mini|Das Logo der Global Marshall Plan Initiative

Die Global Marshall Plan Initiative versteht sich als integrative Plattform für eine Welt in Balance. Sie hat fünf Kernforderungen für eine gerechtere Globalisierung. Durch ihren netzwerkartigen Charakter organisiert sie sich ohne Hierarchien und ohne Zentrale.

Das Ziel der Global Marshall Plan Initiative ist die Etablierung eines mit Nachhaltigkeit kompatiblen Ordnungsrahmens für die Weltwirtschaft: Eine weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft.

Entstehung der Global Marshall Plan Initiative mini|Al Gore – Autor von „Wege zum Gleichgewicht – Ein Marshall Plan für die Erde“

Die Idee eines „Global Marshall Plan“ wurde erstmals 1990 vom US-amerikanischen Politiker, Unternehmer und Umweltschützer Al Gore in seinem Buch „Wege zum Gleichgewicht – Ein Marshall Plan für die Erde“ veröffentlicht. Die Wahl des Namens erinnerte bewusst an den historischen Marshallplan nach dem Zweiten Weltkrieg (offiziell: European Recovery Program), ein Symbol für Hoffnung, Solidarität und Frieden.

Die Idee eines Global Marshall Plan war nicht neu, sondern wurde bereits in den 1990er Jahren von Persönlichkeiten aus ganz unterschiedlichen Bereichen aufgegriffen: Kofi Annan, Hans Küng, die Politikwissenschaftlerin und Schriftstellerin Susan George, Michail Gorbatschow, Prinz El Hassan bin Talal von Jordanien, George Soros, Lutz Wicke, Georg Winter und viele weitere (Global Contract). Bereits Anfang der 1990er-Jahre initiierten prominente Persönlichkeiten wie der Journalist Franz Alt und der deutsche Grünen-Politiker Joschka Fischer einen von vielen unterstützten ökologischen Marshallplan, der die Einrichtung einer Ökosozialen Marktwirtschaft, 100 Milliarden DM pro Jahr für die Umwelt und eine Kerosinsteuer forderte.

Vor dem Hintergrund, dass sich die Welt infolge der raschen Globalisierung zunehmend in einer schwierigen, unhaltbaren Lage befindet – sowohl in Bezug auf die Umweltsituation, auf Armut und Verteilungsfragen sowie bezüglich des Ausgleichs zwischen den Kulturen – wurde die ursprüngliche Idee für einen globalen Marshallplan am 16. Mai 2003 von den Vertretern von 16 zivilgesellschaftlicher Organisationen als Bewegung für Weltfrieden, Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit wieder aufgenommen und am Frankfurter Flughafen die Global Marshall Plan Initiative ins Leben gerufen. Da die Initiative als Netzwerk, also dezentral und ohne Hierarchien organisiert sein sollte, wurden zur Koordination der Aufgaben und Aktivitäten verschiedene Personen und Institutionen beauftragt: Die inhaltliche Koordination übernahm Franz Josef Radermacher in seiner Funktion als Institutsleiter des FAW/n, Politik, insbesondere auf EU-Ebene Josef Riegler und das Ökosoziale Forum Europa (siehe Ökosoziales Forum). Die Stiftung Weltvertrag und Frithjof Finkbeiner wurden mit der Koordination, Initiierung und Beförderung von Aktivitäten der Unterstützer und Partner international beauftragt. Aufgrund der enormen positiven Resonanz und der Vielzahl der Aktivitäten wurde dieser Auftrag aber schon bald an die dafür extra gegründete gemeinnützige Global Marshall Plan Foundation übertragen.

Das langfristige Ziel der Initiative ist seitdem die Etablierung einer globalen Ökosozialen Marktwirtschaft, also die derzeitigen globalen Rahmenbedingungen, die weder zu dauerhafter Friedensfähigkeit, noch zu Nachhaltigkeit führen, zu verändern. Die Gründer wollten von Anfang an die Initiative so offen wie möglich entwickeln und auch die Wirtschaft als Unterstützer gewinnen. Alle Akteure und Teile der Weltgesellschaft sollten sich im Global Marshall Plan konstruktiv wieder finden, eine einseitige Ausgestaltung verhindert werden. Dabei will die Initiative neben der größtmöglichen Unterstützung der Weltöffentlichkeit auch erreichen, dass der Plan in seiner Substanz, Qualität, Umsetzung und Reichweite kontinuierlich fortentwickelt wird.

