mini|Ungefähre Ausdehnung der Region Papenteich im Osten Niedersachsens Der Papenteich ist eine Hochfläche im südlichen Landkreis Gifhorn sowie teilweise in den Gebieten des Landkreises Helmstedt und der Städte Braunschweig und Wolfsburg. Begrenzt wird die Hochfläche ungefähr durch das Aller-Urstromtal, das Okertal und die Schunter. Der Name „Papenteich“ wird heute oftmals synonym für die Samtgemeinde Papenteich verwendet. Diese macht jedoch nur einen kleinen Teil der Papenteicher Landschaft aus.

Geografie Geografische Lage mini|Die Mündung der Schunter in die Oker definiert das südwestliche Ende des Papenteichs

Der Papenteich liegt zwischen dem Harz und der Lüneburger Heide nördlich von Braunschweig. Mit einer Höhe von etwa 70–80 m wird der Papenteich als nördlichster Ausläufer des Harzvorlandes angesehen. Der Papenteich wird als eigene naturräumliche Region 5. Ordnung im Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands unter der Ordnungsnummer 624.0 gelistet. Es ist damit Bestandteil des Ostbraunschweigischen Flachlands, einer Haupteinheit im Weser-Aller-Flachland. Der Papenteich ist eine sandig-lehmige Hochfläche, die im Norden zwischen Dalldorf und Sülfeld vom Aller-Urstromtal und dem Barnbruch begrenzt wird. Als östliche Abgrenzung wird eine Senkungszone zwischen Ehmen und Mörse gesehen, die Grenze verläuft zwischen Sülfeld und Flechtorf. Im Südosten und Süden schließt sich das Schuntertal an, ab Rühme verläuft die Grenze entlang dem Fluss nach Nordwesten und ab Groß Schwülper nach Norden entlang der Oker. Naturräumlich besteht der Papenteich aus drei Regionen: der Leiferder Sandplatte (624.00), einem relativ schmalen Streifen entlang der Oker zwischen Dalldorf und Groß Schwülper, der Meiner Lehmplatte (624.01) als größte Fläche im Zentrum zwischen Aller und Bienrode, die vom Mittellandkanal zerschnitten wird, der Essenroder Waldplatte (624.02) am südöstlichen Rand, die etwa von der Linie Waggum, Grassel, Essenrode und Klein Brunsrode nach Nordwesten abgegrenzt wird.

Heute wird die Bezeichnung „Papenteich“ auch für die Samtgemeinde Papenteich verwendet, die aber nur einen Teil der Papenteicher Hochfläche umfasst, nämlich den Südteil der Meiner Lehmplatte mit Ausnahme des Gebiets der Stadt Braunschweig.

Geologie Der Papenteich befindet sich vorwiegend auf einer lehmig-sandigen pleistozänen Hochfläche einer Grundmoränenplatte. Entstanden ist diese Landschaft während der Elster- und Saale-Eiszeit durch die Ablagerung von Schutt und Geröll der abtauenden Gletscher. Die Hochfläche kann an der Oberfläche in drei Gebiete unterteilt werden. Im südöstlichen Bereich, der Essenroder Waldplatte, befinden sich überwiegend Geschiebelehmflächen, im nordwestlichen Gebiet, der Leiferder Sandplatte, dominiert ein Dünengürtel aus Flugsanden über dem Rolfsbütteler Salzstock. Über die gesamte Hochfläche verteilt sind verschiedene zusammenhängende Flächen von Schmelzwasserablagerungen. Daneben gibt es noch mehrere geologische Besonderheiten. Im südwestlichen Bereich bei Groß Schwülper treten Tongesteine aus der Unterkreide an die Oberfläche. Im südwestlichen Bereich, zwischen dem Mittellandkanal und Lehre, befindet sich eine Fläche mit Ton- und Sandsteinen aus dem mittleren bis unteren Jura.Museums- und Heimatverein Gifhorn: Zentral auf dem Papenteich befindet sich die „Rethener-Meiner Oberkreidemulde“ mit oberflächennah anstehenden Kalkmergelschichten und Fossilien und dem „Meiner Klei“.

Der Boden des Papenteich gehört den zwei unterschiedlichen Bodenregionen Geest und Bergvorland an. Hieraus entwickelte sich im Laufe der Zeit eine fruchtbare Lössschicht. Insgesamt weist das Gebiet nur sehr geringe Höhenunterschiede auf und wird geprägt von flachen Hügeln und Wiesentälern.

