mini|Dreikönigsbild, Mitteltafel des ehemaligen Hochaltars der St.-Martins-Kirche in Meßkirch Als Meister von Meßkirch (tätig zwischen 1515 und 1540) wird ein namentlich nicht bekannter deutscher Maler der Renaissance bezeichnet, der zu den bedeutenden Künstlern des 16. Jahrhunderts in Deutschland gerechnet wird.Der Meister von Meßkirch. Katholische Pracht in der Reformationszeit. Große Landesausstellung Staatsgalerie Stuttgart, 8. Dezember 2017 – 2. April 2018
Entwicklung der Namenszuschreibungen Joseph von Laßberg hatte die von ihm wiederentdeckten Bilder aus Sankt Martin in Meßkirch bekannt gemacht, als er zwischen 1816 und 1821 mindestens zwei Mitteltafeln und 15 teilweise beidseitig bemalte Seitentafeln an die Sammlung Hirscher veräußerte.Diözesanmuseum Rottenburg (Hrsg.) Glaube – Kunst – Hingabe. Johann Baptist Hirscher als Sammler, Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, Ostfildern 2015, Jan Thorbecke Verlag, ISBN 978-3-7995-0690-8, S. 75 ff. Später wurden auch andere Werke, wie der Wildensteiner Altar, der durch Erbgang in die Fürstlich Fürstenbergische Sammlungen gelangt war, diesem Maler zugeschrieben.
Die kontroversen Zuschreibungsdiskussionen der jungen Kunstwissenschaft versuchten die durch die Säkularisation freigewordenen und nun meist in Privatsammlungen zu findenden altdeutschen Kulturgüter einzuordnen.
Gustav Friedrich Waagen hatte auf einer Studienreise sowohl Joseph von Laßbergs als auch Hirschers Sammlung besucht und 1848 die Werke dieses unbekannten Malers Barthel Beham zugeschrieben. Sulpiz und Melchior Boisserée brachten im Zuge der Restaurierung des Donaueschinger Bestandes in den Jahren 1837/38 bei Mattenheimer wegen der sehr starken motivischen Anleihen bei Albrecht Dürer dessen zeitweiligen Ateliermitarbeiter Hans Schäufelin ins Gespräch. Aber sowohl Alfred Woltmann als auch Hubert Janitschek und Wilhelm von Bode schlossen sich zunächst der Zuschreibung an Barthel Beham an.
Die Abgrenzung von Beham erfolgte 1893 durch Karl Koetschau,Barthel Beham und der Meister von Messkirch. Eine kunstgeschichtliche Studie. Heitz, Strassburg 1893, (Digitalisat) der den von Adolf Bayersdorfer 1882 in einem „Katalog der im germanischen Museum befindlichen Gemälde“, als „Meister des Meßkircher Altars“ eingeführten und von Robert Vischer 1885 verkürzten Namen „Meister von Meßkirch“ verwendete.in: Neues über Bernhard Strigel, in: Jahrbuch der Kgl. Preußischen Kunstsammlung, 1885, zitiert nach
mini|Der Heilige Benedikt als Einsiedler im Gebet. Die Tafel mit der angeblichen Signatur Mit der Etablierung eines Namens und der Verortung im Raum um die Obere Donau wurden jetzt wiederum die Lokalforscher aktiv, die sich bemühten, den Meister mit Malern aus der Region in Verbindung zu bringen.
Ansgar Pöllmann stellte die Hypothese auf, dass der Meister von Meßkirch mit Jörg (oder Jerg) Ziegler gleichzusetzen sei und griff dazu auf einen manipulierten Bildbeweis zurück. Er behauptete einerseits, dass es kein unsigniertes Bild des Meisters von Meßkirch gebe und dass er auf der Tafel „Der Heilige Benedikt als Einsiedler im Gebet“ eindeutig die Signatur „1524 jergz“ identifizieren könne.Link auf den Artikel mit dem retouchierten Bildbeweis Obwohl spätere, wiederholte Untersuchungen keine solche Signatur feststellen konnten, hielt sich die Pöllmann-These bis in die 1990er Jahre.
