mini|hochkant=1.3|Die Gemeinde Praia (São Mateus) im Osten der Insel Graciosa Praia (São Mateus) ist eine portugiesische Gemeinde (Freguesia) im Kreis (Município) Santa Cruz da Graciosa auf der Azoren-Insel Graciosa. In ihr leben  Einwohner (Stand ). Der Hafen Praias ist der bedeutendste der gesamten Insel, da hier die Fähren zu den anderen Inseln der Azoren anlegen.Susanne Lipps: Azoren, S. 101. München 2016

Geschichte Praia gehört wegen seiner Lage an einer sandigen Bucht, die sich schon kurz nach der Entdeckung Graciosas als Ankerplatz anbot, zu den ältesten Ortschaften der Insel Graciosa. Auch die kleine, vorgelagerte Insel Ilhéu da Praia ermöglichte ein relativ gefahrloses Anlegen der Schiffe. 1546 wurden Praia die Stadtrechte einer „vila“, was wörtlich auf Deutsch „Kleinstadt“ bedeutet, verliehen.Luis Daniel: Graciosa - Guía do Patrimonio Cultural, S. 37. Lissabon 2004. ISBN 972-96057-4-2 Der Hafen sowie der erfolgreiche Anbau von Wein führten bald zu bescheidenem Wohlstand des Ortes, der auch Piraten anlockte – z. B. wurde Praia 1691 von englischen Piraten angegriffen und geplündert, und viele Einwohner wurden verschleppt.Luis Daniel: Graciosa - Guía do Patrimonio Cultural, S. 106. Lissabon 2004. ISBN 972-96057-4-2 Allerdings entwickelte sich das weiter nördlich gelegene Santa Cruz da Graciosa langfristig besser als Praia und gewann immer mehr an Bedeutung. Praia war seit 1546 Sitz des südlichen der beiden Landkreise (Concelho) der Insel. Nachdem jedoch 1855 der Kreis Praia aufgelöst und verwaltungsmäßig dem Kreis von Santa Cruz angeschlossen wurde, verlor der Ort an Bedeutung. 1867 wurden Praia die Stadtrechte aberkannt, 2003 jedoch erneut verliehen.

Bevölkerungsentwicklung Einwohnerzahl von Praia de São MateusInstituto Nacional de Estatística (Recenseamentos Gerais da População) - https://www.ine.pt/xportal/xmain?xpid=INE&xpgid=ine_publicacoes Jahr1864 1878 1890 1900 1911 1920 1930 1940 1950 1960 1970 1981 1991 2001 2011Einwohner1.849 1.709 1.732 1.588 1.374 1.301 1.448 1.580 1.634 1.547 1.320 1.034 965 901 836 Architektur und Stadtanlage Der älteste Teil Praias ähnelt einem langgestreckten Straßendorf, in dem die ein- und höchstens zweigeschossigen Häuser an der am Meer entlang führenden Straße aufgereiht und durch eine Kaimauer vor den Fluten geschützt sind. Hier befindet sich u. a. das Bürgeramt Casa do Povo. Nur wenige Meter landeinwärts verläuft eine Parallelstraße mit bis zu dreigeschossigen Häusern, an der sich die beiden Kirchen und verschiedene öffentliche Gebäude befinden. Die weithin sichtbare, dem Schutzpatron des Ortes geweihte Pfarrkirche Igreja de São Mateus wurde in ihrer heutigen Form 1895 fertiggestellt und ist mit einem Kirchenschiff von 12 m Höhe und 23 m Länge das größte Kirchengebäude der gesamten Insel, obwohl sie keinen Turm hat.Luis Daniel: Graciosa - Guía do Patrimonio Cultural, S. 103. Lissabon 2004. ISBN 972-96057-4-2 Die Kirche wurde um die Mitte des 15. Jahrhunderts – möglicherweise als erstes sakrales Gebäude der Insel – gegründet und 1546 zur Pfarrkirche erhoben. In der Sakristei werden zwei Statuen des hl. Matthäus und des hl. Petrus aufbewahrt, die im 16. Jahrhundert in Flandern angefertigt wurden.Luis Daniel: Graciosa - Guía do Patrimonio Cultural, S. 104. Lissabon 2004. ISBN 972-96057-4-2 Erheblich kleiner ist die 1812 erbaute Kirche Igreja de Nossa Senhora da Conceição mit ihrem massiven Glockenturm, deren Vorgängerbau eine Wallfahrtskapelle aus dem 16. Jahrhundert war.

