Die Wirtschaft Deutschlands ist hinsichtlich des Bruttoinlandsprodukts die größte Volkswirtschaft Europas und die drittgrößte Volkswirtschaft weltweit. Beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf lag Deutschland 2021 in US-Dollar in Europa an 13. und weltweit an 15. Stelle. Laut Angaben des globalen Wettbewerbsfähigkeitindex des Weltwirtschaftsforums rangiert Deutschland 2019 auf Platz 7 (von 141 Staaten) der wettbewerbsfähigsten Länder der Welt. Im Index für wirtschaftliche Freiheit belegt Deutschland 2025 Platz 23 von 184 Ländern.
Deutschland ist eine Dienstleistungsgesellschaft (69 %) mit einem im Verhältnis zu anderen führenden Volkswirtschaften relativ starken industriellen Sektor (24 %) (Liste). Als weltweit konkurrenzfähigste industrielle Wirtschaftsbranchen gelten die Automobil-, Nutzfahrzeug-, Elektrotechnische, Maschinenbau- und Chemieindustrie. Im Dienstleistungsbereich entfielen 2016 55 % der Exporte auf die EDV-, IT- und Kommunikationsbranche.Internationaler Dienstleistungshandel: Auch der deutsche Mittelstand ist aktiv. KfW Research 212, 21. Juni 2018 (online als PDF). Unternehmenssoftware und Versicherungswirtschaft (insbesondere Rückversicherungen) gelten als international bedeutend. Der Abbau von Rohstoffen fällt volkswirtschaftlich kaum ins Gewicht. Der Großteil des deutschen Außenhandels erfolgt mit anderen Industrieländern und erzielt dabei einen beträchtlichen Überschuss. Deutschland gilt als weltweit bedeutendster Messestandort; zahlreiche Leitmessen finden hier statt. Kongresse, Ausstellungen und eine im internationalen Maßstab bedeutende Museums- und Veranstaltungslandschaft sind eine wichtige Grundlage von Reiseverkehr und Tourismus in Deutschland.
Wirtschaftsstruktur Standortqualität und Wettbewerbsfähigkeit Mehrere Indizes bescheinigen Deutschland eine hohe Standortqualität und internationale Wettbewerbsfähigkeit: Wettbewerbsfähigkeitindex des Weltwirtschaftsforums (2019): Rang 7 weltweit, Rang 3 in Europa Ernst & Young, Top Investitionsstandorte in Europa (2019): Rang 3 World Competitiveness Ranking des International Institute for Management Development IMD (2022): Rang 15 weltweit, Rang 9 in Europa
Beschäftigungsstruktur Drei Viertel der arbeitenden Menschen (75,0 %) sind in Deutschland im Dienstleistungssektor beschäftigt (Stand 2021). Wesentlich dabei sind unter anderem das Sozial-, Bildungs- und Gesundheitswesen, das Verkehrswesen, das Gastgewerbe, das Wohnungswesen oder die Finanzwirtschaft. Das produzierende Gewerbe (Industrie) beschäftigt 23,8 % der Erwerbstätigen; Fischerei, Land- und Forstwirtschaft 1,2 %.
Rohstoffe und fossile Energieträger Deutschland importiert die meisten benötigten Rohstoffe, hat aber bedeutende Vorkommen von Kalisalz sowie Steine und Erden (s. a.: Geographie Deutschlands#Rohstoffe). Bei fossilen Energieträgern ist die Situation, dass die Erdölförderung in Deutschland in den 1960er Jahren 30 Prozent des heimischen Bedarfs deckte, mittlerweile aber nur noch wenige Prozent. Es gibt Braunkohle in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt (mitteldeutsches Braunkohlerevier). Ihre Bedeutung hat seit der Wiedervereinigung 1990 abgenommen, ebenso die der Braunkohle im Rheinischen Revier. In Niedersachsen gibt es Erdgasvorkommen.
Um das Jahr 1958 begann eine jahrzehntelange Kohlekrise. Steinkohle konnte im Ruhrgebiet und im Saarland nur noch abgebaut werden, weil dies vom Staat massiv subventioniert wurde. Die letzten Steinkohlebergwerke im Ruhrgebiet beendeten die Förderung 2012, 2015 und 2018, das letzte Steinkohlebergwerk im Saarrevier 2012. Der Strommix in Deutschland hat sich durch den Atomausstieg und den Ausbau erneuerbarer Energien wie Windkraftanlagen, Fotovoltaikanlagen und Biogasanlagen deutlich verändert.
Land- und Forstwirtschaft
Die Bruttowertschöpfung der Landwirtschaft betrug im Jahr 2018 23,1 Mrd. Euro. Dies entspricht 0,8 % der gesamten Bruttowertschöpfung.Statistisches Bundesamt: Statistisches Jahrbuch 2019 – Deutschland und Internationales 2019, S. 336 (PDF), abgerufen am 9. Dezember 2019.