Der von Christian Altgraf zu Salms (1950) und Hans Dieter Ingenhoff (1962) archivalisch unbelegte Vorschlag einer Zuordnung zu Peter Strüb dem Jüngeren aus der Malerfamilie Strüb in ihren DissertationHans Dieter Ingenhoff: Der Meister von Sigmaringen. Die Malerfamilie Strüb aus Veringenstadt. (= Veröffentlichungen des Staatlichen Amts für Denkmalpflege, Tübingen: Bau- und Kunstgeschichte. Band 1). Silberburg-Verlag. Stuttgart 1962 wurde von Johann Adam Kraus widerlegt. Zur Zeit der Entstehung des Hauptwerkes in Meßkirch 1536 war Peter Strüb der Jüngere so erkrankt, dass er sich in das Veringer Stadtspital einkaufte und 1540 bei der Abfassung seines Testaments „bresthaft […] geführt, getragen und geschlaifft“ werden musste.Johann Adam Kraus: Der sogenannte 'Meister von Meßkirch'. In: Hohenzollerische Jahreshefte, 22, 1962, S. 220/221. zitiert nach:
In der Johanniterkirche in Schwäbisch Hall der Sammlung Würth sind die Gemälde des Meisters von Meßkirch mit dem Klammerzusatz „(Joseph Maler aus Balingen?)“ ausgestellt. Ist dies Joseph Weiß aus der in Balingen archivalisch nachgewiesenen Malerfamilie Weiß? Auf Vorarbeiten von Paul Ganz und Walter Hugelshofer hatte Hans Rott 1933 in seinen Quellen- und Forschungsbänden zur Kunst im Bodenseeraum „Balingen und die Maler Weiss“ identifiziert.Hans Rott: Quellen und Forschungen zur südwestdeutschen und schweizerischen Kunstgeschichte im XV. und XVI. Jahrhundert. I.: Bodenseegebiet. Quellen- und Textband. Stuttgart 1933. darin: Rott, Balingen und die Maler Weiß Er teilte das Werk des Meisters von Meßkirch auf die von ihm identifizierten Mitglieder dieser Malerfamilie auf: In ein Frühwerk, das er dem Vater Marx Weiß dem Älteren zuschrieb, die Hauptwerke ab 1530 dem ältesten Sohn Joseph Weiß, den er als den eigentlichen Meister von Meßkirch ansah, und das spätere Werk, dem jüngeren Bruder Marx Weiß dem Jüngeren, den er als unselbständigen Werkstattgehilfen bezeichnete.
Von den künstlerischen Tätigkeiten Joseph Weiß’ ist in Balingen, von einer Ausnahme abgesehen, nichts bekannt. Bei der Renovierung der Kugel der Kirchturmspitze der dortigen Stadtkirche fand man 1743 eine zwischenzeitlich verloren gegangene Urkunde aus dem Jahr 1541, die 1914 noch im Dekanatsarchiv vorlag. Im Stadtarchiv hingegen wurde die Kopie ordentlich verwahrt.Meister von Meßkirch Darin heißt es: „Ouch hat vergilt Joseph Weiß Maler zu Balingen den Sternen und den Mond daruf“. Es ist dies auch die einzige Urkunde, die den Namen Weiß explizit nennt.
Nun gibt es aber auch eine von Josef Hecht im Fürstlich Hohenzollerischen Archiv gefundene Rentkammernotiz von 1561: „Item uf den 7. tag Augusti wurden dem Meister Joseph, dem mahler zu Balingen, von meines gnäd. Herrn graf Carls herr vater Itelfriderichen seliger gedechtnus uf ein hülzin tafel 4 schuch hoch aufs fleißigest zu machen zahlt, laut zettels 24 fl. 4 bz.“Josef Hecht: „Der wahre Meister von Meßkirch und das Bildnis des Grafen Eitelfriedrich III. von Zollern“. In Forschungen zur schwäbischen Kunst- und Baugeschichte. Heft 1. Koblenz 1940, S. 67–85 Er identifiziert dieses Bild mit dem 1561 postum geschaffenen Porträt Eitel Friedrich III. von Hohenzollern. Geht man jetzt davon aus, dass das Bild von 1520 und das von 1561 vom selben Maler oder auf einer gemeinsamen Vorlage beruhen, so ließe sich eine Identität, oder zumindest eine Werkstattzugehörigkeit von Joseph Weiß und dem Meister von Meßkirch konstruieren.
