mini|Giessen von Lettern für den Druck Das Gutenberg Museum – Schweizerisches Museum der grafischen Industrie und der Kommunikation war ein Museum des schweizerischen Grafischen Gewerbes in Freiburg im Üechtland. Die Sammlung wird seit Dezember 2023 in der Enter Technikwelt Solothurn in Derendingen gezeigt.

Das ehemalige Museum wurde gleichzeitig mit dem Mainzer Gutenberg-Museum im 500. Geburtsjahr Gutenbergs im Jahre 1900 gegründet und befand sich über 100 Jahre in Bern. Im Herbst 2000, im Jahr, in dem Gutenbergs Erfindung des Buchdruckes zur «Erfindung des Jahrtausends» ernannt wurde, zog das Museum an seinen Standort im ehemaligen Kornhaus Derrière-Notre-Dame der Stadt Freiburg um. Da die Stadt Interesse am Gebäude anmeldete, wurde das Museum im Herbst 2022 geschlossen.

Das Gebäude ist als Einzelobjekt im Schweizerischen Inventar der Kulturgüter von nationaler und regionaler Bedeutung verzeichnet. Auch wenn das Haus in seiner Geschichte nie mit dem für Freiburg prägenden Papier oder der Druckkunst in Verbindung stand, hatte es als Kornhaus ebenfalls eine wichtige Funktion inne.

Baukörper mini|Das Gebäude in dem sich bis 2022 das Gutenberg Museum in Freiburg befand. Der ehemalige Museumsbau stammt aus der Zeit Gutenbergs und befindet sich unmittelbar nordöstlich der Liebfrauenkirche sowie östlich des Tinguely-Museums. Die Postanschrift lautet Place Notre-Dame / Liebfrauenplatz 14–16. Weiter östlich endet die städtische Bebauung, weil dort das Gelände mit einer scharfen Kante um rund 40 Meter abfällt. Die Fundamente und Kellermauern sind aus grob behauenen Feldsteinen gesetzt, die oberen Stockwerke aus Sandsteinquadern, die östliche Aussenwand ist Teil der Stadtmauer.

mini|Teile des Deckenbalkens im Erdgeschoss Das Bauwerk besteht aus zwei unterschiedlich alten Teilen. Vorgängerbau des älteren Teils waren drei aus dem 13. Jahrhundert stammende Wohngebäude, die nach Süden hin an ein anderes Gebäude angebaut waren. 1523–1527 wurde von Baumeister Peter Ruffinger an dieser Stelle der erste städtische Kornspeicher errichtet, der auf den alten Fundamenten in neuer Flucht aufsetzte. Bei dem Anbau des zweiten Gebäudeteils, einem rechtwinkligen Anbau aus dem 16. Jahrhundert, der heute als Hauptbau gilt und ein Schopfwalmdach besitzt, wurde der ältere Teil massgeblich verändert.

Die wesentlichen Gebäudeelemente wurden bei der letzten Renovierung von innen freigelegt und dokumentieren die Gebäudegeschichte. Wenige kräftige Sandsteinstützen und Eichenholzträger bilden das Traggerüst innerhalb der dicken Gebäudemauern. Vom Bildhauer Hans Geiler stammen die Ornamente am Holz.Christoph Allenspach: Weite Räume im mittelalterlichen Industriebau. In: Sonderdruck der Fondation du musée Gutenberg. S. 11.

Im Keller-Durchgangsbereich zwischen den beiden Bauteilen erfährt man etwas über die Baugeschichte des alten Kornspeichers. Alte Fotos dokumentieren äussere Veränderungen des Hauses der letzten 150 Jahre. Reste eines alten Treppenaufgangs zeugen von der wechselvollen Geschichte.

In den frühen 1980er Jahren sollte der Bau vollständig entkernt und umgenutzt werden. Eine Expertise des Denkmalamtes verhinderte dies.

Der ehemalige Eingangsbereich, der 1948 für die Nutzung als Feuerwehrhaus mit zwei Toren versehen worden war, wird von einer grossen, verglasten Stahlrahmenkonstruktion bestimmt. Die damalige, für heutige Verhältnisse als brachial empfundene Öffnung des Hauses wurde mit dem Umbau zum Museum architektonisch neu interpretiert. Weiter zeugen massive Stahlträger im Innern von der Feuerwehrzeit. Betonestrich als Bodenbelag und vereinzelte Betonstützen unterstreichen den vormals industriellen Charakter der Gebäudenutzung. Diese konstruktiven Elemente sind zudem feuerschutzpolizeilichen Auflagen geschuldet, bergen aber auch Versorgungsleitungen, insbesondere die Fussbodenheizung. Auch werden damit kleine Unterschiede der Fussbodenhöhen nivelliert, die durch den mehrfachen Umbau und durch Abnutzung entstanden sind.

Mit der Inventarnummer 2064 ist es in die Liste der Kulturgüter von nationaler Bedeutung im Kanton Freiburg eingetragen.