Hydrologie Die hydrologische Situation ist durch durchdringende mesozoische Gesteinsschichten und quartäre Lockersedimente geprägt, die sowohl Nichtwasserleitende als auch gut leitende Schichten schaffen. Durch den Wechsel der Gesteine entstehen vielerorts mehrere Grundwasserschichten. Die Fließrichtung des Grundwassers im südlichen Teil des Papenteiches ist vermutlich in Richtung des Mittellandkanals und der Schunter.ZGB: Landesplanerische Raumplanung zur Verlegung der B4 Im Raum zwischen Braunschweig und Gifhorn (PDF; 1,9 MB)

mini|Die Hehlenriede am Rathaus der Samtgemeinde Isenbüttel mini|Renaturierte Mühlenriede bei Fallersleben

Typisch für die heutige hydrologische Situation der Landschaft sind, neben dem umfangreichen Entwässerungssystem der 1960er Jahre, die vielen Bäche, die im Papenteich entspringen und die die Wiesen mit geringer Geschwindigkeit durchfließen. Aufgrund seiner Hochlage und der Umschlingung durch mehrere Flüsse entwässern die Bäche in verschiedene Flusssysteme. Dabei fließt ein Großteil der Bäche in die Aller bzw. den Allerkanal (Hehlenriede, Mühlenriede, Rötgesbütteler Riede, Viehmoorgraben, Vollbütteler Riede) und nur ein sehr geringer Teil in die Oker oder die Schunter (Beberbach, Bickgraben). Die Wasserscheide zwischen den beiden Flusssystemen verläuft etwa von Flechtorf über Meinholz, Vordorf und Rethen in Richtung Hillerse. Die meisten dieser Bäche sind im Rahmen der Einrichtung der Entwässerungssysteme ausgebaut, begradigt, künstlich vertieft und oftmals zur Abwasserableitung genutzt worden. Durch diese Maßnahmen hat sich die Fließgeschwindigkeit der Gewässer stark erhöht und die Flora und Fauna der Bachläufe wurde stark verändert. Heute wird durch Renaturierungsmaßnahmen versucht, der weiteren Veränderung entgegenzuwirken.

Des Weiteren gibt es auf dem Papenteich und in der direkten Umgebung mehrere künstlich angelegte Gewässer. Hierzu zählen insbesondere die Wasserverkehrswege Mittellandkanal und Elbe-Seitenkanal, die sich bei Calberlah treffen. Der Tankumsee als bekanntes Naherholungsgebiet liegt zwar nur drei Kilometer nördlich von Isenbüttel, aber bereits im Aller-Urstromtal und damit nicht mehr auf dem Papenteich.

Klima Der Papenteich befindet sich im Weser-Aller-Flachland. Dieses gehört großklimatisch gesehen zu einem Übergangsbereich zwischen atlantischen und kontinentalen Luftmassen. Für diese Region typisch sind Winde aus westlicher Richtung und dadurch bedingte häufige Luftmassenwechsel und Frontendurchzüge. Die West- und Südwestwinde treten besonders in den Monaten November bis Januar sowie Juni bis August verstärkt auf und sorgen für ein eher maritimes Klima. Dagegen treten gerade im Spätwinter Ost- und südöstliche Winde auf.Gerhard Oberbeck: Die mittelalterliche Kulturlandschaft des Gebietes um Gifhorn. 1957, S. 17/18.

Toponomastik Nach Untersuchungen in Bezug auf die Toponomastik (Ortsnamenforschung) lässt sich der Name Papenteich bis in mittelalterliche Urkunden verfolgen. Die ältesten Namensformen lauten dabei poppendic oder poppendyk. Die erste urkundliche Erwähnung des Papenteich entstammt der Braunschweiger Reimchronik (Ende 13. Jahrhundert), wo es mit Bezug auf die Landesteilung von 1267/1269 heißt: „dhen Poppendich zu teyle gaph herzogen Albrechte daz gevelle“.S. 566 in der Edition von Ludwig Weiland (1877) In einer weiteren Urkunde von 1318 wird den Grafen von Wohldenberg die Grafschaft im „poppendik“ zugesprochen.