Im Ortskern steht außerdem die Heilig-Geist-Kapelle Imperio de Nossa Senhora dos Remédios, die mit einer Länge von 14,8 m und einer Breite von 6 m die größte ihrer Art der gesamten Insel ist. Sie wurde 1933 erbaut, doch befanden sich in ihrer Stelle mehrere im 16. und 17. Jahrhundert errichtete Vorgängerbauten, u. a. das Kloster Ermida de Nossa Senhora dos Remédios.Luis Daniel: Graciosa - Guía do Patrimonio Cultural, S. 102. Lissabon 2004. ISBN 972-96057-4-2

Eine weitere Kapelle, die gegen Ende des 17. Jahrhunderts erbaute Ermida de Santo António, steht im Ortskern unweit der Pfarrkirche. Ihr Glockenturm wurde als Verlängerung der Fassade nördlich an das Kirchenschiff angefügt. In ihrem Innern befindet sich ein Retabel mit Darstellungen aus dem Leben des heiligen Antonius.Luis Daniel: Graciosa - Guía do Patrimonio Cultural, S. 105. Lissabon 2004. ISBN 972-96057-4-2

Praia war lange ein wichtiger Stützpunkt der Walfänger. Einige der älteren Häuser im Stadtzentrum haben daher im Dachgeschoss ein Fenster oder einen turmartigen Aufbau, von dem aus man das Meer gut sehen und Wale frühzeitig erspähen kann. Über einen derartigen Ausguck im Dachgeschoss verfügt z. B. das Herrenhaus Casa da Morgada Isabel Maria, das in den ältesten Teilen noch aus dem 18. Jahrhundert stammt und ab 1906 als Schule genutzt wurde. mini|Ortsmitte mit Pfarrkirche mini|Windmühlen am Hafen von Praia mini|Uferstraße mit Strand mini|Herrenhaus Casa da Morgada Isabel Maria

Umgebung Die Kapelle Ermida de Nossa Senhora da Saúde, die weithin sichtbar auf einem Hügel westlich des Ortes in einer Höhe von 189 m. ü. d. M. errichtet wurde, hat eine Grundfläche von nur 10,10 × 6,10 m. Die Bauarbeiten begannen 1910 und wurden mehrmals unterbrochen und wieder aufgenommen, so dass die Kapelle erst 1991 fertiggestellt und eingeweiht wurde.Luis Daniel: Graciosa - Guía do Patrimonio Cultural, S. 110. Lissabon 2004. ISBN 972-96057-4-2

Praia in einer Entfernung von rund einem Kilometer vorgelagert ist die etwa 10 ha große, unbewohnte Insel Ilhéu da Praia, auf der viele verschiedene Meeresvögel nisten.MarionZorn: Azoren, S. 77. Ostfildern 2000 Die ganze Insel ist ein Naturschutzgebiet. Die höchste Erhebung des nur spärlich bewachsenen, felsigen Eilandes beträgt 52 m. ü. d. M.

Besonderheiten Eine weithin bekannte Spezialität des Ortes sind die Queijadas da Graciosa genannten Kuchen.Stéphan Szeremeta: Açores, S. 184. Paris 2014 Praia, dessen Name auf Deutsch „Strand“ bedeutet, ist ebenfalls für seine Windmühlen und seinen feinsandigen Strand Praia de São Mateus bekannt, der vom Ortskern durch eine hohe Kaimauer getrennt ist – sie wurde zum Schutz vor Piratenüberfällen und vor Tsunamis gebaut.Wilhelm Voss-Gerling: Madeira, Azoren, S. 59. München 1972

Einzelnachweise

Weblinks

Kategorie:Santa Cruz da Graciosa Kategorie:Stadtrechtsaberkennung 1867 Kategorie:Stadtrechtsverleihung 2003