Alfred Duskes (* 17. Februar 1882 in Halberstadt;Quelle: Antrag auf Einbürgerung, Declaration of Intention Nr. 330903, ausgestellt in New York am 31. Juli 1939, ancestry.com. † 20. Oktober 1942 in New York CityQuelle: New York City Sterbeindex, ancestry.com.)Lebens-, Sterbe- und Migrationsdaten auf ancestry.com war ein Filmpionier, Kinematographen-Fabrikant und Filmproduzent der Stummfilmzeit.
Leben Duskes kam 1882 in Halberstadt zur Welt. Er lebte mehrere Jahre in den USA, ehe er Mitte der 1890er Jahre wieder nach Deutschland zurückkehrte, wo er sich in Berlin niederließ. Hier wurde er als Erfinder und Fabrikant technischer Geräte und als Händler mit Filmen, Kinozubehör und ‘Sprechmaschinen’ rasch Teil der aufblühenden Filmindustrie.vgl. Mebold bei blogspot.com (5. Okt. 2015); “Sprechmaschinen” war damals der Überbegriff für Cylinder-Phonographen und (Platten-)Grammophone. 1904 errichtete er die Alfred Duskes Fabrik für Kinematographen und Films in der Friedrichstr. 207.vgl. den Handelsregistereintrag bei der Kinematographen Maschinenbau GmbH. 1907 gründete er die Firma Alfred Duskes in Berlin, Blumenstraße 77.HRA Nr. 30410, Eintrag im Berliner Handelsregister eram 10. Juni 1907. Es war die erste Produktionsfirma, die ihre Filme an Kinos verlieh und nicht nur verkaufte. Sein Aufnahmebetrieb befand sich im Wedding in der Sellerstraße 35 (Rex-Atelier). Geleitet wurde dieser von Charles Paulus,Chronologie des Films auf Filmportal.deAlfred Duskes Biografie auf cinegraph.de der auch sein Kameramann war. Sein Filmarchitekt war von 1906 bis 1909 Kurt Dürnhöfer, welcher jedoch 1910 zu Oskar Messter ging.vgl. Kurt Dürnhöfer: „Bereits 1906 stieß er zu dem Kinematographen-Fabrikanten und Filmveteranen Alfred Duskes. Für Duskes stattete er zahlreiche frühe Tonbilder und Einakter aus. 1910 wechselte er zu Messter.“
Zusammen mit dem Fabrikanten Carl Herbers gründete er im Juli 1908 die Duskes Kinematographen- und Film-Fabriken GmbH (1908–1912).Berliner Handelsregister HRB Nr. 5521 1909 hatte Duskes ein Atelier in der Markgrafenstr. 94 (Mutoskop-Atelier). Im Februar 1910 gründete er mit dem Ingenieur Hermann Herbers die Berliner Kinematographen-Theater GmbH (1910–1914).Berliner Handelsregister HRB Nr. 7590 Als weitere Firmen folgten im März 1912 die Duskes GmbH (1912–1914)Berliner Handelsregister HRB Nr. 10755 und am 28. Dezember die Literaria Film,Berliner Handelsregister HRB Nr. 11634Thomas Elsaesser, Michael Wedel: A Second Life: German Cinema's First Decades. Amsterdam University Press, 1996, ISBN 90-5356-172-2, S. 67. deren Geschäftsführer er bis 1915 war.HRB Nr. 11634, Einträge im Berliner Handelsregister am 17. Dezember 1914 und 13. April 1915. Im März 1915 gründete er die Kinematographen Maschinenbau GmbH, die ab Oktober 1919 als Neutral-Film GmbH firmierte.Berliner Handelsregister HRB Nr. 13638 Gleichzeitig wandelte Duskes im Oktober 1919 die unter diesem Namen bestehende Produktionsfirma in die Diva-Film GmbH um, die er bis 1921 als Geschäftsführer leitete.HRB Nr. 9020, Einträge im Berliner Handelsregister am 1. Dezember 1919 und 1. November 1921.
