Pančevo (, Aussprache: ; Pantschowa, ) ist eine Stadt mit 90.776 Einwohnern in der Vojvodina, Serbien. Sie liegt im südlichen Banat an der Mündung der Temesch in die Donau und ist 14 km nordöstlich von Belgrad (Pančevo-Brücke) entfernt. Pančevo ist die Hauptstadt vom Okrug Južni Banat und von der Opština Pančevo. Die Stadt ist in die acht Mesne zajednice – Centar, Gornji Grad, Kotež, Mladost, Stari Tamiš, Strelište, Tesla und Vojlovica – gegliedert.
Geschichte Urgeschichte bis Erster Weltkrieg Auf dem Stadtgebiet wurden Werkzeuge, Schmuck und Waffen aus der Steinzeit, Siedlungsreste und eine Begräbnisstätte (Urnenfelderkultur) aus der Bronzezeit, Siedlungsreste aus der Römerzeit und Münzen aus der Völkerwanderungszeit gefunden. Viele Fundstücke befinden sich heute im Nationalmuseum Pančevo.Felix Milleker: Geschichte der Stadt Pančevo. Wittigschlager, Pančevo 1925, S. 5–7.
Im Jahre 1153 wurde Pančevo vom arabischen Geografen Abu Abdullah Muhammad al-Idrisi unter dem Namen Bansif als bedeutende Handelsmetropole erwähnt. Unter Süleyman I. wurde nach der Belagerung Belgrads die Region von den Osmanen erobert und von 1552 bis 1716 war Pančevo als Sancak Pançova Teil des Eyâlet Tımışvâr. Im Jahre 1660 beschrieb Evliya Çelebi die Stadt als viereckige Feste aus Holz, deren Durchmesser hundert Schritte beträgt. Während des Venezianisch-Österreichischen Türkenkriegs wurde die osmanische Festung am 9. November 1716 von kaiserlichen Truppen unter Claudius Florimund Mercy erobert. Pančevo wurde zum Stützpunkt des kaiserlichen Heeres für den Angriff auf Belgrad. Eugen von Savoyen beaufsichtigte höchstpersönlich die provisorische Instandsetzung der beschädigten Feste und berichtete am 29. Mai 1717 Karl VI. über den viel besseren Verteidigungsstand.Felix Milleker: Geschichte der Stadt Pančevo. Wittigschlager, Pančevo 1925, S. 12–20.
mini|Österreichisches Staatsarchiv: Karte der Josephinischen Landesaufnahme (1769–1772) mini|Katholische Kirche St. Karl Borromäus, erbaut 1746–1747 mini|Stadthaus (heute Nationalmuseum), erbaut 1833–1834
Mit dem Frieden von Passarowitz kam das Banat zur Habsburgermonarchie. Es wurde als kaiserliches Kameralgut den Wiener Zentralbehörden (Hofkriegsrat und Hofkammer) unterstellt und von einer Landesadministration in Temesvár verwaltet. Pančevo wurde zum zeitweiligen Garnisonsort verschiedener Regimenter, u. a. vom Dragoner-Regiment Montecuccoli und vom Infanterie-Regiment von Neipperg. Unter Franz Anton von Engelshofen wurde die Festungsanlage großteils geschleift. 1764 begann unter Maria Theresia im südwestlichen Banat der administrative Aufbau und die organisierte Kolonisation eines Grenzregiments und seines Regimentsbezirks zum weiteren Ausbau der Militärgrenze. Auf Weisung des Hofkriegsrates vom Mai 1764 wurden für ein Ansiedlungs-Corps zuerst Veteranen aus den Aerarial-Invalidenhäusern von Wien, Prag, Pest und Pettau ausgewählt. Eine militärische Ansiedlungskommission konskribierte die für die Ansiedlung vorgesehenen Orte. Laut Kommissionsbericht vom Dezember 1764 gab es in Panczova 564 raizische Familien und 203 Häuser, davon wurden 169 als bewohnbar klassifiziert. Die Stadt wurde im Bericht in den westlichen Teil Deutsch-Panczova und in den östlichen Teil Raizisch-Panczova eingeteilt. Im westlichen Teil waren nur 21 Häuser bewohnbar und im östlichen Teil 148. Im Bericht wurden keine deutschen Einwohner erwähnt. Die slawischen Einwohner konnten sich bei dieser Konskription für den Militärdienst oder für eine finanziell entschädigte Umsiedlung mit zugebilligter dreijähriger Abgabenfreiheit entscheiden. 