Grevenbrück ist ein Ortsteil von Lennestadt im Kreis Olpe und liegt nahe der Mündung des Veischedebaches in die Lenne. Grevenbrück ist über die Bundesstraßen 55 und 236 zu erreichen. In der Nähe liegen die Orte Elspe, Altenhundem und Bilstein.

Mit 3673 Einwohnern zum 30. Juni 2020Auskunft der Stadt Lennestadt ist Grevenbrück nach Altenhundem der zweitgrößte Ortsteil von Lennestadt. Der Anteil der ausländischen Bewohner liegt mit 10,9 % über dem des Stadtgebiets (9,4 %).

Geschichte mini|links|Altes Amtshaus in Grevenbrück, heute Museum der Stadt Lennestadt mini|hochkant|Die Kölner Straße in Grevenbrück mit St. Nikolaus

Der heutige Ort Grevenbrück ist aus den Teilen Förde und Grevenbrück entstanden. Der historisch bekanntere Ort ist Förde und dessen Burg. Förde lag um die katholische Kirche St. Nikolaus an der Veischede; heute erinnert daran noch der dortige Förder Platz. Grevenbrück lag gut 1 km weiter nördlich am Bahnhof in der Nähe der Lenne.Preußische Kartenaufnahme 1:25000 (1891–1912, Neuaufnahme); online: Am 24. Dezember 1930 wurde die damalige Gemeinde Förde in Grevenbrück umbenannt. Grevenbrück verdankt seinen Namen der „Grafenbrücke“, einem wichtigen Lenneübergang, an dem sich die alten Fernwege „Römerweg“ und „Heidenstraße“ kreuzten. Eine erste hölzerne Brücke über die Lenne ist seit 1395 nachweisbar.

Im 12. Jahrhundert und im ersten Viertel des 13. Jahrhunderts war die Burg Förde Sitz der Edelherren von Gevore, welche die Grafengewalt im Bereich des südlichen Sauerlandes innehatten. Die Burg Förde war deshalb auch unter dem Namen Burg Gevore bekannt – später wurde der Name Peperburg allgemein gebräuchlich.

Die Existenz der Burg und der Edelherren von Gevore ist spätestens in einer Urkunde aus dem Jahre 1140, welche die Übertragung von Lehen an das Kloster Flechtdorf (Waldeck) durch den Kölner Erzbischof Arnold zum Inhalt hat, zweifelsfrei nachgewiesen. Zu den in der Urkunde unter den Edelleuten aufgeführten Zeugen zählt auch ein Henricus de Gyvore.vgl. Günther Becker: Förde und Grevenbrück von der Vorgeschichte bis zum 19. Jahrhundert. In: Gevore-Förde-Grevenbrück. Ein Sauerländer Ort im Wandel der Zeit. Herausgegeben zum 875-jährigen Jubiläum 2015 vom Heimat- und Verkehrsverein Grevenbrück e. V., Olpe 2015, S. 20.

Im Jahr 1225 verlegten die Edelherren von Gevore ihren Herrschaftssitz auf die neu errichtete Burg Bilstein. Die Burg Förde bzw. Peperburg wurde in der Folgezeit zunehmend dem Verfall überlassen. Heute sind nur noch Mauerreste des ehemaligen Herrschaftssitzes zu sehen. Auf Betreiben des Heimat- und Verkehrsvereins Grevenbrück e. V. konnten im Zeitraum 1980 bis 1986 unter der Leitung des Westfälischen Museums für Archäologie Ausgrabungen an der Burg durchgeführt werden. Die rund 3000 ergrabenen Fundstücke konnten der Zeit zwischen 1150 und 1275 zugeordnet werden. Die Funde waren eine wichtige Grundlage für die Errichtung eines Heimatmuseums.

Das Museum der Stadt Lennestadt wurde schließlich im Jahr 1983 mit der Dauerausstellung „Moderne Zeiten – Vom Leben im Sauerland 1850–1955“ im Alten Amtshaus Grevenbrück eröffnet. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde 1910 als Königlich Preußisches Katasteramt Förde im Kreis Olpe errichtet. Seit 1939 diente es über drei Jahrzehnte hinweg als Verwaltungssitz für das Amt Bilstein und wurde nach der Gemeindereform von 1969 noch von der Stadtverwaltung Lennestadt genutzt.

Mit Fertigstellung des neuen Rathauses im Ortsteil Altenhundem im Jahr 1983 fand sich eine neue Verwendung des Gebäudes als Museum der Stadt Lennestadt. Wichtige Ausstellungsstücke sind neben einer Anzahl heimatbezogener Gegenstände, Bilder und Dokumentationen die bereits erwähnten Fundstücke der Grabungen an der Peperburg. Der Heimat- und Verkehrsverein Grevenbrück e. V. verpflichtete sich, den regelmäßigen ehrenamtlichen Aufsichtsdienst im Museum zu organisieren und sich um die Vervollständigung der Sammlung zu kümmern.