Zudem erwarb er viele Filmtechnikpatente, z. B. 1907 die Synchronisier-Einrichtung Cinephon zum Vorführen von Tonbildern.vgl. Ulrike Oppelt: Film und Propaganda im Ersten Weltkrieg. Propaganda als Medienrealität im Aktualitäten- und Dokumentarfilm. (= Beiträge zur Kommunikationsgeschichte. Band 10). Franz Steiner Verlag 2002, ISBN 3-515-08029-5, S. 205, zum Begriff siehe Michael Wedel: Der deutsche Musikfilm. Archäologie eines Genres. Edition Text + Kritik, München 2007, ISBN 978-3-88377-835-8, S. 58f.; Abb. einer „Cinephon“ Tonbild-Grammophonplatte von Duskes bei lotz-verlag.de, einer Tonbild-Anlage mit Projektor und Grammophon bei Eine Zeitlang konkurrierte er auf diesem seinerzeit florierendenvgl. Anke Mebold: „The majority of these early sound films were produced by two companies, Deutsche Bioscop and Deutsche Mutoskop und Biograph, with smaller output by Messter, Duskes, Vitascope, and Internationale Kinematograph- und Lichtbild-Gesellschaft.“ (GCM catalogue and website: Anke Mebold) bei Antti Alanen: Wednesday, 8. Oktober 2014: Tonbilder from the Neumayer Collection. In: blogspot.de; auch Heinrich Fraenkel: Unsterblicher Film. Die grosse Chronik. Von der Laterna Magica bis zum Tonfilm. Bildteil von Wilhelm Winckel. Kindler, München 1956, S. 384. Geschäftsbereich mit Oskar Messter und dessen Nadeltonapparatur „Biophon“,vgl. moviemoviesite.com 29/8/1903: („However, competitors soon began to move in on such a lucrative market and Messter quickly found himself swamped by competition. Alfred Duskes produced the Cinephon, German Mutoskop und Biograph marketed the Ton Biograph developed by Karl Geyer, Guido Seeber produced the Seeberophon.“) um deren Patente er 1908 mit Messter prozessierte.Richard Abel (Hrsg.): Encyclopedia of Early Cinema. Neuauflage. Verlag Taylor & Francis, 2005, ISBN 0-415-23440-9, S. 195.
Duskes stellte in den Jahren zwischen 1907 und 1912 zahlreiche Tonbilder mit Szenen und Liedern aus Opern, vor allem aber aus damals populären Operetten (wie Die Fledermaus von Johann Strauss, Ein Walzertraum von Oscar Straus, Die Dollarprinzessin und Der fidele Bauer von Leo Fall) und Revuen (z. B. Der Teufel lacht dazu oder Das muss man seh’n von Victor Hollaender) her, in denen z. T. namhafte Interpreten der 1910er Jahre zu sehen und zu hören waren.
Neben Spielfilmen und Tonbildern produzierte Duskes auch Aufnahmen von Aktualitäten wie Staatsbesuchen, Sportereignissen, Luftschiff- und Hochbahnunglücken; bekannt geworden ist sein Film mit dem Schuster Wilhelm Voigt.vgl. dazu koepenickia.de: Der Fall regte auch die Schallplattenhersteller zu entsprechenden Aufnahmen an, z. B. Star Record, die eine Gedenkplatte zu Wilhelm Voigts Haftentlassung am 16. August 1908 herausbrachten, auf der er selber sprach,anzuhören bei youtube youtube.com und youtube.com dem Hauptmann von Köpenick (1908). Bereits 1906 hatte er dessen Geschichte mit dem Theaterbesitzer Ernst Baumann in der Titelrolle als Spielfilm realisiert, dessen Aufführung von der Polizei Berlin am 21. August 1908 verboten wurde. Der Kinematographen-Fabrikant Carl Buderus hatte ebenfalls 1906 eine kurze Stummfilm-Satire auf den Fall gedreht hatte.Der Hauptmann von Köpenick (Buderus, 1906), dazu Thomas Brandlmeier, Frühe deutsche Filmkomödie, bei cinegraphcinegraph.de: „Man sieht den Untertanen an, welchen Spaß es ihnen macht, zu zeigen, wie der Untertanenstaat bis ins Komische hinein funktioniert.“
Im August 1919 wurde Alfred Duskes in den Vorstand der National-Film Aktiengesellschaft berufen.HRB Nr. 15667, Eintrag im Berliner Handelsregister am 1. September 1919. Er leitete die AG an der Seite von Victor Altmann bis zum April 1922 und wechselte dann in den Aufsichtsrat.Bekanntmachung Nr. 15345 im Deutschen Reichsanzeiger Nr. 103, Ausgabe vom 4. Mai 1922, S. 6. Mit Richard Joseph, dem Ex-Vorstand der National-Film AG, gründete er die Glashaus-Film GmbH im November 1919.Handelsregister Berlin HRB Nr. 17864 Zweck des Unternehmens war laut Handelsregistereintrag „der Betrieb aller Unternehmungen, die mit kinematographischen Geschäften im Zusammenhang stehen, insbesondere Filmaufnahmen im Glashaus“.
Am 15. Februar 1921 wurde die Duskes Film GmbH in die Luna-Terrassen GmbH umgewandelt.HRB Nr. 13238, Eintrag im Berliner Handelsregister am 27. April 1921. Alfred Duskes leitete als Generaldirektor in Partnerschaft mit Siegbert Goldschmidt die Luna-Park Terrassen am Halensee.Werbeanzeige in: Sport im Bild Nr. 35, Jg. 1921, S. 1325.
Im August 1921 war er als Aktionär an der Gründung der Grundstücks-Aktiengesellschaft Großstadt-Idyll,Handelsregister Berlin HRB Nr. 21656 der Loki Aktiengesellschaft für Grundbesitz und FilmverwertungHandelsregister Berlin HRB Nr. 21684 und der Wotan Aktiengesellschaft für Grundbesitz und FilmverwertungHandelsregister Berlin HRB Nr. 21685 beteiligt.
