mini|Rekonstruierte treverische Höhensiedlung Altburg (etwa 300–50 v. Chr.) miniatur|hochkant|Treverischer Gold-Stater Die Treverer (lateinisch Treveri, gallisch Treviri, Treveri) waren ein Volksstamm der Kelten in Nordostgallien mit Kontakten ins Rechtsrheinische. Laut Tacitus suchten sich die Treverer dadurch von den übrigen Galliern abzugrenzen, dass sie ihre Ursprünge auf germanische Wurzeln zurückführten.Tacitus, Germania 28; Strabon 4,3,4.
Das Stammesgebiet erstreckte sich, nach De bello Gallico von Gaius Iulius Caesar, vom RheinCaesar, De bello Gallico Buch III,11: (…) Treveros, qui proximi flumini Rheno sunt. („Die Treverer, die am nahen Rhein leben.“) bis zum Land der Remer.Caesar, De bello Gallico Buch V,3 quae ingenti magnitudine per medios fines Treverorum a flumine Rheno ad initium Remorum pertinet („[Die Ardennen], die sich auf einer gewaltigen Größe durch das zentrale Gebiet der Treverer vom Rhein bis zum Gebiet der Remer ausdehnen.“) Die westliche Grenze bildete die Maas. Die nördliche Grenze war der Vinxtbach, dessen Namen sich von Vinxt, lateinischen finis für Grenze ableitet, nördlich von ihm siedelten die Eburonen und Condruser, sie waren clientes der Treverer. Caesar erwähnt in seinem Werk keinen befestigten Ort (Oppidum) bzw. Hauptort der Treverer. Augusta Treverorum (Stadt des Augustus im Land der Treverer, das heutige Trier) stieg erst in provinzialrömischer Zeit zur Hauptstadt der Treverer auf.
Namensherkunft Der Volksname der Treverer setzt sich nach Cuno aus dem Verstärkungspartikel tre- und vero zusammen, das dem kymrischen gwyr „kräftig, tüchtig“ entspreche.Zitiert nach einem Reiseführer des Jahres 1888, Cuno bleibt unidentifiziert.
Xavier DelamarreXavier Delamarre: Dictionnaire de la langue gauloise. editions errance, 2003, S. 300. zitiert Rudolf Thurneysen,Rudolf Thurneysen: Rheinisches Museum 84, S. 188–192. der vorgeschlagen hat, das keltische trē-uer-o- nach trevuero- mit den Bestandteilen trē- < *trei- „durch“ (vergleiche lateinisch trāns) und ver-o „über einen Fluss gehen, fahren“ zu rekonstruieren. Der Name Treverer hieße demnach „die Fahrleute“, weil dieser Stamm die Mosel überqueren ließ. Dazu passt die Existenz der Furtengöttin Ritona und der Kapelle zum Uorioni deo. Die gleiche Wurzelverbindung bestand auch im altirischen treóir (< trē-u̯ori) „Führung durch eine Furt; Ort, an dem ein Fluss überquert wird“.
Das Sprachelement ver-/var- ist indogermanisch und bedeutete vielleicht „Bach“ oder „Fluss“ (vergleiche sanskrit vār „Wasser“ oder altnordisch vari). Dieses Wort ist häufig in Frankreich in den Flussnamen wie Var, Vire oder Vière und als Bestandteil von Louviers, Reviers, Haut-Laviers und Verviers. Die Stadt Horbourg-Wihr im Elsass geht auf die gallorömische Siedlung Argentovaria zurück.
Frühkeltische Lebensweise mini|Palisaden-Befestigung in der rekonstruierten treverischen Siedlung Altburg Nach modernen ErkenntnissenLaut Ausstellungsobjekten und Führung durch einen die Treverer erforschenden Historiker im Landesmuseum Trier (Herbst 2004). reicht die Geschichte der Kelten mindestens bis in das 6. Jahrhundert v. Chr. zurück. Die Treverer bauten ihre Häuser aus Lehm und Flechtwerk auf Grundlage einer Holzkonstruktion. Diese Häuser hatten eine Haltbarkeit von möglicherweise ein oder zwei Generationen.
Die Treverer siedelten in Einzelgehöften und Kleinsiedlungen. Daneben bestanden in der Spät-Latènezeit zahlreiche befestigte Höhensiedlungen – wahrscheinlich Hofgemeinschaften der Oberschicht – und fünf Oppida: der Martberg an der Untermosel, Wallendorf an der Sauer, Otzenhausen im Hunsrück, Kastel an der Saar und der Titelberg in Luxemburg. Der spätere Hauptort des Stammes – Augusta Treverorum, das heutige Trier – scheint nach archäologischen Zeugnissen seine Bedeutung erst mit Einrichtung der römischen Provinzen in Nordostgallien erhalten zu haben. Gleichzeitig mit dem Aufstieg Triers ging ein erheblicher Bedeutungsverlust der anderen Oppida einher, deren Blüte um die Zeitenwende endete.