Bereits im Jahr 1879 wurde das Amtsgericht Bilstein nach Förde verlegt. Nachdem es zwischenzeitlich Amtsgericht Grevenbrück hieß, wurde es 1969 mit der Gründung der Stadt Lennestadt in Amtsgericht Lennestadt umbenannt. 2006 wurde ein neues Gebäude errichtet.

Wirtschaft mini|Steinbruch der Kalkwerke Grevenbrück, im Hintergrund Sporke Auswirkungen auf das wirtschaftliche Umfeld hatten für Grevenbrück u. a. auch: die Gründung der Kalkwerke Grevenbrück (1902), die Abwanderung des Betriebes Kruse Recycling GmbH und damit das Ende der langen Ära einer chemischen Fabrik in Grevenbrück (2001) sowie der Beginn der Rodungs- und Erschließungsarbeiten für das 45.000 m² große Gewerbegebiet auf dem Gelände der ehemaligen Chemischen Fabrik (2001). Bis Mitte 2009 haben sich hier sechs Firmen mit insgesamt 160 Beschäftigten niedergelassen.Lennestadt-Rathausreport, 3. Ausgabe (vom August 2009), S. 22 ff.

Die anlässlich des 875-jährigen Jubiläums 2015 herausgegebene Ortschronik enthält rund 20 Kurzporträts größerer, in Grevenbrück ansässiger Unternehmen. Schwerpunktmäßig handelt es sich dabei um Betriebe aus den Bereichen Autozulieferer, Werkzeug- und Armaturenbau, Kunststofftechnik, Metallbe- und Weiterbearbeitung und Industriehallenbau.vgl. Gevore-Förde-Grevenbrück, Ein Sauerländer Ort im Wandel der Zeit, herausgegeben zum 875-jährigen Jubiläum 2015 vom Heimat- und Verkehrsverein Grevenbrück e. V., Olpe 2015, S. 823 ff.

Verkehr (Bahnhof)

mini|Bahnhof Grevenbrück im Stil der Tudorgotik (Ansicht 2014) Die im Jahr 1861 eröffnete Ruhr-Sieg-Strecke von Hagen nach Siegen wirkte sich – wie in den nahe gelegenen Orten Meggen, Elspe und Altenhundem – sehr positiv auf das wirtschaftliche Umfeld von Grevenbrück aus und begünstigte die Entstehung von Unternehmen der Eisen- und Metallverarbeitung. Auch Handel und Handwerk profitierten von der Entwicklung. Der Bahnhofsbereich in Grevenbrück wurde grundlegend saniert und modernisiert. Für den Autoverkehr wurde im Jahr 2002 eine Unterführung geschaffen. Eine ebensolche für Fußgänger und Radfahrer folgte im Jahr 2009. Barrierefreiheit ist abgesehen von einer Bahnsteigrampe für Kinderwagen jedoch nicht gegeben. Das Erscheinungsbild des Empfangsgebäudes ist geprägt durch Stilelemente der englischen Tudorgotik, die insbesondere in den gedrückten Spitzbögen der Fenster zum Ausdruck kommt. Das Bahnhofsgebäude wurde umfassend modernisiert und zu einem Ess-, Kultur- und Museumsbahnhof umgestaltet, wobei der Titel „KulturBahnhof“ übergreifend für das Gebäude gilt.Grevenbrück auf museumslandschaft-kreis-olpe.de, abgerufen am 27. November 2023. Die unter Denkmalschutz stehende Fassade blieb im Zuge der Sanierungsmaßnahmen erhalten, im Innenbereich wurden die historischen Bauphasen des Gebäudes herausgearbeitet und sichtbar gemacht. Der KulturBahnhof hat sich seit seiner Wiedereröffnung Ende 2013 als kultureller und gastronomischer Treffpunkt für die Bürger und Besucher Lennestadts etabliert.Sauerlandkurier für Lennestadt, Kirchhundem und Umgebung, Art.: Ein inspirierender Ort, Ausg. vom 18. Dezember 2013. Am 23. Oktober 2020 wurde eine interaktive neue Dauerausstellung eröffnet, die durch ihre sehr flexible Ausstellungskonzeption Raum lässt für wechselnde Veranstaltungen und Sonderausstellungen. Die Dauerausstellung mit dem Titel „Fahrt Richtung Zukunft – Die Ruhr-Sieg-Strecke und der Wandel der Mobilität“ dreht sich inhaltlich um die Geschichte der Ruhr-Sieg-Strecke, das Thema Mobilität und deren Herausforderungen in Vergangenheit und Zukunft.