In einer Vorlesungsreihe 2003/04 wurden die Inhalte weiter präzisiert und schließlich ein erster Bericht an die Global Marshall Plan Initiative („Global Marshall Plan – Ein Planetary Contract für eine weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft“) erarbeitet, der im September 2004 publiziert werden konnte.

In der Zwischenzeit stellten sich immer mehr Mitglieder des EU-Parlaments sowie nationaler Parlamente hinter die Initiative. Bald folgten auch Verbände der Zivilgesellschaft und der Wirtschaft sowie die erste Universität. Auch international fand die Initiative sehr positive Resonanz. Mittlerweile ist die Initiative zu einem Netzwerk aus mehr als 5000 unterstützenden Einzelpersonen Organisationen sowie Bundesländern und Kommunen herangewachsen.

Mit der Überzeugung, dass Wandlungswille in der Mitte der Gesellschaft erzeugt werden muss, schaffen die Unterstützer Bewusstsein für die Zusammenhänge der Globalisierung und motivieren ihr jeweiliges Umfeld dazu, sich selbst für eine gerechtere Globalisierung einzusetzen. Ein wesentliches Element zur Multiplikation sind Vorträge. Über Bewusstseinsbildung und Information sollen breite Allianzen gebildet werden und Druck „von unten“ erzeugt werden. In der Global Marshall Plan Academy werden Engagierte zu Multiplikatoren trainiert.

Selbstverständnis Jede Anstrengung zur Überwindung dieser nicht-nachhaltigen Entwicklung wird sich in Zukunft um ein Vielfaches erschweren oder eine Überwindung gar unmöglich werden, wenn sich nicht bald eine grundlegende Trendwende einstellt.

Die Global Marshall Plan Initiative möchte sich für eine Trendwende hin zur Nachhaltigkeit starkmachen. Mit dem Selbstverständnis einer netzwerkartigen Bewegung für eine Welt in Balance, versammelt sie in einer Allianz Kräfte aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft hinter Forderungen zu einer gerechteren Globalisierung. Dabei setzt sie auf die gleichzeitige Verfolgung von ‚bottom-up’ und ‚top-down’ Ansätzen, also Bewusstseinsbildung und Lobbyarbeit.

Durch Vorträge, Informationsveranstaltungen und Publikationen sollen weitere Menschen und Gruppen über die Notwendigkeit und die Möglichkeit globaler Ökosozialer Rahmenbedingungen informiert werden, so dass politischer Wandlungswille in der Mitte der Gesellschaft entsteht.

Ziele Das Ziel der Global Marshall Plan Initiative ist es, einen substanziellen Beitrag hin zu einer weltweiten Ökosozialen Marktwirtschaft zu leisten. In einem solchen ökosozialen Marshallplan bestünde laut der Initiative und deren Befürwortern eine realistische Perspektive zur Überwindung der entwürdigenden Armut der Hälfte der Menschheit, die längst als Hauptursache der existenziellen Weltprobleme erkannt wurde, zur erfolgreichen globalen Etablierung ökologischer und sozialer Standards für eine nachhaltige Entwicklung, zur Überwindung der tiefen kulturellen Frustration und Demütigung eines Großteils der Menschheit und damit zur Beseitigung eines explosiven Umfelds, das internationalen Terrorismus hervorbringt und die globale Sicherheit gefährdet, für ein neues Wirtschaftswunder, das die bisher fast völlig brach liegenden Human-Potenziale von mehr als drei Milliarden Menschen gezielt fördert, woraus letztlich die gesamte Menschheit immensen Nutzen ziehen würde, für eine allgemein gerechtere Gestaltung der Globalisierung und zur Verwirklichung der Menschenrechte und Menschenwürde für alle.

Ein Global Marshall Plan würde laut der Initiative jedoch auch für zahlreiche andere Probleme, die aus einer unbalancierten Globalisierung entstanden sind, neue attraktive Perspektiven bieten. Mögliche Auswirkungen wären beispielsweise: Der Wohlstand und damit auch die Löhne stiegen in den sich entwickelnden Ländern, damit sänke der Lohndruck in der Wirtschaft der traditionellen Industrieländer. Auch die erhöhte Nachfrage auf den Weltmärkten trüge dann zu einer Sicherung der Arbeitsplätze in den Industrieländern bei. Eine Umsetzung ökologischer Ziele wäre wesentlich realistischer, als es zur Zeit der Fall ist, da Armut nämlich, so die Argumentation, eine der Ursachen für Umweltzerstörung in den ärmeren Ländern sei. Wer um das tägliche Überleben kämpfen müsse, wäre nur schwer für Umweltschutz zu gewinnen. In weiten Teilen der Welt sei die Umsetzung ökologischer Ziele daher nur realistisch, wenn sie unmittelbar mit der aktiven Förderung sozialer und ökologischer Entwicklung verknüpft wären.

