mini|hochkant|Qasem Soleimani mit dem Zolfaghar-Orden, Frühjahr 2019 Qasem Soleimaniweitere Schreibweisen des persisch und arabisch gesprochenen Vornamens: Qassem, Kas(s)em, Qasim und Ghas(s)em. (; * 11. März 1957 in Qanat-e Malek/Verwaltungsbezirk Rabor, Provinz Kerman, Iran; † 3. Januar 2020 in Bagdad, Irak) war ein iranischer Offizier, zuletzt Divisionskommandeur (persisch ).Man vergleiche das Schulterabzeichen auf dem nebenstehenden Foto von 2019 mit der Wikipedia-Tabelle der Dienstgrade der Streitkräfte der Islamischen Republik Iran. Er war seit 1998 Kommandeur der Quds-Einheit, einer Unterabteilung der iranischen Revolutionsgarde, die Spezialeinsätze außerhalb Irans durchführt. Soleimanis Einfluss reichte weit über das Militärische hinaus; viele Beobachter sehen ihn als einen der Hauptverantwortlichen für die Ausweitung des iranischen Einflusses auf weite Teile des Nahen Ostens. Er handelte dabei stets in enger Zusammenarbeit mit dem iranischen Revolutionsführer (rahbar) Ajatollah Ali Chamenei. Am 3. Januar 2020, ca. 01:00 Uhr Ortszeit (2. Januar 2020, 23:00 Uhr MEZ), wurde er auf Befehl des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump unter Einsatz einer Drohne vom US-amerikanischen Militär im Irak gezielt getötet, da Trump ihn indirekt für mehrere Anschläge, darunter den zuvor erfolgten Angriff pro-iranischer Milizen auf die Botschaft der Vereinigten Staaten in Bagdad, verantwortlich machte.
Leben Soleimani wuchs in einer armen Bauernfamilie in einem kleinen Dorf in der südöstlichen Provinz Kerman auf. Als Jugendlicher zog er in die Provinzhauptstadt Kerman und arbeitete auf Baustellen, um die Schulden seines Vaters zurückzuzahlen. In seiner Freizeit stemmte er Gewichte und hörte den Predigten des Wanderpredigers Hojjat Kamyab zu, eines Protegés von Ali Chamenei. Später erhielt er eine Ausbildung bei den örtlichen Wasserwerken. Während der Islamischen Revolution trat Soleimani mit 23 Jahren der Revolutionsgarde bei, zwei Jahre später war er Brigadegeneral. Sein Aufstieg begann im Iran-Irak-Krieg in den 1980er Jahren, in denen er durch Kommandounternehmen jenseits der Grenze national bekannt wurde. Er selbst beteiligte sich an zahlreichen geheimen Militärmissionen im Ausland.
Ab 1998 war er Kommandeur der Quds-Einheit und ließ im Lauf der Zeit das militärische, finanzielle, nachrichtendienstliche und politische Potential der Eliteeinheit wesentlich ausbauen. Dabei schuf er im Lauf der Zeit in jedem Land, in dem Schiiten lebten, ein Netzwerk aus Hilfsorganisationen, Schulen, religiösen Zentren, die von Iran finanziert wurden, die Bevölkerung an sich banden und auch der Anwerbung neuer Kämpfer dienten.
Nach Medienberichten stimmte er nach den Anschlägen des 11. September 2001 „indirekt mit Washington das Vorgehen gegen die Taliban ab, ohne eine schriftliche Spur zu hinterlassen.“ Er baute außerdem die Zusammenarbeit zwischen der Quds-Einheit und der Hisbollah aus, um Letztere bei der Rückeroberung des Südlibanon zu unterstützen. Als der US-Präsident George W. Bush Iran zur Achse des Bösen rechnete, stellte er die Zusammenarbeit ein.Rainer Hermann: Frontkämpfer. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 9. März 2015, S. 8. Im Afghanistan-Krieg war er mit seinen Quds ein Verbündeter der USA und wesentlich an dem Sieg über die Taliban in Herat beteiligt und am Vormarsch der Nordallianz auf Kabul.Afshon Ostovar: Vanguard of the Imam. S. 161. Im Zuge des Rücktritts von General Yahya Rahim Safavi im September 2007 galt er als möglicher Nachfolger für das Amt des Kommandeurs der Pasdaran (Iranische Revolutionsgarden).
