Uwe Hoppe (* 7. Dezember 1954 in Hondelage bei Braunschweig) ist ein deutscher Dramatiker, Regisseur, Autor und Schauspieler. Er wurde durch seine Wagner-Adaptionen bekannt, die seit 1982 jährlich parallel zu den Bayreuther Festspielen in Bayreuth aufgeführt werden.
Leben Kindheit und Jugend Hoppe wurde als drittes von vier Kindern in Hondelage geboren. Sein Vater, gelernter Maurer, und seine Mutter führten zusammen eine Wäscherei. Hoppe besuchte die Neue Oberschule in Braunschweig.
Als Hoppe im Alter von fünf Jahren den Siebten Heinzelmann in dem Stück „Die Heinzelmännchen von Köln“ spielte, wusste er, dass er später einmal am Theater arbeiten möchte.
Mit zehn Jahren dramatisierte er eine Novelle von Johann Peter Hebel, die auch aufgeführt wurde. Im Alter von fünfzehn Jahren inszenierte er den Film „Die Kommode“ von Curt Goetz, nachdem er diesen im Fernsehen gesehen hatte.
Karriere Studium und erste Engagements (1973–1980) Uwe Hoppe begann 1973 das Studium der Pädagogik an der Pädagogischen Hochschule Niedersachsen, Abteilung Braunschweig. Dies brach er aber ab, um ab 1975 Musikwissenschaften, Kunstgeschichte und Germanistik an der Technischen Universität Berlin zu studieren. Einer seiner Professoren war Carl Dahlhaus, der Herausgeber der Richard-Wagner-Gesamtausgabe. Ab 1976 begann er zusätzlich noch das Studium der Schauspielkunst und des Chansongesangs am Schauspielstudio Schneidereyth. Durch den Abschluss 1980 erlangte er schließlich seine Bühnenreife. Sein Abschlussprojekt war eine Barockkomödie an der Neuköllner Oper.
Schon während des Studiums war er als Regieassistent am Staatstheater Braunschweig, am Hessischen Staatstheater Wiesbaden und am Renaissance-Theater (Berlin) engagiert; außerdem war er von 1979 bis 1981 Schauspieler und Sänger an der Neuköllner Oper und war u. a. 1980 Dramaturgie-Mitarbeiter bei Achim Freyer. Er schrieb außerdem für Stationen der Hoffnung, ein szenisches Oratorium, das Libretto, welches 1981 in Braunschweig uraufgeführt wurde.
Gründung der Studiobühne (1981) Für einen Besuch des Jahrhundertrings reiste Uwe Hoppe nach Bayreuth, wo er den Regisseur Werner Hildenbrand kennenlernte. Während seines wissenschaftlichen Studiums bekam Hoppe von ihm das Angebot zu inszenieren und brach auch u. a. deswegen das Studieren ab. Zusammen mit Werner Hildenbrand, Eberhard Wagner und Ilse Schörner gründete er dann 1981 die Studiobühne Bayreuth, welche damals im „Schützenhaus“ untergebracht war. Dort inszenierte er noch im selben Jahr Die Zofen von Jean Genet und spielte die Titelrolle in Don Juan in der Eremitage, außerdem wurde 1981 noch sein erstes selbstgeschriebenes Monodrama Klytämnestra verteidigt sich vor Orest in Bayreuth uraufgeführt.
Nach der Gründung der Studiobühne arbeitete Hoppe u. a. in Braunschweig, am Städtebundtheatern Hof und war Regieassistent am Renaissance-Theater in Berlin.
Frühe Arbeit als freier Regisseur und Schauspieler (1982–1988) Für die Spielzeit 1982 schrieb Hoppe seine erste Wagner-Adaption. Da aber die Studiobühne aus dem „Schützenhaus“ ausziehen musste, konnte das Werk dort nicht aufgeführt werden. Deswegen suchte man in Bayreuth nach einem geeigneten Ort und fand schließlich das Steingraeber-Haus.Uwe Hoppe: Kunststück! – 20 Jahre Studiobühne Bayreuth: S. 18 Im Innenhof errichtete man ein Theater, das am Ende des Sommers wieder abgebaut wurde. Dort wurde 1982 Der Ring des Liebesjungen uraufgeführt. Diese Ring-Adaption war durchgehend ausverkauft und Journalisten aus aller Welt berichteten darüber. Hoppe war der erste Regisseur, der Wagners Der Ring des Nibelungen an einem Abend verkürzt zeigte. Es folgte ein Gastspiel an der Deutschen Oper Berlin 1984.Thomas Krauß: Theater für Bayreuth – 10 Jahre Studiobühne Bayreuth. 1991, S. 158
Im neuen Haus der Studiobühne Bayreuth wurde dann 1984 Rotkäppchen, das Hoppe frei nach den Gebrüdern Grimm schrieb, uraufgeführt. Eine Neufassung des Stückes wurde 2002 in Stuttgart gespielt.Thomas Krauß: Theater für Bayreuth – 10 Jahre Studiobühne Bayreuth. 1991, S. 160
Das Bühnenbild zu Der Ring des Liebesjungen von Karlheinz Beer wurde schließlich vernichtet und Hoppe beschloss, ein neues Stück für die Saison 1985 zu schreiben. Da in den Wagner-Opern Parsifal und Lohengrin teilweise ähnliche Themen vorkommen, fasste Hoppe beide Werke in Paxiphall & Lohengrün zusammen. Nach der Uraufführung gab es Gastspiele in Nürnberg und München. Das Werk wurde bis 1987 gespielt.Uwe Hoppe: Paxiphall & Lohengrün. 1986, S. 2 mini|Das Hoftheater im Steingraeber-Palais 2015 mini|Zuschauerraum im Inneren
Parallel dazu war Hoppe bis 1984 fest in Hof engagiert, beschloss aber dann, frei als Regisseur und Schauspieler zu arbeiten. So brachte er 1985 die erst-deutsche Romanbearbeitung von Kassandra von Christa Wolf in Nürnberg auf die Bühne. Für dasselbe Theater schrieb er 1986 das Monodrama Bye, Bye Marilyn, welches dann auch von ihm inszeniert und uraufgeführt wurde. Dieses Stück behandelt die letzten Stunden von Marilyn Monroe. Er war dann als Schauspieler und Regisseur in ganz Deutschland unterwegs, arbeitete u. a. in Hof, Detmold und an den Bühnen der Stadt Essen.
