Die Liste von Wallfahrtsorten in Tschechien enthält die wichtigsten Wallfahrtsstätten, Wallfahrtsorte und Wallfahrtskirchen in den Kirchenprovinzen Böhmen und Mähren in der Tschechischen Republik.

Nach Kučera (tschech.; PDF; 474 kB) gibt es etwa 450 katholische Wallfahrtsorte. Die Wallfahrtsorte in der Diözese Leitmeritz sind in einer tschechischen Liste zusammengestellt. Wallfahrtsorte in Mähren und Schlesien, siehe unter.Wallfahrtsorte in Mähren und Schlesien

Auf dem Gebiet der Tschechischen Republik hat die Wallfahrt ihre Wurzeln im frühen Mittelalter und es gibt sehr viele Wallfahrtsstätten. Eine Wallfahrt ist ein Treffen mit der Gemeinschaft der Gläubigen auf einem gemeinsamen Weg (Prozession) und führt stets zu heiligen Stätten, symbolischen Orten oder Plätzen, die mit wundersamen Ereignissen verbunden sind. Die Gründe für die Durchführung einer Wallfahrt können sehr verschieden sein, z. B. Reue zu zeigen (mit der Bitte um Vergebung der Sünden), Bitten oder Danken für besondere Ereignisse (zum Beispiel für eine Heilung). Hier werden Wallfahrtsorte beschrieben, an denen an einem (oder mehreren) Tagen im Jahr Gründe für Wallfahrten bestehen, an denen die Kirchen oder Kapellen für liturgische Feiern geöffnet sind.

Die Tradition der Wallfahrtsorte kann sehr unterschiedlich sein:

Orte, an denen später heiliggesprochene Personen gestorben sind oder getötet wurden, z. B. Tetin bei Beraun – Grabeskirche der Hl. Ludmilla (10. Jahrhundert) oder Stara Boleslav, dem Ort der Ermordung des Hl. Wenzel, Orte, an denen später heiliggesprochene Personen gewirkt haben, z. B. die Hl. Kyrill und Method der Ostkirche im mährischen Wallfahrtsort Velehrad, an vielen Orten wird des Hl. Johann Nepomuk gedacht, der das Beichtgeheimnis der Königin Sophie von Bayern gewahrt hat, als ältester Wallfahrtsort in Böhmen gilt Maria-Ratschitz (1275 vom Kloster Ossegg errichtet) als ältester Wallfahrtsort in Mähren gilt Brno-Tuřany die meisten Wallfahrtsstätten sind Marien-Wallfahrtsorte, die zu den verschiedenen Marienfesten besucht werden, z. B. Mariä Verkündigung (25. März) Mariä Heimsuchung (2. Juli) Maria Schnee (5. August) Mariä Himmelfahrt (15. August) Mariä Geburt (8. September) Mariä Namen (12. September) Sieben Schmerzen Mariens (15. September) Maria Loreto oder Loretto (Haus der Gottesmutter, in dem Maria geboren wurde und gelebt haben soll) Maria-Hilf oder zur Hilfreichen Jungfrau (Schützerin des Lebens) viele Wallfahrtskirchen sind von einer sogenannten Ambitenanlage (tschech. Ambit) umgeben, das ist ein überdachter Umgang (lat. Ambitus) – ähnlich einem Kreuzgang – der für Prozessionen benutzt wird und in dem sich mehrere Kapellen befinden (z. B. in Svatá Hora Příbram, Bohosudov oder Mariánské Radčice). Jana Niedermaier: Barocke Ambitenanlagen in Böhmen und Mähren - Die Entstehung eines neuen Bautypus der Wallfahrtsanlagen nach der Schlacht am Weißen Berg (1620) und ihre Bedeutung in der Zeit von Gegenreformation und Barock, 2009 (siehe auch Dissertation LMU München 2009).

