mini|Stand auf der Amateurfunkmesse Ham Radio, Friedrichshafen (2012)

Türkiye Radyo Amatörleri Cemiyeti (TRAC, deutsch: ) ist der nationale Amateurfunkverband der Türkei.

Geschichte Der TRAC wurde im Jahr 1962 gegründet und ist seit 1965 Mitglied in der IARU. Da das damals in Kraft stehende Gesetz Nr. 3222 aus dem Jahr 1937 für jeglichen Funkbetrieb eine Genehmigung erforderte, die sogar Stadtverwaltungen (außer Gaswerken und Feuerwehren) verwehrt wurde, konzentrierte sich der Verband auf die Herausgabe einer Elektronikzeitschrift („TRAC Mecmuasi“) und auf die Durchführung von Elektronikkursen. Außerdem wurden mit Unterstützung seitens der Vereinigung der Elektroingenieure und des Verteidigungsministeriums in den Jahren 1965 und 1967 Petitionen für eine Gesetzesänderung zwecks Freigabe des Amateurfunks dem türkischen Parlament zugeleitet. Beide Petitionen gingen durch alle parlamentarischen Instanzen, wurden aber nie dem Plenum zur Abstimmung vorgelegt.

Amateurfunk wurde in der Türkei vollumfänglich durch eine Gesetzesänderung im Jahre 1983 freigegeben. Zur Begründung für die Erwähnung des Amateurfunks im neuen Gesetz wurden von der Gesetzgebenden Versammlung (dem Parlament während des Militärregimes) „die hervorragenden Verdienste dieses Funkdienstes in Katastrophenfällen“ genannt.

Die Periode bis zur Gesetzesänderung im Jahre 1983 verlief mit der Weiterführung der Zeitschrift und der Schulungen, begleitet vom Amateurfunkbetrieb einiger TRAC-Mitglieder und in der Türkei stationiertem ausländischem NATO-Personal mit Amateurfunklizenz des Heimatlandes. Die QSL-Karten von diesen Stationen wurden nur dann für das Amateurfunkdiplom DXCC akzeptiert, wenn diese Stationen beim TRAC registriert waren. Mit der Gesetzesänderung und der im Jahre 1984 folgenden dazugehörigen Verordnung erfolgte der offizielle Start des Amateurfunks in der Türkei. Die erste Lizenz wurde dem mittlerweile verstorbenen Unal Akbal (Amateurfunkrufzeichen TA1A) vergeben. Weitere folgten ab dem Frühjahr 1985.

Entwicklung der Notfunkaktivitäten Die ausdrückliche Erwähnung des Notfunks bei der Gesetzesänderung, die letztendlich zur Freigabe des Amateurfunks 46 Jahre nach dem ersten Gesetz führte, wurde vom TRAC als Verpflichtung für ein diesbezügliches Engagement aufgefasst.

TRAC machte den ersten Vorstoß für Notfunk im Jahre 1986. Grundlage dafür war, neben der Amateurfunkverordnung mit ausdrücklichen Referenzen bezüglich Notfunk, ein Artikel des Zivilschutzgesetzes, der ausdrücklich die Teilnahme von Freiwilligen im Zivilschutz vorsah. Diese Initiative wurde von der Verwaltung aus unerfindlichen Gründen zunächst nicht akzeptiert. Die nächste Gelegenheit ergab sich im Jahre 1990, als ein TRAC-Mitglied eine Einberufung für eine Zivilschutzübung erhielt. Diese Einberufung war für eine „Milizübung“, hatte also mit Kommunikation nichts zu tun. Dieses TRAC-Mitglied machte den Vorschlag, die Kommunikation im Zivilschutz auf Freiwilligenbasis zu übernehmen. Der Vorschlag wurde sofort akzeptiert, eine Woche später übernahm der TRAC das Fernmeldewesen einer in Istanbul abgehaltenen Zivilschutzübung.

Somit wurde der TRAC die erste freiwillige Institution in der Türkei überhaupt, die mit dem Staat bezüglich Katastrophen zusammenarbeitet. Obwohl noch kein formeller Rahmen der Zusammenarbeit mit dem Zivilschutz formuliert worden war, wurde der TRAC im gleichen Jahr zu vielen landesweit veranstalteten Übungen eingeladen und mit dem Funk beauftragt. Im November 1990, anlässlich einer Großübung in Ankara, kam dann die mündliche Bitte, den Zivilschutz während des ganz am Horizont auftauchendem Zweiten Golfkrieges zu unterstützen. Anfang 1991 wurde dieser Bitte entsprochen und der Zivilschutz beim „Aufrechterhalten der Alarmkommunikation“ während des ersten Golfkriegs vom TRAC unterstützt und anschließend dem Zivilschutz ein „Handbuch für Notfallkommunikation“ ausgehändigt. Dieser erfolgreiche Einsatz hatte zur Folge, dass dem TRAC vom Ministerrat im Eilverfahren der Status eines gemeinnützigen Verbandes verliehen wurde.