Nach Paxiphall & Lohengrün schrieb er Tannreuther, Meistersinger. Diese Adaption basiert auf den Wagner-Opern Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg und Die Meistersinger von Nürnberg. Hoppe legte beide Werke zusammen, da es bei beiden Opern um Sängerkriege geht, bei denen jeweils eine Frau der erste Preis ist.Uwe Hoppe: Tannreuther, Meistersinger. 2010, S. 6 Tannreuther, Meistersinger wurde auf dem Hoftheater im Steingraeber-Palais bis 1991 gezeigt.
Leubald und Wiederbespielung von Sanspareil (1989–1995) Schon 1988 wurde der Text von Richard Wagners Jugendwerk Leubald erstmals abgedruckt, damals in einem Programmheft von Die Meistersinger von Nürnberg der Bayreuther Festspiele. Uwe Hoppe bekam den Auftrag, einen 20-minütigen Ausschnitt daraus zu zeigen. Danach kürzte Hoppe den Text dieses Stückes, das eigentlich mehr als sechs Stunden dauert, auf etwa 90 Minuten. Die Uraufführung von Leubald fand auf der veränderbaren Bühne von Tannreuther, Meistersinger statt.
Mit den beiden Wagner-Adaptionen war Hoppe 1990 auf Gastspielen in Dresden und 1991 in Wolfenbüttel anlässlich des 400. Geburtstags des dortigen Theaters.
Als Hoppe das erste Mal den Felsengarten Sanspareil besuchte, entstand der Traum, dort einmal zu inszenieren. So wurde im Jahr 1992 zum ersten Mal, seit den Zeiten der Markgräfin Wilhelmine, wieder ein Stück im Ruinentheater von Sanspareil gespielt. Ebendieses Werk war Leubald, mit dem Uwe Hoppe diese Bühne wieder reanimierte. Man spielte es dort bis 1995.
1992 arbeitete er außerdem mit Harry Kupfer an der Komischen Oper Berlin zusammen.
Hoppe in ganz Deutschland (1991–1999) Um alle Opern Richard Wagners einmal adaptiert zu haben, schrieb Hoppe für 1991 Tristan, der fliehende Irrländer und Isolde. Dieses Stück nimmt die Bühnenwerke Wagners Tristan und Isolde und Der fliegende Holländer auf. Der Tristan lief bis 1993.Uwe Hoppe: Tristan, der fliehende Irrländer und Isolde. 1991, S. 80
Außerdem führte Hoppe währenddessen auch von ihm selbstgeschriebene Stücke auf. So feierte Mozart und Salieri nach Alexander Puschkin 1991 in Bayreuth seine Uraufführung. Das Musical Glück im Pech, Spiel in der Liebe mit der Musik von Hans-Martin Gräbner wurde 1992 in der Studiobühne Bayreuth uraufgeführt.
1993 wurde Uwe Hoppe eingeladen, in Hannover zu inszenieren. Dort wurde Hoppes Zurück vom Ring mit der Musik von Jeff Goldberg gezeigt. Diese Ringrevue wurde Inszenierung des Jahres in Hannover.
Nachdem im Steingraeber-Hof-Theater jede Wagner-Oper einmal gespielt wurde, schrieb Hoppe eine neue Ring-Adaption. Der Ring der Niederungen behandelt den Stoff des Ring des Nibelungen und überträgt diesen auf die Gegenwart. Zum Ende des Stückes, welches von dem Jahr 1994 bis 2042 geht, verfällt die Menschheit zurück in die Steinzeit. Das Stück erregte viel Anstoß und wurde bis 1996 gespielt.Uwe Hoppe: Der Ring der Niederungen. 1996, S. 4
In Sanspareil inszenierte Hoppe dann für die Jahre 1995 bis 1997 Amphitryon von Molière mit originaler Violinenmusik. Das Orchester dazu befand sich im Orchestergraben des Theaters.
