Rothenthurm ist eine politische Gemeinde im Bezirk Schwyz des Kantons Schwyz in der Schweiz.
Geographie Rothenthurm, das Hochtal der Biber, liegt im Voralpengebiet an der Verkehrsachse Schwyz–Pfäffikon SZ. Bei Biberegg ist die Wasserscheide, südlich fliesst die Steiner Aa nach Steinen in den Lauerzersee und nördlich der Schorenbach und die Biber. Oft liegt hier Bodennebel, Bibäränäbel oder Näfel genannt. Wegen des Torfabbaus auf dem einheimischen Hochmoor bis vor 50 Jahren werden die Einheimischen oft als Turpägüsler bezeichnet. Während der letzten zwei Eiszeiten überdeckte der Muota-/Reussgletscher Rothenthurm fast vollständig und hatte zwei Ausläuferarme, die bis Unterägeri und zur Äusseren Altmatt reichten. Dort vereinigten sich die Gletscherzungen des Reuss sowie Linth-/Rheingletscher, zwischen Bibersteg und dem Seuchenkreuz nördlich der Äusseren Altmatt ist die Moräne quer über das Tal noch gut zu erkennen. Auch südöstlich des Ratens, des Passübergangs zwischen Oberägeri und Biberbrugg, fand R. Frei stark verfestigte Schotter mit gekritzten Gerollen. Da diese Verrucano-Gerölle führen, muss der Linth-/Rheingletscher im Spätriss noch kräftig in die von der Biber entwässerte Talung vorgestossen sein und dabei den über Rothenthurm vordringenden Muota-/Reussgletscher am weiteren Vorstoss gegen Biberbrugg gehindert haben.
In Biberbrugg fliesst die Biber in die Alp Richtung Sihltal.
Die Fläche des Gemeindegebietes umfasst 2'282 ha, wovon 864 ha Wald, 1340 ha Wiesen und Weiden. Der Bahnhof liegt auf Eine Gebietsbezeichnung von anno 1876 vermerkt: «Von dem 2 Stunden langen und 1 Stunde breiten Bergthale sind höchstens 1 Zehntheil Privateigentum, die übrigen 9 Zehntheile sind Eigenthum der Oberalmig.» Die Ländereien der Oberalmig wurden im Jahre 1848 zu einem grossen Teil der neu dafür gegründeten Genossame Rothenthurm zugeteilt. In den späteren Jahren wurden verschiedene «Riedplätze und Gärten» an private Gemeindeeigentümer weiterverkauft.
Name Rothenthurm miniatur|links|Roter Turm
Der Letziturm, im Jahre 1323 erbaut, gab den Ortsnamen Rothenthurm. Urkundlich erstmals erwähnt im Jahre 1487 bey dem rothen thurn gelegen oder 1553 endertt dem thuren gelegen. Heute hört man im Volksmund den ortsüblichen Namen Turä oder auch im Turä obä.
Das Hochtal der Biber wurde anfänglich von den Alemannen von Steinen her über den Rossberg, Sattel erreicht und gerodet, später als Allmeind und Sommerweide für die Viehzucht benützt. Da die Einheimischen zu 40 % Schuler heissen, hatten sich früher Übernamen gebildet, wie zum Beispiel s Franzä Heiris, dä Hosäbantönel, s Lindänöldels, s Wiisälis, s Schniider Mauris, s Rösis, s Seybä, s Träärs, s Bläsis und s Stolzbödlers.
Altmatt Im Jahre 1018 wurde die Allmeind mit Wald altun Matta (heute Altmatt) im Rahmen einer Schenkung Heinrich II. an das Kloster Einsiedeln abgetreten. Das alte Lande Schwyz erhob Anspruch auf die Allmeind, und es kam zu einem jahrelangen Streit. Um 1310 wurde zum Schutz quer durch das Tal eine Letzimauer errichtet. Die beiden Türme westlich und östlich am Ende der Mauer wurden erst 1323 erbaut. Heute ist nur noch der Turm mit Torbogen zwischen den Restaurants Adler und Kreuz vorhanden, er prägt das Ortsbild von Rothenthurm. Durch den Schiedsspruch des Abtes von Disentis Thüring von Attinghausen vom 8. Februar 1350 wurde der jahrhundertealte Marchstreit beendet und die Allmeind Altmatt wurde Schwyz zugesprochen.
Die erste bekannte Gebietsbezeichnung aus dem Jahr 1310 ist die Altmatt an die mur zu Alunmatta (die alte Matte (Wiese) bei der Letzimauer) oder später auch altun Matta (die alte zum ursprünglichen Nutzungsgebiet gehörige Matte, ein Gebiet also, das gegenüber anderen Rodungsflächen schon lange als Matte genutzt wurde.) 1675 liest man von einer an di forder alt Mat oder auch die klein Alte Matt. Später kam die Aufteilung in eine äussere, mittlere und innere Altmatt.
