Turgenewo (, , Groß Legitten und Jäger-Taktau) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad im Rajon Polessk. Der Ort gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Polessk. Der Ort Adlig Legitten ist verlassen.

Geographische Lage Die Ortschaft liegt in der historischen Region Ostpreußen, sieben Kilometer südwestlich der Stadt Polessk (Labiau) und sechs Kilometer südlich der Küste des Kurischen Haffs.

Geschichte mini|Groß Legitten, südwestlich der Stadt Labiau am Südufer des Kurischen Haffs, auf einer Landkarte von 1910. mini|Wiederaufgebaute Kirche in Groß Legitten oder Turgenewo (Kaliningrad) (2014) mini|170px|Kriegerdenkmal an Kirche von Groß Legitten (2014) mini|Groß Legitten, alter deutscher Friedhof auf dem Kirchhof

Adlig Legitten (Prigorodnoje) Die älteste Handfeste des späteren Kreises Labiau wurde 1291 den Prußen Wodune und Napelle verbunden mit drei Haken Acker im Felde Ligede übergeben.Geschichte von Legitten bei ostpreussen.net Erst im 18. Jahrhundert wurde der Ort in Adlig LegittenD. Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005):Adlig Legitten und Groß Legitten unterteilt. Im Jahre 1874 wurde das Gutsdorf in den Amtsbezirk Legitten.Rolf Jehke, Amtsbezirk Legitten (Sitz in Groß Legitten) integriert, der bis 1945 zum Kreis Labiau im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen gehört. Im Jahre 1910 zählte der Gutsbezirk Adlig Legitten 72 Einwohner. Am 30. September 1928 verlor Adlig Legitten seine Eigenständigkeit und wurde in die Landgemeinde Groß Legitten eingegliedert.

Im Jahre 1945 kam der Ort mit dem nördlichen Ostpreußen in Kriegsfolge zur Sowjetunion und wurde im Jahr 1947 wieder eigenständig in Prigorodnoje umbenannt,Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR vom 17. November 1947: Über die Umbenennung der Orte der Oblast Kaliningrad) wobei sich der neue Name „Beistadtort“ offenbar auf die Nähe zur Stadt Polessk bezog. Gleichzeitig wurde der Ort in den Dorfsowjet Mordowski selski Sowjet eingeordnet.

Groß Legitten (Mordowskoje) Die geschichtliche Ausgangsbasis haben Adlig Legitten und Groß LegittenD. Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005):Groß Legitten gemeinsam. Im Jahre 1874 wurde die Landgemeinde Groß Legitten Sitz und Namensgeberin für den Amtsbezirk Legitten, der bis 1945 im Kreis Labiau im Regierungsbezirk Königsberg in der preußischen Provinz Ostpreußen bestand. Die Einwohnerzahl Groß Legittens belief sich im Jahre 1910 auf 138.

Am 30. September 1928 vergrößerte sich die Landgemeinde um die Gutsbezirke Adlig Legitten, Kuth und Legitten Vorwerk sowie die Landgemeinde Friedlacken, die alle vier eingemeindet werden. Die Einwohnerzahl stieg dementsprechend auf 416 im Jahre 1933 und 484 im Jahre 1939.

Nach Einstellung der Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs im Frühjahr 1945 wurde Groß Legitten zusammen mit der nördlichen Hälfte Ostpreußens von der Sowjetunion unter eigene Verwaltung genommen. Die Ortschaft wurde im Jahr 1947 nach der Herkunft der Neusiedler aus Mordwinien in Mordowskoje umbenannt.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad) Gleichzeitig wurde der Ort Sitz eines Dorfsowjets, der im Jahr 1950 allerdings nach Tjulenino verlegt wurde.

Amtsbezirk Legitten (1874–1945) Als am 9. April 1874 der Amtsbezirk Legitten gebildet wurde, wurden zwölf Landgemeinden (LG) bzw. Gutsbezirke (GB) eingegliedert: Deutscher Name Russischer Name Bemerkungen Adlig Legitten (GB) Turgenewo 1928 in die LG Groß Legitten eingegliedert Friedlacken (LG) 1928 in die LG Groß Legitten eingegliedert Groß Legitten (LG) Mordowskoje, jetzt:Turgenewo Jäger-Taktau (GB) Turgenewo 1928 in die LG Pronitten eingegliedert Kuth (GB) 1928 in die LG Groß Legitten eingegliedert Legitten Vorwerk (GB) 1928 in die LG Groß Legitten eingegliedert Löbertshof (GB) 1928 in die LG Pronitten eingegliedert Moritten (LG) Sibirskoje Pöppeln, Forst (GB),ab 1902: Klein Naujock, Forst,ab 1938: Erlenwald gemeindefreier Bezirk Pronitten (LG) Slawjanskoje Theut (LG) Brigadnoje Zanderlacken (GB) Serenewo, jetzt:Brigadnoje 1928 in die LG Theut eingegliedert

Am 1. Januar 1945 bildeten aufgrund der strukturellen Veränderungen nur noch vier Gemeinden den Amtsbezirk Legitten: Groß Legitten, Moritten, Pronitten und Theut.