Mit 16,7 Mio. Hektar wurde 2016 rund die Hälfte der Fläche Deutschlands landwirtschaftlich genutzt. Davon entfielen 70,6 % auf Ackerland, 28,2 % auf Dauergrünland und 1,2 % auf Dauerkulturen. Die am häufigsten angebauten Ackerfrüchte waren Winterweizen (auf 26,6 % der Ackerfläche), Silomais (18,2 %) und Winterraps (11,2 %).Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Daten und Fakten – Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft mit Fischerei und Wein- und Gartenbau, Dezember 2017, S. 5 (), abgerufen am 9. Dezember 2019.
Rund 275.400 landwirtschaftliche Betriebe gab es 2016. Die Zahl der Betriebe nimmt seit der Wiedervereinigung kontinuierlich ab. In den 2010er Jahren hat sich dieser Trend jedoch verlangsamt. Auffällig dabei ist die deutlichere Abnahme bei kleineren Betrieben mit unter 100 Hektar Landwirtschaftsfläche, während die Anzahl größerer Betriebe mit einer bewirtschafteter Landfläche von 200 bis 500 Hektar sogar moderat zunimmt. Bei der Betriebsgröße besteht ein Nord-Süd- sowie ein noch ausgeprägteres Ost-West-Gefälle. So liegt die durchschnittliche Größe in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt bei über 270 Hektar, wohingegen sie in Bayern und Baden-Württemberg weniger als 35 Hektar beträgt.
Energiewirtschaft
Der Primärenergieverbrauch in Deutschland lag im Jahr 2014 bei 13.080 PJ, was der niedrigste Wert seit der Wiedervereinigung war. Den größten Anteil hatte Erdöl mit 35 %, es folgten Erdgas mit 20,5 %, Steinkohle mit 12,6 %, Braunkohle mit 12,0 %, Erneuerbare Energien mit 11,1 % und die Kernenergie mit 8,1 %.Energieverbrauch in Deutschland im Jahr 2014. Internetsite der AG Energiebilanzen. Abgerufen am 15. April 2015. 2005 hatte der Primärenergieverbrauch noch 14.238 PJ betragen; der zweithöchste Wert in Europa und der sechsthöchste weltweit.Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen 2006. Abgerufen am 23. September 2010.
Seit dem Jahr 2000 hat die Bedeutung erneuerbarer Energien durch die Energiewende stark zugenommen und sie sind inzwischen ein erheblicher Wirtschaftsfaktor für die deutsche Industrie. Im Jahr 2019 lag die ins Stromnetz eingespeiste, regenerativ erzeugte Strommenge bei 46 % der insgesamt eingespeisten Strommenge.Stromerzeugung im 2. Quartal 2019: Knapp die Hälfte des eingespeisten Stroms aus erneuerbaren Energien. In: Destatis.de. Abgerufen am 4. November 2019. Im Wärme- und Verkehrssektor lag der Anteil jedoch deutlich niedriger.
Finanzwirtschaft
Kapitalmarkt Deutschland führt mehrere Handelsplätze und Wertpapierbörsen in der ganzen Republik. Neben dem Finanzzentrum und dem Standort der größten und primären Börse Frankfurt gibt es weitere Börsen, wie die Börse Berlin, die BÖAG Börsen (Hamburger Börse, Börse Düsseldorf und Börse Hannover), Börse München, Börse Stuttgart und weitere. Der zugehörige Leitindex der Deutschen Börse in Frankfurt ist der DAX. Weitere Nebenwerte werden im MDAX und im SDAX indexiert.
Bankensektor Während in der Finanzmetropole Frankfurt, die Deutsche Bank und die Commerzbank als Großbanken neben den internationalen Playern sitzen, gibt es in Deutschland häufig große Landesbanken (LBBW, BayernLB etc.) und einen außerordentlich hohen Marktanteil von kleinen, regionalen Sparkassen und Volksbanken, die häufig genossenschaftlich aufgestellt sind.
Staatsfonds Deutschland verzichtete bisher auf das Modell eines klassischen Staatsfonds. Auch die kapitalbasierte Form eines Pensionsfonds im Bereich der staatlichen Altersvorsorge und Rente gibt es bisher nicht. Mit dem Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung gibt es jedoch einen Staatsfonds mit einem ganz konkret festgelegten Zweck. Der KENFO ist der erste deutsche Staatsfonds und die größte öffentlich-rechtliche Stiftung in Deutschland.
Verarbeitendes Gewerbe mini|hochkant=2|Entgeltstruktur im Verarbeitenden Gewerbe
Das Verarbeitende Gewerbe und insbesondere der MaschinenbauStatistisches Bundesamt: Datenreport 2004, Kapitel „Produzierendes Gewerbe“. trägt mit seinen vielen Hidden Champions entscheidend zum deutschen Exportüberschuss bei.Florian Langenscheidt (Hrsg.), Bernd Venohr (Hrsg.): Lexikon der deutschen Weltmarktführer: Die Königsklasse deutscher Unternehmen in Wort und Bild. GABAL, Offenbach (Main) 2010, ISBN 978-3-86936-221-2.
