mini|Herzog Adolph Friedrich, 1. Duke of Cambridge

HRH Prince Adolphus Frederick, 1. Duke of Cambridge (deutsch Adolph Friedrich, Herzog von Cambridge, * 24. Februar 1774 in London; † 8. Juli 1850 ebenda) war als Sohn des Königs Georg III. ein Prinz von Großbritannien und Irland und des Königreichs Hannover sowie britischer Feldmarschall.

Leben

mini|links|Adolph Friedrich als Chef der King’s German Legion, 1806

Adolph wurde in Kew (London)Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 12. als siebter Sohn des Königs Georg III. und dessen Frau Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz geboren. Er wurde nach dem Bruder der Königin auf den Namen Adolph Friedrich getauft. Mit 16 Jahren trat in die britische Armee ein, bevor er an der Universität Göttingen studierte.

Im Ersten Koalitionskrieg wurde er 1793 bei Hondschoote in Französisch-Flandern gefangen genommen, jedoch bald ausgetauscht. 1798 beförderte man ihn zum Lieutenant General. 1800 wohnte er im Rahmen der Moorkolonisation der Gründung eines Dorfes bei, das er dann nach sich selbst benannte: Adolphsdorf, seit 1974 ein Ortsteil Grasbergs.Im Gedenken an dieses Ereignis stiftete sein Ur-Ur-Großneffe Prinz Ernst August von Hannover dem Schützenverein Adolphsdorf 1975 einen Pokal und erlaubte den Mitgliedern sein Familienwappen auf den Schützenröcken zu tragen. Cf. Johannes Kessels, "Fast wie eine Königsfamilie: Neue Majestäten heißen alle Helmke oder Kück", in: Wümme-Zeitung; 2. Juni 2009.

1801 ging er nach Berlin, um die dort beschlossene Besetzung Kurhannovers zu verhindern, was ihm jedoch nicht gelang. Es gab danach einen weiteren erfolglosen Plan, ihn an die Spitze der bewaffneten Bevölkerung von Hannover zu stellen. Er konnte der Kapitulation nur entgehen, indem er die Befehlsgewalt dem General Wallmoden überließ. 1803 wurde er Oberbefehlshaber der neu gegründeten und in England stationierten King’s German Legion, die ab 1816 teilweise in der Hannoverschen Armee aufging.

Am 27. November 1801 hatte ihm sein Vater in der Peerage of the United Kingdom die erblichen Adelstitel Duke of Cambridge, Earl of Tipperary und Baron Culloden verliehen.

mini|links|Medaille auf den Herzog anlässlich der Rückkehr der Engländer 1814 nach Hannover

mini|„Einzug seiner Königl. Hoheit des Herzogs v. Cambridge in Hannover“ am Steintor am 19. Dezember 1813; Gouache von Johann Heinrich Ramberg; Historisches Museum Hannover

Nach der erneuten Inbesitznahme und Erhebung zum Königreich Hannover im Jahr 1814 wurde Adolph am 24. Oktober 1816 dorthin entsandt, um als Generalstatthalter zu fungieren. Im Jahr 1819 wurde unter ihm die alte ständische Verfassung neu geregelt und ein Zweikammerparlament eingeführt. 1820 starb Georg III. und der bisherige Prinzregent, Adolphs ältester Bruder, bestieg als Georg IV. den britischen und hannoverschen Königsthron. Dieser verstarb 1830 nach zehnjähriger Herrschaft kinderlos, sodass sein Bruder Wilhelm IV. König wurde.

mini|links|Wappen des Prinzen Adolph Friedrich

mini|Göttingen, Erinnerungstafel für das frühere Prinzenhaus und seine bekannten Gäste