Jäger-Taktau Wie die Nachbarorte Adlig- und Groß Legitten wurde auch das Gutsdorf Jäger-TaktauD. Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005):Jäger-Taktau (in Unterscheidung zu Fischer-Taktau, russisch: Ijulskoje) im Jahr 1874 in den Amtsbezirk Legitten eingegliedert und war bis 1945 Teil des Kreises Labiau im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen. In Jäger-Taktau waren 1910 108 Einwohner verzeichnet. Am 30. September 1928 verlor Jäger-Taktau seine Selbständigkeit und wurde nach Pronitten (heute russisch: Slawjanskoje) eingemeindet.

Turgenewo Im Jahr 1945 wurde auch Jäger-Taktau wie alle Orte im nördlichen Ostpreußen von der Sowjetunion in eigene Verwaltung genommen. Im Jahr 1947 wurde der Ort wieder eigenständig und in Turgenewo umbenannt und gleichzeitig in den Dorfsowjet Slawjanskoje selski Sowet im Rajon Polessk eingeordnet. In der Folgezeit (vor 1975) gelangte Turgenewo dann in den Tjulenino selski Sowet unter Einschluss der Ortsstelle Legitten [Vorwerk] sowie des Ortes Prigorodnoje. Die Ortsstelle Adlig Legitten (Prigorodnoje) wurde aber spätestens in den 1980er Jahren verlassen.Административно-территориальное деление Калининградской области 1975 (Die administrativ-territoriale Einteilung der Oblast Kaliningrad 1975, herausgegeben vom Sowjet der Oblast Kaliningrad) auf http://www.soldat.ru/ (rar-Datei)Im zweisprachigen Ortsverzeichnis der Oblast Kaliningrad von 1976 wird Turgenewo (auch) mit Legitten identifiziert. Auf den Karten seit den 1980er Jahren wird die Ortsstelle Adlig Legitten als verlassen bezeichnet.

Vor 1988 wurde schließlich auch der Ort Mordowskoje an Turgenewo angeschlossen.Gemäß der Административно-территориальное деление Калининградской области 1989 (Die administrativ-territoriale Einteilung der Oblast Kaliningrad 1989 (mit Stand von 1988), herausgegeben vom Sowjet der Oblast Kaliningrad) auf http://www.soldat.ru/ (rar-Datei) Auch vor 1988 übernahm Turgenewo den Verwaltungssitz des Dorfsowjets bzw. Dorfbezirks Tjuleninski selski Sowet (okrug). Von 2008 bis 2016 war der Ort Sitz einer Landgemeinde und gehört seither zum Stadtkreis Polessk.

Turgenewskoje selskoje posselenije 2008–2016 mini|290px|Lage der Landgemeinde Turgenewskoje selskoje posselenije im Westen des Rajons Polessk Die Landgemeinde Turgenewskoje selskoje posselenije (ru. Тургеневское сельское поселение) wurde im Jahr 2008 eingerichtet.Durch das Закон Калининградской области от 30 июня 2008 г. № 260 «Об организации местного самоуправления на территории муниципального образования "Полесский городской округ"» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 30. Juni 2008, Nr. 260: Über die Organisation der lokalen Selbstverwaltung auf dem Gebiet der munizipalen Bildung „Stadtkreis Polessk“) Sie lag im Westen des Rajon Polessk und umfasste eine Fläche von 160,3 km² mit 23 jeweils „Siedlung“ (russisch: possjolok) genannten Ortschaften, die in denen 4.057 Einwohner (Stand: 2010) lebten. Die Ortschaften gehörten vorher zu den Dorfbezirken Tjuleninski selski okrug und Slawjanski selski okrug. Im Jahr 2017 ging die Gemeinde im neu gebildeten Stadtkreis Polessk auf.