1991 1991 wurde der Kontakt des Türkischen Roten Halbmondes mit dem Erdbebengebiet in Tiflis (Georgien, UdSSR) hergestellt. Es wurden die von der im Erdbebengebiet betriebenen Amateurfunkstation mit dem Rufzeichen RF0FWW empfangenen Informationen über benötigte Hilfsgüter per Telex aus Istanbul zum Hauptquartier des Türkischen Halbmondes in Ankara übermittelt und der Empfang des Hilfskonvois an der Grenze mit der georgischen Seite organisiert. TRAC war der einzige Kommunikationskanal, weil alle Telekommunikationsverbindungen von und nach Georgien, auch die über Moskau, durch das Erdbeben zerstört waren.

1992 1992 erfolgte der erste inländische Erdbebeneinsatz anlässlich des Erdbebens in Erzincan (13. März 1992, M=6,8, 653 Tote, 3850 Verletzte). Bei der Bestimmung des Katastrophengebiets bedurfte es der Hilfe des TRAC, weil die damalige Ausrüstung der Observatorien dazu nicht in der Lage war und alle Telekommunikationsverbindungen in Erzincan nicht funktionierten. Der Ortsverband TRAC Trabzon, der auch die erste Alarmmeldung gegeben hatte, schickte Mitglieder zu einer exponierten Lage in der Nähe, von der aus der BOS-Funkverkehr in Erzincan zu empfangen war. Zeitgleich damit wurden die Zivilschutzdirektoren von Sivas, Erzurum und Erzincan telefonisch angerufen. Alle außer Erzincan konnten erreicht werden, womit der Katastrophenort innerhalb einer halben Stunde endgültig identifiziert wurde. Ein Mitglied des TRAC-Ortsverbands Kayseri fuhr nach Erzincan und erstellte 7 Stunden nach dem Erdbeben die einzige Verbindung, mit Amateurfunk auf Kurzwelle. Eine fünfköpfige Gruppe aus Istanbul flog am nächsten Morgen nach Erzurum, um dann auf dem Landweg in Erzincan einzutreffen. Diese Gruppe übernahm die ganze Katastrophenkommunikation, unter anderem mit dem Deutschen Roten Kreuz und der griechischen Hilfsgruppe, die auch zwei Funkamateure als Vorhut zum Katastrophenort entsandte. Die griechischen Funkamateure (Rufzeichen SV1BDO und SV1RD), die das nachfolgende Kontingent der griechischen Hilfsgruppe über das benötigte Material informierten, hatten eine Ausrüstung für AMTOR dabei, womit einwandfreier Kontakt mit der Amateurfunkstation des Hauptquartiers der Vereinten Nationen (4U1UN) in New York auch mit kleiner Leistung und einfachen Antennen möglich wurde.

4U1UN übermittelte auch die vom United States Geological Survey (USGS) empfangenen Daten eines zweiten starken Bebens, das zuerst irrtümlich für ein Nachbeben gehalten, aber dann als ein unabhängiges Erdbeben im nachbarlichen Bezirk Tunceli identifiziert wurde (15. März 1992, M=5,8, Sachschaden und 20 Verletzte). Diese Information wurde umgehend an die in der Nähe stationierte, am Morgen des gleichen Tages eingetroffene Polizeifunkstation gegeben, die dann Tunceli über ihre Kanäle informierte und somit überhaupt Hilfe zu den zerstörten Dörfern in Gang setzte. Diese Daten wurden auch dem Türkischen Observatorium über eine Amateurfunkstation des TRAC in Istanbul übermittelt.

1993 1993 erhielt die Zusammenarbeit mit dem Zivilschutz mit der Unterzeichnung eines Protokolls einen offiziellen Rahmen. Dies ist das erste Dokument dieser Art, das zwischen einem Verband und dem Zivilschutz in der Türkei unterzeichnet worden ist.

1993 wurde dem Bosnischen Generalkonsulat in Istanbul bei der für die Koordination der Hilfsgütersendungen zum Krisengebiet erforderlichen Kommunikation Hilfe geleistet.

1995 1995 wurde die nach dem Erdbeben in Dinar (1. Oktober 1995, M=6,1, 100 Tote, 260 Verletzte, 25.000 Obdachlose) erforderliche Notfunkkommunikation durchgeführt. Dem zerstörerischen Hauptbeben gingen hunderte Beben voraus. In vielen dieser Vorbeben wurde der TRAC vom Zivilschutz gebeten, die Daten vom Kandilli-Observatorium in Istanbul nach Ankara zu übermitteln, weil die Telefonverbindungen des Observatoriums wegen der extrem großen Anzahl von eingehenden Panikanrufen blockiert wurden. Der TRAC übermittelte die Daten durch eine zum Observatorium geschickte Mobilfunkstation über Kurzwelle. Der erste Aktivität nach dem zerstörerischen Beben am Unglücksort machte der nächstgelegene TRAC-Ortsverband Denizli, der dann vom Ortsverband Antalya abgelöst wurde. Die wiederum wurde von einem starken Kontingent aus Istanbul abgelöst.