Während der Josephinischen Reformen ab 1784 bis 1819 wurden viele Klöster aufgelöst und Wallfahrten verboten. Danach erfolgte ein starkes Wiederaufleben der Wallfahrten und das Festhalten an diesem Brauch bis 1945 (Vertreibung der Deutschen) bzw. 1950.

Im Rahmen der „Aktion K“ (Akce K) gegen die katholische Kirche wurden im Jahr 1950 viele Priester und Ordensschwestern verhaftet, interniert bzw. in Arbeitslager verbracht. Viele Kirchen und Klöster waren in den Jahren 1950 bis 1990 geschlossen und sind verfallen, wurden aber nach 1990 restauriert oder wieder aufgebaut. Die Wallfahrtstradition wurde an einigen Wallfahrtsorten wieder aufgenommen. In Mähren ist der Glaube der Menschen stärker ausgeprägt als in Böhmen.

Für viele Besucher sind die Klöster, Kirchen oder Kapellen auch von besonderem kunsthistorischen Wert, sie sind z. T. ein nationales Kulturdenkmal oder sogar Weltkulturerbe.

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Liste der Wallfahrtsorte Erläuterungen

Regionen in Tschechien: Nordböhmen: Aussiger Region (Ústecký kraj), Reichenberger Region (Liberecký kraj) Mittelböhmen mit Prag: Hauptstadt Prag (Hlavní město Praha), Mittelböhmische Region (Středočeský kraj) Ostböhmen: Königgrätzer Region (Královéhradecký kraj), Pardubitzer Region (Pardubický kraj) Südböhmen: Südböhmische Region (Jihočeský kraj), Region Hochland (Kraj Vysočina) Westböhmen: Pilsner Region (Plzeňský kraj), Karlsbader Region (Karlovarský kraj) Nordmähren und Schlesien: Olmützer Region (Olomoucký kraj), Mährisch-Schlesische Region (Moravskoslezský kraj) Südmähren: Südmährische Region (Jihomoravský kraj), Zliner Region (Zlínský kraj), Region Hochland (Kraj Vysočina)

Bistümer:

Kirchenprovinz Böhmen A = Prag (Praha), seit 973, Erzbistum ab 1344 C = Budweis (České Budějovice), seit 1785 K = Königgrätz (Hradec Králové), seit 1664 L = Leitmeritz (Litoměřice), seit 1655 P = Pilsen (Plzeň), seit 1993

Kirchenprovinz Mähren (mit Schlesien) B = Brünn (Brno), seit 1777 O = Olmütz (Olomouc), seit 1063, Erzbistum ab 1777 T = Ostrau-Troppau (Ostrava-Opava), seit 1996

Die Regionen stimmen nicht immer mit den Bistümern überein.