Caesar hebt die Reiterei der Treverer in De bello Gallico besonders hervor.Caesar, De bello Gallico Buch V,3: Haec civitas longe plurimum totius Galliae equitatu valet („Dieser Stamm vermag mit seiner Reiterei am meisten in ganz Gallien.“)
Geschichtliches Rolle im Gallischen Krieg Caesars Erstmals werden die Treverer in historischen literarischen Quellen von Gaius Iulius Caesar für das Jahr 58 v. Chr. erwähnt. Damals, als Caesar seinen Gallischen Krieg begonnen hatte, informierten sie den römischen Feldherrn über einen neuen Zuzug der Sueben für Ariovist.Caesar, De bello Gallico 1, 27, 3. Eventuell spielte hierbei ihre Verbundenheit mit den zu jener Zeit von den suebischen Scharen bedrängten Haeduern eine ausschlaggebende Rolle. Auf Caesars Aufforderung hin schickten sie ihm 57 v. Chr. ein Kontingent ihrer Reiterei, deren großer Schlagkraft sie ebenso wie ihrer Infanterie große Kriegserfolge verdankten,Caesar, De bello Gallico 5, 37, 1. für den Kampf gegen die Belger zu Hilfe. Als aber die Schlacht an der Sambre gegen die Nervier für die Römer mit einer Niederlage zu enden schien, suchten die Reiter der Treverer das Weite.Caesar, De bello Gallico 2, 24, 4 f. So dürfte das Volk Caesar nun als unzuverlässig erschienen sein.
In der Folgezeit zeigten sich die Treverer sogar eher romfeindlich. Caesar schickte 56 v. Chr. seinen Legaten Titus Labienus zu ihnen, um die Belger ruhig zu halten.Caesar, De bello Gallico 3, 11, 1. Nachdem Caesar 55 v. Chr. die in Gallien eingefallenen Tenkterer und Usipeter vernichtend geschlagen hatte, setzte er erstmals zur Einschüchterung der Germanen über den Rhein, und dies tat er vielleicht vom Gebiet der Treverer aus. Während der Vorbereitungen zum zweiten Feldzug gegen Britannien 54 v. Chr. begab er sich persönlich zu den Treverern, deren Haltung ihm zu zweifelhaft schien, um die dortigen Verhältnisse in seinem Sinn zu regeln. Bei dem Stamm stritten sich damals zwei einflussreiche Adlige, der romfeindlich eingestellte Indutiomarus und sein als romfreundlich geltender Schwiegersohn Cingetorix, um den Ehrenvorrang.Caesar, De bello Gallico 5, 3, 2 und 5, 4, 3 f. Caesar schlichtete diese Auseinandersetzung ohne Kampf zu Gunsten des Cingetorix und führte 200 zur Partei des Indutiomarus gerechnete Personen, darunter dessen Sohn und Verwandten, als Geiseln mit sich fort. So sollte der Römerfeind zum Stillhalten gezwungen werden.Caesar, De bello Gallico 5, 3, 2 – 4, 6.
Indutiomarus überredete dann Führer anderer romfeindlicher gallischer Stämme, so Ambiorix, König der Eburonen,Caesar, De bello Gallico 5, 26, 2. zum Überfall auf die im Winter 54/53 v. Chr. in verschiedenen Lagern verteilten römischen Heere. Während Ambiorix’ Angriff glückte, scheiterte jener auf das Lager von Quintus Tullius Cicero. Als Indutiomarus von dem Misserfolg erfuhr, brach er die von ihm unternommene Attacke auf Titus Labienus,Caesar, De bello Gallico 5, 47, 4 f.; Cassius Dio, Römische Geschichte 40, 11, 1 f. der bei den Remern nahe der Grenze der Treverer lagerte, ab.Caesar, De bello Gallico 5, 53, 2. Die jenseits des Rheins siedelnden Germanenstämme konnte er nicht zur Entsendung von Hilfstruppen gewinnen, doch erhielt er Zulauf von zahlreichen Flüchtlingen aus gallischen Stämmen, entmachtete Cingetorix und rief zum Krieg gegen die Römer auf.Caesar, De bello Gallico 5, 55, 1-4. Indessen scheiterte Indutiomarus’ erneuter Angriff auf Labienus und er wurde auf der Flucht eingeholt und getötet.Caesar, De bello Gallico 5, 56, 1 – 58, 6.