Nutzungsgeschichte Das Gebäude wurde als Kornkammer errichtet und Anfang des 18. Jahrhunderts mit dem etwas höheren Anbau versehen. Es ist nicht nur der älteste Kornspeicher der Stadt, sondern auch das älteste, heute noch erhaltene Kornhaus der Schweiz.Christa Mutter: Vom Brot zum Buch, Die Geschichte des Kornhauses. In: Das Gutenberg Museum. Sonderdruck der Fondation du musée Gutenberg. S. 5. Ein Ratsbeschluss aus dem Jahre 1786 sah den Neubau des Kornspeichers am neuen Kornmarkt vor. Bis zur Fertigstellung des wesentlich grösseren Grenettes 1793 an der Unteren Matte wurde das alte Gebäude entsprechend genutzt.Zur Geschichte der Grenette Fribourg. Die Grenette wurde später zur Kaserne, heute ist darin der grösste Veranstaltungssaal der Stadt.

Das alte Kornhaus diente später als Tabakfabrik, ab 1838 war darin auch die Zollverwaltung und ab 1948 die Feuerwehr. Ende September 1981 bezog diese ihren heutigen Standort im Norden der Stadt.Pompiers-Fribourg. Geschichte. Das Haus stand nun für viele Jahre leer, gehörte aber weiterhin der Stadt Freiburg.

Eine von Marie-Thérèse Torche-Julmy und Walter Tschopp erstellte Expertise aus dem Jahre 1982 war die Grundlage für denkmaltechnische Auflagen zur Renovierung des Gebäudes.

Druckindustrie in Freiburg + Die Drucker in Freiburg 1585–1816 Zeitraum Drucker 1585–1597 Abraham Gemperlin 1596–1605 Wilhelm Mäß (Guillaume Maess) 1606–1617 Etienne Philot 1618–1651Darbellay war mit einer 15-jährigen Unterbrechung zwischen 1620 und 1635 tätig. Guillaume Darbellay 1650–1676 David Irrbisch 1677–1711 Jean-Jacques Quentz 1712–1736 Innocent Théodoric Hautt 1736–1773 Heinrich Nikomedes HauttNach dem Ableben Henri Hautts trug seine Schwester Marie-Marguerite-Elisabeth im Jahr 1773 die Verantwortung. 1774–1816 Béat-Louis Piller

Das Gutenberg Museum befand sich in einer der Städte, die für die Entwicklung der Schweizer Druckindustrie von besonderer Bedeutung gewesen sind. In den zweieinhalb Jahrhunderten des Druckereiwesens in Freiburg von den ersten Anfängen des Buchdrucks bis zum letzten Drucker unter staatlicher Aufsicht 1816 gab es dort immer nur eine typografische Werkstatt.Alain Bosson: L’Atelier typographique de Fribourg 1585–1816. Freiburg i. Üe. 2009, S. 8. Als Impulsgeber zur Gründung sowohl einer eigenen Bibliothek als auch einer eigenen Druckerei dürfte Peter Canisius gelten, der seit 1580 in der Stadt weilte und die Errichtung des Kollegium St. Michael forcierte. Canisius gilt als konservativ und Papst Gregor XIII. verpflichtet.Alain Bosson: L’Atelier typographique de Fribourg 1585–1816. Freiburg i. Üe. 2009, S. 53.

Erster Drucker war Abraham Gemperlin, der in den Jahren 1585–1597 tätig war. Von ihm stammen das frühest-bekannte in Freiburg gedruckte Buch, Sebastian Werros Fragstück des Christlichen Glaubens an die neuwe sectische Predigkandten / erstlich durch den hochgelehrten H. Johann Hayum… frantzoesisch beschriben; demnach durch Sebastian Werro… in das Teutsch gebracht; und mit angehencktem andern Theyl gemehret von 1585Online-Ausgabe von Fragstück des Christlichen Glaubens … sowie andere wichtige Texte der eben begonnenen Gegenreformation. Die Gründung der Druckerei steht in enger Verbindung der Gründung des Kollegium St. Michael 1582.

Wichtigster Auftraggeber war der Freiburger Klerus, namentlich die Jesuiten, das Bistum und die Stadt Freiburg mit ihren offiziellen Bekanntmachungen., Klon von Druckspiegel.de auf drupa.de, 2009. Für den Zeitraum bis 1816 werden heute 1858 gedruckte Werke angenommen, davon 420 umfangreiche Bücher mit mehr als 49 Seiten. Von diesen 420 Büchern wurden 45 im 16. Jahrhundert, 138 im 17., 194, also fast die Hälfte aller gedruckten Bücher mit mehr als 49 Seiten im 18., und 43 Bücher im 19. Jahrhundert gedruckt. Bücher bis 48 Seiten (581 Stück) haben ihr grösstes Erscheinen ebenfalls im 18. Jahrhundert, während die Zahl einseitiger Schriften (857 Stück) während der Jahrhunderte kontinuierlich zugenommen haben.L’Atelier typographique de Fribourg 1585–1816. Freiburg i. Üe. 2009, S. 55.