Nach den Unruhen in Göttingen im Jahr 1831 wurde Adolph Friedrich durch seinen königlichen Bruder als Vizekönig eingesetzt. In einer Staatsreform von 1833 wurden Parlament und Volk in begrenztem Maße weitergehende Rechte zugestanden. Nach dem Tod seines Bruders Wilhelm IV. (the sailor king) fiel Hannover 1837 an Ernst August, einen weiteren älteren Bruder von Adolph Friedrich, während der britische Thron an beider Nichte Victoria fiel. Da durch die Auflösung der Personalunion mit Großbritannien zum ersten Mal seit 1714 wieder ein hannoverscher Herrscher vor Ort regieren würde, wurde das Amt des Vizekönigs hinfällig. Daraufhin kehrte Adolph nach Großbritannien zurück und betätigte sich hier als Präsident vieler Wohltätigkeitsvereine, die er zum Teil selbst gründete – so unter anderem das deutsche Hospital in London.

Als Vizekönig und jovialer Statthalter der bis 1837 in London residierenden Könige von Hannover war Adolph Friedrich durchaus beliebt, im Gegensatz zu dem auf ihn folgenden, autokratisch regierenden König Ernst August. Die nach Adolphs Dukedom benannten Cambridge-Dragoner, ein Reiterregiment, waren ihrerseits Namensgeber der bis 1995 von der Bundeswehr genutzten Cambridge-Dragoner-Kaserne in Celle. Der Marsch des Hannoverschen Cambridge-Dragoner-Regiments ist Bestandteil der Armeemarschsammlung der Bundeswehr. Die Erinnerung an den mehr als zwei Jahrzehnte in Hannover regierenden Duke of Cambridge, der als trinkfest bekannt war, hat sich auch noch lange Zeit in einem plattdeutschen Trinkspruch gehalten: Pitsche, pitsche, pitsche, der Herzog von Cambridsche. Hei kümmt, hei kümmt, hei kümmt, ob hei noch einen nümmt? Hei nümmt noch einen ... na denn man prost!Dirk Böttcher, Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein, Hugo Thielen: Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9, S. 24.

In der Nähe von Göttingen verfügte er mit dem Jagdschloss Neuhaus und dem Schloss Rotenkirchen über zwei Landsitze. In London erwarb er 1829 ein Stadtpalais, das er bis zu seinem Tod bewohnte und das nach ihm heute Cambridge House genannt wird.

Ehrungen Knight Companion des Hosenbandordens, 1786 Mitglied des Kronrates, 1802 Knight Grand Cross des Bath-Ordens, 1815 Knight Grand Cross des Guelphen-Ordens, 1815 Knight Grand Cross des Orden vom Heiligen Michael und Georg, 1825

Ab 1790 war Adolph Friedrich korrespondierendes Mitglied und ab 1802 Ehren-Präsident der Göttinger Akademie der Wissenschaften.Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, Bd. 246 = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Mathematisch-Physikalische Klasse. Folge 3, Bd. 50). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 24.

Quäker gründeten 1784 in Ontario das nach Adolph Friedrich benannte Adolphustown (heute zu Napanee). Im Jahre 1800 wohnte er der Gründung der Findorffschen Moorkolonie Adolphsdorf bei, das nach ihm benannt wurde.Johannes Kessels, „Fast wie eine Königsfamilie: Neue Majestäten heißen alle Helmke oder Kück“, in: Wümme-Zeitung; 2. Juni 2009. Das Fuchsloch-Ravelin der Stadtbefestigung Stade wurde 1823 ihm zu Ehren in Adolphs-Ravelin umbenannt.Jürgen Bohmbach, , Stade: Landschaftsverband der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden, 1994ff, (=Wege in die Kulturlandschaft zwischen Elbe und Weser; Nr. 22), 6. Abschnitt, abgerufen am 13. März 2022. Das 1827 gegründete Gut Adolphshof bei Hämelerwald ist nach Adolph benannt worden. Er gewährte dem Gründer des Gutes eine finanzielle Unterstützung durch ein Darlehen.

