David Oliver (* 6. Februar 1880 in Uniz, Galizien, Österreich-Ungarn Quelle: Heiratsurkunde Nr. 652 vom 30. Juni 1920, Standesamt Berlin III, Landesarchiv Berlin.; † 11. November 1947 in London, Vereinigtes KönigreichEngland und Wales, nationaler Nachlasskalender, Jahr 1948, Eintrag David Oliver. Quelle: ancestry.com) war ein österreichischstämmiger, Filmproduzent beim deutschen Stummfilm.
Leben David Oliver stammte aus Westgalizien und war jüdischen Glaubens. Um den immer wieder aufflackernden Pogromen in seiner Heimat zu entgehen, wandte er sich nach Westen und eröffnete 1905 in Bremen ein Kino,„Das Foyer und die Garderobe wurden elegant ausgestattet, die 1.000 vorhandenen Sitzplätze bequem gepolstert …“ beschrieb Oliver sein Etablissement selbst, vgl. Stratenwerth-Simon S. 16 und Anm. 13 nachdem er die geschäftlichen Möglichkeiten erkannt hatte, die ihm dieses neue Unterhaltungsmittel bot. Als Filmkaufmann erfolgreich, baute er anschließend in Hannover, Dresden, Halle und vor allem in Leipzig große Kinopaläste.so bei Krejsa S. 30
Zehn Jahre später besaß er eine eigene Filmfirma.Er war “ein geschäftstüchtiger Mann”, behauptete Der Spiegel 36/1950 in seinem Artikel BEI DER UFA MACHTE MAN DAS SO ... vom 6. September 1950: “Auch eine Produktionsfirma besaß David schon, die Oliver-Film G. m. b. H., aber sie ging nicht gut. Für Produktion und Fragen des filmischen Geschmackes war der geschäftstüchtige Pole nicht ganz der richtige Mann. Er sprach knapp tausend Worte deutsch.” (Man beachte, wie sehr zu dieser Zeit noch die Feindbilder des gerade zu Ende gegangenen “Dritten Reiches” wirksam waren. Vgl. dazu Artikel Sehr intelligent, sehr gut vernetzt in: Der Spiegel vom Samstag, 22. September 2012: “Der SPIEGEL der späten vierziger und der fünfziger Jahre ist meilenweit entfernt vom aufklärerischen Anspruch späterer Jahre”) ; Marc Oliver und Werner Dieter Thomas liegen handgeschriebene Briefe von Oliver vor, die das Gegenteil belegen; in einem davon ist ein Gedicht auf Deutsch, das er aus dem Stegreif verfasst hatte, um seinem Sohn zum bestandenen Abitur zu gratulieren. Auch sind sämtliche von ihm bekannten Verträge ausschließlich auf Deutsch abgefasst. Bei seiner Immigration nach England wird er als österreichischer Staatsangehöriger registriert. Seine Gesellschaft, die Berliner Oliver-Film GmbH,mit einem Gründungskapital von 50 000 Mark im Berliner Gewerberegister eingetragen unter der Nr. 13 732 am 28. April 1915, vgl. Hampicke S. 73 beherrschte bei Kriegsausbruch 1914 rund 25 Prozent des deutschen Film-Marktes. Oliver leitete zudem die Nordische Films Co., war also Chef der deutschen Verleih-Organisation der seit 1906 in Kopenhagen operierenden Nordisk Film,Stammkapital 1917/18 rund 8 Mio. Kronen, vgl. Zglinicki S. 397, dazu Stratenwert-Simon S. 22: "David Oliver, bisher Kinobetreiber in Bremen und Ostdeutschland, wird zum Erbauer eines verschachtelten Konzerns, der einerseits skandinavische und amerikanische Filme über die Nordische Films Co. vertreibt, andererseits tritt er unter dem Titel seiner Firma Oliver Film mit seinen eigenen Produktionen streng vaterländisch auf..." für die Spitzenkräfte wie Urban Gad, Valdemar Psilanderder Kinokapellmeister Alexander Schirmann widmete den Titelsong zu dessen Erfolgsfilm Klovnen / Der tanzende Tor auf dem Notenblatt ausdrücklich "Herrn Generaldirektor Oliver in Verehrung", vgl. Abb. bei Zglinicki im Bildteil und Asta Nielsen arbeiteten.