53 v. Chr. übernahmen die Verwandten des Indutiomarus bei den Treverern die Macht und verbündeten sich mit Ambiorix sowie mehreren rechtsrheinischen Stämmen.Caesar, De bello Gallico 6, 2, 1-3. Sie starteten noch vor dem Zuzug der germanischen Hilfstruppen wiederum eine Offensive gegen Labienus. Diesem gelang aber noch vor der Vereinigung der gegnerischen Truppenteile ein Sieg gegen die Treverer, die sich unterwerfen mussten. Cingetorix wurde als Anführer der romtreuen Partei an die Spitze des Stammes gesetzt.Caesar, De bello Gallico 6, 7, 3 – 8, 9. Der darauffolgende zweite Rheinübergang Caesars nach Germanien erfolgte sicher vom Gebiet der Treverer aus.Caesar, De bello Gallico 6, 9, 1-5; dazu
Als Vercingetorix 52 v. Chr. den großen Aufstand zahlreicher gallischer Völker gegen Caesar organisierte und leitete, nahmen die Treverer daran nicht teil, da sie sich einer Bedrängung von Seiten der Germanen ausgesetzt sahen.Caesar, De bello Gallico 7, 63, 7. Sie gewährten aber einem der Anführer der rebellierenden Haeduer, Surus, Asyl, der sie 51 v. Chr. zu weiterem Widerstand gegen die Römer aufreizte. Erneut war es Labienus, der den Treverern trotz deren Unterstützung durch germanische Aufgebote eine Niederlage beibrachte.Caesar, De bello Gallico 8, 45, 1. Gegen Ende seiner kriegerischen Aktivitäten in Gallien veranstaltete Caesar 50 v. Chr. an der Grenze des Territoriums der Treverer eine umfangreiche Heerschau.Caesar, De bello Gallico 8, 52, 1. Diese Parade war als Machtdemonstration gegenüber den Treverern gedacht, sollte aber auch die Germanen erschrecken.
Weitere Geschichte von Augustus bis Nero Von 39–37 v. Chr. fungierte Marcus Vipsanius Agrippa, der enge Vertraute von Kaiser Augustus, erstmals als Statthalter Galliens und unterdrückte eine Revolte gallischer Stämme, an der wohl auch die Treverer teilnahmen, weil Agrippa in Verbindung mit den dabei ausgetragenen Gefechten den Rhein überquerte.Cassius Dio, Römische Geschichte 48, 49, 3; dazu 29 v. Chr. rebellierten die Treverer erneut und erhielten dabei Hilfe von den rechtsrheinischen Germanen. Wahrscheinlich stand ihre Revolte im Zusammenhang mit einem gleichzeitigen Aufstandsversuch von im höheren Norden ansässigen gallischen Völkern, etwa den Morinern.Cassius Dio, Römische Geschichte 51, 20, 5 und 51, 21, 6. Marcus Nonius Gallus besiegte die Treverer und wurde für diese Leistung zum Imperator ausgerufen.
Während seiner zweiten Statthalterschaft führte Agrippa um 19 v. Chr. in Gallien, so auch im Gebiet der Treverer, weitreichende Regelungen administrativer und militärstrategischer Art durch. Ab nun wurden die Treverer immer stärker romanisiert. Im Rahmen der unter Augustus vorgenommenen Neueinteilung Galliens wurde das Gebiet der Treverer in die Provinz Gallia Belgica eingegliedert. Ein von in ihrem bisherigen Territorium herausgelöster, östlich am Rhein gelegener Landstrich kam jedoch unter direkte römische Heeresverwaltung.; Agrippa legte auch ein eigenes Straßennetz in Gallien an, wobei er eine der Fernstraßen von Lugdunum (heute Lyon) über das Trierer Tal nach Köln errichten ließ.Strabon, Geographika 4, 6, 11. Während Caesar keine Oppida der Treverer erwähnt, wurde erst unter der römischen Herrschaft Augusta Treverorum (heute Trier) als ihr Hauptort wohl zwischen etwa 19 und 12 v. Chr. gegründet. Es sollte den Römern als wichtige Station für künftige Angriffe auf die Germanen und als Verwaltungszentrum für den Stamm der Treverer dienen. Kurz vor der Anlage des römischen Trier war bereits in dessen Nähe ein Alenkastell entstanden. Der Geograph Pomponius Mela erwähnte Augusta Treverorum als erster Autor um 44 n. Chr. und beschrieb es zu diesem Zeitpunkt schon als wohlhabende und repräsentative Stadt für die Belger.Pomponius Mela, De chorographia 3, 30. In der Folgezeit blieb die Stadt sehr eng mit der civitas Treverorum verbunden.