Gabsheim ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Alzey-Worms in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Wörrstadt an.

Geographie Geographische Lage Die nächste Stadt ist Wörrstadt in rund 5 km westlicher Entfernung, die Kreisstadt Alzey liegt rund 15 km südwestlich. Die 30 km entfernte Landeshauptstadt Mainz kann über die Bundesautobahn 63 erreicht werden. Als Weinbaugemeinde liegt Gabsheim im größten Weinbaugebiet Deutschlands und bildet gleichzeitig den geographischen Mittelpunkt von Rheinhessen.

Nachbargemeinden Bechtolsheim Biebelnheim Schornsheim Undenheim Wörrstadt

Geschichte Die Gemarkung ist mindestens seit der Jungsteinzeit besiedelt. Aus dieser Epoche stammen die ältesten archäologischen Funde. Auch aus der Bronze- und Eisenzeit liegen Funde vor. Die Zeugnisse aus römischer Zeit sind zahlreich. Auch mehrere Landgüter (villae rusticae) sind bekannt.Knöchlein, S. 9–16.

Die Quellen zum Mittelalter in Gabsheim setzen mit Funden aus fränkischen Reihengräberfeldern an.Knöchlein, S. 18–24. Im Kopialbuch des Lorscher Codex ist Gabsheim mit zehn Urkunden erwähnt (Nr. 1309, 1439–47). Die älteste erhaltene schriftliche Erwähnung stammt vom 5. Mai 767Kloster Lorsch: Urkunde 1443, Reg.-Nr. 146.Die Jahreszahl ist nicht sicher, vielleicht auch 757. und nennt einen Stifter Giselbert.

Gabsheim hieß im Mittelalter Geispisheim (Geispitzheim); urkundlich belegt sind neben vielen anderen Schreibweisen auch Geisbodesheim (767), Gessbosheim (1184), Gespisheim (1211), Geispotsheim (1266), Geispesheim (1325) Gaubsheim (1588). Im regionalen Dialekt entwickelte sich der Ortsname mit der Zeit lautlich zu Gabsheim. Da der Ort vorwiegend katholisch ist, wird er mundartlich auch als Gottes Gabsem bezeichnet.

Der 1250 erwähnte „befestigte Platz in Geisbodesheim bei der Kirche“ lässt Rückschlüsse auf eine feste Wohnstatt oder eine kleine Burg zu, die der Stammsitz des Adelsgeschlechts derer von Geispitzheim gewesen ist. Ein Spross der Familie ist Eberhard Vetzer von Geispitzheim († 1520), mit einem prächtigen Grabmal in der Simultankirche Gau-Odernheim. Als Vasallen der Lehnsherren von Bolanden und vermehrt ab dem 14. Jahrhundert als Lehnsmannen der Grafen von Veldenz finden die Ritter von Geispitzheim (auch Ritter von Geisbodesheim genannt) Erwähnung als Burgmannen zu Odernheim am Glan (1190), auf der Moschellandsburg bei Obermoschel (1377, 1421, 1431), auf Burg Treuenfels bei Altenbamberg (1392), zu Armsheim (14. Jahrhundert) und im benachbarten Bechtolsheim (bis Anfang des 16. Jahrhunderts). Die Namensinschriften von neun erhaltenen Grabsteinen aus dem 14. und 15. Jahrhundert dokumentieren eindrücklich, dass die Ritter von Geispolzheim zu jener Zeit ihre Familien-Grablege bei der St. Alban-Kirche unweit ihres Gabsheimer Stammsitzes hatten.

Neben den Zeugnissen aus der gotischen Epoche sind aus der Barockzeit die Statue des Hl. Johann Nepomuk und die Statue des Guten Hirten aus der Werkstatt des Mainzer Barockbildhauers Martin Biterich bemerkenswert.