Ortsname deutscher Name Ortsname deutscher Name Brigadnoje (Бригадное) Theut, Christoplacken und Zanderlacken Pridoroschnoje (Придорожное) Neu Droosden Druschnoje (Дружное) Rüdlauken/Rothöfen Retschki (Речки) Groß Pöppeln Furmanowka (Фурмановка) Friedrichsburg Rybkino (Рыбкино) Annenhof Ijulskoje (Июльское) Julienhöhe und Fischer-Taktau Schurawljowka (Журавлёвка) Groß Droosden und Seith Iwanowka (Ивановка) Adlig Bärwalde, Groß Bärwalde und Neu Bärwalde Seljonoje (Зелёное) Gründen und Pareyken/Goldberg Kamenka (Каменка) Steinau Sibirskoje (Сибирское) Moritten Lipowka (Липовка) Stenken Slawjanskoje (Славянское) Pronitten Maiskoje (Майское) Meyken und Klein Sittkeim Swobodny (Свободный) Friedlacken Nachimowo (Нахимово) Klein Scharlack, Kammerlack und Perkuiken Trudowoi (Трудовой) Steinfeld Nekrassowo (Некрасово) Groß Scharlack Turgenewo (Тургенево) s. o. Nikitowka (Никитовка) Lablacken Uschakowka (Ушаковка) Damm und Kampkenhöfen Owraschje (Овражье) Schlepecken/Kleinpronitten

Kirche

Kirchengebäude mini|Groß Legitten: Kirche (2016)

Bei der weithin sichtbaren und lange Zeit als Messpunkt angesehenen Kirche in Groß LegittenWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, Seite 59, Abb. 193 handelt es sich um einen schlichten Bau aus Feldsteinen und Ziegeln mit in drei Jochen gewölbtem Saal, schmalerem geschlossenen Chor und vorgesetztem Westturm. Der Ostgiebel ist ein achtachsiger Dreiecksgiebel mit sehr schmalen durchlaufenden Spitzbogenblenden, getrennt durch Lisenen, die fialenartig enden. Die flache Innenraumdecke des um 1400 entstandenen Bauwerks wurde im 16. Jahrhundert durch ein Gewölbe ersetzt. Die Triumphbogengruppe war noch ein Rest der gotischen Ausstattung, während die sonstige Einrichtung stilistisch dem 17. Jahrhundert entstammte. Eine Orgel wurde im Jahre 1867 installiert.

Nach der Reformation wurde die Kirche evangelisch, und auch Gottesdienste in altpreußischer Sprache und litauisch wurden abgehalten. Im Jahr 1772 wurde die Kirche vom Blitz getroffen und musste restauriert werden, wobei der Turm ein neues Dach erhielt. Mit Spendengeldern der vertriebenen deutschen Einwohner konnte der Bau nach der Sowjetzeit restauriert werden.

Die Kirche überstand den Zweiten Weltkrieg unversehrt, diente dann bis in die Mitte der 1980er Jahre als Trockenhalle für Getreide. Die Innenausstattung ging gänzlich verloren. In den 1990er Jahren begann man mit der Restaurierung des Gotteshauses, die sich über zehn Jahre hinzog. Am 20. Juni 2004 schließlich konnte die alte Ordenskirche mit einem Gottesdienst wieder eingeweiht werden.Кирха Гросс Легиттен – Die Kirche Groß Legitten (mit Bildern aus dem Jahre 2012) Sie ist jetzt eine von vier Kirchen in Nordostpreußen (neben der Salzburger Kirche in Gussew (Gumbinnen), der Dorfkirche Gwardeiskoje (Mühlhausen) und der Kirche in Slawsk (Heinrichswalde)), die wieder in den Besitz der evangelischen Kirche zurückgekehrt sind.

Die Kirche hat eine neue Glocken erhalten, die am 4. Oktober 2015 eingeweiht wurde.Propstei Kaliningrad, abgerufen am 4. Februar 2017.

An der Nordwand der Kirche befindet sich ein Denkmal für die Opfer des Ersten Weltkriegs. Es handelte sich um eine zwei Meter hohe Skulptur eines abgehobenen Soldaten, der seinen Helm in den Händen hält.

Neben der Kirche ist Baronin Jenny von Gustadt begraben, eine der unehelichen Töchter von Jérôme Bonaparte und Napoleons Nichte. Auf einer Gedenktafel steht:

Kirchengemeinde Bereits in vorreformatorischer Zeit war Legitten ein Kirchdorf.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente, Göttingen, 1968, Seite 465 Die reformatorische Lehre hielt hier bereits sehr früh Einzug, denn schon für die Jahre 1525/1526 amtiert hier ein lutherischer Geistlicher. Bis zum Jahre 1945 gehörte die Kirchengemeinde Legitten mit bis zu 4.000 Gemeindegliedern in einem weitflächigen Kirchspiel mit 50 Ortschaften zum Kirchenkreis Labiau in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.