mini|St. Josef und St. Wendelin (Diefflen), Blick von der Dillinger Straße mini|St. Josef und St. Wendelin (Diefflen), Ansicht von der Zipp, dahinter der 360 m hohe Limberg mini|Ansicht von Kirche und Pfarrhaus von oben mini|Historische Aufnahme der neogotischen Pfarrkirche und des Pfarrhauses mini|Historisches Siegel der Pfarrei mit dem heiligen Josef als Schutzpatron der katholischen Kirche St. Josef und St. Wendelin ist die katholische Pfarrkirche von Diefflen, einem Stadtteil von Dillingen/Saar. Die Pfarrei gehört zur Pfarreiengemeinschaft Hl. Sakrament, St. Johann, St. Josef, St. Maximin, Maria Trost. Die Kirche ist dem Bistum Trier zugeordnet. Patroziniumstag ist das kirchliche Hochfest des heiligen Josef von Nazaret (19. März, Josefstag). Der zweite Patroziniumstag ist der Gedenktag des hl. Wendelin (20. Oktober).
Geschichte Zugehörigkeit Diefflens zur Pfarrei Nalbach Mittelalter
Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Diefflen datiert auf das Jahr 1324. Der Name, der über die Jahrhunderte verschieden geschrieben wurde (Dieffendail, Diffendahl, Tiefenthal) bedeutete ursprünglich „Siedlung im tiefen Tal“. Die heutige Schreibweise geht auf eine Festlegung im königlich-preußischen Erlass vom 16. Juni 1858 zurück.Johann Spurk: Pfarrchronik St. Josef Diefflen 1900–1975, Saarlouis 1975, S. 351.
Seit seiner mittelalterlichen Gründung bildete Diefflen mit dem Nachbarort Nalbach bis zum Jahr 1858 eine politische und bis 1919 eine kirchliche Einheit. Die Nalbacher Pfarrkirche St. Peter und Paul ist die Mutterkirche der umliegenden sechs Dörfer des Nalbacher Tales: Diefflen, Piesbach, Bettstadt, Bilsdorf und Körprich.
Nalbach, das als Pfarrei erstmals im 11. Jahrhundert erwähnt worden war, gehörte im Mittelalter zum Archidiakonat St. Mauritius Tholey und zum Dekanat bzw. Landkapitel Merzig im damaligen Erzbistum Trier. Das Gebiet des Nalbacher Tales war ursprünglich Reichsgebiet, bevor es zum Kurfürstentum Trier kam. Das Nalbacher Petrus-Patrozinium (Fischerpatron) könnte auf die Entstehung Nalbachs als Fischersiedlung an der damals fischreichen Prims hindeuten. Ebenso ist ein Bezug zum Petrus-Patrozinium des Trierer Domes denkbar. Das Petrus- bzw. Petrus-und-Paulus-Patrozinium zählt zu den typischen fränkischen Patrozinien des Saarlandes.Kurt Hoppstädter, Hans-Walter Herrmann (Hrsg.): Geschichtliche Landeskunde des Saarlandes, hrsg. vom Historischen Verein für die Saargegend, Band 2: Von der fränkischen Landnahme bis zum Ausbruch der französischen Revolution, Saarbrücken 1977, S. 23.
Durch eine Schenkung des Trierer Erzbischofs Eberhard aus dem Jahr 1048, einen Schutzbrief Heinrichs III. von 1098 und einen Schutzbrief des Papstes Hadrian IV. von 1155 sowie durch Erwerbung der Rechte des Nalbacher Rittergeschlechtes im Jahr 1331 besaß das Stift St. Simeon in Trier im Nalbacher Tal die Grundgerichtsbarkeit, das Steuererhebungsrecht und das Recht zur Besetzung der Pfarrstellen. Das Trierer Erzstift hatte allerdings noch immer die Mittel- und Hochgerichtsbarkeit inne. In der Ausübung der Gerichtsbarkeit ließ sich das Erzstift durch die Freiherren von Hagen zu Motten vertreten.Johann Spurk: Pfarrchronik St. Josef Diefflen 1900–1975, Saarlouis 1975, S. 23–24 und 351.
Frühe Neuzeit Die Umwälzungen der Reformationsepoche führten zur Hinwendung eines Nalbacher Pfarrers zum neuen Bekenntnis. Allerdings konnte er nur für kurze Zeit in Körprich heimlich seinen Dienst tun. In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges musste ein Nalbacher Pfarrer flüchten und die Gemeinden wurden stark verheert. Ein Bericht an den Kurfürsten von Trier für die Zeit von 1664 bis 1665 über das Nalbacher Tal besagt: „In Friedenszeiten ist das gesamte Nalbacher-Thal mit seinen zugehörenden Dörfern 130 Haußgefäß stark gewesen, jetzt sind derselben mehr nicht den 47.“Johann Spurk: Pfarrchronik St. Josef Diefflen 1900–1975, Saarlouis 1975, S. 351.
Von Frankreich zu Preußen Im Jahr 1747 wurde in Nalbach an alter Stelle eine neue Kirche errichtet. Das Nalbacher Tal kam in der Französischen Revolution im Jahr 1794 unter französische Herrschaft und wurde Teil des Saardepartements. Durch das von Napoleon Bonaparte mit der katholischen Kirche geschlossene Konkordat vom 15. Juli 1801, ergänzt durch die Organischen Artikel vom 8. April 1802, gelangten die Dörfer des Nalbacher Tales pfarrlich zur neugegründeten Diözese Trier und wurden damit der Erzdiözese Mecheln im heutigen Belgien zugeordnet. Mit dem Wiener Kongress kam das Nalbacher Tal zum Königreich Preußen und wurde kirchlich in der Bulle „De salute animarum“ am 14. Juli 1821 wieder der Diözese Trier zugewiesen. Zuerst war die Pfarrei dem Dekanat Saarlouis (St. Ludwig (Saarlouis)), dann ab 1869 dem Dekanat Lebach (Heilige Dreifaltigkeit und St. Marien (Lebach)) zugeteilt. Die Pfarrei Nalbach war um 1800 mit 1540 Menschen größer als die der Nachbargemeinde Dillingen/Pachten mit 1150 Menschen.Johann Spurk: Pfarrchronik St. Josef Diefflen 1900–1975, Saarlouis 1975, S. 24.
Diefflen, das zur Bürgermeisterei Nalbach gehörte, war durch den ersten Pariser Frieden nicht mehr Teil Frankreichs. Es unterstand einer österreichisch-bayerischen Landesadministrationskommission, die am 16. Januar 1814 installiert worden war. Dies war als Provisorium gedacht, da noch nicht abschließend geklärt war, welcher Macht Diefflen als Teil der zurückgewonnenen linksrheinischen deutschen Gebiete zufallen sollte. Das bedeutete, dass die östliche Banngrenze von Dillingen und Pachten und die westliche Banngrenze von Diefflen für mehr als ein Jahr zugleich Staatsgrenze war.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Aufl. Nalbach 1990, S. 170.
Diefflen, als Teil des Nalbacher Tales, kam unter preußischer Verwaltung am 1. Juli 1816 vom Kreis Ottweiler zum Kreis Saarlouis. Laut Volkszählung des Jahres 1821 hatte Diefflen 83 Häuser, 89 Haushaltungen und 455 Einwohner.Motte, Bernhard: Handschrift in der Stadtbücherei Saarlouis, nach Colesie, Georg: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Aufl., Nalbach 1990, S. 173 u. 187.
Von 1821 bis 1829 wurde Diefflen von der Bürgermeisterei Fraulautern aus in Personalunion verwaltet, da die aus sechs Dörfern bestehende Samtgemeinde Nalbacher Tal (als Rechtsform 1815 gegründet) die Verwaltungskosten für das Bürgermeisteramt nicht aufbringen konnte. Ab 1830 ging die Bürgermeisterverwaltung des Nalbacher Tales von Fraulautern an Saarwellingen (Personalunion) über und dauerte bis zum 31. Dezember 1899 an.
Gemeindetrennung Am 25. April 1854 kam es durch die drei Dieffler Mitglieder des Samtgemeinderates der Samtgemeinde Nalbacher Tal zur Beantragung der Auflösung der Samtgemeinde und die Trennung ihrer Ländereien. Ebenfalls wurde dies durch ein Gesuch an den Regierungspräsidenten in Trier begründet: „Die Armut der Ortschaften ist zum Spott und Sprichwort der Umgegend geworden. Weil alles noch gemeinschaftlich ist, erfolgt keine Veredelung des Landes und der Gewinn sei daher sehr gering, auch ruhe kein Segen darauf (…) Weil Reichtum der höchste Segen des Lebens ist, würde durch ihn die Armut aus dem Lande gejagt und dadurch Moral und Sittlichkeit veredelt und der Ort Diefeln (sic!) in die Situation gestellt, sich aus dem Staube zu erheben“.Spurk, Johann: Diefflen – Geschichtliche Entwicklung unserer Heimatgemeinde, Dillingen 1964, S. 40ff.
Die Gemeindetrennung wurde daraufhin am 1. September 1854 mit 7 gegen 2 Stimmen der Nalbacher Samtgemeinderatsmitglieder beschlossen und am 16. Juni 1858 durch den König von Preußen, Friedrich Wilhelm IV., auf Schloss Babelsberg genehmigt. Die bürgermeisteramtliche Verwaltung blieb allerdings in Nalbach bzw. bis 1899 in Saarwellingen. (Erst 1969 erfolgte die bürgermeisteramtliche Trennung von Nalbach und die Angliederung an die Stadt Dillingen Saar.)
Erste Kapelle in Diefflen
Diefflen verfügte über eine eigene kleine Kapelle, die sich am Kirchenweg nach Nalbach befand (heute: Nalbacher Straße Nr. 103). Hier versammelten sich die Einwohner des kleinen Dorfes zum Gebet und gelegentlich wurden auch Messen gelesen. Das Alter dieser Kapelle ist ungewiss. Schutzpatron war der hl. Wendalinus. Eine Urkunde der Abtei Mettlach aus dem Jahr 1488, die selbst eine Abschrift einer Urkunde aus dem Jahr 1460 ist, nennt Papst Pius II., der die Abtei Mettlach unter ihrem Abt Wilhelm von Helmstett, von Senis auf Sardinien aus, mit der Bestellung des Geistlichen für den Ort Diefflen beauftragte:
„Papst Pius II. billigt und bestätigt dem Kloster Mettlach alle Kollationen von Kirchen und Kapellen, die uns (gemeint ist die Abtei Mettlach) angeschlossen sind, ferner Dörfer und Zehnten, Höfe und Güter, welche in der Bulle aufgezählt sind. Gegeben zu Senis im zweiten Jahr unseres Pontifikates 1460.“Johann Christian Lager: Urkundliche Geschichte der Abtei Mettlach, Trier 1875, S. 347.
Das Kollationsrecht bezeichnet das Vorschlagsrecht für einen Kandidaten bei der Neubesetzung eines geistlichen Amtes. Häufig besaßen Klöster oder Stifte das Kollationsrecht für Pfarrstellen in ihrem Seelsorgebereich. Üblicherweise musste dieser Vorschlag von einer oder mehreren übergeordneten Instanzen bestätigt werden, meist vom jeweiligen Bischof oder Landesherrn. Ebenso konnte der Kollator nicht über eine endgültige Investitur entscheiden. Das Kollationsrecht war an weitere Verbindungen zu der jeweiligen Pfarrstelle gebunden. So war der Kollator oft verpflichtet, für den baulichen Unterhalt des betreffenden kirchlichen Gebäudes Sorge zu tragen. Die Urkunde von 1460 war auf Bitten des Mettlacher Abtes Wilhelm von Helmstett verfasst worden, der mit Adelsherren um Zehnte und Besitzrechte im Streit lag.
Neben Diefflen wurden weitere 13 Orte mit Kirchen oder Kapellen genannt. Es bleibt allerdings unklar, ob die Abtei Mettlach den Gottesdienst in Diefflen in einem Wohnhaus, einer Scheune oder in einer bereits bestehenden Kapelle abhielt.
Aus der alten Wendalinuskapelle sind noch ein Christus-Korpus aus dem 19. Jahrhundert (heute Privatbesitz), eine Statue des heiligen Wendalinus um 1750 (heute im Dieffler Pfarrhaus)Saarforschungsgemeinschaft (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Kreise Ottweiler und Saarlouis, bearbeitet von Walter Zimmermann, Saarbrücken 1976, S. 176. und eine aus der Zeit zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert entstammende Pietà (heute im Saarland Museum in Saarbrücken) erhalten. Die Kapelle diente auch den Schulkindern Diefflens als Unterrichtssaal.
Anwachsen der Gemeinde im 19. Jahrhundert Nachdem im 19. Jahrhundert im Zuge der Industrialisierung die Bevölkerung Diefflens und der umliegenden Dörfer stark angewachsen war, wurde die Nalbacher Kirche mehrmals (1828 und 1890) umgebaut und vergrößert. Eine weitere Vergrößerung der Nalbacher Pfarrkirche war nicht mehr ohne Weiteres möglich, da um die Kirche herum ein Friedhof lagJohann Spurk: Pfarrchronik St. Josef Diefflen 1900–1975, Saarlouis 1975, S. 33. und auch umliegende Wohn- und Geschäftshäuser von einer eventuellen Erweiterung betroffen gewesen wären.
Im Jahr 1895 war die Dieffler Wendalinuskapelle nochmals gründlich renoviert worden und erhielt dabei eine neue Glocke. Erst nach Fertigstellung der Dieffler Pfarrkirche wurde sie im Jahr 1904 abgerissen.Alois Scherer: Chronik der Pfarrkirche „St. Josef“ Diefflen 1900–2000, in: Katholische Kirchengemeinde St. Josef Diefflen (Hrsg.): 100 Jahre Pfarrkirche St. Josef Diefflen 1900–2000, Dillingen 2000, S: 17-24.
Planungen zum Kirchenneubau mini|Pfarrer Johann Lamberty (9. November 1857 in Metterich – 2. März 1928 im Kloster Ettal, Pfarrer in Nalbach von 1897 bis 1901, von 1901 bis 1902 in St. Lutwinus (Mettlach))