Heinrich Max Erlen (* 26. Januar 1907 in Hindenburg; † 5. Mai 1974Todesjahr nach Imanuel Baumann, Herbert Reinke, Andrej Stephan, Patrick Wagner: Schatten der Vergangenheit. Das BKA und seine Gründungsgeneration in der frühen Bundesrepublik, Köln 2011, S. 98. Todesdatum 26. Oktober 1981 nach: , S. 138 f. in Bad KissingenSterberegister des Standesamtes Bad Kissingen Nr. 198/1974.) war ein deutscher Jurist, Polizist und SS-Führer, der während des Zweiten Weltkrieges als Kriminalkommissar in Litauen eingesetzt und als Angehöriger des Einsatzkommandos 3 der Einsatzgruppe A an Kriegsverbrechen beteiligt war.
Leben Nach dem Schulbesuch absolvierte Erlen ein Studium der Rechtswissenschaft an den Universitäten Wien, Berlin und Königsberg. Im Zuge der Machtübergabe an die Nationalsozialisten trat er zum 1. Mai 1933 der NSDAP (Mitgliedsnummer 2.270.978)Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/8020343 sowie im selben Jahr der SA bei, der er bis 1936 angehörte. Er trat im Juni 1937 in den Polizeidienst ein und war zunächst als Kommissaranwärter bei der Kripo Gleiwitz.Imanuel Baumann, Herbert Reinke, Andrej Stephan, Patrick Wagner: Schatten der Vergangenheit. Das BKA und seine Gründungsgeneration in der frühen Bundesrepublik, Köln 2011, S. 98 Von Oktober 1938 bis Ende Juni 1939 absolvierte er erfolgreich den Kriminalkommissar-Lehrgang am Polizei-Institut Charlottenburg, den auch der spätere BKA-Präsident Paul Dickopf besuchte.Dieter Schenk: Auf dem rechten Auge blind. Die braunen Wurzeln des BKA, Köln 2001, S. 67 Nach Lehrgangsende wurde er als SS-Untersturmführer in den SD übernommen (SS-Nummer 312.626). Anschließend war er Leiter der Kriminalpolizei in Gleiwitz und danach in Oppeln.
Nach dem Überfall auf die Sowjetunion leitete Erlen von Januar 1942 bis März 1944 die Gestapo-Abteilung der Außenstelle Wilna beim Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD Karl Jäger; Erlen selbst gab später an, er habe dort die kriminalpolizeiliche Abteilung geleitet. Erlen war in Wilna am Massaker von Ponary beteiligt. Er befehligte mindestens dreimal eine Sicherungstruppe, die während der Massenerschießungen von Juden durch litauische Hilfspolizei die Exekutionsstätte absicherte.Dieter Schenk: Auf dem rechten Auge blind. Die braunen Wurzeln des BKA, Köln 2001, S. 274 f. 1943 wurde er zum SS-Hauptsturmführer befördert, dem höchsten Rang, den er bei der Schutzstaffel erhielt.Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 138 Im Frühjahr 1944 wurde er nach Kattowitz versetzt, wo er bis zum Heranrücken der Roten Armee die dortige Kriminalpolizeileitstelle leitete.
Nach Kriegsende befand er sich in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Wegen seiner Beteiligung an den Kriegsverbrechen in Wilna wurde er durch ein sowjetisches Militärtribunal zu 25 Jahren Haft mit der Pflicht zur Zwangsarbeit verurteilt, die er in Arbeitslagern des Gulags auf dem Gebiet der Sowjetunion verbüßte. Als Spätheimkehrer gelangte Erlen nach dem Besuch Konrad Adenauers in der Sowjetunion am 18. Oktober 1955 in die Bundesrepublik Deutschland zurück.
Ein Jahr später trat er in den Dienst des Bundeskriminalamts (BKA) ein und wurde im Februar 1957 in das Beamtenverhältnis übernommen. Nach einem Haftbefehl des Amtsgerichts Frankfurt am Main wegen des Verdachts der Beteiligung an Massenexekutionen wurde Erlen am 14. Dezember 1959 in den Diensträumen des BKA verhaftet. Im März 1960 wurde ein förmliches Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet.Imanuel Baumann, Herbert Reinke, Andrej Stephan, Patrick Wagner: Schatten der Vergangenheit. Das BKA und seine Gründungsgeneration in der frühen Bundesrepublik, Köln 2011, S. 97f. Aufgrund der bereits in der Sowjetunion verbüßten Haft wurde das gegen Erlen geführte Ermittlungsverfahren durch das Landgericht Wiesbaden am 22. August 1966 eingestellt. Erlens Dienstenthebung war der Beginn diverser unerfreulicher „Entdeckungen“ von schwer NS-belasteten Beamten im BKA. Ob Erlen nach der Dienstenthebung zum BKA zurückkehren konnte, ist nicht bekannt. Erlen blieb kinderlos und verbrachte seine letzten Lebensjahre mit seiner Frau in Aalen/Baden-Württemberg.
Literatur Dieter Schenk: Auf dem rechten Auge blind. Die braunen Wurzeln des BKA. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2001, ISBN 3-462-03034-5.
Imanuel Baumann, Herbert Reinke, Andrej Stephan, Patrick Wagner: Schatten der Vergangenheit. Das BKA und seine Gründungsgeneration in der frühen Bundesrepublik. Hrsg. vom Bundeskriminalamt, Kriminalistisches Institut. (Polizei + Forschung, Sonderband). Luchterhand, Köln 2011, ISBN 978-3-472-08067-1. (Download als PDF)
Einzelnachweise
Kategorie:Jurist (Nationalsozialismus) Kategorie:Person (Bundeskriminalamt, Deutschland) Kategorie:Verurteilte Person (NS-Kriegsverbrechen) Kategorie:SMT-Verurteilter Kategorie:Person (deutsche Besetzung Litauens 1941–1945) Kategorie:Holocaust in Litauen Kategorie:Person der Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD Kategorie:Jurist in der Polizeiverwaltung Kategorie:Zwangsarbeiter Kategorie:SD-Personal Kategorie:SS-Mitglied Kategorie:Gestapo-Personal Kategorie:Kriminalpolizist (Deutsches Reich) Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1907 Kategorie:Gestorben 1974 Kategorie:Mann