Die Beziehungen zwischen China und Deutschland weisen eine lange und wechselvolle Geschichte auf.
Frühe Kontakte mini|hochkant=0.8|Adam Schall von Bell, deutscher Jesuitenpater am chinesischen Kaiserhof Erste Kontakte zwischen China und Europa gab es durch die Berichte europäischer Reisender. Zu diesen zählten Johannes de Plano Carpini (1185–1252), Wilhelm von Rubruk (1215–1270), Marco Polos Vater Niccolò Polo, sein Onkel Maffeo Polo (auch Maffio oder Matteo), beide Juwelenhändler aus Venedig, und Marco Polo. Nach der Entdeckung des Seeweges nach Indien durch Vasco da Gama (1469–1524) wurden auch Kontakte auf dem Seeweg möglich. Mit den Handelskontakten ging das europäische Interesse an christlicher Mission einher. 1582 reiste der italienische Jesuitenpater Matteo Ricci nach China und begründete dort die Jesuitenmission, die mehr als ein Jahrhundert dort tätig war. Der europäische Seehandel mit China wurde in dieser Zeit ganz durch Portugiesen und Niederländer dominiert. Insbesondere auf niederländischen Handels- und Kriegsschiffen heuerten auch Deutsche an, so z. B. der aus Thüringen stammende Caspar Schmalkalden, der nach seiner Rückkehr 1652 aus Ostasien einen ausführlichen Reisebericht verfasste. Auf diese Weise gelangten zunehmend Informationen über China nach Deutschland.
17. und 18. Jahrhundert mini|hochkant=0.8|Gottfried Wilhelm Leibniz mini|hochkant=0.8|Der Chinesische Pavillon im Park von Schloss Pillnitz Am chinesischen Kaiserhof wirkten seit Mitte des 17. Jahrhunderts Jesuiten, die dort wegen ihrer astronomischen und mathematischen Kenntnisse geschätzt wurden. Wesentlich durch den deutschen Jesuitenpater Adam Schall von Bell wurde die chinesische Kalenderreform ausgearbeitet. Schall, der am Kaiserhof den Rang eines Mandarins hatte und als direkter Berater des Kaisers fungierte, übersetzte auch mehrere europäische Fachbücher ins Chinesische. Über die Jesuiten gelangten genauere Informationen über die inneren Verhältnisse Chinas nach Europa. Im ausgehenden 17. und im 18. Jahrhundert gab es unter deutschen Intellektuellen ein erhebliches Interesse an der Kultur und Zivilisation Chinas. In Kunst und Architektur ging dies zum Teil parallel mit der Mode der Chinoiserie, in der vermeintlich chinesische Traditionen nachgeahmt wurden. Unter den meisten europäischen Intellektuellen herrschte das Bild Chinas als einer Europa ebenbürtigen, in Einzelaspekten sogar überlegenen Kultur vor. Großes Interesse für die chinesischen Kultur hatte vor allem Gottfried Wilhelm Leibniz, der seit seinen 1689 in Rom mit dem Jesuitenpater Grimaldi geführten Gesprächen bis zum Jahr 1712 in regem brieflichen Kontakt mit den Jesuiten stand. Leibniz äußerte wiederholt seine Hochachtung und seinen Respekt vor chinesischen Kulturleistungen. Ihm schwebte ein wissenschaftlich-kultureller Austausch zwischen Europa und dem chinesischen Kaiserreich auf Basis der gegenseitigen Achtung zum beiderseitigen Nutzen vor. Dem Thema China widmete Leibniz mehrere Bücher und wissenschaftliche Schriften, u. a. die 1697/1699 in zwei Bänden erschienene Novissima Sinica. Neben dem wissenschaftlichen Interesse verfolgte Leibniz auch ein theologisches Interesse. Aus der Erkundung der Frühgeschichte Chinas, beispielsweise auch der Nestorianer, wollte er Erkenntnisse zur Frühgeschichte des Christentums gewinnen und er sah China als ein Feld für die christlich-protestantische Mission an.
Chinesische Handelsgüter erreichten Deutschland vor allem über den anfänglich vor allem portugiesischen und spanischen, ab dem 17. Jahrhundert dann niederländischen und englischen Zwischenhandel, der über See abgewickelt wurde. Exportgüter Chinas waren Porzellan, Seidenarbeiten und Tee. Auch deutsche Kaufleute waren am Chinahandel beteiligt. So erreichten 1751 während der Herrschaft der Qing-Dynastie die ersten Handelsschiffe der Emder „Königlich-Preußischen Asiatischen Compagnie“ China.
