mini|Schloss Dyhernfurth. Das Schloss Brzeg Dolny () ist ein Schloss in Brzeg Dolny (‚Dyhernfurth‘) in der polnischen Woiwodschaft Niederschlesien.
Geschichte Das Schloss Dyhernfurth ließ Karl Georg von Hoym zwischen 1780 und 1785 von Carl Gotthard Langhans als klassizistischen Umbau eines barocken Schlosses errichten. Im 19. Jahrhundert gestaltete es ein unbekannter französischer Architekt im Stil eines Loireschlosses um. Der Park soll mit 42 ha geplant gewesen sein.Joseph Partsch: Schlesien. Eine Landeskunde für das deutsche Volk auf wissenschaftlicher Grundlage. Band 2: Landschaften und Siedelungen. Ferdinand Hirt, Breslau 1911, S. 372.
Zuvor, im 18. Jahrhundert, stellte die Familie von Dyhrn die Guts- und Schlossbesitzer, so u. a. Anton Ulrich von Dyhrn und Schönau verheiratet mit Sophia Caroline Freiin von Crausen. Deren Tochter Freiin Antonie Louise von Dyhern und Schönau (1745–1820) heiratete den genannten Bauherrn Karl Georg von Hoym, der die Begüterung übernahm und mit seiner Familie zumindest als Sommerpalais nutzte.August Mosbach: Zur französisch-deutschen Kriegsgeschichte. 1800 - 1813. Aus Denkschriften polnischer Offiziere. Louis Köhler’s Verlagsbuchhandlung, Breslau 1883, S. 27 f. Die Erbfolge ging nun über Generationen genealogisch über die Hoym.Kurländische Gesellschaft für Literatur und Kunst / R. von Börner (Hrsg.): Jahrbuch für Genealogie, Heraldik und Sphragistik. 1896. J. F. Steffenhagen und Sohn, Mitau März 1898, S. 56. Tafel VII. Nacherbin wurde Antonie Wilhelmine Caroline Gräfin von Hoym (1768–1799), die wiederum den Standesherrn und Reichsgrafen Joachim Alexander Casimir von Maltzan-Militsch (1764–1850) ehelichte. Die gemeinsame Maltzan-Tochter Gräfin Fanny A. C. (1790–1849) nahm zum Ehemann Gustav Kalixt von Biron, vermählt 1806 zu Schloss Dyhernfurth. Die zweite Ehe schloss sie mit dem kgl. preuß. Generalmajor Gustav von Strantz. mini|hochkant=1.4|1800. Zu Besuch: Das preußische Königspaar. (Stich 1798: Meno Haas). Zum 28./29. August 1800 besuchte Königin Luise und König Friedrich Wilhelm III. von Preußen samt Gefolge auf einer großen Reise durch Schlesien über Breslau und Lissa kommend die Grafenfamilie Hoym und deren Herrensitz Dyhernfurth.Luise Auguste Wilhelmine Amalie, Königin von Preußen. Ein Denkmal. Verlag Friedrich Braunes, Berlin 1810, S. 143.
Der Güterkomplex um Schloss Dyhernfurth umfasste mehrere Einzelbesitzungen, die nicht alle selbst bewirtschaftet wurden, sondern in Pacht blieben. In der Gesamtheit bildeten sie die Majoratsherrschaft Dyhernfurth mit Dyhernfurth, Bschanz, Cranz mit Odervorwerk, Seifersdorf, Sürchen und Wahren.Güter-Nr.: 1781, 1782, 1783, 1784, 1785, In: Schlesisches Güter-Adreßbuch. 1894. Verzeichniß der sämmtlichen Rittergüter und selbständigen Guts- und Forstbezirke. Fünfte Ausgabe, Wilh. Gottl. Korn, Breslau 1894, S. 195 f.
Von Dyhernfurth aus wurden Ende des 19. Jahrhunderts das Hauptgut und eben teilweise die Nebengüter zentral geleitet.Leuch’s Adressbuch aller Länder der Erde der Kaufleute, Fabrikanten, Gewerbetreibenden, Gutsbesitzer, etc., etc. Band 9: Schlesien und Posen. 7. Ausgabe: 1890 bis 1893. Selbstverlag, Nürnberg 1890/1893, S. 458 f.
