25px|verweis=Regenbogentrikot Straßenradsport-Weltmeisterschaften 2016 mini|333px|zentriert|Die meisten Rennen dieser Straßen-WM fanden auf der künstlichen Insel The Pearl in Doha statt. Veranstalter Union Cycliste Internationale Sportart Straßenradsport Gastgeber Datum 9.–16. Oktober 2016 Teilnehmende Nationen 74 Wettbewerbe 12 Offizielle Website www.dohacycling2016.com ← Richmond 2015 Bergen 2017 →

Die Straßenradsport-Weltmeisterschaften 2016 fanden vom 9. bis 16. Oktober in Doha in Katar statt.

Die Weltmeisterschaften setzten sich aus insgesamt zwölf Wettbewerben zusammen, je einem Straßenrennen, Mannschaftszeitfahren sowie einem Einzelzeitfahren für Männer und Frauen sowie je einem Straßenrennen und einem Einzelzeitfahren für U23-Fahrer, Junioren und Juniorinnen.

Vergabe und Verlauf mini|hochkant|links|Wurde zum zweiten Mal in Folge Weltmeister: Peter Sagan Die Vergabe der WM an Katar war im September 2012 vom Weltradsportverband Union Cycliste Internationale (UCI) bekannt gegeben worden. Es ist die erste Straßen-WM, die im Nahen Osten ausgetragen wurde und die zweite in Asien nach der WM 1990 in Japan. Organisatoren waren John Lelangue, ehemaliger Sportlicher Leiter des BMC-Teams und heutiger Chef des katarischen Radsportverbandes, sowie der mehrfache ehemalige Weltmeister aus Belgien, Eddy Merckx. Laut Veranstalter nahmen rund 1000 Sportlerinnen und Sportler aus 75 Ländern teil; erstmals dabei war eine Mannschaft aus Pakistan.

Der flache Kurs in Doha war prädestiniert für Sprinter und Klassikerfahrer. Die Einzelzeitfahren und die Straßenrennen der Junioren und Juniorinnen sowie der Männer-U23 fanden ausschließlich auf einem 15,3 Kilometer langen Rundkurs über die künstliche Insel The Pearl statt, die Straßenrennen von Frauen und Männern sowie das Einzelzeitfahren der Männer führten darüber hinaus in den Süden beziehungsweise den Norden von Doha. Anstiege gab es auf dem Kurs in Katar keine, dafür war mit Windkantenrennen entlang des Meeres zu rechnen. Auf der Strecke gab es 24 Kreisverkehre sowie drei scharfe Kurven.

In den Wochen vor den Weltmeisterschaften gab es Streit zwischen der UCI und der Teamvereinigung Association Internationale des Groupes Cyclistes Professionnels (AIGCP) um die Teilnahme am dortigen Teamzeitfahren. Die AIGCP drohte damit, das Zeitfahren zu boykottieren, unter anderem wegen fehlender Kostenerstattung. Schließlich einigte man sich, so dass zehn Teams ihre Teilnahme zusagten.

Am 15. Oktober fand vor dem Straßenrennen der Frauen ein dreistündiges Jedermannrennen (Ride of Champions) statt.

Der Termin für die WM, die ansonsten jährlich im September stattfinden, wurde wegen der dann zu erwartenden extremen Hitze einige Wochen nach hinten verschoben. Die UCI gab die Broschüre Beat the Heat heraus, mit Tipps für die Radsportler, wie sie der Hitze am besten begegnen können.Beat the Heat (PDF-Datei) Kritik an den „unmöglichen“ äußerlichen Bedingungen wies Organisator Eddy Merckx jedoch zurück: In Doha sei es nicht heißer als etwa in Kalifornien oder bei der Vuelta a España. Deshalb sei es zum Beispiel auch nicht notwendig, die Strecken zu verkürzen, wie vielfach diskutiert.