19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg mini|250px|SMS Arcona Nachdem China lange Zeit sein Desinteresse an intensiveren Handelsbeziehungen bekundet hatte, erfolgte die gewaltsame Öffnung des chinesischen Marktes durch europäische Mächte im Ersten und Zweiten Opiumkrieg (1839–1842 und 1856–1860). Danach wurde Chinas Außenhandel ganz durch Großbritannien und in geringerem Maße durch Frankreich bestimmt. Im Vertrag von Tianjin 1861 musste sich China zur Öffnung des Reiches für den Handel mit verschiedenen europäischen Staaten, darunter auch Preußen verpflichten. Erste offizielle Kontakte zwischen Preußen und dem chinesischen Kaiserreich wurden durch die Eulenberg- oder auch preußische Ostasienexpedition im Jahre 1861 aufgenommen. Wilhelm I. ernannte 1859, als er noch als Prinzregent für seinen kranken Bruder Friedrich Wilhelm IV. handelte, Friedrich Albrecht Graf zu Eulenburg als Sondergesandten im Namen von Preußen und des Deutschen Bundes und schickte ihn auf eine Expedition nach China, Japan und Siam, um diplomatische Beziehungen und Handelsbeziehungen aufzunehmen.
Im Mai 1861 erreichte die Gesandtschaft Tianjin, wo Eulenburg Verhandlungen mit Zongli Yamen für ein Handelsabkommen aufnahm.
Kurz zuvor war Peking durch britische und französische Truppen im Zweiten Opiumkrieg besetzt worden, und Kaiser Xianfeng befand sich noch immer in Chengde im Exil. Die Verhandlungen zogen sich über drei Monate hin, und der chinesische Kaiser verstarb im späten August. Am 2. September 1861 kam es zum Abschluss eines Handelsvertrages, den Chonglun als Vertreter Chinas unterschrieb. In diesem Vertrag repräsentierte Preußen den gesamten Deutschen Zollverein und legte die Grundlage für die deutsch-chinesischen Beziehungen bis zum Ersten Weltkrieg, als die Verträge einseitig von China, als einer der ungleichen Verträge mit den acht Fremdnationen, aufgekündigt wurden.
Mit der raschen Industrialisierung Deutschlands in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahmen die deutschen Handelsinteressen in China zu. 1890 wurde die Deutsch-Asiatische Bank mit dem Zweck gegründet, deutsche Investitionen in China zu finanzieren. 1896 lag das Deutsche Reich hinter den Briten auf Platz zwei der Handels- und Schifffahrtsstatistik Chinas.
mini|Chinesisches Panzerschiff „Ting-Yuen“ Längere Zeit verfolgte die deutsche Politik im Gegensatz zum Vereinigten Königreich und Frankreich keine eigenen territorialen Interessen und trat dort nicht als Kolonialmacht in Erscheinung. Daher sah die chinesische Regierung Deutschland als Partner, der China bei seiner Modernisierung helfen könnte. So kaufte die chinesische Regierung zwei in Deutschland gebaute Schlachtschiffe, die Dingyuan und ihr Schwesterschiff Zhenyuan für seine Marine ein. Nachdem Chinas erste Bemühungen um Modernisierung, gefolgt von der Niederlage im ersten chinesisch-japanischen Krieg, gescheitert waren, bat Yuan Shikai um deutsche Hilfe beim Aufbau der „Selbststärkungsarmee“ () und der Neu geschaffenen Armee (新建陸軍; Xīnjìan Lùjūn). Deutsche Investitionen betrafen nicht nur Militärgüter, sondern auch die Industrie. Zum Beispiel wurde in den späten 1880er Jahren das Unternehmen Krupp von der chinesischen Regierung beauftragt, eine Reihe von Befestigungen um Port Arthur zu errichten. mini|Karte von Tsingtau im deutschen Pachtgebiet Kiautschou Unter der Herrschaft Wilhelms II. schlug die deutsche China-Politik in der Hochphase des Imperialismus eine aggressivere Richtung ein. Japan wurde nach dem ersten chinesisch-japanischen Krieg mit der Intervention von Shimonoseki dazu gezwungen, seine Konzessionen in Hankou und Tianjin an Deutschland abzutreten. Auch zwang Deutschland 1897 China, ein Gebiet an der Kiautschou-Bucht in Shandong für 99 Jahre an das Deutsche Reich zu verpachten. Das Gebiet war durch das Reichsmarineamt ausgewählt worden, da hier ein großer Naturhafen bestand, der sich als Flottenstützpunkt für die im Ausbau begriffene deutsche Kriegsflotte eignete. Mit erheblichen finanziellen Aufwendungen baute das Marineamt Kiautschou in den folgenden 15 Jahren zum größten Hafen Nordchinas aus. Heute dort noch existierende Hinterlassenschaften der kurzen deutschen Kolonialherrschaft sind die Qingdao-Universität (1909 als Deutsch-Chinesische Hochschule gegründet) und die bekannte Tsingtao-Brauerei, die von deutschen Brauerei-Ingenieuren errichtet wurde.