Im Zuge der Reunionspolitik beanspruchte König Ludwig XIV. von Frankreich im Januar 1688 die Oberherrschaft über Gabsheim wie in den Jahren zuvor schon über die Nachbarorte Bechtolsheim und Schornsheim. Als Rechtfertigung für die Annexion diente eine angebliche frühere Verbindung des Ortes zur Grafschaft Nassau-Ottweiler, die seit 1680 von Frankreich beansprucht wurde. Französische Reunionskammern erhoben in dieser Zeit Anspruch auf alle Orte, die in der Vergangenheit mit im Westfälischen und Nimweger Frieden zu Frankreich gekommenen Gebieten verbunden waren. Nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg musste Frankreich 1697 im Frieden von Rijswijk Gabsheim und alle anderen Reunionen außerhalb des Elsass an das Heilige Römische Reich zurückgeben.Altertumsvereins für Alzey und Umgebung (Hrsg.): Alzeyer Geschichtsblätter Band 22. Verlag der Rheinhessischen Druckwerkstätte, Alzey 1988, S. 62–65.

Politik mini|hochkant=2|Luftbild von Gabsheim, rechts die A63 sowie Teile des Windparks Wörrstadt Gemeinderat Der Gemeinderat in Gabsheim besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem. Bis zur Wahl 2014 wurden die Ratsmitglieder in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU FWG Gesamt 2024 per Mehrheitswahl 12 Sitze 2019 per Mehrheitswahl 12 Sitze 2014 – 7 5 12 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen 2009 1 8 3 12 Sitze 2004 1 7 4 12 Sitze FWG = Freie Wählergruppe Gabsheim e. V.

Ortsbürgermeister Ortsbürgermeister ist Heribert Müller (CDU). Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 wurde er mit einem Stimmenanteil von 72,80 % in sein Amt gewählt und bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 als einziger Bewerber mit 83,9 % für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt.

Müllers Vorgänger waren Christian Geier (CDU) und 2004 bis 2014 Hans Klaus Michel (CDU).

Wappen

Kulturdenkmäler St. Alban (Gabsheim)

Söhne und Töchter des Ortes Conrad Grode (1766–1832), Gutsbesitzer und Landtagsabgeordneter Philipp Gisbert (1889–1985), Ehrenbürger, Kommunalpolitiker und Präsident der Handwerkskammer Darmstadt Johann Grode (1801–1883), Gutsbesitzer und Landtagsabgeordneter

Literatur

Karl Johann Brilmayer: Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart. Gießen 1905, S. 154–155. Ronald Knöchlein: Gabsheim – Die Vor- und Frühgeschichte. In: Zeitschrift für die Geschichte Rheinhessens 1 (2021), S. 9–32. Rudolf Post: Die Mundart von Gabsheim in Rheinhessen. Selbstverlag, Kaiserslautern 1987. Rudolf Post: Gabsheim in der Mitte Rheinhessens – Landschaft, Geschichte, Dorfleben. Gabsheim 2016. Erich Kreit: Gabsheim – Gegenwart und Vergangenheit. In: Heimatjahrbuch Landkreis Alzey-Worms. 2003, , S. 127–132. Friedrich Wilhelm Weber: Die Adelsfamilie von Geispitzheim in der Nordpfalz. Mit Nachrichten über ihre Herkunft aus dem Rheinhessischen. Dargestellt nach gegenständlichen Befunden, archivalischen Quellen und der mündlichen Überlieferung. Mit zahlreichen Fotos, Zeichnungen und einer Kartenskizze. Lothar Sießl GTS-Druck GmbH, Kirchheimbolanden 1992, ISBN 3-926306-08-4.

Weblinks

Gabsheim Die Mundart von Gabsheim in Rheinhessen Präsentation von Gabsheim in Abbildungen und Texten Zur Geschichte von Gabsheim bei regionalgeschichte.net Gabsheim: Ein Ortsportrait von Hermann Götz für die SWR Fernsehsendung Hierzuland

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Alzey-Worms Kategorie:Ort in Rheinhessen Kategorie:Weinort in Rheinland-Pfalz Kategorie:Ersterwähnung 767