Im Jahre 1839 benannte eine Expedition der Hudson’s Bay Company eine Bucht im heutigen Territorium Nunavut im Norden von Kanada nach dem Duke Cambridge Bay.

Ahnentafel Ahnentafel Adolphus Frederick, 1. Duke of Cambridge Urur-groß-eltern 30px|Britische St.-Edwards-KroneKönig Georg I.(1660–1727)⚭ 1682Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg(1666–1726) MarkgrafJohann Friedrich von Brandenburg-Ansbach(1654–1686)⚭ 1681Eleonore von Sachsen-Eisenach(1662–1696) HerzogFriedrich I. von Sachsen-Gotha-Altenburg(1646–1691)⚭ 1669Magdalena Sibylle von Sachsen-Weißenfels(1648–1681) FürstKarl Wilhelm von Anhalt-Zerbst(1652–1718)⚭ 1676Sophia von Sachsen-Weißenfels(1654–1724) HerzogAdolf Friedrich I. von Mecklenburg(1588–1658)⚭ 1635Marie Katharina von Braunschweig-Dannenberg(1616–1665) FürstChristian Wilhelm von Schwarzburg-Sondershausen(1647–1721)⚭ 1673Antonie Sibylle von Barby und Mühlingen(1641–1684) HerzogErnst von Sachsen-Hildburghausen(1655–1715)⚭ 1680Sophia Henriette von Waldeck(1662–1702) GrafGeorg Ludwig I. von Erbach-Erbach(1643–1693)⚭ 1664GräfinAmalia Katharina von Waldeck-Eisenberg(1640–1697)Ur-groß-eltern 30px|Britische St.-Edwards-KroneKönig Georg II.(1683–1760)⚭ 1705Caroline von Brandenburg-Ansbach(1683–1737) HerzogFriedrich II. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1676–1732)⚭ 1696Magdalena Augusta von Anhalt-Zerbst (1679–1740) HerzogAdolf Friedrich II. von Mecklenburg-Strelitz(1658–1708)⚭ 1705Christiane Emilie Antonie von Schwarzburg-Sondershausen(1681–1751) HerzogErnst Friedrich I. von Sachsen-Hildburghausen (1681–1724)⚭ 1704Sophia Albertine von Erbach-Erbach(1683–1742)Groß-eltern 30px|Krone des Prince of WalesPrinz Friedrich Ludwig (1707–1751)⚭ 1736Augusta von Sachsen-Gotha-Altenburg (1719–1772) Herzog Karl zu Mecklenburg (1708–1752)⚭ 1735Elisabeth Albertine von Sachsen-Hildburghausen (1713–1761)Eltern 30px|Britische St.-Edwards-KroneKönig Georg III. (1738–1820)⚭ 1761Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz (1744–1818) Adolphus Frederick, 1. Duke of Cambridge

Nachkommen Er war verheiratet mit Prinzessin Auguste von Hessen. Aus der Ehe gingen folgende Kinder hervor:

HRH Prince George William Frederick Charles, 2. Duke of Cambridge (1819–1904) HRH Princess Augusta Karoline of Cambridge (1822–1916); ⚭ Erbgroßherzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg-Strelitz (1819–1904) HRH Princess Mary Adelaide of Cambridge (1833–1897); ⚭ Herzog Franz von Teck (1837–1900), Eltern von Queen Mary

Literatur

Wilhelm Rothert: Allgemeine Hannoversche Biografie, Band 2: Im Alten Königreich Hannover 1814–1866; Hannover: Sponholtz, 1914, S. 20–34. Eva Catherina Heesen: Adolph Friedrich, Herzog von Cambridge als Generelgouverneur und Vizekönig von Hannover, 1816–1837 (Quellen und Darstellungen zur Geschichte Niedersachsens; 139), Hannover: Wehrhahn 2018, ISBN 978-3-86525-589-1.

Einzelnachweise

Weblinks

Informationen auf www.welfen.de Literatur über Adolphus Frederick in der Niedersächsischen Bibliographie

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