Einkommens- und Vermögensverteilung
Die Einkommensungleichheit in Deutschland lag nach Angabe der OECD 2005 knapp unter dem OECD-Durchschnitt, wobei sich die Ungleichheit seit Mitte der 1990er Jahre verstärkt hat und laut der OECD seit dem Jahr 2000 Einkommensungleichheit und Armut stärker zugenommen haben als in jedem anderen OECD-Land.OECD (2008), Growing Unequal? – Income Distribution and Poverty in OECD Countries: Country Note Germany (in German): Deutschland (PDF; 257 kB); DIW: Die Einkommensdifferenzen haben seit der Jahrtausendwende stark zugenommen – und zwar in absoluten Zahlen ebenso wie im relativen Verhältnis. (PDF; 469 kB) S. 5.
2008 betrug nach Zahlen des DIW ein mittleres Einkommen 1252 Euro,Wochenbericht des DIW Berlin Nr. 24/2010: Polarisierung der Einkommen: Die Mittelschicht verliert. (PDF; 469 kB), S. 5 (Durchschnitt aller verfügbaren Einkommen pro Person, die nicht mehr als 30 % nach unten und weniger als 50 % nach oben vom durchschnittlichen verfügbaren Einkommen aller in Deutschland in Privathaushalten lebenden Personen abweichen, S. 3 und Kasten 1, S. 4). bei einem Gini-Index von 0,29 (ein Ungleichverteilungsmaß, bei dem 0 für Gleichverteilung und 1 für absolute Ungleichverteilung steht).Wochenbericht des DIW Berlin Nr. 7/2010: Weiterhin hohes Armutsrisiko in Deutschland: Kinder und junge Erwachsene sind besonders betroffen. (PDF; 431 kB), S. 4.
Die folgende Tabelle zeigt die Nettoeinkommen von 2003. Die Spalte mit den gemeinsam betrachteten Einkommensbeziehern aller Berufsgruppen ist fett gedruckt. Die Einkommensungleichheit zeigt sich daran, dass die Top-10-%-Einkommensbezieher bereits 31,59 % des Gesamteinkommens erhalten, die Top-5-%-Einkommensbezieher bereits 21,28 %, das Top-1-% bereits 8,11 %. Umgekehrt erhalten die unteren 50 % der Einkommensbezieher nur 18,71 %, also weniger als die Top-5-%-Einkommensbezieher.
mini|Vermögensverteilung in Deutschland 2002 und 2007 nach Dezilen. Links das ärmste, rechts das reichste Dezil. Erläuterung Alle Unternehmer Freie Berufe Abhängig Beschäftigte Steuerpflichtigenanteil (%) 100 10,62 1,78 87,60 Einkommensanteil (%) 100 13,67 2,86 83,47 Mittelwert (€) 29.030 37.353 46.821 27.660 Median (€) 22.781 13.751 21.937 23.517 Verteilung (Gini-Index) 0,43759 0,68332 0,59280 0,38494 Quantile: Einkommensanteile ≤ 5 % 0,24 0,18 0,14 0,25 1. Dezil 0,88 0,58 0,47 0,98 2. Dezil 2,88 1,24 1,22 3,57 3. Dezil 4,72 1,80 1,97 5,41 4. Dezil 6,00 2,45 2,82 6,63 5. Dezil 7,23 3,25 3,98 7,88 6. Dezil 8,67 4,38 6,03 9,32 7. Dezil 10,31 6,21 9,40 10,93 8. Dezil 12,31 9,13 13,88 12,88 9. Dezil 15,41 14,44 20,09 15,80 10. Dezil 31,59 56,51 40,15 26,59 ≥ 95 % 21,28 44,62 25,98 16,38 ≥ 99 % 8,11 23,25 7,670 4,470 90/10 Relation 35,90 97,40 85,40 27,10 95/5 Relation 88,70 247,90 185,60 65,50
Die Vermögensverteilung in Deutschland weist, nach Zahlen des DIW, eine starke Ungleichverteilung auf (Gini-Index 0,799). Seit den 1980er Jahren nimmt die Ungleichverteilung zu.Richard Hauser: Die Entwicklung der Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland, ein Überblick. Informationen zur Raumentwicklung, Heft 2/4.2003, S. 120. Diese Vermögenskonzentration verstärkt sich seit Mitte der 1990er Jahre: 2007 besaßen die reichsten 5 % der Bevölkerung 46 % des Gesamtvermögens, das reichste Prozent bereits 23 %. Das Vermögen der ärmsten Bevölkerungsschichten nahm hingegen ab: