mini|Karte der US-Regierung zu den Gebieten, in denen am 21. August chemische Waffen eingesetzt wurden.
Die Giftgasangriffe von Ghuta vom 21. August 2013 im Syrienkrieg waren eine Reihe von Giftgasangriffen auf von Rebellen gehaltene und umstrittene Gebiete in der Region Ghuta östlich von Damaskus. Eine UNO-Untersuchung vor Ort wies den Einsatz des chemischen Kampfstoffs Sarin in hoch konzentrierter Form nach, der mittels Boden-Boden-Raketen verschossen wurde.Rick Gladstone, Nick Cumming-Bruce: U.N. Report Confirms Rockets Loaded With Sarin in Aug. 21 Attack. In: New York Times. 16. September 2013.Uno bestätigt Einsatz von Nervengift bei Damaskus. In: Spiegel Online. 16. September 2013.Report on the Alleged Use of Chemical Weapons in the Ghouta Area of Damascus on 21 August 2013 (PDF; 3,4 MB). Bericht der United Nations Mission to Investigate Allegations of the Use of Chemical Weapons in the Syrian Arab Republic, abgerufen am 16. September 2013. Unterschiedlichen Angaben zufolge starben dabei 281, (PDF; 96 kB) Attaque chimique conduite par le régime le 21 août 2013 (abgerufen am 4. September 2013) 355,, Pressemitteilung der Ärzte ohne Grenzen vom 24. August 2013, abgerufen am 27. August 2013 1429Assad warnt vor regionalem Krieg, Zeit Online vom 2. September 2013 (abgerufen am 4. September 2013) oder 1729It's time to use force in Syria following horror chemical attack which killed 1729 people, says France, Daily Record vom 23. August 2013, abgerufen am 27. August 2013 Menschen. Einige tausend Personen sollen mit neurotoxischen Reaktionen in die Krankenhäuser eingeliefert worden sein. Das beim Giftgasangriff verwendete Sarin stammte aufgrund seiner chemischen Spurenelemente aus denselben Beständen der syrischen Armee wie dasjenige bei anderen Angriffen.Exclusive: Tests link Syrian government stockpile to largest sarin attack - sources, Reuters, 30. Januar 2018 Welche Bürgerkriegspartei für den Einsatz des Giftgases verantwortlich war, ist nach wie vor ungeklärt, im Westen setzte sich jedoch die Ansicht durch, Assad sei verantwortlich.
Überblick
mini|Am 2. Jahrestag der Giftgasangriffe erinnerte dieses Mädchen in Hannover mit einer Maske an die Angriffe. Während oppositionelle Aktivisten die syrische Regierung von Baschar al-Assad für den Vorfall verantwortlich machen, stritt diese die Berichte über den Einsatz von Chemiewaffen ab.Samira Said, Ashley Fantz: Syrian activists: Videos show chemical weapons used, CNN.com vom 22. August 2013, abgerufen am 27. August 2013 (englisch). Später bestätigte sie den Vorfall an sich, gab aber an, dass die chemischen Kampfstoffe von den Rebellen gegen Regierungstruppen eingesetzt worden seien und nicht umgekehrt.Hunderte von Toten mit Giftgas-Symptomen, Neue Zürcher Zeitung vom 24. August 2013, abgerufen am 27. August 2013
Zum Zeitpunkt des Angriffs befand sich nur wenige Kilometer entfernt eine UNO-Expertenkommission, die den mutmaßlichen Einsatz von Chemiewaffen an drei anderen Orten in Syrien untersuchen sollte. Nach der Genehmigung einer Untersuchung durch die syrische Regierung konnte eine Untersuchungskommission der UN mit Ärzten sprechen, einige Opfer untersuchen und Proben sammeln.Blauhelme beenden ersten Sucheinsatz, Zeit online vom 26. August 2013, abgerufen am 27. August 2013Giftgas-Untersuchung in Syrien: Uno-Inspektoren sammeln „wertvolle Daten“, Spiegel Online vom 26. August 2013, abgerufen am 27. August 2013
Die USA zeigten sich davon überzeugt, dass die syrische Regierung von Baschar al-Assad die Verantwortung für den Vorfall trageWashington überzeugt von Chemiewaffeneinsatz, FAZ.net vom 26. August 2013, abgerufen am 27. August 2013 und auch andere Staaten wie Frankreich, Großbritannien, Israel und Deutschland äußerten sich ähnlich.Israel fordert Intervention – Iran warnt USA, Welt.de vom 25. August 2013, abgerufen am 27. August 2013UN-Experten beginnen mit Untersuchung, Sueddeutsche.de vom 26. August 2013, abgerufen am 27. August 2013Reaktion auf Giftgasangriff: Assad und Russland warnen vor Militäreinsatz, Spiegel Online vom 26. August 2013, abgerufen am 27. August 2013