In Altmatt war die Errichtung eines Waffenplatzes der Schweizer Armee geplant, was in den 1980er Jahren landesweit zu kontroversen Diskussionen über den Landschaftsschutz führte. 1987 wurde die «Eidgenössische Volksinitiative ‹zum Schutz der Moore – Rothenthurm-Initiative›»Eidgenössische Volksinitiative «zum Schutz der Moore – Rothenthurm-Initiative». auf: admin.ch (zuletzt abgerufen am 28. April 2019). angenommen. Seither ist das Gebiet als Hochmoor von nationaler Bedeutung vor Überbauungen geschützt.Adolf Besmer, Hauptfigur der Waffenplatz-Gegner von Rothenthurm In: Zeitblende von Schweizer Radio und Fernsehen vom 27. Oktober 2012 (Audio) Die mit rund 1100 Hektaren grösste zusammenhängende Moorlandschaft der Schweiz droht jedoch zu vertrocknen. Bei den alten Entwässerungsgräben sollen Holzpalisaden den Wasserabfluss stoppen.
Biberegg Der Name erschien erstmals im Jahre 1399 an Biberegg gelegen oder 1552 zbiberegg. Der Weiler Biberegg ist nach dem Fluss Biber benannt und war anfänglich stärker besiedelt als Rothenthurm.
Die Biberquelle liegt bei der Samstagern auf und fliesst südlich in Richtung Ruchegg. Unterhalb der Ruchegg, auf ca. , kommt sie erstmals als kleines Rinnsal zum Vorschein und fliesst dort westlich als Biber. Sie vereinigt sich auf , oberhalb dem Eigen, mit dem Schläukbach. Von dort fliesst sie weiter in westlicher Richtung und vereinigt sich mit dem Schmidenenbach. Danach fliesst sie spitzwinklig nach Norden und nimmt von links den Ziegelhüttenbach auf.
Geschichte mini|Rothenthurm, historisches Luftbild von 1923, aufgenommen aus 1000 Metern Höhe von Walter Mittelholzer
Als erste Ansiedler von Rothenthurm werden die Gebrüder Ulminer und die Familie Werner Imfeld im Jahre 1300 erwähnt. Nach dem Bau der Letzi bildete sich auf der Schwyzer Seite sofort eine kleine Niederlassung. Die Einwohnerzahl von Rothenthurm wurde um 1655 mit 140 Seelen angegeben. Die Familien Stadler und Gasser waren damals die Dominierenden des Ortes.
Entwicklung 1933–2011 Im Frühjahr 1933 konnte die erste öffentliche Wasserversorgungsanlage in Betrieb genommen werden. Die ersten Bemühungen dafür begannen bereits 1925. Nach einem langen Leidensweg, mit Widerstand aus der Bevölkerung und mit einer Kassationsbeschwerde, wurde das Projekt erst im dritten Anlauf im Jahre 1931 gutgeheissen.
Im Jahre 1975 wurde das neu erbaute Schulhaus mit Turnhalle und dem ersten Hallenschwimmbad im Kanton Schwyz eingeweiht. Die Abwasserreinigungsanlage Mösli wurde im Jahre 1977 in Betrieb genommen. 1983 wurde die Zivilschutzanlage der Gemeinden Rothenthurm und Sattel erbaut.
An der Gemeindeabstimmung von 1992 wurde dem Antrag für die Kirchenrenovation zugestimmt. Diese erfolgte in den Jahren 1993 bis 1995.
1998 konnte das neue Gemeindeverwaltungsgebäude mit integriertem Feuerwehrhaus eingeweiht werden. Gleichzeitig wurde auch die Fertigstellung des Zwischenperrons mit Unterführung auf dem Bahnhof gefeiert.
Ab 1990 wurde nach und nach der Schooshang überbaut und sorgte für einen Entwicklungsschub. Seit 1998 ist die römisch-katholische Kirchgemeinde eine eigene Körperschaft mit sämtlichen Rechten und Pflichten.
Im Dezember 2004 wurden die Halte des «Voralpen-Express» in Rothenthurm gestrichen, mit der Begründung, dass der Zug wegen dieser Halte jeweils Verspätungen einfahre. Die weggefallenen Zugshalte werden durch einen Bus kompensiert. Der Bahnhof Rothenthurm ist seit 2006/07 nicht mehr besetzt. Seit 2011 hält der Voralpen-Express wieder in Rothenthurm statt in Sattel.
Horn- und Klauenstreit miniatur|Hörner- und Klauenstreit der Landsgemeinde in Rothenthurm, am 6. Mai 1838. Hervorgerufen durch die Unzufriedenheit der Kleinbauern und Handwerker, welche für mehr Gerechtigkeit kämpften.
