. Jahrhunderts aus und vererbte der Gemeinde Rifferswil sein Wappen. Das «Galgenfeld» an der alten Strasse nach Mettmenstetten erinnert daran, dass Rifferswil in früherer Zeit die Richtstätte des habsburgischen Amtes Meienberg war. Die Kirche in Rifferswil wird 1179 erstmals urkundlich erwähnt, war dem hl. Martin geweiht und unterstand ab 1357 dem Kloster Kappel. Seit 1529 ist sie reformiert. Das heutige Schiff stammt aus dem 14. Jahrhundert. Die Kirche wurde 1720 erweitert und 1972–1974 einer Gesamtrestauration unterzogen.

1415 geriet die Rifferswiler Gemeinde unter die Herrschaft von Zürich. Regenten waren jetzt die Landvögte von Knonau. Nach dem Untergang der Alten Eidgenossenschaft im Jahr 1798 wurden an Stelle der Landvögte Amtsmänner und später Statthalter eingesetzt. Ab 1831 hatte der Rifferswiler Arzt Dr. Johann Jakob Hegetschweiler das Statthalteramt des Bezirks Knonau inne. Sein Bruder Johannes, Staatsrat und Kantonsarzt, erlag 1839 im «Züriputsch» einer Schussverletzung. Um 1800 waren in Rifferswil rund 200 Personen in der Baumwollverarbeitung in Heimarbeit beschäftigt. 1857 bauten Jakob und Theodor Bär in Oberrifferswil eine durch die Wasserkraft des Jonenbachs angetriebene Fabrik, eine Seidenzwirnerei. Sie stellte den Betrieb 1879 wieder ein.

Die landwirtschaftlich nutzbare Fläche von rund 650 Hektaren wurde anno 1950 von 55 Betrieben gepflegt; heute sind es noch 17 an der Zahl. Die durch Aufgabe oder Aussiedlung frei gewordenen Scheunen und Ställe werden und wurden zu Werkstätten und Wohnhäusern umgebaut. Dabei sind strenge Vorschriften zu beachten, denn Rifferswil ist Trägerin der Auszeichnung «Ortsbild von nationaler Bedeutung». Die Einwohnerzahl stieg nach dem Zweiten Weltkrieg von 450 auf 1200 Personen an. Die meisten Zuzüger arbeiten auswärts.Siehe Website von Rifferswil und Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz, beides bei den Weblinks.

Wappen Blasonierung: In Gold ein roter Balken, begleitet von drei schwarzen Sternen (2, 1)

Bevölkerung + BevölkerungsentwicklungQuellen: 1634–1708: HLS, 1850–1950: Eidgenössische Volkszählungen (XLS; 927 kB), danach: Gemeindeporträts. Rifferswil. Bevölkerung (Personen). Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2000–2022. Jahr 1634 1678 1708 1850 1900 1950 2000 2005 2010 2015 2020 2022 2024 Einwohner 263 354 421 464 480 467 721 803 900 1056 1149 1150 1180

Bevölkerungsdichte: 176,5 Einw./km² (2008 130 Einw./km²) Konfessionszugehörigkeit: 40,5 % evangelisch-reformiert, 17,1 % römisch-katholisch, und 42,3 % haben eine andere Konfession oder keine konfessionelle Zugehörigkeit (Stand 2022)Gemeindeporträts. Rifferswil. Konfession. Statistisches Amt des Kantons Zürich.

Politik Gemeinderat Nach dem Wahlsonntag vom 27. März 2022 nahmen im Gemeinderat, einschliesslich der Schulpräsidentin, die folgenden Mitglieder Einsitz:Gemeinderat. Website der Gemeinde Rifferswil.

Christoph Lüthi, Gemeindepräsident (parteilos) Charlotte Decrusch, Bildung (Präsidentin der Primarschulpflege) Yves Haller, Hochbau und Liegenschaften Rolf Hauenstein, Finanzen Marlies Salzmann, Gesundheit, Sicherheit, Entsorgung & Recycling Daniel Suter, Soziales, Kultur und Sport Reto von Schulthess Rechberg, Tiefbau, Werke, Umwelt & Natur, Land- & Forstwirtschaft mini|Altes Bauernhaus in Unterrifferswil mini|Riegelhäuser aus dem 18. Jahrhundert in Unterrifferswil