Bild Ort Ort (deutscher Name) Wallfahrtskirche oder -kapelle Region, Bistum, Lage, Bemerkung 150px|zentriertAndělíček bei Sušice (Vrch Anděla Strážce u Sušice), Okres KlatovySchutzengelberg bei Schüttenhofen im Böhmerwald, Kreis KlattauSchutzengel-Kapelle auf dem Schutzengelberg (551 m) (Kaple sv. Andělů Strážných)Westböhmen, Bistum C 150px|zentriertAndělská Hora bei Bruntál, Okres BruntálEngelsberg bei Freudenthal, Kreis FreudenthalGnadenkapelle auf dem Annaberg (842 m) (Poutní kaple sv. Anny na Anenském vrchu) Schlesien, Bistum T Gnadenkapelle auf dem Annaberg (1767) 150px|zentriertAndělská Hora na Karlovarsku, Okres Karlovy VaryEngelsberg oder Engelhaus bei Karlsbad, Kreis KarlsbadDreifaltigkeitskirche auf dem Engelsberg (613 m) (Poutní kostel Nejsvětější Trojice v Andělské Hoře) Westböhmen, Bistum P Kapelle der Heiligen Dreieinigkeit, 1696–1712 von Giovanni Battista Alliprandi erbaut 150px|zentriertBechyně, Okres TáborBechin, Kreis TaborKlosterkirche Mariä Himmelfahrt (Františkánský kostel Nanebevzetí Panny Marie) Südböhmen, Bistum C 150px|zentriertBlatnice pod Svatým Antonínkem, Okres HodoninGroß Blatnitz – Svaty Antoninek im Kreis HodoninWallfahrtskapelle des Hl. Antonius von Padua (Poutní kaple sv. Antonína Paduánského) Südmähren, Bistum O Wallfahrtskapelle des Hl. Antonius von Padua mit Kreuzweg auf dem Antonínský kopec, errichtet nach 1650 150px|zentriert Bludov, Okres Šumperk Blauda, Kreis Schönberg/Mähren Wallfahrtskirche Corpus Christi (Poutní kostel Božího Těla) Nordmähren, Bistum O Wallfahrt seit 1583 (erneuert wegen Cholera-Epidemie im Jahr 1855), jetzige Kirche von 1724, heute zu Fronleichnam 150px|zentriertBohosudov (Krupka), Okres TepliceMariaschein (Graupen) bei TeplitzBasilika Schmerzen Mariens (Bazilika Panny Marie Bolestné oder Matky Boží Sedmibolestné) Nordböhmen, Bistum L erste Marienwallfahrt im Jahr 1610, Bau einer Wallfahrtskirche (Jesuiten), barocker Umbau 1701–08 durch Giulio Broggio und Octavio Broggio, Kreuzgang mit 7 Kapellen und Brunnenkapelle, Basilica minor 1924 150px|zentriertBozkov, Okres SemilyBoskau, Kreis SemilKirche Mariä Heimsuchung (Kostel Navštívení Panny Marie) Nordböhmen, Bistum L Barockbau von 1690 bis 1693 150px|zentriertBřevnovský klášter (Praha)Stift Breunau (auch Erzabtei Breunau) in PragKlosterkirche St. Margareta (Bazilika svaté Markéty) Mittelböhmen, Bistum A Basilika St. Margareta als Barockbau (1708–1740) von Christoph Dientzenhofer und Kilian Ignaz Dientzenhofer, Basilica minor 1948 150px|zentriert Brno–středBrünn-ZentrumKirche Mariä Himmelfahrt (Kostel Nanebevzetí Panny Marie) Südmähren, Bistum B Basilika minor seit 1987 150px|zentriert Brno–střed Brünn-ZentrumKirche St. Johannes der Täufer und St. Johannes Evangelist (Kostel sv. Jana Křtitele a Jana Evangelisty) Südmähren, Bistum B Barocke Klosterkirche von Maurice Grimm (1722–1733) 100px|zentriert Brno-střed Brünn-Zentrum St.