mini|hochkant|Rue d’Or 9 Abraham Gemperlin stammte aus Rottenburg am Neckar und hatte das Druckerhandwerk bei Ambrosius Froben in Basel gelernt. Dieser war bereits mit Druckaufträgen für Freiburg betraut und drängte die Stadt, dortselbst ein Druckatelier einzurichten. Nach einigen Probedrucken konnte sich Gemperlin in Freiburg etablieren und erhielt im August 1584 die behördliche Druckerlaubnis. Obwohl Gemperlin nur zwölf Jahre als Drucker in Freiburg wirkte, hat er für das Buchgewerbe einen Einfluss ausgeübt, der für mehr als 100 Jahre ausstrahlte. So lässt sich noch heute die Sorgfalt und das Raumempfinden der Werkstatt Gemperlins feststellen, das auf seinen Nachfolger übergegangen ist.

Mit Etienne Philot setzt nach bisher stetigen Perfektionierungen ein Abwärtstrend ein. Die Fehler beim Setzen des Texten nehmen deutlich zu. Horodisch konstatiert zudem: «Ein deutlicher Rückschritt bedeutet die Wirksamkeit Philots auf ästhetischem Gebiet. Während Gemperlin bei allen Mängeln unzweifelhaft Gefühl für Form und typographische Gestaltung besessen hatte, geht dieses Philot völlig ab. Alle seine Drucke sind reine Gebrauchsware für breite Kreise, billig und schlecht hergestellt.»Abraham Horodisch: Die Offizin von Abraham Gemperlin dem ersten Drucker von Freiburg Schweiz. Paulus-Druckerei, Freiburg 1945, S. 35.

Gemperlins Partner und Nachfolger Wilhelm Mäß gründete am 23. Januar 1598 zusammen mit François Werro und dem Pharmazeuten Albert Lapis den ersten Freiburger VerlagBibliographie Wilhelm Mäss / Guillaume Maess’ auf KUB, Kantonale Universitätsbibliothek des Kantons Freiburg. und druckten als erstes Franz Guillimanns Werk De rebus Helvetiorum, ein Kompendium der vollständigen Geschichte der Schweiz bis 1315.

Mit Beginn des 18. Jahrhunderts übernahm Jean-Jacques Quentz die Freiburger Druckerei. Am 8. August 1710 wurde ein neuer Satz Lettern geliefert, die der Basler Schriftgiesser Rudolf Genath (1679–1740) des renommierten Familienunternehmens Johann Jakob Genath geschaffen hatte. Nach Quentz, also nach 1712 arbeitete man in der Rue d’Or 9, nachdem bisher im St.-Michael-Kollegium produziert worden war.Alain Bosson: L’Atelier typographique de Fribourg 1585–1816. Freiburg i. Üe. 2009, S. 69–70.

Dieser Wechsel stellte nicht nur wegen des neuen Standortes und eines neuen Druckers eine Zäsur dar. Mit der Niederlage der Katholiken bei den Villmergerkriegen im Juli 1712 brach die Produktion klerikaler Literatur ein, da Teile ihrer Verbreitung – insbesondere Bern – jetzt in progressiv-reformierter Hand waren. Das zehnbändige monumentale Werk Histoire des Helvétiens, eine Auftragsarbeit von Baron François-Joseph-Nicolas d’Alt de TieffenthalAlt de Tieffenthal, François Joseph Nicolas d auf VIAF., mit der dieser seine politische Stellung zu festigen versuchteAlain Bosson: L’Atelier typographique de Fribourg 1585–1816. Freiburg i. Üe. 2009, S. 300., war für das Druckwesen jener Zeit eine dankbare Arbeit. Als weitere wichtige Werke sind zu nennen: die seit 1711 aufgelegten, kantonalen Periodika Almanach ou calendrier nouveau, zunächst nur in Französisch, ab 1731 auch in Deutscher Sprache, sowie die seit 1738 herausgebrachten Feuille d’Avis du Samedy à Fribourg en Suisse, die als erste Zeitung im Kanton angesehen werden kann.Alain Bosson: L’Atelier typographique de Fribourg 1585–1816. Freiburg i. Üe. 2009, S. 71.

Die Entwicklung der Druckkunst war in der Anfangszeit eng mit der Herstellung beziehungsweise Beschaffung von Papier verknüpft. Die bis 1921 produzierende, sechs Kilometer entfernte Papiermühle Marly war anfangs und für lange Zeit einziger Papierlieferant für die Druckerzeugung in Freiburg.

Im Gutenberg Museum war für die Geschichte des Druckereiwesens das 3. Stockwerk bestimmt.

Gutenbergstube im Historischen Museum Bern