Soleimani wird für den Aufbau der unter iranischem Einfluss stehenden schiitischen Milizen im Irak verantwortlich gemacht, die ein Gegengewicht zu der Koalition der Willigen bildeten. Er vermittelte auch ein Zusammengehen ursprünglich verfeindeter schiitischer Milizen im Irak und konnte auch eine Zusammenarbeit mit sunnitischen Kräften erreichen. 2008 schlug er dem amerikanischen Oberkommandierenden im Irak General David Petraeus vor, im Zuge eines Treffens die Sicherheit im Irak zu diskutieren, was dieser ablehnte. Gegenüber Petraeus stellte er sich, wie durch Wikileaks bekannt wurde, als derjenige vor, der die iranische Politik in Afghanistan, dem Libanon und im Gaza-Streifen befehligte. Im selben Jahr leitete er eine Gruppe iranischer Ermittler, die den Tod von Imad Mughniyya untersuchten. Anhänger des iranischen Regimes und speziell der Revolutionsgarde versehen ihn häufig mit dem Ehrennamen Hāddsch.
Am 23. Juli 2011 (Monate nach Beginn der Proteste in Syrien) nahm die Europäische Union Soleimani in eine Liste von unter Sanktionen stehender Personen und Organisationen auf. Als Grund dafür wurde seine Beteiligung an der „Bereitstellung von Ausrüstungen und Unterstützung für das syrische Regime für das gewaltsame Vorgehen gegen Demonstranten in Syrien“ genannt.. In: Amtsblatt der Europäischen Union. L, Nr. 319, 2. Dezember 2011, S. 56–70. Als im Bürgerkrieg in Syrien die Niederlage der mit Iran verbündeten Regierung von Baschar al-Assad unabwendbar schien, soll Soleimani einen Plan zur militärischen Unterstützung Assads entwickelt haben. Zu diesem Zweck reiste er im Juli 2015 nach Moskau und stellte sein Konzept vor, das letztlich zur russischen Intervention im Herbst 2015 beigetragen haben soll. Schon vorher hatte er 2012 zehntausende schiitische Milizionäre aus Iran, Afghanistan, Pakistan und dem Irak nach Syrien entsandt, um Assad zu unterstützen, und konnte so die unmittelbare Niederlage Assads verhindern. Dabei vermied er systematisch wie auch grundsätzlich bei den Auslands-Einsätzen die Verwendung iranischer Kämpfer.
Im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) im Irak im Sommer 2014 unterstützte Soleimani als Militärberater die irakischen Milizen in Amerli.
In der Großoffensive auf Tikrit im März 2015 übernahm Soleimani das Kommando über die schiitische Badr-Brigade, es war der bis dahin größte Angriff gegen den IS. US-Außenminister John Kerry erkannte öffentlich die Rolle Soleimanis in Tikrit an, die militärische Kooperation galt als weitere Annäherung Washingtons an die Regierung in Teheran.
Sein Einfluss reichte aber auch über den Nahen Osten hinaus zum Beispiel nach Westafrika und Venezuela, wobei er die schiitischen Gemeinden in den jeweiligen Ländern einspannte. In der westlichen Öffentlichkeit war er dagegen kaum bekannt. Westlichen Journalisten gab er keine Interviews und er trat äußerlich bescheiden und mit leiser Stimme sprechend auf. Nachdem er 2006 Nuri al-Maliki als Nachfolger des irakischen Ministerpräsidenten Ibrahim al-Dschafari unterstützt hatte, erhielten die Revolutionsgarden in Zeiten des boomenden Ölgeschäfts Milliarden Dollar aus den Öl-Erlösen. Auf einem der letzten bekannt gewordenen Treffen in Bagdad im November 2019, als er versuchte, das irakische Kabinett und alle anderen entscheidenden Führungsfiguren auf einen harten Kurs gegen die eskalierenden Proteste im Land einzuschwören, wagte nur Ex-Premier Haider al-Abadi, ihm zu widersprechen.