1996 1996 und 1997 wurde die komplette Notfunkkommunikation der „Luftsportweltmeisterschaften für Hängegleiter und Gleitschirme“ inklusive der Kommunikation mit den Rettungshubschraubern übernommen. Diese anstrengende und intensive Aktion war eine sehr lehrreiche Erfahrung.

1998 1998 wurde die durch die weitläufige Flutkatastrophe im Norden des Landes (Provinzen Bolu, Karabük, Bartin, Adapazari) erforderliche Notfunkkommunikation durchgeführt, wobei die einzige Verbindung zwischen der am heftigsten heimgesuchten Provinz Karabük und der Hauptstadt durch den TRAC ermöglicht wurde. Der Ortsverband Karabük hatte mit der Polizei, der Gendarmerie und der Forstverwaltung gemeinsam einen Kommunikationsstab errichtet, womit auch aus benachbarten Gebieten durch BOS-Funk Informationen gesammelt und über den TRAC nach Ankara übermittelt werden konnten. Karabük erreichte über ihre Relaisstation Adapazari, von wo aus dann die Informationen nach Ankara über Kurzwelle übermittelt wurden. Unmittelbar danach wurde die Zusammenarbeit mit der ersten freiwilligen SAR-Gruppe der Türkei (AKUT Such- und Rettungsverein) begonnen.

1998 wurde nach dem Erdbeben in Ceyhan (Provinz Adana, 27. August 1998, M= 6,2, 131 Tote, 400 vollständig zerstörte Gebäude) die erforderliche Notfunkkommunikation durchgeführt. 1998 erschienen eindringliche Warnungen von Wissenschaftlern bezüglich einer immanenten Erdbebengefahr in der Nähe von Istanbul. Daraufhin wurden mit den TRAC-Ortsverbänden im gefährdeten Gebiet Pläne besprochen und die jeweiligen Lokalverwaltungen kontaktiert, um diese zur schnellstmöglichen Errichtung bzw. Identifizierung der für die Koordination absolut notwendigen (jedoch noch nicht vorhandenen) Krisenzentren zu bewegen. Unter anderem wurde mit dem Flottenkommando İzmit eine Vereinbarung für die Nutzung eines Museumsschiffes zu diesem Zweck protokollarisch vereinbart und dem Oberkommando der Marine zur Genehmigung vorgelegt. Die Genehmigung wurde allerdings nicht gegeben. Außerdem wurde um Zusammenarbeit mit dem Krisenstab am Ministerpräsidialamt ersucht, allerdings auch erfolglos. Der ergiebigste Kontakt wurde mit dem Nationalen Erdbebenforschungszentrum UDIM (das damals das einzige vorhandene Observatorium betrieb) aufgenommen.

UDIM informierte den TRAC ausführlich über zwei mögliche Szenarien und beschrieb detailliert alle möglichen Risiken (unsichere Zufahrtsrouten und sichere Alternativen, mögliche Schäden, erwartete Verluste). Außerdem wurden auf Initiative des TRAC mit der Feuerwehr Istanbul und dem neu errichteten Krisenzentrum beim Gouverneur von Istanbul gemeinsam eine 24-stündige Übung abgehalten. Ferner wurde mit dem medizinischen Notdienst der erste Kontakt geknüpft und die Aktivierung der (im Jahre 1988 errichteten, aber seither nie aktivierten) „Arbeitsgruppe Notfallkommunikation beim Gouverneur von Istanbul“ veranlasst. Die Anfrage bezüglich der Errichtung einer Kommunikationsstation des TRAC in den Räumlichkeiten einer Universität in der Nähe des Helikopterlandeplatzes der Armee (der 500 m von vier großen Krankenhäusern entfernt ist) zwecks Koordinierung der Verwundetentransporte wurde auch negativ beschieden.

17. August 1999 Am 17. August 1999 verursachte ein großes Erdbeben im Bezirk Izmit große Verwüstungen (M=7,6, offiziellen Angaben zufolge 17.480 Tote, 23.781 Verletzte, 133.683 vollständig zerstörte Gebäude, 600.000 Obdachlose). Da dieses Erdbeben in weiten Teilen des Landes, aber besonders stark in Istanbul spürbar war und die Stromversorgung fast im ganzen asiatischen Teil und Istanbul ausfiel, brach eine gewaltige Panik aus. Alle Telefonleitungen fielen innerhalb einer Minute aus.