Ilmar Tammelo, bis 1935 Ilmar Eichelmann (* 25. Februar 1917 in Narva, Estland; † 7. Februar 1982 in Sydney, Australien), war ein Rechtsphilosoph und Professor für Rechtsphilosophie an der Universität Salzburg. Tammelo zählt zu den Begründern der Rechtslogik und im deutschsprachigen Raum der Rechtsinformatik. mini|Ilmar Tammelo. Autograph 1975
Familie Sein Vater Richard-Friedrich Eichelmann (1884–1919), Lehrer und Bürgermeister von Narva,Werkverzeichnis von Richard Eichelmann und aus deutschbaltischer Familie, war Opfer des estnischen Unabhängigkeitskrieges.D. M. Helmeste, in: Estonian World Review, 9. Februar 2013 (online). Die Mutter hieß Johanna geb. Treufeldt (1885–1957). Der Bruder der Mutter, der Industrielle, Politiker, Zeitungsverleger und Anwalt Jan Treufeldt, wurde in den frühen 1940er Jahren nach Sibirien deportiert.D. M. Helmeste, in: Estonian World Review, 9. Februar 2013, https://www.eesti.ca/ilmar-tammelo-february-25-1917-narva-february-7-1982-sydney/article38651 1935 nahm Eichelmann mit seiner Mutter den estnischen Namen Tammelo an.
Leben Tammelo besuchte das Realgymnasium Tartu.http://isik.tlulib.ee/index.php?id=1213. Er erwarb den Dr. jur. in Dorpat, promovierte in Marburg und habilitierte in Heidelberg bei Gustav Radbruch und Karl Engisch. Nach dem Zweiten Weltkrieg wanderte er nach Australien aus, wo er zuletzt als Forschungsprofessor (Reader) an der Universität Sydney wirkte. Seit April 1973 war er Ordinarius an der Universität Salzburg. 1979 wurde Tammelo zum auswärtigen Mitglied der Finnischen Akademie der Wissenschaften gewählt und erhielt die Ehrendoktorwürde in Politikwissenschaft der Universität Bologna und die Franz Böhm Medaille der Universität Siegen. Die österreichische Regierung ehrte ihn mit dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse.Anthony Blackshield, 'Tammelo, Ilmar (1917–1982)', Australian Dictionary of Biography, National Centre of Biography, Australian National University, https://adb.anu.edu.au/biography/tammelo-ilmar-15682/text26880, accessed 16 September 2013.
Positionen Tammelo betont, die Eigenschaft „gerecht“ sei nicht in Objekten wie „dem Recht“ vorzufinden, sondern werde den Objekten durch gewisse gefühlsbezogene Akte beigemessen. Gerechtigkeitsurteile könnten darum keine Objektivität beanspruchen.Ilmar Tammelo: Zensur durch die Toten. Über Tabus auf dem Gebiet der Gerechtigkeit. In: Gerd-Klaus Kaltenbrunner (Hrsg.): Der innere Zensor. Neue und alte Tabus in unserer Gesellschaft. München 1978, Herderbücherei Initiative Bd. 22, S. 76. Tammelo konstatiert eine Reihe tabuisierter „Probleme“, deren „bloße Erwähnung feindselige Haltungen hervorruft“, so der „Totenkult und das Epigonentum“ der „heute herrschenden Ideologien“ gegenüber früheren Denkern, die „die gegenwärtige Situation der Menschheit nicht voraussehen“ konnten, das Tabu der Heiligkeit des Menschenlebens, das Tabu der ethnischen Unversehrtheit und andere. Rezipiert wurde Tammelo folgerichtig im Rahmen tendenziell aufklärerischer Rechtsphilosophie, die sich gegen politischen Missbrauch von Tabus als Tabuwaffe wendet.K. Kunze, Mut zur Freiheit – Ruf zur Ordnung: Rechtsphilosophie auf dem schmalen Grat zwischen Fundamentalismus und Nihilismus. 1998, 2. Auflage: ISBN 3-933334-02-0, online https://www.klauskunze.com/heikun/mut/Mut%20zur%20Freiheit.pdf, nach Monod, Zufall und Notwendigkeit, S. 176 ff.
Werke Laut Autopsie: Zur Philosophie des Überlebens. Gerechtigkeit, Kommunikation und Eunomik (Fermenta philosophica), Verlag Karl Alber, Freiburg i. Br. / München 1975, ISBN 3-495-47315-7 Theorie der Gerechtigkeit (Kolleg Rechtstheorie Band I,1), Verlag Karl Alber, Freiburg i. Br. / München 1977, ISBN 3-495-47357-2. Laut Werkverzeichnis:Werkverzeichnis Prinzipien und Methoden der Rechtslogik, 1971 Rechtslogik und materiale Gerechtigkeit, 1971 Recht als Sinn und Institution, 1984 Zum Fortschritt von Theorie und Technik in Recht und Ethik, 1981 Strukturierungen und Entscheidungen im Rechtsdenken: Notation, Terminologie und Datenverarbeitung in der Rechtslogik, 1978
Sekundärliteratur Ilmar Tammelo frühen Werke (1939–1943) = Die Werke von Ilmar Tammelo (1939–1943) / Ed., Vorwort. und bibl:. Peter Järvelaid. – Hamburg: DA Loeber: 1993 (Estonian juristische Recherchen Quellen: 1). – Ilmar Tammelo (1917–1982), S. 11. Peter Järvelaid, Ilmar Tammelo (1917–1982): Yuri Sten: ein biographisches Lexikon von der Antike bis zum 20. Jahrhundert. München 1995, S. 606–607. Peter Järvelaid, Ilmar Tammelo (1917–1982): Juristen: ein biographisches Lexikon von der Antike bis zum 20. Jahrhundert. München 2001, S. 621–622 (Beck’sche Reihe 1417). Peter Järvelaid: Das Frühwerk Ilmar Tammelo: der Weg zum Scientists / übersetzt. Olaf Mertelsmann – Auf dem Weg der Gerechtigkeit zur Idee: Gedenkschrift für Ilmar Tammelo. Wien, 2009, S. 5–21. – Proceedings. Fußnoten (Österreich: Forschung und Wissenschaft – Rechtswissenschaft, 3). Peter Järvelaid, Ilmar Tammelo (1917–1982): Wissenschaftler Bildung – estnische Learned Society Jahrbuch 2008. Tartu, 2009, S. 245–246. Peter Järvelaid. Ilmar Tammelo: Geschichte der Entwicklung eines Wissenschaftlers, und sein Frühwerk. Academy 2009, Nr. 8, S. 1564–1590 (Proceedings. S. 1585–1590).
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Einzelnachweise
Kategorie:Rechtsphilosoph (20. Jahrhundert) Kategorie:Träger des österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse Kategorie:Ehrendoktor der Universität Bologna Kategorie:Este Kategorie:Geboren 1917 Kategorie:Gestorben 1982 Kategorie:Mann