Von 1833 bis 1847 versammelten sich die schwyzerischen Kantonsgemeinden jeweils am ersten Sonntag im Mai zur Landsgemeinde auf der Altmatt. Der Ort hinter dem Gasthaus Schäfli wird heute noch Landsgemeindeplatz genannt. Am 6. Mai 1838 kam es an der Landsgemeinde («Prügellandsgemeinde») zum sogenannten Horen- und Klauenstreit. Bereits bei der Wahl der Stimmenzähler artete eine von rund 10'000 Schwyzern aus allen Bezirken besuchte Landsgemeinde in eine heftige Schlägerei aus. Unzufrieden waren vor allem die Kleinvieh besitzenden Kleinbauern und Handwerker (Klauenmänner), sie kämpften für mehr Gerechtigkeit gegenüber den Grossviehbesitzern (Hornmänner).
Kirchgenossen Die Kirchgenossen von Rothenthurm, Sattel und Steinerberg gehörten bis zur Abtrennung zum Kirchgang Steinen. Die Gemeinde Sattel mit der Filiale Rothenthurm wurde im Jahre 1598 selbständig. Bereits 1774 war der Wunsch der Rothenthurmer zur Trennung von der Pfarrei Sattel und zur Erhebung einer eigenen Pfarrei immer dringender geworden. Die Zustimmung für eine selbständige Kirchgemeinde Rothenthurm trägt das Datum vom 3. Juli 1776. Nach dieser Trennung wurden die Grenzen der Gemeinden definitiv festgelegt. Zu diesem Zeitpunkt zählte die Gemeinde Rothenthurm ca. 350 Einwohner. Die dritte urkundlich erwähnte Kapelle von Rothenthurm, erbaut von Landvogt Josef Anton StadlerJoseph Anton Stadler wurde 1661 geboren und durch Enthauptung 1708 hingerichtet ()., wurde im Jahre 1721 eingeweiht. Ab 1776 wurde die Kapelle, mit einer Bestuhlung für 200 Personen, als Pfarrkirche von Rothenthurm anerkannt. Im Jahre 1780 wurde der Gasthof Grosse Wirtschaft am Standort des heutigen Pfarrhofs ein Raub der Flammen. Das neu erbaute Gebäude diente anfänglich als Gasthof und Poststelle sowie im Erdgeschoss als Sust, und ab 1897 als Pfarrhof. Im Jahre 1860 zählte die Gemeinde bereits 913 Einwohner.
An der Kirchgemeindeversammlung von 1864 wurde der Neubau der heutigen Pfarrkirche beschlossen. An der gleichen Versammlung wurde auch dem Antrag für einen Schulhausneubau zugestimmt. Dem Kirchenbau wurde der Vorrang mit Baubeginn im Jahr 1873 gegeben. Die Gemeinde zählte zu dieser Zeit bereits über 1000 Einwohner. Aus den damaligen Protokollen ist zu entnehmen, dass mit einem weiteren Wachstum der Bevölkerungszahl gerechnet wurde. Der Neubau wurde dementsprechend grosszügig, sogar einen Schuh (ca. 30 cm) grösser als die Pfarrkirche des Kantonshauptortes Schwyz gebaut. Alle Einwohner wurden zum Frondienst verpflichtet, denn Geld war sehr wenig vorhanden. Die Verweigerung von Frondienst wurde mit hohen Bussen bestraft. Am 7. August 1892 wurde die Kirche eingesegnet, obwohl die Bauarbeiten noch nicht abgeschlossen waren. Nach einer langen Bauzeit wurde die heutige Pfarrkirche am 11. November 1940 eingeweiht. Das erste Schulhaus von Rothenthurm wurde ebenfalls unter der Leitung von Pfarrer Laurenz Röllin in den Jahren 1902 bis 1904 erbaut.
Schlacht in Rothenthurm mini|rechts|Schlacht am Rothenthurm, 1798
Im Kampf der Innerschweizer Kantone Uri, Schwyz, Zug und Nidwalden gegen die durch Frankreich erzwungene Neuordnung in der Helvetischen Republik kam es am 2. Mai 1798 zur Schlacht in Rothenthurm. Nachdem Landammann Alois Josef Fridolin Reding von Biberegg die Franzosen an der Schindellegi zurückgeschlagen hatte, zog er sich in die Ebene von Rothenthurm zurück und erwartete dort, verstärkt durch ein zweites Bataillon Schwyzer und den Landsturm, der vom Kapuziner Paul Styger angefeuert wurde, die an Zahl weit stärkeren Franzosen unter General Freyssinet. So vermochten die Schwyzer die eindringenden und an der Zahl weit stärkeren Franzosen auf der Altmatt zurückzuschlagen. Trotz dieses Sieges wurde von den Schwyzern schliesslich die neue Helvetische Verfassung übernommen.
Bevölkerung Im Jahr 2017 zählte Rothenthurm 2'371 Einwohner und der Ausländeranteil lag bei 15 %. Die Hälfte der Bevölkerung waren Frauen beziehungsweise Männer (Geschlechterverteilung 1:1). Mit 76 % (1'800 Personen) war die Mehrheit der Bevölkerung römisch-katholisch.