mini|Demonstrationen für den Staatsstreich in den Straßen Belgrads am 27. März 1941 Der Jugoslawische Staatsstreich ereignete sich am 27. März 1941 in Belgrad im Königreich Jugoslawien. Durch die Besetzung verschiedener bedeutender Regierungsgebäude in ganz Belgrad sowie des Königshofs wurde die Regierung unter Prinzregent Paul gestürzt. Geplant und durchgeführt wurde der Putsch von einer pro-westlichen Gruppe serbischer Offiziere der jugoslawischen Luftwaffe. Vor allem richtete er sich gegen die Zusammenarbeit der Regierung mit den Achsenmächten im Zweiten Weltkrieg.

Offiziell wurde der Putsch angeführt vom General der Luftwaffe Dušan Simović, der seit 1938 mit mehreren Staatsstreichen in Verbindung gebracht wurde. Bei der Leitung des Putsches übernahm sowohl der Brigadegeneral der Luftfahrt Borivoje Mirković als auch der Major der königlichen Garde Živan Knežević sowie dessen Bruder Radoje Knežević eine führende Rolle. Neben Radoje Knežević wussten wahrscheinlich auch andere zivile Anführer von dem geplanten Staatsstreich und unterstützten ihn nach seiner Durchführung. Zu den Organisatoren zählten sie allerdings nicht.

Trotz ihres entscheidenden Beitrags zu den in vielen Städten stattfindenden öffentlichen Massenprotesten, die die Unterstützung des Putsches signalisierten, waren die jugoslawischen Kommunisten an dem Staatsstreich selbst nicht beteiligt. Letztlich war der Putsch erfolgreich und stürzte das Triumvirat Prinz Paul, Radenko Stanković und Ivo Perović sowie den Premierminister Dragiša Cvetković.

Gerade zwei Tage vor dem Putsch hatte die Cvetković-Regierung das Wiener Protokoll und damit den Beitritt Jugoslawiens zum Dreimächtepakt unterzeichnet. Der Staatsstreich war bereits seit mehreren Monaten in der Planung, aber die Unterzeichnung des Dreimächtepakts veranlasste die Organisatoren dazu, angespornt durch die britische Special Operations Executive (Sondereinsatztruppe), ihn letztlich auszuführen.

Die militärischen Verschwörer brachten den 17-jährigen König Peter II. Karađorđević an die Staatsspitze. Eine Regierung der nationalen Einheit wurde gegründet mit Simović als Premierminister und Vladko Maček und Slobodan Jovanović als dessen Vize-Premierminister. Zehn Tage nach dem Putsch begann die von Deutschland geführte Invasion Jugoslawiens durch die Achsenmächte.

Hintergrund Laut Historiker Jozo Tomasevich war das Königreich Jugoslawien vom Moment seiner Gründung an politisch schwach und blieb dies auch während der Zwischenkriegsjahre. Diese Schwäche ergab sich hauptsächlich aus einem steifen zentralistischen System, der starken Verbindung zwischen nationalen Gruppen und der dominierenden Religion sowie einer ungleichmäßigen wirtschaftlichen Entwicklung. Speziell der religiöse Vorrang der Serbisch-Orthodoxen Kirche in nationalen Angelegenheiten und die Diskriminierung der römisch-katholischen und muslimischen Bevölkerung verschärfte die Unzufriedenheit der nicht-serbischen Bevölkerung mit den serbisch-dominierten Herrschaftsgruppen.

Diese behandelten Nicht-Serben als Menschen zweiter Klasse. Dieses zentralisierte System wurde durch politische Bestechung erreicht. Aufgrund der Vorrangstellung serbischer Herrschaftseliten in Jugoslawien konnte das Land sich nie im politischen Sinne festigen. Es war daher niemals in der Lage, sich mit den politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die es bedrohten, zu befassen.

1929 wurde die Demokratie abgeschafft, und König Alexander proklamierte eine Königsdiktatur. Er versuchte, die ethnische Spaltung durch verschiedene Maßnahmen abzubauen, unter anderem durch die Schaffung von administrativen Einheiten, den Banschaften.

Dieser Schritt schuf zwei Oppositionen: Die Gegnerschaft besonders von serbischer und slowenischer Seite und die Befürworter einer Einteilung Jugoslawiens nach ethnischen Gesichtspunkten. 1933 hatte sich diese Unzufriedenheit besonders in der Banschaft Sava in einen ausgewachsenen Widerstand gegen die Staatsgewalt gewandelt, dem die Regierung mit einigen versuchten und durchgeführten Ermordungen und dem Arrest von bedeutenden kroatischen Oppositionellen, unter ihnen auch der Führer der Kroatischen Bauernpartei HSS Vladko Maček, beizukommen suchte.