Die Weltmeisterschaften litten an mangelnder Atmosphäre, da kaum Zuschauer vor Ort waren: Sie seien daher fast „surreal“. Der niederländische Fahrer Tom Dumoulin sagte, es sei eine „triste Weltmeisterschaft“. Beim Zeitfahren der Männer konnte man die Zuschauer im Zielbereich an zwei Händen abzählen, „an der Strecke selbst herrschte zumeist Totenstille“. Umso mehr Aufmerksamkeit erhielt die ungewöhnliche Siegerehrung der italienischen Juniorin Elisa Balsamo, bei der ihre Mannschaftskameradinnen inbrünstig die italienische Nationalhymne anstimmten.

Auch die deutsche Radsport-Webseite radsport-news kritisierte die Vergabe der Weltmeisterschaften an Katar wie auch die Rolle von Eddy Merckx: „Bitte nie wieder eine Straßen-WM in einem Land, das mit Radsport soviel gemein hat wie Rosamunde Pilcher mit dem Literaturnobelpreis.“ Im Sinne der Globalisierung des Radsports seien Weltmeisterschaften in Afrika sinnvoller, da dort große Begeisterung herrsche. Leider könne sich kein afrikanisches Land Weltmeisterschaften leisten, und die UCI folge „nur der Spur des Geldes“.

Wettkämpfe Datum Zeit (EDT) Klasse Distanz Runden Weltmeister 2016 Weltmeister 2015 Mannschaftszeitfahren Sonntag, 9. Oktober 14:15 Elite Frauen 40 km 14:15 Elite Männer 40 km Einzelzeitfahren Montag, 10. Oktober 9:30 Juniorinnen 13,7 km 11:30 Männer U 23 28,9 km Dienstag, 11. Oktober 9:00 Junioren 28,9 km 14:15 Elite Frauen 28,9 km Mittwoch, 12. Oktober 13:00 Elite Männer 40 km Tony Martin Straßenrennen Donnerstag, 13. Oktober 12:00 Männer U 23 165,7 km 10 Freitag, 14. Oktober 08:30 Juniorinnen 74,5 km 4 13:15 Junioren 135,3 km 8 Samstag, 15. Oktober 12:45 Elite Frauen 134,1 km 7 Sonntag, 16. Oktober 10:30 Elite Männer 257,5 km 7 Uhrzeiten: EDT = MESZ + 1 Stunde

Ergebnisse Frauen Straßenrennen Streckenlänge: 134,1 Kilometer. Es waren 146 Fahrerinnen am Start, von denen 103 das Ziel erreichten; eine Fahrerin wurde disqualifiziert. Platz Athletin Land Zeit 1 Amalie Dideriksen 3:10:27 h 2 Kirsten Wild + 0:00 min 3 Lotta Lepistö + 0:00 min 4 Lizzie Deignan + 0:00 min 5 Marta Bastianelli + 0:00 min 6 Roxane Fournier + 0:00 min 7 Chloe Hosking + 0:00 min 8 Sheyla Gutiérrez + 0:00 min 9 Joëlle Numainville + 0:00 min 10 Jolien D’hoore + 0:00 min … 12 Lisa Brennauer + 0:00 min 52 Stephanie Pohl + 0:12 min 63 Sarah Rijkes + 0:18 min 70 Romy Kasper + 0:22 min 72 Mieke Kröger + 0:22 min 70 Trixi Worrack + 0:27 min 80 Lisa Klein + 0:39 min 101 Nicole Hanselmann + 10:31 min

Einzelzeitfahren Streckenlänge: 28,9 Kilometer. Es waren 41 Fahrerinnen am Start, eine Fahrerin wurde disqualifiziert. Platz Athletin Land Zeit (min) Abstand 1 Amber Neben 36:37,04 min(47,355 km/h) 2 Ellen van Dijk 36:43,03 + 5,99 s 3 Katrin Garfoot 36:45,36 min + 8,32 s 4 Olga Sabelinskaja 36:48,56 min + 11,52 s 5 Annemiek van Vleuten 37:02,83 min + 25,79 s 6 Lisa Brennauer 37:34,63 min + 57,59 s 7 Trixi Worrack 37:48,18 min + 1:11,14 min 8 Ann-Sophie Duyck 38:05,00 min + 1:27,96 min 9 Katarzyna Pawłowska 38:13,53 min + 1:36,49 min 10 Alena Amjaljussik 38:18,63 min + 1:41,59 min … 29 Nicole Hanselmann 40:52,17 min + 4:15,13 min

