mini|hochkant=1.35|Sächsische Saale und Stadtpfarrkirche Sankt Gumbertus in Schwarzenbach (2007) mini|Marktplatz mini|August-Bebel-Straße
Schwarzenbach an der Saale (amtlich: „Schwarzenbach a.d.Saale“) ist eine Stadt im oberfränkischen Landkreis Hof. Sie liegt am Nordrand des Naturparks Fichtelgebirge, an der Bayerischen Porzellanstraße sowie an der Straße der deutschen Sprache.
Schwarzenbach an der Saale gilt in der Region als Künstlerstadt. Im Juli findet jährlich die Ausstellung Schwarzenbacher Maler statt; die Kunstgalerie Altes Rathaus zeigt darüber hinaus regelmäßig wechselnde Ausstellungen. Zu den am Ort wirkenden Künstlern zählten unter anderem Anton Richter und Karl Bedal. Der Dichter Jean Paul lebte im 18. Jahrhundert zeitweise in Schwarzenbach (1776–1779; 1790–1794) und verfasste dort Werke wie Levana, Hesperus, Schulmeisterlein Maria Wutz und Die unsichtbare Loge.
Der Ort wurde durch Medienberichte für seine Verbindungen zur fiktiven Stadt Entenhausen und den Geschichten rund um Donald Duck bekannt, was auf das Wirken von Erika Fuchs als Übersetzerin der Comics von Carl Barks zurückzuführen ist. Viele Ortsbezeichnungen und Namen in den Übersetzungen von Fuchs stammen aus der Region um Schwarzenbach und dem Fichtelgebirge. Im Jahr 2015 wurde das Erika-Fuchs-Haus als erstes deutsches Museum für Comic und Sprachkunst eröffnet.
Geografie Die Stadt Schwarzenbach an der Saale liegt im Tal der Sächsischen Saale 11 Kilometer von der Hof entfernt. In Schwarzenbach gibt es fünf Saalebrücken.
Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind:
Gemeindegliederung Schwarzenbach an der Saale hat 27 Gemeindeteile (in Klammern sind der Siedlungstyp und die Einwohnerzahlen angegeben):
Auf dem Gemeindegebiet liegen die Wüstungen Gettengrün, Mühlhausen und Tennenlohe.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Förbau, Gottfriedsreuth (Gemarkungsteil 1), Hallerstein (Gemarkungsteil 0), Hallersteiner Forst-Nordwest, Martinlamitz, Quellenreuth, Schwarzenbach, Seulbitz (Gemarkungsteil 0) und Stobersreuth. Die Gemarkung Schwarzenbach hat eine Fläche von 7,723 km² und ist in 2975 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2595,80 m² haben. In ihr liegen die Gemeindeteile Birken und Holzfeld.
Geschichte Ortsname Der Ortsname ist belegt als „Swertzenbach“ (1322), „Swerzenpach“ (1399), „Schwertzenbach“ (1421), „Swarczenbach“ (1430), „Schwarczenpach“ (1528), „Schwarzenbach an der Saal“ (1573) und „Schwarzenbach an der Saale“ (1797). 1633 wurde der lateinische Name „Schwartzenbachio ad Salam“ genannt.W.-A. v. Reitzenstein, S. 204.
Das Grundwort ist das mittelhochdeutsche bach (für Bach), Bestimmungswort ist das Adjektiv swarz (für dunkelfarbig, schwarz). Diese Farbangabe bezieht sich auf die dunkle Tönung des Flussbetts vor Ort. Die Zusatzangabe an der Saale im Ortsnamen unterscheidet von gleichnamigen Orten, insbesondere vom ebenfalls im Landkreis Hof gelegenen Schwarzenbach am Wald.
Gründung Auch wenn 1322 erstmals urkundlich erwähnt, geht die Gründung des Ortes vermutlich auf das 12. Jahrhundert zurück. mini|Historische Ansicht des Schlosses, heute das örtliche Rathaus Unter den Markgrafen von Schweinfurt und den 1057 als Erben folgenden Herzögen von Andechs-Meranien folgte die Rodung des damals als Regnitzland bezeichneten Gebietes. Auch später, unter den Vögten von Weida, wurde in dieser Hinsicht bemerkenswerte Arbeit geleistet. Im Jahr 1373 verkauften die Herren von Weida dann das Regnitzland an den Burggrafen von Nürnberg. Von diesem erhielten 1381 schließlich die Herren von Hirschberg den Ort zum Lehen. Um 1400 befanden sich dort die drei Edelsitze: Der Oberhof, der Unterhof und – am rechten Saaleufer – Seukenreuth.
Die Einführung der Reformation im Ort erfolgte im Jahr 1528.
