Multiple Choice (MC, ) oder deutsch Mehrfachauswahl, auch Antwort-Wahl-Verfahren, ist eine in Prüfungen, Tests, Klausuren und Umfragen verwendete Fragetechnik, bei der zu einer Frage mehrere vorformulierte Antworten zur Auswahl stehen.DORSCH Lexikon der Psychologie Dabei ist es zu beachten, dass multiple choice im Englischen strikt eine gültige Antwort aus mehreren bedeutet (daher ein falscher Freund), was im Deutschen Single Choice entspricht, während mehrere gültige Antwortmöglichkeiten im Englischen als multiple response bezeichnet wird.Multiple response. In: Writing assessment questions for online delivery: Principles and guidelines. University of Bristol. Abgerufen am 23. Juli 2017.Multiple response, itslearning. Abgerufen am 23. Juli 2017.
Es handelt sich um eine „erzwungene Wahl“ (Forced-Choice) im Unterschied zum freien Antwortformat. Die Fragen bezeichnet man auch als geschlossene Fragen im Gegensatz zu offenen Fragen, bei denen der Proband eine freie Antwort eintragen muss. In einzelnen Tests oder Befragungen ist auch eine Kombination beider Fragetypen üblich.
Unterschiedliche Formate und Begrifflichkeiten In manchen Disziplinen wird der Begriff „Single Choice“ (SC) oder Einfachauswahl davon noch unterschieden – für Fragen, bei denen genau eine Antwort ausgewählt werden soll, während bei „Multiple Choice“ nach dieser Definition auch mehrere Antworten ausgewählt werden können. In vielen Kontexten gilt die Verabredung, dass immer nur eine Antwort richtig sein bzw. gewählt werden kann. Grundsätzlich ist in der Instruktion darauf hinzuweisen, teilweise gilt dies als so selbstverständlich, dass darauf gar nicht explizit hingewiesen wird – so zum Beispiel bei Prüfungen an Schulen und Hochschulen in den USA oder Australien.
Grundsätzlich gibt es folgende Auswahlformate für Testaufgaben mit n Antwortmöglichkeiten und k ≤ n richtigen Antworten, d. h. mit n−k nicht zutreffenden Distraktoren: Multiple Choice: Select eine bekannte Anzahl k Antworten trifft zu Single Choice oder Multiple Choice: Choose eine Antwort (k = 1) trifft zu Binärfrage oder Entscheidungsfrage eine von zwei dichotomen Antworten (k = 1, n = 2) trifft zu: wahr/falsch, ja/nein … Multiple Choice: Check eine unbekannte Anzahl Antworten (k ≥ 0) trifft zu höchstens eine bekannte Anzahl Antworten (k ≤ c) trifft zu, bspw. im Extremfall eine (k ≤ 1) oder alle außer einer (k ≤ n−1) mindestens eine bekannte Anzahl Antworten (c ≤ k) trifft zu, bspw. eine (k ≥ 1) mindestens und höchstens bekannte Anzahlen Antworten (c ≤ k ≤ d) treffen zu, bspw. eine bis alle außer einer (c = 1, d = n−1) mehr Antworten treffen zu als nicht zu (k > ) oder umgekehrt (k < )
Formen
In elektronischen Formularen und GUIs ist es üblich, Einfachauswahlen mit runden, und Mehrfachauswahlen mit eckigen Boxen darzustellen. Statt eines Kreuzes kann auch ein Haken oder ähnliches gesetzt werden. Alternativ können gerade auf Touchscreens oder im Fernsehen (vgl. Quizsendungen wie Wer wird Millionär?) die gewählten und bei der Auswertung die korrekten und falschen Antworten durch Text- und Hintergrundfarben oder Umrahmungen und andere Stile dargestellt werden.
Um bei der Auswertung zwischen nicht ausgewählten und nicht bearbeiteten Antwortvorgaben unterscheiden zu können, werden mitunter zwei Kästchen pro Frage für „trifft zu“/„ja“ und „trifft nicht zu“/„nein“ verwendet. Damit handelt es sich um eine Gruppe von Entscheidungsfragen mit derselben Fragestellung.
Auf Papierformularen kann ein komplett ausgefülltes Kästchen als Korrektur und damit wie ein nicht angekreuztes gewertet werden. Manche automatische Auswerteverfahren erwarten hingegen ausgefüllte Kästchen statt Kreuze zur Antwortmarkierung.
Die vorgegebenen Antworten können alle überhaupt möglichen Antworten vollständig abdecken oder nur eine Auswahl anbieten. Mitunter wird eine komplette Abdeckung indirekt dadurch erreicht, dass eine Antwort lautet: „keine der anderen Antworten trifft zu“.
