Senta Eichstaedt (* unbekannt; † nach 1929) war eine deutsche Schauspielerin. Eichstaedt drehte zwischen 1913 und 1929 über 20 Stummfilme. Bekannt wurde sie dem Kinopublikum als weiblicher Detektiv „Miss Nobody“

Leben Zu den Miss-Nobody-Filmen, mit denen sie zu Beginn ihrer Karriere bekannt wurde, gehören Der schwarze Diamant, Das Geheimnis von Chateau Richmond, und Die Jagd nach der Hundertpfundnote. Als Detektivin scheute sie – „eindeutig emanzipiert“ – auch keinen Körpereinsatz. Sie „nahm Verfolgungen über Hausdächer auf, überwand mit einem Seil Höhen und Tiefen und verkleidete sich auch schon mal als Mann, um in Kleidungs- und Schuhwerkfragen gleichberechtigte Verfolgerin des Verfolgten zu sein“.So Dagmar Trüpschuch 2004.

Ihr Partner in der Miss-Nobody-Detektivfilmreihe war Fred Goebel, welcher als Fred Selva-Goebel noch vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs Hauptrollen an ihrer Seite spielte. Er war der Vivian Dartin in Das Geheimnis von Chateau Richmond und der urbritische Gentleman Phileas Fogg in Die Jagd nach der Hundertpfundnote, bei der, wie der Alternativtitel Die Reise um die Welt ahnen lässt, Jules Vernes Roman von 1873 Pate gestanden haben mag.

Auch später blieb Eichstaedt dem Genre treu, auch wenn sie darin nicht mehr als leading lady besetzt war, so z. B. 1920 im wiederum von Willy Zeyn inszenierten Film Kaliber fünf Komma zwei aus der Detektivreihe Joe Deebs. Darin gab sie nicht mehr die Detektivin, sondern die Schwester der Bankiersgattin Agnes. Den Detektiv spielte Carl Auen. Außerdem spielte sie im Joe-Jenkins-Detektivdrama Der Mitternachtsbesuch, ebenfalls 1920, bei dem Kurt Brenkendorf die Hauptrolle spielte und Adolf Gärtner Regie führte.

Mehrmals trat Eichstaedt auch in Urban-Gad-Filmen mit Asta Nielsen auf, etwa in Zapatas Bande (1913/14),Ein Standphoto daraus bei (Quelle: Filmarchiv Austria) Das Kind ruft (1913/14), Das Feuer (1914), Vordertreppe – Hintertreppe (1915) sowie Weiße Rosen (1916). In dem Film Die Schuld von Rudolf Biebrach war sie 1919 neben Henny Porten zu sehen.

Nach 1920 wurden ihre Engagements seltener. Ein letzter Kriminalfilm war Der Bekannte Unbekannte von 1922, in welchem sie in der Rolle der Maud zu sehen war. 1925 und 1927 spielte sie noch in zwei Filmen mit Maly Delschaft. Ihren letzten Auftritt hatte sie 1929 in Carl Boeses frühem Halbstarkenfilm Geschminkte JugendGeschminkte Jugend in der Internet Movie Database, abgerufen am 3. Juli 2021. in einer kleinen Rolle. In einem Tonfilm scheint sie nicht mehr mitgespielt zu haben.

Filmografie

Anmerkungen

In USA gab es um 1913 eine Kurzfilmserie, die einer „Miss Nobody“ gewidmet war. Hersteller war die Nestor Film Company, der Produzent war David Horsley. Die britische Schriftstellerin Ethel Carney Holdsworth nannte die Protagonistin ihres am 1. September 1913 erschienenen Romans „Miss Nobody“. Er gilt als der erste Roman in Großbritannien, der von einer Arbeiterfrau geschrieben worden warMISS NOBODY COMES TO SALFORD WORKING CLASS MOVEMENT LIBRARY. In: salfordstar.com, 1. September 2013, abgerufen am 16. November 2021. Einen männlichen Detektiv mit Namen Nobody gab es schon 1904. Der deutsche Schriftsteller Emil Robert Kraft hatte ihn in seinem Kolportageroman „Detektiv Nobody’s Erlebnisse und Reiseabenteuer“ zwischen 1904 und 1906 auftreten lassen. Ob auf ihn der „Detektiv Nobody“ zurückgeht, dessen Abenteuer Kabarettist Charlie Roellinghoff als „Der letzte Kinoerklärer“ launig kommentiert? Der Sketch, der auch den Untertitel „Ein Abend im Vorstadtkino“ trägt, ist auf der Grammophonplatte Homocord 4-3256 (mx. T.C.1397/98) erhalten, die am 17. August 1929 herauskam; anzuhören war sie bei YouTube in den Kriminalfilmen, die der Regisseur Willy Zeyn 1913 mit ihr inszenierte.

Literatur in Schrift: Heinrich Fraenkel: Unsterblicher Film. Die grosse Chronik. Von der Laterna Magica bis zum Tonfilm. Bildteil von Wilhelm Winckel. Band 1. Kindler, München 1956, , S. 387, 389. Ludwig Greve, Margot Pehle, Heidi Westhoff (Hrsg.): „Hätte ich das Kino!“ Die Schriftsteller und der Stummfilm. Eine Ausstellung des Deutschen Literatur Archivs im Schiller-Nationalmuseum Marbach a. N. (= Schiller-Nationalmuseum und Deutsches Literaturarchiv: Sonderausstellungen des Schiller-Nationalmuseums. Nr. 27). Katalog zur Ausstellung. Kösel Verlag, München 1976, , S. 40. Sebastian Hesse: Kamera-Auge und Spürnase. Der Detektiv im frühen deutschen Kino (= KINtop-Schriften. Band 5). Stroemfeld Verlag, Frankfurt/Basel 2003, ISBN 3-87877-765-5. Florian Nelle: Künstliche Paradiese. Vom Barocktheater zum Filmpalast (= Film – Medium – Diskurs. Band 13). Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2005, ISBN 3-8260-3041-9 (Zugl.: Berlin, Freie Univ., Habil.-Schr., 2004). Heide Schlüpmann: Unheimlichkeit des Blicks. Das Drama des frühen deutschen Kinos. Deutsches Filmmuseum Frankfurt am Main. Verlag Stroemfeld/Roter Stern, Basel/Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-87877-373-0, S. 136, 341–342.

im Netz: Hans C. Blumenberg: Hätte ich das Kino! Ausstellung in Marbach: Schriftsteller und Stummfilm. In: Zeit Online. Kultur. 27. August 1976. Anna Praglina: Detektivfilm. In: Lexikon der Filmbegriffe. Zuletzt geändert am 29. Mai 2012. Isabella Reicher: Blume und Abenteurerin. In: Der Standard. 16. März 1005 (Bericht über die Retrospektive des Filmarchiv Austria).

(APA): Retrospektive „Die Unheimlichkeit des Blicks“. In: DerStandard.at. 10. Januar 2005.

Weblinks

Einzelnachweise

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