Parteien nach Wähleranteil Bei den Nationalratswahlen 2007, 2011, 2015, 2019Nationalratswahl 2019. Kanton Zürich. und 2023Nationalratswahl 2023. Kanton Zürich. 25. Oktober 2023. wurde in Rifferswil nach Wähleranteil wie folgt gewählt: + Wähleranteile Partei 2023 2019 2015 2011 2007 SVP 28,7 % 26,8 % 30,5 % 28,5 % 32,7 % SP 17,2 % 14,8 % 21,1 % 19,1 % 22,8 % Grüne 16,2 % 21,6 % 10,5 % 13,7 % 14,3 % GLP 11,6 % 12,7 % 9,0 % 12,2 % 8,8 % FDP 8,5 % 6,9 % 9,2 % 6,6 % 6,6 % EVP 5,5 % 7,1 % 7,4 % 6,1 % 5,2 % Mitte 4,5 % – – – – CVP – 3,6 % 1,7 % 2,5 % 5,3 % EDU 3,6 % 3,3 % 2,8 % 4,0 % 2,3 % BDP – 1,2 % 3,6 % 3,9 % – PfL 1,2 % – – – – AuF ZH 1,0 % – – – – Mass-Voll! 0,7 % – – – – AL 0,3 % 1,1 % 0,9 % 1,1 % 0,6 % SD 0,0 % – 0,2 % 0,3 % 1,2 % Übrige 1,26 % 0,9 % 3,1 % 2,0 % 0,2 %

Die «grüne Welle» rollte 2019 auch über Rifferswil. Bei den Nationalratswahlen vom 21. Oktober 2019 legten die Grünen gegenüber 2015 um 11,1 % zu und kletterten auf Platz zwei hoch. 2023 verloren sie die Hälfte dieses Gewinns wieder (−5,4 %) und waren noch die drittstärkste Partei. Die SVP blieb die wählerstärkste Partei in Rifferswil, fuhr 2019 jedoch das schlechteste Wahlergebnis der Jahre 2007 bis 2019 ein und erholte sich 2023 nur wenig. Hohe Verluste hatte 2019 die SP zu verzeichnen (−6,3 %), gewann aber 2023 gut ein Drittel davon zurück (+2,4 %). Auch die Grünliberalen verloren von ihrem Gewinn 2019 (+3,7 %) 2023 einen Teil (−1,1 %), wenn auch nicht so massiv wie die Grünen. Die FDP konnte einen Gutteil ihres Verlustes von 2019 (−2,3 %) 2023 zurückgewinnen (+1,7 %). Die EVP, die 2019 zur fünftstärksten Partei in der Gemeinde aufgestiegen war, konnte ihren vergleichsweise hohen Wähleranteil von über 7 % nicht halten und fiel wieder auf den sechsten Platz zurück (−1,6 %). Die Mitte erzielte 2023 einen Wähleranteil vergleichbar mit jenem von (addiert) CVP und BDP 2019 (−0,3 %), die 2021 zur Mitte fusioniert hatten.

Sehenswürdigkeiten

mini|Park Seleger Moor, Mai 2007

Park Seleger Moor Der Park Seleger Moor liegt an der östlichen Gemeindegrenze gegen Hausen am Albis hin, ist öffentlich zugänglich und wird in der Blütezeit der Pflanzen rege besucht. Der Park bietet mit seiner Vielfalt an Pflanzen, Tieren, Bächen und Teichen wunderschöne Motive für Fotografen. In der gepflegten Anlage können Rhododendren, Azaleen, Farne, Strauchpfingstrosen und Seerosen bestaunt werden.

Landhaus Nüscheler mini|Landhaus Nüscheler von Ferdinand Stadler 1846–1847 baute der Architekt Ferdinand Stadler für den Kirchenhistoriker Arnold Nüscheler ein Landhaus am Homberg mit Blick auf den Zugersee. Das Haus ist in seiner ursprünglichen Nutzung erhalten geblieben.

Windhundrennbahn In Rifferswil befindet sich eine Windhund­rennbahn. Die Anlage wird vom Schweizer Windhund-Rennverein SWRV betrieben.

Persönlichkeiten Johannes Hegetschweiler (1789–1839), Mediziner, Botaniker und Politiker (Liberalismus) Johann Jakob Hauser (1854–1913), Schweizer Landwirt, Journalist und Agrarpolitiker (FDP) Max U. Rapold (1925–2006), Journalist und Verleger

Literatur Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band I: Die Bezirke Affoltern und Andelfingen. Rifferswil (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 7). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK). Bern 1938, , S. 136–138 (Digitalisat). Rudolf Fenner: Das Rätsel der «Megalith-Mauern» von Rifferswil-Mettmenstetten und Umgebung. In: Zürcher Taschenbuch. Band 121, 2001, S. 205–210 (Digitalisat).

Weblinks

Offizielle Website der Gemeinde Rifferswil

Statistische Daten der Gemeinde Rifferswil Website des Seleger Moors

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Kanton Zürich Kategorie:Schweizer Gemeinde

Kategorie:Ersterwähnung 1019