Soleimani wird von Israel vorgeworfen, in der Nacht vom 9. auf den 10. Mai 2018 einen Raketenangriff auf israelisches Militär in den Golanhöhen angeordnet zu haben. Als Reaktion kam es am Morgen des 10. Mai zum bis dahin umfangreichsten Luftangriff israelischer Streitkräfte auf Ziele in Syrien.
mini|hochkant|links|Qasem Soleimani und Abu Mahdi al-Muhandis an der Beisetzung von Soleimanis Vater in Teheran, 2017 mini|hochkant|Soleimani erhält von Chamenei den Zolfaghar-Orden am 10. März 2019
Am 10. März 2019 wurde ihm der höchste iranische Militärorden, der Zolfaghar-Orden, verliehen. Es war die erste Verleihung des Ordens seit 1979. Ajatollah Chamenei bezeichnete ihn noch zu Lebzeiten als „lebenden Märtyrer“.
Am 3. Oktober 2019 berichteten Nachrichtenagenturen unter Berufung auf iranische Quellen, dass die Revolutionsgarde einen Attentatsversuch auf Soleimani in seiner Heimatprovinz Kerman vereitelt hätte, bei dem angeblich 500 kg Sprengstoff zum Einsatz kommen sollten. Er wurde davor schon mehrfach totgesagt, so 2006 bei einem Flugzeugabsturz im Nordwesten Irans, wo hohe Militärs zu den Opfern zählten, bei einem Bombenanschlag 2012 in Damaskus, dem wichtige Berater von Assad zum Opfer fielen, und im November 2015 bei Kämpfen um Aleppo auf Seiten von Assad.
In einem im Oktober 2019 veröffentlichten Interview führte Soleimani aus, im Libanonkrieg 2006 an Ort und Stelle gewesen zu sein, um einen Überblick über die Lage zu gewinnen. Auch bei den Protesten 2019 war er im Libanon.
Soleimani befand sich auf einer im Januar 2019 aktualisierten Liste von als Terroristen eingestuften Personen und Organisationen der Europäischen Union.. In: Amtsblatt der Europäischen Union. L, Nr. 6, 9. Januar 2019, S. 6–9. Die iranischen Revolutionsgarden einschließlich der Quds-Einheit waren im April 2019 von den USA als Terrororganisation eingestuft worden.
Sein jüngerer Bruder Sohrab Soleimani war unter anderem als Generaldirektor zuständig für die Gefängnisse in Teheran. Wegen Verdachts auf Folterungen in iranischen Gefängnissen wurden seine eventuell vorhandenen Konten in den USA im April 2017 eingefroren.
Tod mini|Begräbnisfeierlichkeiten für Soleimani in Ahvaz, Iran mini|Begräbnisfeierlichkeiten für Soleimani in Teheran, Enqelab Square (Revolutionsplatz) Qasem Soleimani wurde bei einem gezielten Raketenangriff am 3. Januar 2020 etwa um 01:00 Uhr Ortszeit (2. Januar 2020, 23:00 Uhr MEZ) am Flughafen Bagdad getötet. Kurz nach Ankunft mit einem Linienflugzeug aus Damaskus wurde Soleimanis Fahrzeugkolonne, die ihn abgeholt hatte, beim Verlassen des Komplexes von einer amerikanischen MQ-9A Reaper-Drohne mit Raketen beschossen.
Der Angriff wurde vom damaligen US-Präsidenten Donald Trump befohlen. Bei dem Drohnenangriff starben auch der irakische Brigadegeneral Abu Mahdi al-Muhandis, Vizekommandeur der Miliz al-Haschd asch-Schaʿbī, und Anführer der Kataib Hizbollah, und mindestens fünf weitere Menschen, darunter auch Soleimanis Schwiegersohn sowie ein ziviler Flughafenangestellter, der sich in der Nähe aufhielt. Al-Muhandis hatte auch über die schiitischen Milizen hinaus im Irak Ansehen, da er sich mit seiner Miliz dem Vordringen der salafistischen Terrormiliz Daesh/„Islamischer Staat“ 2014 im Irak entgegenstellte, nachdem die irakische Armee geflohen war. Nach einer Rekonstruktion der New York Times hatte Trump die Tötung von Soleimani als letzte und extremste Option schon beim Angriff auf Kirkuk vom Pentagon vorgelegt bekommen, sich dann aber für einen Luftschlag auf iranische Milizionäre entschieden. Durch die Berichte der Belagerung der US-Botschaft in Bagdad änderte er seine Meinung und befahl die Tötung von Soleimani.