17. Jahrhundert Der Ort Schwarzenbach geht auf die beiden Ortschaften Seuckenreuth (auch Selkenreuth) – südöstlich der Saale gelegen – und Schwarzenbach („Swertzenbach“) – nordwestlich der Saale – zurück. Markgraf Christian von Brandenburg-Bayreuth verlieh dem Ort 1610 die Marktrechte. Am Ort befanden sich weiterhin die Rittergüter Seuckenreuth, der Oberhof und der Unterhof.
18. Jahrhundert Die Rittergüter gelangten 1706 an die Grafen und späteren Fürsten von Schönburg-Waldenburg aus Sachsen.
Allgemeines Das „schriftliche“ Rittergut mit Pflegegericht Schwarzenbach an der Saale bestand Ende des 18. Jahrhunderts zum größten Teil aus Bayreuther und einem kleineren Teil aus Bambergischer Lehn. Es besaß Obergerichte und das Patronatsrecht über Kirche und Schule, welches gemeinsam mit dem „Rittergut Zetwitz“ ausgeübt wurde. Es existierten zu dieser Zeit ein Schloss, eine Kirche und je eine Pfarr-, Diaconus-, Kirchners-, und Kantorswohnung. Der Ort bestand zu dieser Zeit aus 231 Häusern und hatte 1653 Einwohner. Davon waren 248 Professionisten (Fachleute bzw. Handwerker), wovon 48 alleine Weber waren.
Wirtschaft In dieser Zeit bestanden ein Brauhaus und zwei Malzhäuser, wobei berichtet wird, dass die Einwohner das Brau- und Bierverlagsrecht (es sich also um ein Kommunbrauhaus gehandelt haben muss) besitzen und jährlich über 3000 Eimer Bier „verschenkt“ werden. Insgesamt spielte im Ort die Textilherstellung zu dieser Zeit eine große Rolle, es wird überwiegend Baumwollwirkerei betrieben und Flachs gesponnen und zu Leinwand verwebt. Auch der Textilhandel wird in relevanten Umfang betrieben, Kaufleute, Factore und Verleger machten Geschäfte im In- und Ausland. Es existierte außerdem eine Zeugmanufaktur und in der Nähe ein Eisenhammer, welcher Roherze aus Naila und Arzberg erhielt.
Ortsgliederung Zum Rittergut gehörten zu dieser Zeit folgende Orte und Dörfer:
Pilgramsreuth (vier Häuser, 16 Einwohner) Pfarrlehn Pfaffengrün (drei Häuser, 18 Einwohner) Dörflas, Fahrenbühl und Nonnenwald (zusammen 16 Häuser mit 84 Einwohnern)
19. Jahrhundert Das ehemalige Amt des seit 1792 preußischen Fürstentums Bayreuth fiel mit diesem im Frieden von Tilsit 1807 an Frankreich und kam 1810 zu Bayern. Die Fürsten von Schönburg-Waldenburg besaßen zu dieser Zeit das Rittergut Unterhof. Sie errichteten an Stelle des Rittergutes das heutige Schloss Schwarzenbach sowie das Jagdschlößchen Fahrenbühl. 1844 wurde Schwarzenbach an der Saale durch König Ludwig von Bayern zur Stadt erhoben.
20. Jahrhundert
Allgemeines Am Karfreitag 1948 wurde in der St.-Gumbertus-Kirche die Christusbruderschaft Selbitz gegründet.
Im Jahr 1957 verkaufte die fürstlich-schönburgsche Familie, in deren Besitz das Rittergut war, ihre Güter endgültig und das Schloss wurde daraufhin zum Rathaus der Stadt.
Zeit des Nationalsozialismus unter Benno Kuhr mini|Benno Kuhr (NSDAP), Bürgermeister von Schwarzenbach (1933–1945) Vor allem der 1920 im Zuge des Kapp-Putsches nach Schwarzenbach gekommene Benno Kuhr, später NSDAP-Kreisleiter von Hof (ab 1929) und Bürgermeister (1933–1945) von Schwarzenbach, prägte die Zeit des Nationalsozialismus in der Stadt. Nach 1920 organisierte er als Mitglied verschiedener völkischer Gruppen den Aufbau der „vaterländischen Verbände“.
Im Zuge des Hitlerputsches im November 1923 kontrollierte Kuhr mit weiteren bewaffneten Personen den Straßenverkehr in der Hofer Straße.
Im Jahr 1929 wurde Kuhr ehrenamtlicher NSDAP-Kreisleiter von Hof und verbreitete bei Veranstaltungen als ausgebildeter nationalsozialistischer Redner die Ideologie der NSDAP. Im Jahr 1932 wurde Kuhr hauptamtlicher Kreisleiter der NSDAP und im Oktober 1933 dann Bürgermeister von Schwarzenbach. Zu seinem Amtsantritt schreibt Kuhr im Schwarzenbacher Amtblatt, dass „die, die bösen Willens sind […], als Schädlinge des deutschen Volkes ausgerottet werden [müssen]“. Der Leiter der Polizeidirektion Hof, Ernst Hildebrandt (1937–1939), selbst NS-Funktionär, verweigerte mehrfach die Zusammenarbeit mit Kuhr.