Nachdem König Alexander 1934 in Marseille bei einem Attentat umgekommen war, gelangte sein Cousin Prinz Paul an die Spitze der Drei-Mann-Regierung mit dem Senator Radenko Stanković und dem Gouverneur der Banschaft Sava, Ivo Perović. Obwohl Prinz Paul liberaler war als sein Cousin, setzte er die Diktatur ununterbrochen fort.

Cvetković-Maček-Abkommen

Prinz Paul, der den schlechten nationalen Zusammenhalt und die politische Schwäche des Landes bemerkte, unternahm wiederholt Versuche, eine politische Einigung mit dem Führer der HSS Maček auszuhandeln. Im Januar 1937 traf sich der Premierminister Milan Stojadinović auf Anfrage des Prinzen mit Maček.

Stojadinović war jedoch entweder nicht willens oder nicht in der Lage, sich mit der kroatischen Unzufriedenheit mit einem von einer serbischen Herrschaftsklasse dominierten Jugoslawien auseinanderzusetzen. 1938 brachte der Anschluss Österreichs das nationalsozialistische Deutschland an die Grenzen Jugoslawiens. Daher fanden bereits Wahlen im Dezember statt.

Zu dieser Zeit war Simović in zwei Putschversuche Anfang des Jahres 1938 involviert. Ein weiterer folgte auf die Dezember-Wahlen, bei denen die von Maček geführte Opposition 44,9 % der Stimmen erreichte. Aufgrund von Wahlregeln, nach denen die Regierung 40 % der Sitze bereits vor der Aufzählung der Stimmen erhielt, wurden ihnen jedoch lediglich 67 von 373 Sitzen zugeteilt.

Am 3. Februar 1939 hielt Bildungsminister Bogoljub Kujundžić eine nationalistische Rede, in der er behauptete, serbische Politik bliebe immer eine Angelegenheit dieses Hauses und dieser Regierung. Der Minister und Vorsitzende der Jugoslawischen Muslimischen Organisation (JMO) Mehmed Spaho forderte Stojadinović auf, diese Aussage nicht anzuerkennen, was dieser jedoch verweigerte. Am selben Abend traten Spaho, Džafer Kulenović, Anton Korošec, Franc Snoj, und Dragiša Cvetković von der Regierung zurück.

Stojadinović ersuchte Prinz Paul um Erlaubnis, ein neues Kabinett gründen zu dürfen, Korošec als der Vorsitzende des Senats empfahl dem Prinzen jedoch, das neue Kabinett stattdessen um Cvetković zu gründen. Prinz Paul entließ Stojadinović und ernannte Cvetković an seiner Stelle mit der Anweisung, eine Einigung mit Maček herbeizuführen.

Im April 1939 besetzte Italien Albanien. Im August 1939 wurde schließlich das Cvetković-Maček-Abkommen geschlossen, um eine kroatische Banovina zu etablieren, die eine relativ unabhängige politische Einheit innerhalb Jugoslawiens bilden sollte. Kroatische Radikale waren der Meinung, das Abkommen gehe nicht weit genug. Zahlreiche Serben hingegen behaupteten, es gehe zu weit, indem es den Kroaten zu viel Macht verlieh.

Das von Cvetković geführte Kabinett, das sich während des Abschlusses des Abkommens formte und resolut gegen die Achsenmächte war, schloss von nun an fünf Mitglieder der HSS ein, unter anderem Maček als stellvertretenden Premierminister und General Milan Nedić als Minister der Armee und der Marine. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939 führte der wachsende Druck von Seiten Deutschlands zum Rücktritt des Innenministers Stanoje Mihaldžić, der heimliche Aktivitäten gegen die Achsenmächte unternommen hatte, Mitte 1940. Im Oktober 1940 wurde nochmals durch Verschwörer, die einen Putsch planten, Kontakt zu Simović aufgenommen, doch er verhielt sich eher zurückhaltend. Ab dem Ausbruch des Krieges zielte die britische Diplomatie darauf, Jugoslawien neutral zu halten, was Botschafter Ronald Campbell immer noch für möglich hielt.