-Jakobs-Kirche (Brünn) (Kostel sv. Jakuba) Südmähren, Bistum B nationales Kulturdenkmal 150px|zentriert Brno-Tuřany Brünn-Turas (ältester Wallfahrtsort in Mähren) Wallfahrtskirche Mariä Verkündigung (Poutní Kostel Zvěstování Panny Marie) Südmähren, Bistum B Wallfahrtsort seit dem 13. Jhdt. 150px|zentriertBudeč u Zákolan, Okres Kladno Burg Butsch bei Zákolan, Kreis KladnoKirche St. Peter und Paul (Rotunde) (Kostel sv. Petra a Pavla) Mittelböhmen, Bistum A beliebter Wallfahrtsort zu St. Peter und Paul (29. Juni) und zu St. Wenzel (28. Sept.), nationales Kulturdenkmal 150px|zentriert Česká Kamenice, Okres Děčín Böhmisch Kamnitz, Kreis Tetschen Wallfahrtskapelle Maria Geburt (Poutní kaple Narození Panny Marie) Nordböhmen, Bistum L barocker Rundbau (1736–1739), vermutlich von Octavio Broggio 150px|zentriert Česká Lípa, Okres Česká Lípa Böhmisch Leipa, Kreis Böhmisch Leipa Basilika Allerheiligen (Bazilika Všech svatých) Nordböhmen, Bistum L Klosterkirche des ehem. Augustinerklosters, Basilica minor 1927, nationales Kulturdenkmal 150px|zentriert Chlum Svaté Maří bei Sokolov Maria Kulm bei Falkenau Kirche Mariä Himmelfahrt und St. Maria Magdalena (Kostel Nanebevzetí Panny Marie a sv. Máří Magdaleny) Westböhmen, Bistum P barocke Wallfahrtskirche (1690–1712) von Christoph Dientzenhofer mit Gnadenbild von 1280 150px|zentriertCholina bei Litovel, Okres OlomoucKöllein bei Littau, Kreis OlmützWallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt (Kostel Nanebevzetí P. Marie) Nordmähren, Bistum O 150px|zentriertDobrá Voda u Českých Budějovic, Okres České BudějoviceGutwasser bei Budweis, Kreis BudweisKirche Schmerzen Mariens (Kostel Panny Marie Bolestné) Südböhmen, Bistum C Barockbau (1733–35) von Kilian Ignaz Dientzenhofer und Wenzel Lorenz Reiner, bedeutendes Kulturdenkmal 120px|zentriert Dobrá Voda bei Hartmanice, Okres Klatovy Gutwasser bei Hartmanitz, Kreis Klattau Kirche des hl. Günther (Kaple svatého Vintíře) Westböhmen, Bistum C hier lebte angeblich der Hl. Günter als Einsiedler, Kirche in den 1950er Jahren gesprengt, 1992 neu erbaute Kapelle ist wieder Ziel deutsch-tschechischer Wallfahrten 150px|zentriert Dobrá Voda u Horní Stropnice, Nove Hrady, Okres České Budějovice Maria Trost in Brünnl (Strobnitz bei Gratzen), Kreis Budweis Kirche Mariä Himmelfahrt (Kostel Nanebevzetí P. Marie) Südböhmen, Bistum C wundertätige Heilquelle verehrt als „Brünnl“, Wallfahrtskirche 1708–1715 erbaut 150px|zentriertDoksany Kloster DoxanKlosterkirche Mariä Geburt (Kostel Narození P. Marie) Nordböhmen, Bistum L 150px|zentriertDolní Dvořiště bei Kaplice (Svatý Kámen nad Malší)Unterhaid bei Kaplitz (Südböhmen) Wallfahrtskirche Maria Schnee beim Heiligen Stein (Kostel Panny Marie Sněžné, Svatý Kámen) Südböhmen, Bistum C Kapelle über dem heiligen Stein (1653), Wallfahrtskirche Maria Schnee (1701), seit 1993 wieder als Wallfahrtskirche genutzt 150px|zentriertDolní Hedeč bei Králíky, Okres Ústí nad OrlicíNiederheidisch bei Grulich, Kreis WildenschwertMuttergottesberg (760 m) mit Kapelle der Heiligen Stufen (Santa Scala) (Hora Matky Boží) Ostböhmen, Bistum K Bau der Wallfahrtskirche (1696–1710) durch Tobias Johannes Becker (Bischof von Königgrätz) veranlasst, 1950–1960 Internierungslager für Priester und Ordensschwestern, seit 1990 wieder Kloster der Redemptoristen, Gnadenbild ist eine Kopie von Santa Maria Maggiore. 150px|zentriert Dolní Kounice, Okres Brno-venkov Kanitz, Kreis Brünn-Land Wallfahrtskapelle Hl. Antonius von Padua und Hl. Florian (Poutní kaple sv. Antonína Paduánského a sv. Floriana) Südmähren, Bistum B Wallfahrtskapelle seit 1653, Barockgebäude von Franz Anton Grimm (1757) mit Kreuzweg 120px|zentriert Dolní Životice, Okres Opava Schönstein, Kreis Troppau Erlöserkirche (Kostel Božského Nejsvětějšího Spasitele) Schlesien, Bistum T