Der spätere Schwarzenbacher Bürgermeister Hans Kropf (KPD, April 1945 bis Januar 1946), beschrieb Kuhr in einer Stellungnahme zum Spruchkammerverfahren als „fanatischen Anhänger der NSDAP“ und „Gewaltmenschen“.
Aufgrund Kuhrs Ablehnung jeglicher Religion durften die örtlichen Lehrer nicht einmal als Organisten in der Kirche tätig sein. Auch die Beamten der Stadtverwaltung waren oft dem Druck des damaligen Bürgermeisters Kuhr ausgesetzt und wagten es daher nicht, sich Kuhr zu widersetzen.
Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 war Kuhr die maßgebende Kraft für die Inhaftierung von Antifaschisten und die Schutzhaft Einzelner. In Schwarzenbach wurde unter Kuhr eine weit über dem Durchschnitt liegende Anzahl von insgesamt 40 Personen in das KZ Dachau verbracht.
Durch geschicktes Handeln ließ Kuhr den Eindruck entstehen, die jüdische Schwarzenbacherin Edith Scherdel stünde unter seinem besonderen Schutz. Tatsächlich war Scherdel durch eine privilegierte Mischehe vor bestimmten Repressalien geschützt und nicht aufgrund eines vermeintlich wohlwollenden Kuhrs, der dadurch lange den Schein des „guten Nazis“ in der Bevölkerung von Schwarzenbach wahren konnte.
Kuhr wurde nach dem Krieg in einem Spruchkammerverfahren zu fünfeinhalb Jahren Arbeitslager verurteilt. Die Strafe wurde nach Berufung 1949 auf vier Jahre herabgesetzt. Da er bereits seit 1945 inhaftiert war, galt seine Strafe als verbüßt. Kuhr starb 1955 in Reutlingen.
Angriffe im 2. Weltkrieg und Kriegsende Im April 1945 wurde Schwarzenbach insgesamt drei mal von US-Truppen angegriffen. Am 11. April wurde ein Schnellzug in der Nähe des Bahnhofs Martinlamitz durch US-Tiefflieger angegriffen. Im Schulhaus wurde ein Hilfslazarett eingerichtet. Am 15. April folgte dann Beschuss durch Artillerie. Am folgenden Tag wurden im Laufe des Vormittags weiße Fahnen gehisst und die US-Armee konnte kampflos einmarschieren, wobei es zu ungehinderten Plünderungen kam. Am 18. April wurde der Ort erneut von Artillerie beschossen, am 18. und 19. April 1945 erfolgte der endgültige Einmarsch der US-Armee mit Panzern und schwerem Gerät.
Am 7. Mai 1945 zogen die US-Truppen ab und die Kampfhandlungen wurden eingestellt.
Durch die Angriffe starben insgesamt 31 Menschen, darunter ein 10-jähriges Mädchen, zahlreiche Menschen wurden verletzt. In der Marienstraße brannten zwei Häuser aus, einige weitere Häuser wurden zerstört oder stark beschädigt.
Am 10. Mai 1945 kamen bei Fahrenbühl 2 Kinder durch die Explosion von Sprengkörpern ums Leben, am 12. Mai eine weitere Person, ebenfalls durch die Explosion eines Geschosses.
In der Folge des Krieges stieg die Einwohnerzahl durch Flüchtlinge und Heimatvertriebene in den folgenden Jahren um 2.073 auf 7.443 Einwohner an (Stand September 1950).
Todesmarsch vom KZ-Außenlager Helmbrechts nach Volary (Tschechien) mini|Die heutige „Gedenkstätte Langer Gang“ in der ehemaligen Baracke die den Frauen des Todesmarsches als Unterkunft gedient hat Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurden 1.170 weibliche Häftlinge des Helmbrechtser Außenlagers des KZ Flossenbürg in Richtung Volary (Tschechien) getrieben. Bei dem Todemarsch kamen insgesamt 129 Frauen ums Leben, 49 weitere wurden erschossen. Schwarzenbach war dabei das erste Tagesziel auf der Strecke von Helmbrechts nach Volary.
Auf dem Weg von Helmbrechts kam die Marschkolonne am 13. April 1945 zunächst durch Seulbitz, wo sie vom SS-Wachpersonal, wie schon auf dem gesamten bisherigen Weg, geschlagen wurden. Nachdem die Aufseher darauf von zwei Dorfbewohnern angesprochen wurden, mussten diese einige Zeit in der Kolonne mitmarschieren. Beide Personen durften nach einiger Zeit wieder gehen.