Die Schweizer (Die Schweizer – Les Suisses – Gli Svizzeri – Ils Svizzers) ist ein vierteiliges Doku-Drama von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), in der die Geschichte der Schweiz thematisch in Spielfilmen dargestellt wird. Zwei Teile behandeln die Epoche der frühen Eidgenossenschaft im 14. und 15. Jahrhundert, während die Gründung des Bundesstaats im 19. Jahrhundert in den anderen beiden Teilen hervorgehoben wird.

Hintergrund Im Rahmen eines Themenmonats strahlten die Radio- und Fernsehprogramme der SRG SSR im November 2013 in den vier Sprachregionen der Schweiz Fakten und Mythen zur Entstehung und den Zukunftsperspektiven der Schweiz aus. Rund um das vierteilige Doku-Drama im Fernsehen wurde in den Sendegefässen Information und Kultur und Unterhaltung von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) sowie allen anderen Unternehmenseinheiten der SRG das Thema vertieft., abgerufen am 20. Februar 2014.

Inhalt Vier Filme über historische Persönlichkeiten, die Wendepunkte der Schweizer Geschichte markieren, bilden die Kernpunkte des Doku-Dramas:

Werner Stauffacher – Die Schlacht am Morgarten Deutschsprachige Erstausstrahlung: Do. 7. November 2013 um 20.05 Uhr auf SRF 1 Im Marchenstreit überfallen und plündern die Schwyzer unter ihrem Landammann Werner Stauffacher und angestiftet von Reichsvogt Werner von Homberg das Kloster Einsiedeln. Sie werden vom Bischof exkommuniziert und von Friedrich dem Schönen mit dem Reichsbann belegt. Sein Bruder, der Habsburger Herzog Leopold, unternimmt von Brugg aus eine Strafaktion, unterliegt den Waldstätten jedoch in der Schlacht am Morgarten. Darauf schliessen Uri, Schwyz und Unterwalden den Bund von Brunnen. Im Zusammenhang mit dieser angeblichen Schlacht stellt sich die Frage: Was ist Mythos und was ist belegte Geschichte?

Hans Waldmann und Niklaus von Flüe – Haudegen und Heiliger Deutschsprachige Erstausstrahlung: Do. 14. November 2013 um 20.05 Uhr auf SRF 1 In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts waren die Eidgenossen eine militärische Grossmacht. Nach ihren Siegen in den Burgunderkriegen über das Heer Karls des Kühnen, Herzog von Burgund, waren sie als Bündnispartner gefragt und insbesondere ihre Soldaten als Söldner (Reisläufer) begehrt. Der Streit um die Verteilung der Burgunderbeute, Einfluss der Städte und die Aufnahme von Freiburg und Solothurn in den Bund führten zu gravierenden Konflikten in der fragilen Koalition. Für diese Epoche kennzeichnend waren die von Hans Waldmann geprägte eidgenössische Machtpolitik und die Vermittlerrolle des Eremits Niklaus von Flüe, der die Eidgenossen mahnte, «den Zaun nicht zu weit zu machen» und sich aus den Händeln der Welt herauszuhalten, womit er den drohenden Krieg unter den zerstrittenen Eidgenossen verhinderte. Doch erst die Niederlage bei der Schlacht von Marignano leitete die Abkehr von der eidgenössischen Grossmachtpolitik ein.

Hans Waldmann (1435–1489) stammte aus bescheidenen Verhältnissen, machte in Zürich eine Schneiderlehre und nahm an den Eroberungskriegen der Eidgenossen teil. Aufgrund seiner Herkunft blieb ihm ein gesellschaftlicher Aufstieg in der Gesellschaft zur Constaffel verwehrt, und in der Zunft zum Kämbel stieg er zum Ratsherr, 1483 zum Bürgermeister von Zürich auf. Erfahrung als Heerführer sammelte er als Fähnrich und Hauptmann im Dienst des Bischofs von Augsburg und im Waldshuterkrieg von 1468 als Hauptmann der Constaffel. 1476 führte er die Zürcher und Fribourger Truppen und den Gewalthaufen des eidgenössischen Heeres in die Schlacht bei Murten und wurde zum Ritter geschlagen. Auch in der letzten und ebenfalls siegreichen Konfrontation gegen den Herzog von Burgund erwies er sich bei der Schlacht von Nancy als fähiger Heerführer. Waldmann vermittelte im Auftrag der Tagsatzung Reisläufer an die europäischen Fürstenhäuser und wurde zu einem der mächtigsten und reichsten Männer der damaligen Eidgenossenschaft. 1489 wurde Waldmann nach einem Aufstand der Zürcher Bauern als Bürgermeister von einem Schnellgericht unter Anklage gestellt, verurteilt und enthauptet.