Skalen und Matrizen
Wenn die Antwortvarianten verschiedene Grade einer Bewertung darstellen (z. B. „sehr zufrieden“ bis „sehr unzufrieden“), von denen genau eine ausgewählt werden muss, spricht man in der Sozialforschung nicht von Multiple Choice, sondern von einem skalierten Frage-Verfahren.
Da bei MC-Fragen in der Sozialwissenschaft Meinung erforscht und nicht Wissen geprüft wird, gibt es auch häufig als letzte Antwortmöglichkeit „weiß nicht“ oder „keine Angabe“, da Probanden sich oft verpflichtet fühlen, irgendein Kreuz zu setzen.
In speziellen Anwendungen müssen Kreuze in einer Matrix gesetzt werden. So kann man mehr Kombinationsmöglichkeiten realisieren.
Zweistufige Testaufgaben Im Medizinstudium war bis vor einigen Jahren ein Multiple-Choice-Format gebräuchlich, in dem zunächst verschiedene Aussagen vorgeschlagen werden, von denen eine beliebige Anzahl zutreffen kann. Anschließend folgt die eigentliche Frage, bei der nur eine Antwort die richtige ist.
Mit fünf Antwortmöglichkeiten im Beispiel liegt die Komplexität unwesentlich höher als im Fall einer einzigen richtigen unter den vier Aussagen, aber deutlich niedriger als bei freier Kombinierbarkeit inklusive der Randfälle, dass keine oder alle der Aussagen zutrifft, denn damit gäbe es 16 mögliche Antwortmuster. Selbst bei der Beschränkung darauf, dass genau eine oder zwei Aussagen zutreffen können, gäbe es bereits 10 Muster. Die Reduktion der Komplexität erleichtert also insbesondere die Korrektur und Bewertung. Im Beispiel sind die Antwortmöglichkeiten aufsteigend nach der Anzahl zutreffender Aussagen sortiert, aber dies muss nicht der Fall sein.
Bewertung von Testleistungen Die gerechte Bewertung von MC-Aufgaben ist nicht trivial und führt leicht zu ungerechten Urteilen.
Am deutlichsten wird dies bei einem Test mit nur zwei Antwortalternativen pro Frage („trifft zu“ oder „trifft nicht zu“). Wird hier ein richtig gesetztes Kreuz mit einem Punkt bewertet, für ein falsch gesetztes jedoch kein Punkt abgezogen, erreicht ein Proband ohne jede Kenntnis durch einfaches Ankreuzen des jeweils ersten Kästchens durchschnittlich 50 % der erreichbaren Punktzahl und damit nach gängiger Auswertung ein Ausreichend bzw. Bestanden attestiert. Probanden, die mit ähnlichen Fragen in einer Klausur ohne MC geprüft werden, sind damit deutlich benachteiligt.
Dennoch werden in der Praxis MC-Tests zum Teil auf diese Weise und damit fehlerhaft ausgewertet. Die so gewonnenen Prüfungsergebnisse liegen dann ein bis zwei Notenstufen über konventionell erzielten Ergebnissen (eine so erzielte Vier entspricht bspw. einer Sechs, d. h. keinerlei nachweisbare Kenntnisse).
Zum Teil wird auch, im Bewusstsein der Problematik aber in Unkenntnis der mathematischen Zusammenhänge, unabhängig von der Anzahl der Antwortmöglichkeiten die Bestehensgrenze pauschal auf 60 % festgelegt. Dieses Vorgehen ist jedoch, außer bei genau 5 Antwortkästchen pro Frage, ebenfalls fehlerhaft (siehe unten).
SC-Bewertung Ist genau eine der angebotenen Alternativen richtig, alle anderen falsch, ist der einfachste Weg zu einer gerechten Bewertung, für falsche Kreuze Punktabzug (Malus) anzurechnen: Bei zwei angebotenen Antwortalternativen pro Frage je einen Punkt, bei drei Alternativen einen halben Punkt, bei vier Alternativen einen Drittelpunkt usw. Unbeantwortete Fragen und solche, bei denen mehr als ein Kreuz gesetzt wurde, bleiben ohne Wertung, es wird kein Punkt gegeben und keiner abgezogen. Um dem Probanden stets die Möglichkeit zu geben, Punktabzug für nicht beantwortete Fragen zu vermeiden, sollen immer mindestens zwei Alternativen („trifft zu“ und „trifft nicht zu“) angeboten werden. Aufträge wie „Kreuzen Sie die richtigen Aussagen an“ sind generell zu vermeiden.