mini|hochkant|Besuch in Dyhernfurth-1860: Prinzregent Wilhelm v. Preußen. Motiv etwa 1858. In dieser historischen Phase war Dorothee geb. Gräfin Lazareff-Hoym Herrin auf Dyhernfurth,Leuch’s Adressbuch aller Länder der Erde der Kaufleute, Fabrikanten, Gewerbetreibenden, Gutsbesitzer, etc., etc. Band 9: Schlesien und Posen. 5. Ausgabe: 1881 bis 1885. Selbstverlag, Nürnberg 1881/1885, S. 471.Vgl. Paul v. Roëll (Hrsg./ Red.): Deutsches Adelsblatt. Wochenschrift für die Interessen des christlichen Adels beider Confessionen. IV. Jahrgang-№. 8, F. A. Günther-Selbstverlag, Berlin, Sonntag, den 21. Februar 1886, S. 93. Ehefrau des französischen Generals Venance Marquis d’Abzac de Mayaz. Gräfin von Lazareff-Hoym empfing am 26. Oktober 1860 königlichen Besuch, den Prinzregent Wilhelm (Wilhelm I.) mit fürstlichen Gefolge, u. a. mit dem damaligen Oberst Leopold Hermann von Boyen, fuhr den hohen Herren sogar mit dem Zug entgegen.Gräfin von Lazareff-Hoym-Breslauer Zeitung, In: Magdeburger Zeitung. (Unpagniert)-Magdeburg, Montag, den 29. Oktober 1860.] Gräfin von Lazareff-Hoym stiftete zur weiteren Regelung einen länger bestehenden Fideikommiss.Amtsblatt der Königlichen Regierung in Breslau. 1899. Stück 8, Aktenzeichen: L 127, Graß, Barth u. Comp., Ausgegeben Breslau Sonnabend, den 25. Februar 1899, S. 82.
Mit August Graf von Maltzan-Freiherr zu Wartenberg und Penzlin starb 1878 eine Nachfahre im hiesigen Schloss, war aber nicht der Eigentümer.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil A (Uradel). 1938. Jahrgang 111, Justus Perthes, Gotha 1937, S. 345. Im Park von Dyhernfurth befand sich einst das Grabmal einer Gräfin Maltza(h)n.Deutsche Literaturzeitung. 1909. Nr. 1-XXX. Jahrgang, Verlag Weidmann, Berlin, 2. Januar 1909, S. 45.
Ohne Besitz blieb die jüngere Tochter Anna d’Abzac-Hoym (* 1862) die 1897 den Militär Joseph von Korff (1856–1920) in Dyhernfurth heiratete.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D. A. G. Teil A (Uradel). 1938. Jahrgang 111, Justus Perthes, Gotha 8. November 1940, S. 307. Erbin vor Ort wurde die ältere Tochter Antoinette d’Abzac-Hoym (1860–1913) als Schloss- und Gutsherrin der 12.000 Morgen Land.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. 1892. Jahrgang 65, Justus Perthes, Gotha 18. November 1891, S. 876 f. Sie wurde Ehrendame des kgl. bayr. Theresien-Ordens und heiratete mit Thassilo Graf von Saurma-Jeltsch (* 1859) einen Offizier. Gräfin Antoinette standen gleichzeitig Anteile am Gräflich Dyhrn’sche Fideikommiß vom Rittergut Reesewitz zu.Siehe O. Tippel-Schweidnitz, In: Ad. M. Hildebrandt: Der Deutsche Herold. Jahrgang XXX-Nr. 2, Hrsg. Herold (Verein), Carl Heymanns Verlag-Selbstverlag Herold, Berlin Februar 1898, S. 24.
Dann hatte später die 1891 geborene Tochter Gräfin Dorothea von Saurma-Jeltsch Ansprüche. Der Besitztum beinhaltete um 1915 gesamt 2882 ha.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. 1916. Jahrgang 89, Justus Perthes, Gotha 8. November 1915, S. 825 f. Ihr folgte der 1892 geborene Rittmeister d. R., mit Erlaubnis auch nichtpreußische Orden tragen zu dürfen,G. v. Frobel (Hrsg.): Militär-Wochenblatt. 1909. Jahrgang 94-1909, №. 104, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin, Donnerstag den 19. August 1909, S. 2351. Thassilo von Saurma-Hoym, Freiherr von und zu der Jeltsch als Fideikommissherr, sein jüngerer Bruder Ludwig Anton von Saurma-Jeltsch (1893–1945) wählte als Reserveleutnant die diplomatische Karriere als Attaché.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. 1922. Jahrgang 95, Justus Perthes, Gotha November 1921, S. 817. Thassilo von Saurma-Hoym galt wie viele weitere namhafte Gutsnachbarn als einer den Wehrsportverbänden seiner Zeit nahestehender Grundbesitzer.Brigitte Lob: Albert Schmitt O. S. B. Abt in Grüssau und Wimpfen. Sein kirchenpolitisches Handeln in der Weimarer Republik und im Dritten Reich. Die Wehrsportverbände. Böhlau, Köln/Wien/Weimar 2000, ISBN 3-412-04200-5, S. 141.