Niklaus von Flüe (1417–1487) war ein Bauer und Vater von zehn Kindern, bevor er sich 1467 auf eine Pilgerreise begab. Nach einer Vision baute er sich in der Ranftschlucht eine Hütte, in der er als Einsiedler ohne Nahrung lebte. Seit seinem Tod besuchen viele Pilger das Geburtshaus in Flüeli-Ranft, die 1467 erbaute Zelle des Eremiten und zwei Pilgerkapellen in der Ranftschlucht. Nationale Bedeutung erlangte von Flüe als Vermittler zwischen den 11 Kantonen und Stadtstaaten der Alten Eidgenossenschaft.

Guillaume Henri Dufour – Der General, der die Schweiz rettete Deutschsprachige Erstausstrahlung: Do. 21. November 2013 um 20.05 Uhr auf SRF 1 Guillaume Henri Dufour (1787–1875) war ein Politiker, Kartograf, Ingenieur und der erste General der Schweizer Armee. Seine humanistische Gesinnung verhinderte, dass der Sonderbundskrieg im November 1847 in einem Blutbad endete und eine verhältnismässig geringe Zahl an Toten auf beiden Seiten forderte. Zusammen mit Henri Dunant gehört er zu den Gründern des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes.

Alfred Escher und Stefano Franscini – Kampf um den Gotthard Deutschsprachige Erstausstrahlung: Do. 28. November 2013 um 20.05 Uhr auf SRF 1 Stefano Franscini (1796–1857) zählt zumindest in der Deutschsprachigen Schweiz zu den weniger bekannten Persönlichkeiten der Schweizer Geschichte. Als Regierungsrat und Nationalrat des Kantons Tessin wurde er zum ersten Italienischsprachigen Bundesrat. Er organisierte die erste Volkszählung der Schweiz und förderte die Gründung des Bundesamts für Statistik. Mit Unterstützung des Industriellen Alfred Escher initiierte Franscini die Gründung der Eidgenössischen Technischen Hochschule und gehört den wichtigsten Förderern beim Bau der Gotthardbahn.

Entstehung und Konzeption Basierend auf der Dokumentation Die Deutschen des ZDF erteilte die damalige Direktorin des Schweizer Fernsehens, Ingrid Deltenre, dem Chefredaktor Ueli Haldimann den Auftrag, das Konzept einer Dokumentation zur Schweizer Geschichte auszuarbeiten. Haldimann plante 1000 Jahre Schweizer Geschichte bis ins Jahr 1900 in zehn Folgen jeweils am Sonntagabend auszustrahlen. Auch für die Schweizer Geschichte repräsentative Frauenfiguren waren selbstverständlich im Ursprungskonzept vorgesehen.Christof Moser und Alan Cassidy in Schweiz am Sonntag online (20. Oktober 2013): Erst unter Roger de Weck kippten die Frauen raus, abgerufen am 20. Oktober 2013.

Die Verantwortlichen des Westschweizer Fernsehens (Télévision Suisse Romande) erachteten die Thematik für die Hauptsendezeit zwar als untauglich. Deltenre und Haldimann argumentierten, dass die Serie auch dem geschichtsblinden Schweizer Filmschaffen die Augen öffnen sollte, wie bereits 1980 mit dem Flüchtlingsdrama Das Boot ist voll. Als Zugeständnis gegenüber der Westschweiz (Romandie) wurde 2010 der Pilotfilm über Guillaume Henri Dufour produziert und mit Mitteln der SRG und Unterstützung von Armin Walpen, dem damaligen Direktor der SRG, finanziert. Mit dem Ausscheiden von Deltenre, Walpen und Haldimann wurde das Projekt vorerst sistiert. Roger de Weck, seit Januar 2011 Generaldirektor der SRG, war begeistert vom Pilotfilm und machte die Dokumentation zum SRG-Prestigeprojekt. «Die Reduktion von zehn auf vier Folgen erfolgte aus Kostengründen, den Entscheid fällte die Geschäftsleitung», bestätigt der Sprecher der SRG, Iso Rechsteiner. Mit dem Sparentscheid sollen «Wendepunkte der Schweizer Geschichte im 14., 15. und 19. Jahrhundert» in den Mittelpunkt rücken, und die nun fehlenden Porträts von Frauen werden damit begründet, dass «in dieser Phase keine Frau belegbaren Einfluss auf die Schweizer Geschichte genommen hat».