Druckaufbau Die Zusammenarbeit des jugoslawischen und britischen Geheimdienstes, die seit den frühen 1930er Jahren in einem geringen Maße existiert hatte und bereits seit dem Anschluss Österreichs intensiviert worden war, verstärkte sich nach dem deutschen Überfall auf Polen und dem Kriegsausbruch im September 1939 nochmals. Diese gemeinschaftlichen geheimdienstlichen Maßnahmen zielten darauf ab, Jugoslawien zu stärken und dessen Neutralität zu halten, während verdeckte Aktivitäten gefördert wurden. Im Jahre 1940 erfuhr der britische Geheimdienst vom geplanten Staatsstreich, entschied aber weiterhin durch Prinz Paul zu handeln.

Jugoslawiens Lage verschlechterte sich im Oktober 1940, als Italien von Albanien aus nach Griechenland einmarschierte. Das anfängliche Scheitern Italiens stärkte Jugoslawiens Befürchtungen einer deutschen Unterstützung Italiens. Im September und November 1940 zwang Deutschland Ungarn und Rumänien, dem Dreimächtepakt zuzustimmen. Im November 1940 schlug General Nedić vor, die jugoslawische Neutralität aufzugeben und sich den Achsenmächten anzuschließen, da er von einem deutschen Sieg überzeugt war. Er erhoffte sich einen Schutz Jugoslawiens vor dessen Nachbarn durch Deutschland. Prinz Paul hielt allerdings Nedićs Vorschlag für nicht umsetzbar und ersetzte den General durch den nachgiebigeren Petar Pešić.

Die folgenden Monate arbeiteten Prinz Paul und seine Minister unter ständigem Druck, da die Gefahr bestand, über Bulgarien von Deutschland angegriffen zu werden, und Großbritannien sich recht widerwillig zeigte, den Jugoslawen militärische Unterstützung zuzusagen. Sechs Monate vor dem Staatsstreich hatte sich Großbritannien entschieden, Jugoslawiens Neutralität nicht mehr zu akzeptieren und stattdessen von Jugoslawien zu verlangen, den Krieg gegen Deutschland zu unterstützen.

Am 23. Januar 1941 stellte William Donovan, ein Sonderbeauftragter des US-amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt, ein Ultimatum, wonach die USA sich nicht in Friedensgesprächen auf die Seite Jugoslawiens stellen würde, falls Jugoslawien den deutschen Truppen den Durchgang gewähren sollte.

Am 14. Februar forderte Hitler gegenüber Cvetković und dem jugoslawischen Außenminister den Beitritt Jugoslawiens zum Dreimächtepakt. Weiterhin forderte er die Demobilisierung der königlichen Armee Jugoslawiens, die Zusage, Lieferungen nach Deutschland über jugoslawisches Gebiet leiten zu dürfen, sowie engere wirtschaftliche Zusammenarbeit. Im Gegenzug bot er Jugoslawien einen Hafen am Ägäischen Meer und die Sicherung des Landes an.

Am 17. Februar unterzeichnete die Türkei ein Freundschaftsabkommen mit Bulgarien, wodurch der Versuch gescheitert war, den Balkan neutral zu halten. Darauf verurteilte Prinz Paul das Abkommen und bezeichnete Bulgariens Verhalten als „Niedertracht“. Am 1. März wurde Jugoslawien noch weiter in die Isolation gedrängt, als Bulgarien den Dreimächtepakt unterzeichnete und die deutsche Armee die bulgarisch-jugoslawische Grenze erreichte.

Prinz Paul traf sich heimlich am 4. März mit Hitler in Berchtesgaden, wobei er erneut gedrängt wurde, den Pakt zu unterschreiben. Hitler bat darum, deutsche Truppen durch Jugoslawien passieren zu lassen und bot dem Land die Stadt Salonika an, ohne aber ein Ultimatum für die Entscheidung zu setzen. Prinz Paul, der den Mittelpunkt der Kabinettskrise bildete, bot stattdessen einen Nichtangriffspakt sowie eine Freundschaftserklärung. Hitler jedoch rückte nicht von seinen Forderungen ab. Prinz Paul äußerte zudem die Befürchtung, nicht mehr lange im Amt zu sein, sobald er den Vertrag unterzeichnen würde. Am 8. März äußerte der Leiter des Generalstabs Franz Halder die Vermutung, Jugoslawien würde den Vertrag unterzeichnen, wenn die deutschen Truppen dafür die jugoslawische Grenze nicht überquerten.