Im Bahnhof Lennestadt-Grevenbrück halten die Züge der Linien RE 34 und RB 91 (Ruhr-Sieg-Bahn). Sie bieten so Verbindungen nach Siegen, Dortmund und Hagen. Das Fahrplanangebot wurde von Dezember 2021 bis April 2026 um doppelstöckige Intercity 2 der IC-Linie 34 ergänzt. Fünf Zugpaare ersetzten zuletzt zwischen Siegen und Dortmund den RE 34 und bedienten fast alle Halte des Regionalverkehrs. Sie konnten zwischen Dillenburg und Dortmund mit Nahverkehrsfahrkarten benutzt werden und hatten in Letmathe den üblichen Anschluss zum RE 16 (Ruhr-Lenne-Express) in Richtung Hagen, Bochum und Essen. Hagen Hbf wird von der Linie RE 34 umfahren.

Linie Verlauf Takt

Sehenswürdigkeiten mini|links|Krieger-Ehrenmal Mälo mini|hochkant|Glockenturm mit einem Nachguss der „Schweineglocke“

Zu den Sehenswürdigkeiten des Ortes zählen zunächst das bereits erwähnte Alte Amtshaus, heute Museum der Stadt Lennestadt, und das renovierte Bahnhofsgebäude. Ferner ist das „Kriegerdenkmal Mälo“ in der Nähe der Pfarrkirche St. Nikolaus zu erwähnen. Es trägt die kniende Abbildung des legendären Sugambrer-Fürsten Mälo und eine Marmortafel mit den Namen der gefallenen Soldaten aus dem Amt Bilstein in den Kriegen 1866 und 1870/71. Das Denkmal mit der Figur des Mälo wurde im Jahr 1904 von dem Grevenbrücker Bildhauer Franz Belke geschaffen, die Gedenktafel aus Marmor schuf der heimische Steinmetz Anton Vogt. Das Denkmal wurde 1981 von einem auswärtigen Restaurator komplett renoviert.

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist ein von einem örtlichen Unternehmer im Jahr 2002 gestifteter Nachguss der „Schweineglocke“ am Förder Platz. Das Original der Glocke stammt aus dem 12. Jahrhundert und befindet sich als eine der ältesten Glocken Westfalens im Westfälischen Landesmuseum in Münster. Einer Sage nach soll die sog. Schweineglocke als Burgglocke auf der untergegangenen Burg Förde (Peperburg) gedient haben und später von Schweinen in einer sumpfigen Wiese wieder freigelegt worden sein.

Die Liste der Baudenkmäler in Lennestadt enthält unter der Ortsbezeichnung Grevenbrück weitere sehenswerte historische Bauwerke, auf die dortigen Abbildungen und Beschreibungen sei hier verwiesen. Hervorzuheben ist das im Jahr 1711 errichtete Hofhaus Am Veischedebach.

Im Zuge struktureller Maßnahmen beseitigte oder sanierte Bauten Einhergehend mit notwendigen Strukturverbesserungen kam es zu Beseitigungen und der Renovierung früher ortsprägender Bauten. So wurden im Bereich der Ortseinfahrt (Abzweigung B 55/Johannesbrücke) das im Jahr 1870 errichtete Hotel Molitor (seit 2006 nicht mehr genutzt) und ein altes Sägewerk mit repräsentativem Wohngebäude entfernt. Die frei gewordenen Flächen dienten der Verbesserung der Verkehrssituation (früheres Hotelgelände) beziehungsweise der Errichtung eines Autohauses. Das im Jahr 1903 gegenüber dem Bahnhof errichtete Postamt erreichte eine auch überörtlich große Bedeutung, wurde aber wegen grundlegender Veränderungen im Postbetrieb ab 2003 geschlossen. Der Abriss erfolgte Ende 2018; eine neue Nutzung des Grundstücks steht noch aus. Bei den übrigen bedeutsamen Abriss- oder Erneuerungsmaßnahmen handelt es sich um den bereits erwähnten Umbau des Bahnhofs in der Zeit 2007–2013, die Beseitigung des schienengleichen Bahnübergangs für den Autoverkehr (Unterführung 2002) sowie den Abriss des Verwaltungsgebäudes (2007) der Chemischen Werke Kruse Recycling für den Bau einer Fußgängerunterführung.

Vereinsleben Das Vereinsleben in Lennestadt ist vielfach von langer Tradition geprägt. Auf ein mehr als hundertjähriges Bestehen können acht Vereine aus den Bereichen Musik und Gesang, Wandern, Sport und Schützenwesen zurückblicken. Der im Jahr 1982 gegründete Karnevalsclub Grevenbrück ist durch seine Karnevalsumzüge am „Veilchendienstag“ über die Grenzen Grevenbrücks hinaus bekannt geworden.

Religion Katholische Kirche mini|Pfarrkirche St. Nikolaus Grevenbrück

Der weitaus überwiegende Teil der Bevölkerung von Grevenbrück bekennt sich zur katholischen Kirche. Schon im 13. Jahrhundert wurde Förde/Grevenbrück als Kapellengemeinde verzeichnet.