Die Russische Föderation und der Iran legten dagegen eine Verantwortung von Rebellengruppen für den Anschlag nahe.Iran's Rouhani acknowledges chemical weapons killed people in Syria, Reuters vom 24. August 2013, abgerufen am 24. August 2013
Während die deutsche Bundesregierung deutliche Konsequenzen forderte, einen Militäreinsatz ohne internationales Mandat jedoch ausschloss,Merkel fordert Konsequenzen aus Giftgas-Angriff, Zeit Online von 26. August 2013, abgerufen am 27. August 2013 gab US-Präsident Barack Obama am 31. August bekannt, sich zu einem Angriff entschlossen zu haben.Obama: „Ich bin bereit, den Befehl zu geben“, FAZ.net vom 31. August 2013, abgerufen am 1. September 2013 Großbritanniens Premierminister David Cameron bekundete nach einer Abstimmung des Unterhauses, in der ein Militäreinsatz abgelehnt wurde, von der Möglichkeit einer militärischen Intervention absehen zu wollen.Hollande bereit zum Militärschlag gegen Assad, FAZ Online vom 30. August 2013, abgerufen am 1. September 2013 Frankreich und Saudi-Arabien würden einen Militärschlag unterstützen.
Hintergrund
Syrien war zum Zeitpunkt des Angriffs einer von fünf Staaten, die die Chemiewaffenkonvention weder unterzeichnet noch ratifiziert haben., Version vom 3. September 2013. Im Juli 2012 hatte die syrische Regierung erstmals eingeräumt, über chemische Waffen zu verfügen, kündigte aber zugleich an, diese nur im Falle eines Angriffs durch einen anderen Staat einsetzen zu wollen.Dutzende, Hunderte oder über 1000 Tote bei Massaker, Kurier.at vom 21. August 2013, abgerufen am 27. August 2013 US-Präsident Obama hatte am 20. August 2012 – fast genau ein Jahr vor dem Angriff – den Einsatz biologischer oder chemischer Waffen als „rote Linie“ bezeichnet, bei deren Überschreitung eine militärische Intervention durch die USA überdacht würde.Obama warns Syria not to cross 'red line' , CNN vom 21. August 2012, abgerufen am 27. August 2013 (englisch).Obama issues Syria a ‘red line’ warning on chemical weapons, Washington Post vom 20. August 2012, abgerufen am 27. August 2013 (englisch). Wenige Tage später machte die Arabische Liga syrische Regierungstruppen für ein Massaker verantwortlich, bei dem Giftgas eingesetzt worden sein soll.
In den folgenden Monaten wurde sowohl von Seiten der Rebellen als auch von der syrischen Regierung wiederholt behauptet, die Gegenseite habe chemische Kampfstoffe eingesetzt. So warf die Regierung den Rebellen vor, im März 2013 in der Stadt Khan al Assal nahe Aleppo mindestens 25 Menschen durch chemische Waffen getötet zu haben. Insgesamt wurden der UN 13 Einsätze von Chemiewaffen gemeldet., Handelsblatt vom 31. Juli 2013, abgerufen am 27. August 2013 Nach langen Verhandlungen erlaubte Baschar al-Assad Ende Juli 2013 eine Untersuchung von drei der 13 mutmaßlichen Einsatzorte durch eine Expertenkommission der UN.Assad stimmt Chemiewaffen-Inspektionen durch UN zu, Zeit.de vom 1. August 2013, abgerufen am 27. August 2013 Der Einsatz der Inspektoren verzögerte sich jedoch, da die syrische Regierung keine ausreichende Garantie für die Sicherheit der UNO-Beauftragten geben konnte. Zudem erklärte die UN bereits zu Beginn der Verhandlungen, dass die Klärung der Schuldfrage nicht Teil der Untersuchungen sein werde, sondern lediglich die Frage, ob überhaupt Chemiewaffen eingesetzt wurden.Eingeklemmt zwischen den Weltmächten, Zeit.de vom 16. August 2013, abgerufen am 27. August 2013
Verlautbarungen
Opposition