Die Berliner Oliver-Film GmbH produzierte Spiel- und Dokumentarfilme. Eine der Stars war die Berliner Schauspielerin Dorrit Weixler, * 27. März 1892 Berlin; † 30. November 1916 Berlin, durch Selbstmord mit der ab 1915 mehrere Filme entstanden.Dorritts Chauffeur (1915), Dorrit bekommt eine Lebensstellung, Doritts Eheglück (beide 1916), Dorittchens Vergnügungsreise (1921) Unter den Dokumentarfilmen waren Natur- und Landschaftsbilder aus der näherenWinter im Harz 1916, Kirschblüte im Elbtal 1916, Die Havel von Potsdam nach Wannsee 1916 wie der fernerenDer Kaukasus 1916, Die Sonnenfinsternis in Kalakaua 1917 Umgebung, StädteporträtsGrimma in Sachsen 1916, Eilenburg an der Mulde 1916, Bad Elster, die Perle in Sachsen 1918 ebenso wie solche allgemeinbildenden bzw. volkserzieherischen CharaktersSoziale Fürsorge-Ausstellung Brüssel 1916, Moderne deutsche Feuerwehr 1916/17, Tuberkulose-Fürsorge 1917 sowie 1921, Eine Stunde in der Konsumgenossenschaftsbäckerei Berlin-Lichterfelde 1917, In den Farbenfabriken Bayer und Co, Leverkusen bei Cöln a. Rh. 1917 und Kriegsreportagen.Sanitätshunde 1916, Im Kampf um Verdun 1916, Episoden aus der Sommeschlacht 1917, Im Vereinslazarett vom Roten Kreuz der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte 1917
Im Frühjahr 1915 erwarb Oliver von Paul Davidson dessen gesamte Union-Theater-Kette.vgl. Stratenwerth-Simon S. 52 und Anm. 21 Zusammen mit Emil Georg von Stauß und Alexander Grau gehörte er im November 1917 zu den Gründungsvätern der UFA, nachdem die Nordisk sich mit anderen deutschen Filmgesellschaften zusammengetan und die Oberste Heeresleitung unter General Erich Ludendorff ihren Segen dazu erteilt hatte.vgl. Horak 2014 und Zglinicki S. 387 ff.
Im März 1919 übernahm sein Geschäftsführer Heinrich Bolten-Baeckers die Oliver-Film GmbH und wandelte das Unternehmen in die B-B Film Bolten-Baeckers GmbH um.HRB Nr. 13732, Eintrag im Berliner Handelsregister am 29. Juli 1919 Im Jahr 1920 wurde David Oliver Vorstandsmitglied bei der Deutschen Bioscop AG, die ab dem 29. April als Decla-Bioscop AG firmierte.HRB Nr. 17719, Einträge im Berliner Handelsregister am 3. April 1920 und 29. Juni 1920
In den 1920er Jahren verlagerte er das Schwergewicht seiner Unternehmungen von der Filmherstellung auf das Verleih- und Theatergeschäft. In Berlin-Charlottenburg ließ er von Hans Poelzig das Capitol-Theater mit über 1.300 Sitzplätzen erbauen.vgl. Zglinicki S. 448, und Ufa-Mann 2012: Built by David Oliver. Designed by Hans Poelzig, dort auch ein Photo (innen) von 1926 Es wurde am 20. Dezember 1925 mit dem Film Der Dieb von Bagdad eröffnet.ein Photo (außen und innen) in Kinowiki 1929 war Oliver am Bau des mit 2.667 Plätzen damals größten Lichtspieltheaters in Europa, des prächtigen UFA-Palastes in Hamburg, beteiligt.erbaut von den Architekten Bloch & Hochfeld, eröffnet am 21. Dezember 1929, vgl. Artikel bei allekinos.com und Abb. im Kinowiki (außen) und (innen)
Nach dem 1. April 1933, als die UFA sämtliche Mitarbeiter jüdischer Abstammung entließ, kehrte Oliver Deutschland den Rücken und emigrierte nach Spanien. Dort konnte er zwar noch einmal eine eigene Firma gründen, die Iberica Films, und mit ihr einige Filme produzieren,einer davon war Doña Francisquita, 1934 in Spanien von deutschen Exilanten gedreht: Regisseur war Hans Behrendt, der zehn Jahre später in Auschwitz ermordet wurde. Am Buch schrieb Hans Jacoby mit, an der Kamera stand Heinrich Gärtner. Die Musik stammte von Jean Gilbert, d. i. Max Winterfeld; vgl. Imdb jedoch musste nach Ausbruch des Bürgerkrieges 1936 erneut flüchten, diesmal nach England. In London half er Alexander Korda, welcher selbst Emigrant war, beim Aufbau der Denham Studios, die damals die modernsten Studioanlagen im Vereinigten Königreich darstellten. Im Jahr 1940 wurde er als Male Enemy Alien für knapp drei Monate interniert.Großbritannien, ausländische Internierte im 2. Weltkrieg, 1939–1945, Karteikarte David Oliver, Quelle: ancestry.com Bis zu seinem Tode im November 1947 war er dort Leiter der Denham Studios Laboratories.deren Gebäude wurden von dem Bauhaus-Architekten Walter Gropius entworfen und stehen heute unter Denkmalschutz. Oliver wurde 67 Jahre alt.
Sein Enkel Marc Oliver, geboren 1966, ist Schauspieler und Filmproduzent in Kanada.vgl. In: linkedin.com
Filmografie 1915: Die Liebesküche 1915: Die Jagd nach dem Glück 1915: Karline 1915: Nur nicht abergläubisch sein 1915: Eine Dach-Tragödie 1915: Der Meisterdetektiv 1915: Müllers Verhängnis 1915: Die Schwestern 1915: Ein kluges Herz 1915: Auf Hoheits Fürsprache 1915: Dorrits Chauffeur 1915: Die Mieze von Bolle 1915: Die Liebesprobe 1915: Die Macht des Schicksals 1915: Guido, der Erste 1915: Ein Affe wird gesucht 1915: Aschenbrödelchen 1915: Ein angenehmer Gast 1915: Schokolade und Liebe 1915: Guido im Paradies 1915: Kloster Himmelpfort 1915: Der Schatten am Fenster 1915: Die Sünde tötet 1915: Die Schlangentänzerin 1915: Durch das Löcknitzgebiet 1915: Bilder vom Werbellinsee 1916: Sabina 1916: Die Nixenkönigin 1916: Im Reich der Zwerge 1916: Ganz der Papa 1916: Garmisch-Partenkirchen 1916: Angelas Mietgatte 1916: Paulchen Semmelmann 1916: Soziale Fürsorge-Ausstellung Brüssel 1916 1916: Seine schwache Stunde 1916: Eine fatale Situation 1916: Fürst Bülow in Brunnen 1916: Ein helles Mädchen 1916: Die Erziehung zum Mustergatten 1916: Im Kampf um Verdun 1916: Nottebohms mißglückte Heirat 1916: Der versiegelte Bürgermeister 1916: Templin in der Mark 1916: Ein teurer Traum 1916: Florians Tante 1916: Waren am Müritzsee 1916: Frankenhausen am Kyffhäuser 1916: Wie man seinen Mann kuriert 1916: Freiburg an der Unstrut 1916: Allzuviel ist ungesund 1916: Rentier Knüppeldick 1916: Knüppeldick – nudelweich 1916: Schlittenfahrt auf der Hagenstraße von Schierke nach Wernigerode 1916: Schierke und das Bodetal 1916: Winter im Harz 1916: Der Kaukasus 1916: Guido und seine Kinder 1916: Max als Jugendwächter 1916: Sein Geheimnis 1916: Sanitätshunde 1916: Rund um den Rasbek 1916: Adam und Eva 1916: Das Recht der Erstgeborenen 1916: Eilenburg an der Mulde 1916: Dorrits Eheglück 1916: Dorritchens Vergnügungsreise 1916: Der Mann ohne Kopf 1916: Dorrit bekommt eine Lebensstellung 1916: Der Radiumraub 1916: Professor Erichsons Rivale 1916: Maria 1916: Die Havel von Potsdam nach Wannsee 1916: Mausi 1916: Kirschblüte im Elbtal 1916: Der Hund mit dem Monokel 1916: Fliegende Schatten 1916: Einmal und nicht wieder 1916: Grimma in Sachsen 1916: Die Wasserfälle der Stillungklamm 1916: Ein nettes Pflänzchen 1916: Die gestörte Hochzeitsnacht 1917: Moderne deutsche Feuerwehr 1917: Prinzeßchen soll heiraten 1917: Hindenburg hat Zahnschmerzen 1917: Baronin Kammerjungfer 1917: Der letzte am Tatort 1917: Schweizer Kadetten 1917: Die Männerfeindin 1917: Bulli als Heiratsvermittler 1917: Leichtathletische Wettkämpfe des 19. Armeekorps 1917: Szenen aus dem Gefangenenlager in Mannheim 1917: Ein Besuch des Kriegsblindenheims 1917: Es war ein Sonntag hell und klar 1917: In Bern wurde am 18. August 1917 die deutsche Werk-Bund-Ausstellung eröffnet 1917: Liebe und Posaunenblasen 1917: Paul und Teddy 1917: Wohne nie nebenan 1917: Weg mit dem Schuhzeug 1917: Bade zu Hause 1917: Die kleine Lotte und der ruppige Fritz 1917: Bub oder Mädel 1917: Wer ist Herr im Hause? 1917: Glück muß ein junger Mensch haben 1917: Onkel Doktor 1917: Die Sonnenfinsternis in Kalakaua 1917: Die möblierten Freunde 1917: Fantasie-Tänze 1917: Der Reiseonkel 1917: Der Herr Assessor 1917: Zahnarzt wider willen 1917: Die Jahresfeier der Fabrik Turn und Taxis in Brüssel 1917: Im Vereinslazarett vom Roten Kreuz der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte 1917: Unsere Helden an der Somme 1917: Grube Cecilie 1917: Tuberkulose-Fürsorge 1917: Fiffi 1917: Die Pannwitz’sche Freiluftschule in Hohenlychen 1917: Eine Stunde in der Konsumgenossenschaftbäckerei Berlin-Lichterfelde 1917: In den Farbenfabriken Bayer und Co, Leverkusen bei Cöln a. Rh. 1917: Paulchen, der Mohrenknabe 1917: Paulchen im Liebesrausch 1917: Das Wäschermädel Seiner Durchlaucht 1917: Das Fräulein von der Kavallerie 1917: Gesucht ein Mann, der ein Mann ist 1917: Ballzauber 1917: Onkelchens Liebling 1917: Episoden aus der Sommeschlacht 1917: Ein Jagdausflug nach Berlin 1917: Gütertrennung 1917: Die weltberühmten Brunos 1918: Der Schockschwerenöter 1918: Ersatz 1918: Die Nacht des 24. August 1918: Die Königin einer Nacht 1918: Sie gewinnt sich ihren Mann