Mannschaftszeitfahren Streckenlänge: 40 Kilometer. Insgesamt nahmen acht Teams teil. Platz Team Athletinnen Zeit 1 Boels Dolmans Cyclingteam Chantal Blaak / Karol-Ann Canuel / Lizzie Deignan /Christine Majerus / Evelyn Stevens / Ellen van Dijk 48:41,62 min(49,288 km/h) 2 Canyon SRAM Racing Alena Amjaljussik / Hannah Barnes / Lisa Brennauer /Elena Cecchini / Mieke Kröger / Trixi Worrack+ 48,24 s 3 Cervélo Bigla Pro Cycling Team Ciara Horne / Lisa Klein / Lotta Lepistö /Ashleigh Moolman / Joëlle Numainville / Stephanie Pohl + 1:56,47 min 4 BePink Amber Neben / Francesca Pattaro / Ilaria Sanguineti /Silvia Valsecchi / Georgia Williams / Olga Sabelinskaja + 2:46,03 min 5 Twenty 16-Bikerider Kristin Armstrong / Allie Dragoo / Chloé Dygert /Annie Foreman-Mackey / Alison Jackson / Leah Thomas + 2:46,73 min 6 Hitec Products Charlotte Becker / Cecilie Johnsen / Julie Leth /Emilie Moberg / Thea Thorsen / Kirsten Wild + 3:23,53 min 7 BTC City Ljubljana Polona Batagelj / Eugenia Bujak / Corinna Lechner /Olena Pawluchina / Anna Plichta / Mia Radotić + 3:43,10 min 8 Rabo Liv Women Cycling Team Shara Gillow / Roxane Knetemann / Anouska Koster /Katarzyna Niewiadoma / Moniek Tenniglo / Anna van der Breggen + 6:03,33 min Nachdem Canyon SRAM sowie dessen Vorgängermannschaften seit 2012 viermal nacheinander Weltmeister geworden war, riss in Doha die Erfolgsserie und das Team musste sich gegen Boels Dolmans, im vergangenen Jahr noch Vize-Weltmeister, um 48 Sekunden geschlagen geben. Das lag auch daran, dass das niederländische Team von allen Mannschaften am längsten mit sechs Fahrerinnen zusammen blieb. Das andere niederländische Team Rabo Liv belegte mit über sechs Minuten Abstand den letzten Platz, nicht zuletzt deshalb, weil die Fahrerin Anouska Koster in ein Absperrgitter gestürzt war. Da die Mannschaft zu diesem Zeitpunkt nur noch zu viert fuhr, warteten die anderen drei Fahrerinnen auf sie. Anderenfalls wäre das Team im Ziel nicht gewertet worden. Koster wurde in ein Krankenhaus gebracht, erlitt aber keine schweren Verletzungen.

Ergebnisse Männer Straßenrennen Streckenlänge: 257,3 Kilometer. Es gingen 199 Fahrer an den Start, von denen 53 im Ziel ankamen. Platz Athlet Land Zeit 1 Peter Sagan 5:40:43 h 2 Mark Cavendish + 0:00 min 3 Tom Boonen + 0:00 min 4 Michael Matthews + 0:00 min 5 Giacomo Nizzolo + 0:00 min 6 Edvald Boasson Hagen + 0:00 min 7 Alexander Kristoff + 0:00 min 8 William Bonnet + 0:00 min 9 Niki Terpstra + 0:00 min 10 Greg Van Avermaet + 0:00 min … 34 Marco Haller + 5:26 min 36 Michael Schär + 5:26 min 42 André Greipel + 5:26 min 48 Stefan Küng + 5:26 min Das Rennen wurde nach 80 Kilometern vorentschieden, als das Peloton bei Seitenwind nach einer Tempoverschärfung der belgischen Mannschaft auseinanderriss. Einziger Deutscher in der Spitzengruppe war John Degenkolb, der jedoch nach einem Defekt zurückfiel. Aus dem rund 30-köpfigen Vorderfeld attackierte zwei Kilometer vor dem Ziel der Niederländer Tom Leezer, der kurz vor dem Ziel eingeholt wurde. Den Sprint gewann der Titelverteidiger Peter Sagan.

