Big Four (engl. für ‚Große Vier‘) ist eine auf dem indischen Subkontinent verwendete Bezeichnung für vier Giftschlangen-Arten.V. V. Pillay: Modern Medical Toxicology. 3rd edition, Jaypee Brothers Medical Publishers, New Delhi 2005, S. 124, ISBN 978-8180615191, Online-Vorschau, abgerufen am 26. Januar 2014. Nach einer lange verbreiteten Auffassung seien sie für beinahe alle tödlichen Schlangenbisse in der Region verantwortlich. Neuere Forschungen widerlegen dies.Oscar H. Del Bhutto: Neurologeous effects of venomous bites and stings: snakes, spiders, and scorpions. Seiten 350/351In: Hector H. Garcia, Herbert B. Tanowitz, Oscar H. Del Brutto (Hrsg.): Neuroparasitology and Tropical Neurology: Handbook of Clinical Neurology. Elsevier B.V. Amsterdam 2013
Darüber hinaus ist Big Four auch eine Bezeichnung für vier Riesenschlangen-Arten Südamerikas, Afrikas und Südasiens.Henry Bellosa, Lutz Dirksen, Mark Auliya: Faszination Riesenschlangen: Mythos, Fakten und Geschichten. Blv Buchverlag, 2007, ISBN 978-3835402829.
Giftschlangen
Der Ausdruck wurde im späten 19. Jahrhundert geprägt und beruht auf dem damaligen Wissen um die Taxonomie der Schlangen. Heute sind in der Region mindestens vier Kobra-Arten, acht Krait-Arten und zwei Unterarten der Gemeinen Sandrasselotter bekannt, die sich in der Zusammensetzung ihrer Gifte erheblich unterscheiden können.Romulus Whitaker, Samir Whitaker: Venom, antivenom production and the medically important snakes of India. In: Current Science, Band 103, Nummer 6, S. 635–643, , Online PDF 119 kB, abgerufen am 26. Januar 2014. Tatsächlich verursachen Bisse von Schlangen anderer Arten eine bedeutende Zahl von Krankheits- und Todesfällen. Aus diesem Grund wird der Ausdruck Big Four heute in der Wissenschaft nur noch gelegentlich verwendet.Oscar H. Del Bhutto: Neurologeous effects of venomous bites and stings: snakes, spiders, and scorpions. In: Hector H. Garcia, Herbert B. Tanowitz, Oscar H. Del Brutto (Hrsg.): Neuroparasitology and Tropical Neurology: Handbook of Clinical Neurology. Elsevier B.V., Amsterdam 2013, S. 349–368, hier S. 350–351, ISBN 978-0444534903 Online-Vorschau, abgerufen am 26. Januar 2014.
In Indien werden ausschließlich polyvalente Schlangenseren für Vergiftungen durch jene vier Arten hergestellt.M. Szell: Blogbeitrag "Giftschlangen in Indien" , abgerufen am 8. Februar 2015. Neuere Forschungen stellen diesen Ansatz in Frage, da sogar die Gifte verschiedener Unterarten oder Populationen einer Schlangenart abweichende Zusammensetzungen aufweisen können. In Einzelfällen müssen die Schlangenseren in stark erhöhten Dosen verabreicht werden. Von den behandelnden Ärzten werden sie als wenig wirksam beschrieben. Häufig wurde sogar festgestellt, dass ein im Süden Indiens hergestelltes polyvalentes Schlangenserum im Norden des Landes eine deutlich geringere Wirksamkeit besitzt.Diganta Das et al.: Biochemical and biological characterization of Naja kaouthia venom from North-East India and its neutralization by polyvalent antivenom. In: Journal of Venom Research, Band 4, 2013, S. 31–38, ,
Riesenschlangen Bellosa et al. verwenden den Ausdruck für vier Arten von Riesenschlangen, allerdings sind auf Sulawesi vorkommende Dunkle Tigerpythons mit einer Länge von bis zu 2,40 Meter ausgesprochen kleinwüchsig.H. J. Jacobs, M. Auliya, W. Böhme: Zur Taxonomie des Dunklen Tigerpythons, Python molurus bivittatus KUHL, 1820, speziell der Population von Sulawesi. In: Sauria, 2009 ()
Weblinks Die gefährlichsten Giftschlangen: Asien tierchenwelt.de
Einzelnachweise
Kategorie:Herpetologie Kategorie:Schlange als Thema Kategorie:Fauna und Flora (Indien)