Die Schlossanlage erlitt 1945 schwere Beschädigungen. Der letzte Privateigentümer Thassilo von Saurma lebte nach dem Krieg mit seiner Ehefrau Maria Gräfin Pilati von Thassul zu Daxberg und den fünf in Dyhernfurth geborenen Kindern in Württemberg.Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Hans-Jürgen von Witzendorff: Genealogisches Handbuch der Gräflichen Häuser. B (Uradel). 1953. Band I, Band 6 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg/Ostsee 1953, S. 392 f.
Der Wiederaufbau durch die Volksrepublik Polen gab ihm das Aussehen nach Langhans’ Entwurf zurück. Das Schloss ist seit dem 31. Mai 1950 unter A/2663/227 im Verzeichnis der Baudenkmäler der Woiwodschaft Niederschlesien eingetragen.
Parkanlage mini|Schloss-Terrasse an der Oder. Carl Gotthard Langhans entwarf auch den Schlosspark nach dem Vorbild des Wörlitzer Parks mit einigen Bauten. Der Park, dem früher viele botanische Besonderheiten beschieden wurden,Deutsche Botanische Monatsschrift. Illustrirte Zeitschrift für Systematiker und alle Freunde der Pflanzenwelt. 1910. XXII. Jahrgang, Heft 5-März, Begründer: Prof. Dr. G. Leimbach, Verlag Bornschein & Lebe, Gera 1910, S. 76. bestand aus drei Zonen: Lustgarten mit Teich und Inseln sowie Teehaus, Weinberghäuschen, Badehaus, Wasserspiel und Fasanerie Nutzgarten mit Mühle, Seidenraupenzucht und jüdischer Druckerei Meditationsgarten mit Ruine einer neugotischen Kapelle, Eremitage, Grotte, Jüdischem Friedhof sowie dem Mausoleum der Familie von Hoym im Stil eines dorischen Tempels, dem einzigen noch erhaltenen Bauwerk das Architekten Friedrich Gilly.
Auf der Schloss-Terrasse am Oderufer wurden zwei Bronzeplastiken als Allegorien der Oder aufgestellt, es handelt sich um Nachbildungen von Plastiken französischer Flüsse aus dem Park von Schloss Versailles.
Galerie
Weblinks
Foto: Herder-Institut Marburg (Lahn): Postkartenmotiv Dyhernfurth - Schloß. Foto: D’Abzac de Mayac geb. Lazareff (1835–1886) u. Tochter Antoinette d’Abzac-Hoym-Dyhernfurth (1860–1913).
Literatur Helmut Sieber: Schlösser in Schlesien. Ein Handbuch mit 197 Aufnahmen. Verlag Weidlich, Frankfurt am Main 1971, ISBN 3-8035-0332-9, S. 113. Maximilian Herda: Dyhernfurth. Kulturhistorische Beiträge zur Geschichte des Ortes Dyhernfurth. Schlesische Dorfzeitung, Wohlau 1913. Reprint: Verlag Thorwaldsen-Hoppe, Wiesbaden 1972. Irena Kozioł, Jerzy Załęski: Miasto i gmina Brzeg Dolny – Monografia krajoznawcza, Zeszyt 14, Breslau 1992. Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen. Schlesien. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2005, ISBN 3-422-03109-X, S. 185-186. Krzysztof Bzowski: Dolnośląskie : przewodnik. Wydawnictwo Bosz, Olszanica 2010, ISBN 978-83-7576-063-7. Arne Franke (Hrsg.): Kleine Kulturgeschichte der schlesischen Schlösser. Band 1: Niederschlesien. Bergstadtverlag, Görlitz 2015, ISBN 978-3-87057-336-2, S. 198-200.
Einzelnachweise
Brzeg Dolny Kategorie:Erbaut in den 1780er Jahren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Niederschlesien Kategorie:Bauwerk von Carl Gotthard Langhans Kategorie:Klassizistisches Bauwerk in Polen Brzeg Dolny Kategorie:Gmina Brzeg Dolny Brzeg Dolny Kategorie:Hoym (Adelsgeschlecht)