Die auf Zinn gemalte, verkleinerte Kopie einer Mitteltafel der Nebenaltäre von St. Martin in Meßkirch, die sich im Louvre befindet (Christus vor Kaiphas und die Verleugnung Petri), ist unten links mit einem W signiert. Der Restaurator und Kunsthistoriker Bernd Konrad hat bei der Restaurierung des Chors des Münster von Reichenau-Mittelzell eine Signierung und Datierung (1555) durch Marx Weiß festgestellt,Bernd Konrad: War Marx Weiß d. J. wirklich nur ein Epigone des Meisters von Meßkirch? In: Schriften des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte der Baar 51, 2009, 43–72. die der auf dem Züricher Göldlin-Scheibenriss entspricht. Ein ligiertes Monogramm mit eingestelltem, halbseitig geschachtetem Kreis: Mw, interpretiert als Marx Weiß, Bal(l)ingen. Es lässt sich feststellen, dass auf Basis von Vorlagen, die auf den Meister von Meßkirch beruhen, noch bis in die 1560er Jahre gearbeitet wurde. So wird auch eine Votivtafel für Johann von Ehningen-Neuneck († 1562) diesem Spätwerk zugeordnet. Es wäre dies das einzige Werk, das einem protestantischen Auftraggeber zuzuordnen wäre.
Wenn es also immer noch schwerfällt, das Werk einem konkreten Meister zuzuweisen, so ist zumindest zu erkennen, dass in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts eine gemeinsame Werkstatt tätig war, in der auch Vorlagen ausgetauscht wurden und die einen gemeinsamen Malstil pflegte.
Die Auftraggeber des Meisters von Meßkirch Die frühesten Auftraggeber darf man im Umfeld der schwäbischen Adelshäuser zwischen Neckar und Donau vermuten. Altarstiftungen, Epitaphien und Einzelporträts. Man kann bei diesen Arten von Bildern von einer hohen Verlustrate ausgehen und ähnliche Werke im familiären Umfeld dieser Adelshäuser vermuten.
Die ältesten bekannten Werke des Meisters von Meßkirch sind das Doppelporträt Eitelfriedrich III und seiner Frau Johanna Corsselaar van Witthem (um 1520) und das Epitaph für die Familie von Bubenhofen (1523).
Der Schwerpunkt der erhaltenen Werke des Meisters von Meßkirch sind Altarbilder. Aus der Zeit um 1520 haben wir die so genannten Sigmaringer Marientafeln WD, benannt nach ihrem jetzigen Standort, die ursprüngliche Aufstellung ist unbekannt.
Eine Weitere ist die Beweinung Christi WD (um 1525), als eine Zusammenarbeit mit einem Bildschnitzer. Der Meister von Meßkirch steuert hier das Hintergrundbild für eine Beweinungsszene bei.
Zu dieser Zeit kam es auch zu einer ersten Zusammenarbeit mit den Herren von Zimmern. Diese waren nach einer schweren Krise wieder zu einer regionaler Größe aufgestiegen und bemühten sich auch um Rangerhöhung, was ihnen 1538 mit der Verleihung des Grafentitels gelang. Aus dieser Zeit stammen die Die Kreuzigung Christi WD (um 1530) und der Falkensteiner Altar WD (um 1530), beide für den privaten Gebrauch, und das Sigmaringer Hausaltärchen WD (1531) als Geschenk von Apollonia von Henneberg und Gottfried Werner von Zimmern zur Hochzeit ihrer Tochter Anna mit Jos Niklas II. von Zollern.
Im Jahre 1532 erhielt der Meister von Meßkirch einen Großauftrag von Veronika von Rietheim, die von 1521 bis 1551 amtierende Äbtissin des Klosters Heiligkreuztal war. Das Münster erhielt 1532 ein Gewölbe und das Refektorium, Kapitelsaal und Kreuzgang wurden mit einem Netzgewölbe versehen. Für die Ausmalung der Kirche wurde der Meister von Meßkirch beauftragt.Olaf Siart, „Monument des alten Glaubens. Die Ausmalung der Klosterkirche der Zisterzienserinnen von Heiligkreuztal“, in
In der zweiten Hälfte der 1530er Jahre war der Meister von Meßkirch fest an das Haus Zimmern gebunden. Das erschließt sich nicht nur aus dem Auftragsvolumen seines Hauptwerks, der Altarausstattung der durch Gottfried Werner von Zimmern neu errichteten Stiftskirche St. Martin in Meßkirch, sondern auch aus den daraus erhaltenen Werken.
Gottfries Werner setzte damit nicht nur die 1467 verfügte Stiftung seines Großvaters Werner V. um, die durch die nachfolgenden Wirren von seinem Vater nicht umgesetzt werden konnte, sondern plante auch die neue Kirche als Grab- und Gedächtniskirche für sein Haus. Im Gegensatz zu den reformatorischen Tendenzen in Territorien und Reichsstädten seiner Nachbarschaft, aber auch aus dem persönlichen Erleben in seiner eigenen Stadt im Bauernkrieg, vertrat er eine starke altgläubige Tradition.