Das Grundwort -diek kann für „Dickicht“ stehen, im Mittelniederdeutschen aber auch „Teich“ oder „Deich“ bedeuten, sowie im Mittelhochdeutschen auch „Grenze“ oder „wiedergutmachen, sühnen“. Was das Sühne- und Gerichtswesen betraf, so hatte der Papenteich tatsächlich in alten Zeiten eine eigene Thingstätte (vermutlich unter freiem Himmel), nämlich die Thingbänke zwischen Rötgesbüttel und Meine. Damit war der Papenteich ein eigener Gerichtsbezirk. Der erste Teil des Namens Papenteich kommt entgegen einer verbreiteten Legende nicht von den „Papen“ (Pfaffen), sondern vom Personennamen Poppo. Rinkel vermutet den wahrscheinlich 1164 verstorbenen Grafen Poppo I. von Blankenburg als Namensgeber.

Der Begriff Papenteich findet sich in der heute verwendeten Schreibweise erstmals im Topographischen Atlas des Königreichs Hannover von August Papen (1840). Dem dort bezeichneten Gebiet sind einige Ortschaften nördlich und östlich der heutigen Samtgemeinde zugeordnet.

Geschichte Frühgeschichte und Antike Archäologische Grabungen im Raum Gifhorn haben eine Reihe von Funden aus dem Mesolithikum und Neolithikum hervorgebracht. Dabei konnte eine Konzentration der Funde im Papenteich festgestellt werden. Hier fanden sich die meisten Siedlungsplätze dieser Zeit in der Dünenlandschaft entlang der Okerufer. Beispielhaft hierfür sind die gefundenen Wohngruben bei Didderse.F. Schaper: Mesolithische Fundstätten an der Oker im Kreis Gifhorn. In: Mannus. Band 22, 1930, S. 344. Dagegen finden sich im Südosten nahezu keine Fundstätten. Im mittleren Papenteich wurden neolithische Funde vorwiegend nahe den Ortschaften Isenbüttel, Rethen, Vollbüttel und Wasbüttel gemacht. Südlich des Papenteich in Braunschweig-Wenden wurden zahlreiche Werkzeuge aus Feuerstein gefunden, die eine Besiedlung des Gebiets im Mesolithikum annehmen lassen.mundlos.de (PDF).

mini|Megalithgrab von Rethen

Die mittelsteinzeitlichen Siedlungsplätze häuften sich entlang des Oker- und des Allertals und wurden wahrscheinlich vorwiegend von Fischern und Kleintierjägern bewohnt. Im Laufe der Jungsteinzeit setzte sich die nordische Megalithkultur auch im Papenteich immer mehr durch. Mögliches Beispiel hierfür ist ein 1995 gefundenes Megalithgrab bei Rethen, welches auf etwa 3000 v. Chr. datiert wurde. Es handelt sich dabei um eine gestörte Anlage, die in Ost-West-Richtung ausgerichtet war. Es ist zu beachten, dass außer den Findlingen kein weiteres für Megalithgräber typisches Fundmaterial geborgen werden konnte. Eine zu dem Grab gehörende Siedlung wird in einem Umkreis von drei Kilometern vermutet.

Bronzezeitliche Funde wurden im Gegensatz zu den steinzeitlichen Funden nur sehr wenige gemacht. Dies ist aber wahrscheinlich nicht mit einem Siedlungsrückgang gleichzusetzen, sondern mit der geringeren Widerstandsfähigkeit der bronzenen Gegenstände. Zahlreichere Funde stammen wieder aus der Eisenzeit. Zu nennen sind hierbei Urnen- und Grabfunde, die sich wieder an den Stellen häufen, an denen gleichfalls steinzeitliche Funde gemacht wurden. Festgestellt wurden Urnenfriedhöfe nahe Rethen, Vollbüttel und Wasbüttel und im westlichen Dünenbereich.Gerhard Oberbeck: Die mittelalterliche Kulturlandschaft des Gebietes um Gifhorn. 1957, S. 31–33. Über den Zeitraum, in dem die heutige Siedlungsstruktur des Gebietes Papenteich entstand, gibt es verschiedene, teilweise widersprüchliche siedlungsgeografische Forschungsergebnisse. Ältere Quellen datieren die Gründung vieler Dörfer des Papenteiches auf die Zeit der Völkerwanderung.

Neuere Forschungen zeigen jedoch, dass aus der Zeit vor dem 5. Jh. in den Dörfern kaum archäologische Funde nachweisbar sind, wohl aber solche von vor dem 9. Jh. Daher lässt sich auf eine intensive Siedlungsphase zu Beginn des Frühmittelalters schließen.

Frühmittelalter