Der Boxeraufstand von 1900, der sich gegen die westlichen Einmischungen in China richtete, wurde durch eine paneuropäische Strafexpedition unter Führung des deutschen Generalfeldmarschalls Alfred von Waldersee niedergeschlagen. Das Ereignis bildete einen Tiefpunkt der chinesisch-deutschen Beziehungen. Anlässlich der Verabschiedung deutscher Truppen nach China hielt Kaiser Wilhelm II. seine berüchtigte Hunnenrede. Die Aufteilung Chinas unter die Kolonialmächte wurde letztlich nur durch deren gegenseitiges Misstrauen und die nicht übereinstimmenden Territorialansprüche verhindert. Die westlichen Mächte und Japan einigten sich auf eine Politik der offenen Tür. China verlor für einige Jahre wesentliche Souveränitätsrechte wie die Kontrolle über die Zollverwaltung, die unter internationale Kontrolle gestellt wurden.
Die Entwicklung des modernen chinesischen Rechts wurde in dieser Zeit maßgeblich vom deutschen Recht beeinflusst. Vor dem Fall der Qing-Dynastie begannen chinesische Reformer, ein Bürgerliches Gesetzbuch auszuarbeiten, das größtenteils auf dem deutschen BGB basierte, welches auch schon in Japan (und indirekt auch Korea) übernommen wurde. Obwohl dieser Entwurf nicht vor dem Zusammenbruch der Qing-Dynastie verkündet wurde, war er die Grundlage für das Bürgerliche Gesetzbuch der Republik China, welches 1930 eingeführt wurde. Bis heute gilt es in Taiwan und hat das geltende Recht in Festlandchina beeinflusst.
Deutschlands Sonderrolle für China Im Gegensatz zu Frankreich, Großbritannien, Russland und den Vereinigten Staaten haben die meisten Chinesen auf Deutschland einen wohlwollenden und positiven Blick. Dies liegt maßgeblich daran, dass mit Preußen und später dem Deutschen Kaiserreich in der Zeit der größten chinesischen Schwächephase – unmittelbar in der Zeit seit dem Zweiten Opiumkrieg – keine Gebietsabtretungen (Russland), kein Kunstraub (Frankreich und Großbritannien) und auch keine Destabilisierungspolitik (USA) verbunden werden. Die wahrgenommene Rolle von Deutschland als einem tatsächlichen oder vermeintlich ehrlichen Makler zwischen China und dem Westen bestimmt bis heute das chinesische Bild als bemerkenswerte Ausnahme unter den westlichen Nationen und gab Deutschland bei der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas seit Deng Xiaoping Anfang der 1980er unter den westlichen investitionswilligen Ländern ursächlich den Vorrang, so Frank Sierens Berichterstattung über Chinas Umgang beim Tod von Helmut Schmidt im Jahre 2015.
20. Jahrhundert bis zur Gründung der Volksrepublik China Dennoch wurden die chinesisch-deutschen Beziehungen in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg weniger intensiv. Ein Grund dafür war die politische Isolation Deutschlands, die sich durch die Anglo-Japanische Allianz von 1902 und die Triple Entente von 1907 immer deutlicher abzeichnete. Daher schlug Deutschland 1907 ein deutsch-chinesisch-amerikanisches Abkommen vor, welches aber nie umgesetzt wurde. 1912 bot Deutschland der chinesischen Regierung ein Darlehen von sechs Millionen Mark an und nahm die Rechte zum Bau der chinesischen Eisenbahn in Shandong wieder auf. Als 1914 der Erste Weltkrieg in Europa ausbrach, bot Deutschland China die Rückgabe der Kiautschou-Bucht an, um zu verhindern, dass die Konzessionen an Japan fielen. Trotzdem trat Japan auf Seiten der Alliierten in den Krieg ein und setzte den Angriff auf deutsche Konzessionen in China fort. Japan nahm die Kiautschou-Bucht und Tsingtao ein. Während des Krieges nahm Deutschland keine aktive Rolle im fernen Osten ein und unternahm auch keine Initiative zu bedeutenden Aktionen, da man sich auf den Krieg in Europa konzentrierte.