Das Leitbild einer offenen, friedlichen, demokratischen, rechtsstaatlichen und gebildeten Bürgergesellschaft, das viele als den besten Garant für eine gute und dynamische Zukunftsperspektive aller Gemeinwesen sehen, würde durch einen ökosozialen Global Marshall Plan vorangebracht werden.

Ziel des Global Marshall Plans ist es, auf globaler Ebene geeignete Ordnungsprozesse mit Wettbewerbsmechanismen zu koppeln, um humane Potentiale, Ressourcen und Infrastruktur mit gut durchdachten institutionellen Lösungen zu Wertschöpfungssystemen zu verbinden. Eine weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft würde demnach die richtige Balance zwischen wettbewerbsstarker Wirtschaft, sozialer Solidarität und ökologischer Nachhaltigkeit schaffen.

Die Logik des Plans Im Zentrum der Logik eines Plans wie er von der Global Marshall Plan Initiative vorgeschlagen wird, steht folgender Grundsatz: Investitionen, abgestimmte Marktöffnungen und Co-Finanzierungen in vielen Bereichen werden im Gegenzug für die Angleichung sozialer und ökologischer Standards geleistet. Auf diese Weise soll eine Form der gezielten globalen Armutsüberwindung entstehen, die sehr starke neue Wirtschaftsimpulse für die betreffende Region wie auch die gesamte Weltwirtschaft freisetzten soll. Durch die Koppelung des neuen Wachstums mit klaren ökologischen Standards soll gleichzeitig eine starke Ökologisierung des Wirtschaftens gefördert werden.

Die neuen ökonomischen, ökologischen und sozialen Perspektiven würden laut der Initiative einen starken Impuls zur inneren Befriedung der Weltgesellschaft bewirken, der wiederum wichtig ist für ein anhaltendes und nachhaltiges Gedeihen der Wirtschaft.

Auch wird angenommen, dass die positiven Effekte durch einen Global Marshall Plan in der Folge den Sog auf jene Regierungen verstärken würden, die sich einer ökosozialen Entwicklung bisher verschlossen haben. Es würde der Druck auf sie verstärkt, einer solchen Entwicklung Raum zu geben, Korruption abzubauen und „Good Governance“ zu fördern. „Good Governance“ (auf Deutsch auch „Gute Regierungsführung“ genannt) bezeichnet dabei ein gutes Steuerungs- und Regelungssystem einer politisch-gesellschaftlichen Einheit wie Staat oder Gemeinde. Zu den Prinzipien gehören Begriffe wie Transparenz, Effizienz, Partizipation, Verantwortlichkeit, Rechtsstaat, Demokratie und Gerechtigkeit.

Besonders wichtig ist, dass ein Global Marshall Plan alte Interessensgegensätze überwinden und eine ungewöhnlich breite Unterstützung erreichen will.

Eines der überraschenden Zwischenergebnisse des bisherigen Verlaufs der Initiative ist, dass sie von Wirtschaftsunternehmen und Unternehmensverbänden ebenso unterstützt wird wie von scharfen Kritikern der bisherigen Form der Globalisierung, und von Vertretern aus „Nord“ sowie aus „Süd“. Verschiedene bekannte Repräsentanten aller großen politischen Strömungen, aller gesellschaftlicher Sektoren und global handelnder Netzwerke der Zivilgesellschaft sprachen sich vehement für diese Initiative aus. Die bisherigen Ansätze und Impulse der Initiative könnten also eine reelle Chance zu einem breiten gesellschaftlichen Brückenschlag eröffnen.

Kernforderungen für eine Welt in Balance Elemente des Global Marshall Plans, der fünf aufeinander bezogene Bausteine umfasst, sind bereits in den Ergebnissen vergangener UN-Gipfel enthalten, Teil der europäischen Politik und Forderung verschiedener NGOs und Institutionen. Die fünf Bausteine, die kontinuierlich den aktuellen Herausforderungen angepasst werden, bilden den Ausgangspunkt und gleichzeitig das Fundament der Initiative.

Weiterentwicklung und Umsetzung der Millenniumsentwicklungsziele der UNO