Die Angriffe begannen nach Angaben von oppositionellen Medien gegen 3 Uhr in der Nacht in einem von den Rebellen kontrollierten Gebiet von Ghuta im Osten von Damaskus, und bereits am Vormittag des 21. August wurde von einem Angriff auf Rebellenstellungen in Vororten von Damaskus berichtet. Die Gefechtsköpfe der Raketen, mit denen die Rebellen beschossen wurden, hätten Giftgas enthalten. Ersten Augenzeugenberichten zufolge seien dabei Dutzende Menschen an den Folgen des Giftgases gestorben. Die Angriffe fanden in den östlichen Stadtteilen Hammuriyah, Hirista, Irbin, Sepqa, Kafr Batna, Ayn Tarma, Jobar und Zamalka sowie in dem westlichen Stadtteil Muadhamiyah statt.Suffering in Syria is clear, but cause and culprits are murky, CNN.com vom 22. August 2013, abgerufen am 27. August 2013 (englisch). , turkishweekly.net vom 21. August 2013, abgerufen am 27. August 2013 Zeugen erinnerten sich an Geräusche, die nicht wie Explosionen klangen, sondern an das Platzen eines Wassertanks oder das Öffnen einer Limonadenflasche erinnerten. Dann hätten sie einen Geruch wahrgenommen, der dem von Chlor oder Zwiebeln ähnelte. Rebellenkämpfer benutzten ihre Funkgeräte, um vor Kampfstoffen zu warnen, des Weiteren hätten die Lautsprecher am Minarett einer Moschee die Bewohner aufgefordert zu fliehen oder auf den Dächern ihrer Häuser Schutz zu suchen. Viele seien jedoch in ihre Keller geflohen, wo sich das schwere Gas angesammelt und zahlreiche Opfer gefordert habe.Ben Hubbard, Mark Mazzetti und Mark Landler: „Blasts in the Night, a Smell, and a Flood of Syrian Victims“, NYT vom 26. August 2013, gesichtet am 26. August 2013
Syrische Regierung
Die syrische Regierung bezeichnete die ersten Berichte über den Einsatz von Chemiewaffen zunächst als frei erfunden und räumte zunächst lediglich ein, dass sie einige der betroffenen Gebiete mit konventionellen Waffen beschossen habe. Später bestätigte sie einen Zwischenfall mit chemischen Kampfstoffen, behauptete allerdings, dass es die Rebellen gewesen seien, die die Chemiewaffen gegen die Regierungstruppen eingesetzt hätten.Hunderte von Toten mit Giftgas-Symptomen. Neue Zürcher Zeitung, 24. August 2013, abgerufen am 27. August 2013 Der staatliche Rundfunksender SANA berichtete, Regierungstruppen hätten ein Chemiewaffenlager der Rebellen entdeckt und einige Soldaten hätten Erstickungsanfälle erlitten.Syrisches Staats-TV: Assad-Gegner horten C-Waffen-Gegengift, In: RIA Novosti vom 24. August 2013, abgerufen am 27. August 2013 In den folgenden Tagen waren die fraglichen Gebiete wiederholt heftigem Bombardement und Raketenbeschuss ausgesetzt, was den Nachweis des Einsatzes von chemischen Waffen erschwerte.Zieht der Westen in den Krieg?, Tagesspiegel.de vom 26. August 2013, abgerufen am 27. August 2013
Organisation Ärzte ohne Grenzen
Nach Angaben der Organisation Ärzte ohne Grenzen wurden innerhalb von drei Stunden 3600 Personen mit neurotoxischen Symptomen in drei Krankenhäuser eingeliefert, von denen 355 gestorben seien. Ein Sprecher der Freien Syrischen Armee berichtete von 1729 Toten und 6000 Verletzten. Unter den Opfern befänden sich zahlreiche Frauen und Kinder, die teilweise im Schlaf überrascht worden seien. Fotos und zahlreiche Videos zeigten aufgereihte Leichen mit Schaum vor Mund und Nase und zumeist ohne sichtbare äußere Verletzungen. Viele von ihnen waren nicht oder nur leicht bekleidet. Die Symptome der Opfer reichten nach Aussagen eines Arztes von Bewusstlosigkeit über Schaum vor Nase und Mund, stark verengte Pupillen, Herzrasen bis hin zu Atemproblemen, die schließlich zum Ersticken führten.Syrian activists: Videos show chemical weapons used, CNN.com vom 21. August 2013, abgerufen am 27. August 2013 Die Organisation Ärzte ohne Grenzen berichtete ebenfalls vom massenweisen Auftreten typischer neurotoxischer Symptome, wie Krämpfen, stark verengten Pupillen und Atemnot. Die Patienten würden mit Atropin behandelt, das bereits vorsorglich von Ärzte ohne Grenzen an die Krankenhäuser verteilt worden war.
US-Regierung