+ Berücksichtigung des statistischen Effekts durch Punktabzug (Maluspunkte) für falsche Antworten Antwortalternativen pro Frage Abzug pro falsch gesetztes Kreuz 2 1 3 4 5 n
Die Berücksichtigung des statistischen Effektes durch dieses Abzugsverfahren ist juristisch angreifbarZeitartikel über so einen Fall http://www.zeit.de/campus/2014/06/pruefungsergebnis-klageUrteil des Oberverwaltungsgerichtes NRW vom 16. Dezember 2008, 14 A 2154/08 http://www.justiz.nrw.de/nrwe/ovgs/ovg_nrw/j2008/14_A_2154_08urteil20081216.html . Alternativ kann eine rechtssichere Bewertung erzielt werden, indem statt Punktabzug für falsche Antworten ein angepasster Punkteschlüssel mit höherer Bestehensgrenze zur Anwendung kommt. Für den (häufigsten) Fall, dass der Proband für ein Bestehen eine Kenntnis von 50 % des Stoffes nachzuweisen hat, ergibt sich dann folgender korrigierter Punkteschlüssel:
+ Berücksichtigung des statistischen Effekts durch korrigierten Punkteschlüssel Antwortalternativen pro Frage Bestehensgrenze 2 75 % ¾ 3 66,6 % ⅔ 4 62,5 % ⅝ 5 60 % ⅗ n
Infolge eines Gerichtsurteils wird jedoch bspw. an nordrhein-westfälischen Hochschulen inzwischen ein fester Notenschlüssel verwendet, der weder die Anzahl der Alternativen noch der richtigen Antworten pro Frage berücksichtigt und davon ausgeht, dass jede Aufgabe bzw. richtige Antwort unabhängig von Schwierigkeit und Komplexität mit gleich vielen Punkten (nämlich einem) bewertet wird. Die Bestehensgrenze liegt üblicherweise bei 60 % der Gesamtpunktzahl, wird aber zwangsweise angehoben werden, wenn sonst die Durchfallquote der Erstteilnehmer an einer Prüfung zu hoch wäre, weil dies als Indikator für eine unangemessen schwierige Prüfung gewertet wird. Um beide Fälle abzudecken, wird der Notenschlüssel fix über den Anteil korrekter Antworten oberhalb der flexiblen Bestehensgrenze definiert. Feiner gestufte Noten wie 1,3 und 2,7 sind nicht festgelegt, werden aber in der Regel linear in das Raster eingefügt, wobei dann die Frage ist, ob die Grenze für x für eine x,0 oder eine x,3 gilt. + Notenschlüssel Note Mindestanteil über der Bestehensgrenze Teilnote weiche Interpretation harte Interpretation 1 90 % 75 % 1,0 % % 90 % 75 % 1,3 90 % 75 % % % 2 80 % 50 % 1,7 % % % % 2,0 % % 80 % 50 % 2,3 80 % 50 % % % 3 70 % 25 % 2,7 % % % % 3,0 % % 70 % 25 % 3,3 70 % 25 % % % 4 60 % 0 % 3,7 65 % % % % 4,0 60 % 0 % 60 % 0 % 5 0 % — 5,0 — — — —
MC-Bewertung Sind bei einer Aufgabe mehrere Antworten richtig, ist wie bei mehreren Einzelfragen mit je zwei Alternativen („trifft [nicht] zu“) zu verfahren und für falsche Kreuze ein Malus von einem Punkt zu geben. Nicht oder doppelt gekreuzte Antworten bleiben ohne Folge.
Es sind daher bei jeder Antwortalternative stets zwei Kästchen vorzusehen. Anschließend werden die Einzelpunkte addiert, negative Summen werden dabei als 0 gewertet.
Um das Gewicht der Aufgabe innerhalb der Gesamtprüfung festzulegen, kann ggf. die erzielte Punktzahl auf die gewünschte Punktzahl der Aufgabe umgerechnet werden. Wenn bspw. wie im gezeigten Beispiel fünf Antwortmöglichkeiten bewertet werden müssen, könnte die Gesamtaufgabe 2 Punkte ab 4 Teilpunkten (also max. ein falsches Kreuz), 1 Punkt für 2–3 Teilpunkte und sonst keinen Punkt bringen.
Vorteile Mit diesen Tests können viele Lernziele (mit Ausnahme von kreativen Leistungen) abgefragt werden. Darüber hinaus lassen sie sich in der Regel maschinell auswerten. Sie werden deshalb sehr häufig eingesetzt, z. B. beim IQ-Test, bei der Führerscheinprüfung und verschiedenen Qualifikationsprüfungen. Auch Prüfungen an Schulen und Universitäten werden manchmal auf diese Weise abgehalten. Bei Auswahlverfahren von Unternehmen ist dieser Test ebenfalls beliebt, da man lediglich eine Lösungsschablone benötigt.
Nachteile