Produktion mini|Hintergasse in Rapperswil, einer der Drehorte Produziert wurde das vierteilige Doku-Drama von der Triluna Film AG in Zürich mit einem Kostenaufwand von etwa 5,6 Millionen (1,4 Millionen pro Folge) Schweizer Franken.Aussage von de Weck im Club Extra, SRF 1, 7. November 2013. Die ursprüngliche Pilotfolge Guillaume Henri Dufour – Der General der die Schweiz rettete wurde bereits 2010 gedreht. Die grosse Anzahl von Habsburger Truppen im Vorfeld der Schlacht am Morgarten wurde mit mehrfach digital eingefügten Originalaufnahmen ermöglicht.Einstein (Wissensmagazin), SRF 1 am 30. Oktober 2013.

Szenen im spätmittelalterlichen Zürich, in denen Hans Waldmann, dem späteren Bürgermeister von Zürich, von Zürcher Adligen der Constaffel der Zutritt verwehrt wird, wurden im Mai 2012 in der Hintergasse in Rapperswil gedreht. «In Zürich haben wir keine Gasse gefunden, die noch dem Bild des 15. Jahrhunderts entspricht», erklärte ein Vertreter der Produktionsfirma. An den Dreharbeiten wirken nebst den Darstellern und dem Produktionsteam rund 40 Statisten aus der Region mit.Ramona Kriese in Zürichsee-Zeitung online (25. Mai 2012): , abgerufen am 20. Oktober 2013.10vor10 vom 7. Oktober 2013. Die Dreharbeiten wurden auf SRF 1 in der Sendung Reporter aus der Sicht zweier Statisten dokumentiert.Ritterliche Nebenrolle , abgerufen am 25. Dezember 2013.

Ausstrahlung und Rezeption Ausgestrahlt wurden die vier Folgen jeweils am Donnerstag ab 7. November 2013 im Abendprogramm von SRF 1 und ab 10. März 2014 auf 3sat.

Kritik Schweizer Geschichte ohne Frauen Bereits im Vorfeld der Ausstrahlung wurde vehement kritisiert, dass unter den porträtierten Persönlichkeiten keine Frau sei, ein einseitiges Geschichtsbild vermittelt werde und seitens der SRG diese Sensibilität noch immer fehlt. 30 Jahre Gleichstellungspolitik würden ignoriert. Zu den Kritikerinnen zählten frühere Nationalratspräsidentinnen, unter ihnen Liliane Maury Pasquier (SP), Maya Graf (Grüne), Judith Stamm (CVP), Thérèse Meyer-Kaelin (CVP) und Pascale Bruderer (SP). Yvonne Feri protestierte im Namen der Frauen der SP mit 30 Unterschriften aus der SP-Fraktion bei Generaldirektor Roger de Weck gegen das männerlastige SRG-Projekt;Tages-Anzeiger online (13. Oktober 2013): Schweizer Geschichte ohne Frauen, abgerufen am 13. Oktober 2013. ein Mail von Ida Glanzmann (CVP) an de Weck und Verwaltungsratspräsident Raymond Loretan blieb unbeantwortet. Noch während der Parlaments-Session kam es zur Aussprache mit de Weck, der meinte, «... man habe die Frauen, die die Schweizer Geschichte im Hintergrund prägten, nicht in den Vordergrund rücken können, weil man damit das Publikum nicht abholen könne.»Christof Moser, Alan Cassidy und Florence Vuichard: Schweiz am Sonntag online (13. Oktober 2013): Frauen-Aufstand gegen SRG, abgerufen am 14. Oktober 2013. Die SRG verweist auf das Rahmenprogramm, in dem auch historisch bedeutende Schweizerinnen porträtiert werden sollen.

Die Historikerin Heidi Witzig brachte ein, dass die Serie geschlechterblind konzipiert sei, was beim heutigen Stand der Geschichtsforschung eigentlich nicht mehr möglich sein sollte, beispielsweise die fehlende Helvetik mit der Aufklärerin und Schriftstellerin Anne Louise Germaine de Staël hätte vertreten sein können, und dass die Schriftstellerin Johanna Spyri für das Bild der Schweiz von überragender Bedeutung sei.Christoph Bernet in 20 Minuten online (13. Oktober 2013): Empörung über Schweizer Geschichte ohne Frauen, abgerufen am 14. Oktober 2013.