Für das Theater in Dessau schrieb Hoppe Lohngrien in Anhalt. Dieses Werk, das 1995 uraufgeführt wurde, überträgt die Thematik von Lohengrin als Ost-West-Konflikt.
Die Handlung von Der Fliegende Holländer adaptierte Hoppe in Blutrote Segel, welches 1995 in Hof gespielt wurde. Mit diesem Stück eröffnete Hoppe das Studio des neuen Theaters.
Nachdem man Der Ring der Niederungen drei Sommer lang gespielt hatte, wurde 1997 Parzival auf dem Hoftheater im Steingraeber-Haus uraufgeführt. Dieses Werk richtet sich hauptsächlich nach dem Roman von Wolfram von Eschenbach und wurde nur noch 1998 gespielt. Da die meisten Schauspieler in Parzival Studenten waren und von Bayreuth wegzogen, musste Hoppe ein neues Stück für die Saison 1999 schreiben.Uwe Hoppe: Parzival. 1997, S. 4
Zum 250. Jahrestag der Eröffnung des Markgräflichen Opernhauses in Bayreuth inszenierte Hoppe 1998 dort „The Fairy Queen – Ein Sommernachtstraum“ von Henry Purcell/William Shakespeare. Da der Felsengarten Sanspareil 1749 erschlossen wurde, inszenierte er zu diesem 250. Jubiläum in dem dortigen Theater Das Spiel von Liebe und Zufall.
Nachdem Hoppe bereits 1998 Vatermord von Arnolt Bronnen im Theater der Altstadt in Stuttgart inszenierte, war dort seine nächste Arbeit Faust I, der dort elf Jahre lang in mehr als 300 Vorstellungen lief.
Hojotoho! (1999–2006) Hojotoho! hatte 1999 in Bayreuth Premiere und wurde bis 2006 gespielt. In dieser Adaption, in der Uwe Hoppe selbst als Schauspieler zu sehen war, spielen fünf Personen alle Opern Wagners einmal durch.
Für das 150. Firmenjubiläum von Steingraeber schrieb Hoppe Der Walkürenritt, welches 2002 uraufgeführt wurde. Das Stück Selige Öde auf sonniger Höh wurde 2004 erstmals aufgeführt und handelt von Richard Wagner und Ludwig II.Uwe Hoppe: Selige Öde auf sonniger Höh. 2004, S. 3
Neben den Stücken im Steingraeber-Hof-Theater wurden in der Studiobühne Bayreuth, in der Eremitage und in Sanspareil weiter Werke von Uwe Hoppe uraufgeführt. So z. B. eine Neuübersetzung von Romeo und Julia für die Eremitage. Im Jahr 2005 war Hoppe Gastregisseur bei den Festspielen Schloss Neersen, bei denen er Ende gut, alles gut, ein Musical nach William Shakespeare, auf die Bühne brachte.
Her den Ring und weitere Bühnenwerke (2007–2012) Für die Saison 2007 schrieb Hoppe eine neue Adaption von Der Ring des Nibelungen. Her den Ring lief von 2007 bis 2009. Dabei wiederholt sich die Thematik des Rings bis in das Unendliche, ohne Aussicht darauf, dass es am Ende keinen Weltenbrand gibt.Uwe Hoppe: Her den Ring. 2007, S. 3
Uwe Hoppe inszenierte auch in Kulmbach bei der Theatergruppe „Buschklopfer“. Karlis Tante wurde dort 2007 gespielt, 2008 Hoppes Skandalstück Wen der Hafer sticht und Hans im Glück 2010.
In Sanspareil inszenierte er 2008 Die witzigen Weiber von Windsor und Triumph der Liebe nach Marivaux 2010. Für das Markgräfliche Opernhaus schrieb Hoppe die Semi-Oper „Wilhelmine, Liebe ist nur Fantasie“ mit der Musik von Hans-Martin Gräbner, welche 2009 uraufgeführt wurde. (PDF; 803 kB)
In Stuttgart inszenierte er 2010 Faust I und Faust II neu. Teilweise gibt es Aufführungstermine, an denen an einem Tag beide Teile hintereinander gezeigt werden.
Tannreuther, Meistersinger wurde 2010 neu inszeniert und auf der Bühne des Steingraeber Hoftheaters gegeben. Shakespeares Hamlet inszenierte Hoppe 2012 in Sanspareil.
Richard! Mein Leben! und Leubald (2012–2014) Seit der Saison von 2012 wurde im Hoftheater Hoppes Richard! Mein Leben! gespielt, welches den geschichtlichen Rückblick auf die Bayreuther Festspiele und die Beziehung von Richard und Cosima Wagner wagt. Das von Michael Bachmann konzipierte Bühnenbild stellte hierbei den Schnürboden des Festspielhauses dar.