144 Fahrer gaben das Rennen auf, darunter: Reto Hollenstein , Fabian Lienhard , John Degenkolb , Marcel Kittel , Tony Martin , Nils Politt , Silvan Dillier , Martin Elmiger , Pirmin Lang , Bernhard Eisel , Grégory Rast .

Einzelzeitfahren Streckenlänge: 40 Kilometer. Es gingen 66 Fahrer an den Start. Platz Athlet Land Zeit (min) Abstand (min) 1 Tony Martin 44:42.99 (53,671 km/h) 2 Wassil Kiryjenka 45:28,04 + 0:45,04 3 Jonathan Castroviejo 45:53,90 + 1:10,91 4 Maciej Bodnar 45:59.76 + 1:16,77 5 Ryan Mullen 46:04,74 + 1:21,75 6 Rohan Dennis 46:10,11 + 1:27,12 7 Yves Lampaert 46:28,10 + 1:45,11 8 Jos van Emden 46:28,40 + 1:45,41 9 Reto Hollenstein 46:34,59 + 1:51,51 10 Bob Jungels 46:39,58 + 1:56,59 … 17 Stefan Küng 47:08,03 + 2:25,04 33 Jasha Sütterlin 48:09,50 + 3:26,51

Mannschaftszeitfahren Streckenlänge: 40 Kilometer. Es gingen insgesamt 17 Teams an den Start. Platz Team Athleten Zeit 1 Etixx-Quick Step Bob Jungels / Marcel Kittel / Yves Lampaert /Tony Martin / Niki Terpstra / Julien Vermote 42:32,39 min(56,418 km/h) 2 BMC Racing Team Rohan Dennis / Stefan Küng / Daniel Oss /Taylor Phinney / Manuel Quinziato / Joey Rosskopf + 11,69 s 3 Orica-BikeExchange Luke Durbridge / Alexander Edmondson / Michael Hepburn /Daryl Impey / Michael Matthews / Svein Tuft + 37,12 s 4 Team Sky Wassil Kiryjenka / Michał Kwiatkowski / Nicolas Roche /Ben Swift / Geraint Thomas / Danny van Poppel + 54,28 s 5 Lotto NL-Jumbo Victor Campenaerts / Wilco Kelderman / Tom Leezer /Primož Roglič / Timo Roosen / Jos van Emden + 54,79 s 6 Andrey Amador / Jonathan Castroviejo / Alex Dowsett /Imanol Erviti / Nélson Oliveira / Jasha Sütterlin + 1:11,02 min 7 Søren Kragh Andersen / John Degenkolb / Tom Dumoulin /Chad Haga / Georg Preidler / Ramon Sinkeldam + 1:26,30 min 8 Team Katusha Sven Erik Bystrøm / Alexander Kristoff / Wjatscheslaw Kusnezow /Michael Mørkøv / Nils Politt / Anton Worobjow + 2:01,35 min 9 Astana Pro Team Dario Cataldo / Jakob Fuglsang / Andrij Hrywko /Tanel Kangert / Alexei Luzenko / Gatis Smukulis + 2:21,46 min 10 Vérandas Willems Cycling Team Sander Cordeel / Jan Ghyselinck / Aidis Kruopis /Christophe Prémont / Elias Van Breussegem / Stef Van Zummeren + 3:39,46 min

Ergebnisse Männer U23 Straßenrennen Streckenlänge: 165,7 Kilometer. Es gingen 188 Fahrer an den Start, von denen 149 ins Ziel kamen.