Eigens für die Herstellung der Großproduktion Der Graf von Essex gründeten Duskes und Karl Julius Fritzsche im Januar 1922 die Essex Film Corporation GmbH.Handelsregister Berlin HRB Nr. 24865 Mit Siegbert Goldschmidt und dem Kaufmann Max Goldberg wurde er im selben Jahr in den Vorstand der Vergnügungsstätten- und Sportbetriebs Aktiengesellschaft berufen.Handelsregister Berlin HRB Nr. 23654
1923 wurde er Mitglied des Aufsichtsrats bei der Filmhaus Grunewald AGHandelsregister Berlin HRB Nr. 30457. und war auch Mitgründer und Mitglied des Aufsichtsrats bei der West Filmateliers AG (1923–1927)Handelsregister Berlin HRB Nr. 32584 Im Dezember 1924 wurde er Vorstand an der Seite des Kaufmanns Bruno Frentz und des Bankdirektors Kurt Gericke bei der Deutschen Sporthallen AG.Handelsregister Berlin HRB Nr. 35363
Nach der Machtergreifung der Nazis hielt sich Alfred Duskes zunächst in Paris auf und emigrierte von dort aus im Oktober 1935 in die USA.
Filmografie Tonbilder
Spielfilme
Aktualitätenbilder
Literatur Richard Abel (Hrsg.): Encyclopedia of Early Cinema. Neuauflage. Verlag Taylor & Francis, 2005, ISBN 0-415-23440-9, S. 195 (Michael Wedel). Thomas Elsaesser, Michael Wedel: A Second Life: German Cinema's First Decades. Amsterdam University Press, 1996, ISBN 90-5356-172-2, S. 19, 26, 56–57, 67, 79–80, 82, 104, 219, 299. Heinrich Fraenkel: Unsterblicher Film. Die grosse Chronik. Von der Laterna Magica bis zum Tonfilm. Bildteil von Wilhelm Winckel. Kindler, München 1956, S. 60, 183, 380–384. Helmut Herbst, Stiftung Deutsche Kinemathek Berlin (Hrsg.): Das wandernde Bild. Der Filmpionier Guido Seeber. EP 23, Elefantenpress Verlag, Berlin (West) 1979. Wolfgang Jansen: Glanzrevuen der Zwanzigerjahre. (= Stätten der Geschichte Berlins. Bd. 25). Edition Hentrich, Berlin 1987, ISBN 3-926175-34-6. Jennifer M. Kapczynski, Michael D. Richardson: A New History of German Cinema. Verlag Boydell & Brewer, 2014, S. 17, 653. Alison McMahan: Alice Guy Blaché: Lost Visionary of the Cinema. Women make cinema. Verlag Bloomsbury Publishing, USA, 2014, ISBN 978-1-5013-0269-5, S. 68 [hier fälschlich als Alfred Dusker] Dominique Nasta, Didier Huvelle (Hrsg.): Le son en perspective: nouvelles recherches. (= Repenser le cinéma. Ausgabe 1). Verlag Peter Lang, 2004, ISBN 90-5201-208-3, S. 119 (französisch) Ulrike Oppelt: Film und Propaganda im Ersten Weltkrieg. Propaganda als Medienrealität im Aktualitäten- und Dokumentarfilm. (= Beiträge zur Kommunikationsgeschichte. Band 10). Franz Steiner Verlag 2002, ISBN 3-515-08029-5. Karsten Steiger: Opera Discography. Complete Catalogue of Audio and Video Recordings of Complete Operas. Verlag Walter de Gruyter, 2008, ISBN 978-3-11-095596-5. Michael Wedel: Der deutsche Musikfilm. Archäologie eines Genres. Edition Text + Kritik, München 2007, ISBN 978-3-88377-835-8.
Weblinks
Berliner Film-Ateliers: Duskes-Atelier Antti Alanen: Wednesday, 8. Oktober 2014: Tonbilder from the Neumayer Collection. In: blogspot.de Antti Alanen: Monday, 5. Oktober 2015: Tonbilder from the Neumayer Collection 2. In: blogspot.de DIF Deutsches Filminstitut : Frühe Tonbilder [Liste der vom DIF digitalisierten Exemplare : Filme der Firmen Deutsche Mutoscop und Biograph GmbH, Deutsche Bioscop GmbH und Alfred Duskesz. B. Duett, „Unterm Paraplui“ (Nr. 78) (Duskes – DE, c. 1908), Schallplatte 12". Von 35mm Nitrokopie, c. 57 m. (orig. censorship length: ?). ≠ Ton: DMA (digitization from audiocassette, Rainer Lotz Collection; 2:54 min. @ ? rpm)] (deutsches-filminstitut.de) Duskes Film-Fabriken, Berlin in der German Early Cinema Database Rainer E. Lotz: Deutsche Tonbilder (lotz-verlag.de) Postkarte mit Filmszene „Cinephon-Aufnahme für Kinematographen- und Filmfabrik Alfred Duskes Berlin“, ca. 1908 (Deutsches Historisches Museum, Inventarnr. F 58/472.6) (dhm.de) Abbildung Cinephon Starkton Record von Alfred Duskes anttialanenfilmdiary.blogspot.de (aufgerufen 10. Dezember 2015)