309 Familien entschieden sich für die Umsiedlung nach Jarkovac, Ilandža, Dobrica und Banatsko Novo Selo. Im April 1765 berichtete die Kommission dem Hofkriegsrat, dass die Ansiedlung von zwei Kompanien mit 400 Veteranen in Panczova abgeschlossen war und nur jene Raizen von hier abgegangen seynd, die an ihren Häusern nicht villes zu verlihren gehabt haben. Etwa die Hälfte der Soldaten war verheiratet und hatte Kinder. In den ersten Jahren lebten in einem Haus zwei bis drei Familien als eine sogenannte Hauskommunion zusammen. Bis April 1769 war der Häuserbestand durch Renovierung vorhandener Häuser und den Neubau auf 265 Häuser angewachsen. 1770 begann die bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts anhaltende Ansiedlung weiterer Familien aus dem Elsass, aus Lothringen, aus Baden, der Pfalz, aus Franken, aus Böhmen und Mähren, aus Niederösterreich, aus verschiedenen ungarischen Komitaten und Regimentsbezirken der Militärgrenze. Die ersten Ansiedler kamen 1770 über Anwerbung der kaiserlichen Werbungs-Direction auf Ulmer Schachteln von Ulm der Donau entlang nach Apatin und weiter nach Pančevo. Von den ca. 1100 Familien blieb weniger als die Hälfte in der Region. Sie waren von 1770 bis 1777 in provisorischen Unterkünften im Prädium Govedarovacz bei Jabuka untergebracht.Felix Milleker: Geschichte der Stadt Pančevo. Wittigschlager, Pančevo 1925, S. 23. Erik Roth: Die planmäßig angelegten Siedlungen im Deutsch-Banater Militärgrenzbezirk 1765–1821. Oldenbourg, München 1988, ISBN 3-486-54741-0, S. 45–70 u. 348. Széchényi-Nationalbibliothek: Plan von Panschowa 1720. Detailansicht der Stadt auf der Karte der Franziszeischen Landesaufnahme.
Im Jahre 1722 gründeten die Minoriten in der Stadt ein Kloster und richteten als Militärseelsorger eine provisorische Kirche in einem Wohnhaus ein. Von 1746 bis 1747 wurde die römisch-katholische Kirche St. Karl Borromäus erbaut, erst 1768 der Kirchenbau mit einem Turm erweitert. Die Ordensgemeinschaft bestand 1733 aus fünf Mönchen als Adalbert von Falkenstein das Kloster und die Pfarre visitierte. Bis 1918 gehörte die Pfarrei zur Diözese Csanád. Von 1807 bis 1810 wurde die orthodoxe Kirche Maria Himmelfahrt erbaut.Felix Milleker: Geschichte der Stadt Pančevo. Wittigschlager, Pančevo 1925, S. 26, 31, 45 u. 90.
Am 1. Januar 1794 erhielt Pančevo von Franz II. per Dekret das Stadtrecht. Die beiden Gemeinden Deutsch- u. Raitzisch-Panczova wurden zu einer Militärkommunität vereinigt. Im Oktober 1817 besuchte der Kaiser mit seiner Gattin die Stadt. Von 1833 bis 1834 wurde das Stadthaus (Magistrat) im klassizistischen Stil erbaut, in dem heute das Nationalmuseum (Narodni Muzej) untergebracht ist. Im April 1839 besuchte Miloš Obrenović die Stadt und wurde vom Magistrat mit allen Ehren begrüßt. Am 15. März 1844 fuhr erstmals ein Dampfschiff von Semlin nach Pančevo. Im Jahre 1850 baute die Erste Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft den Kai an der Temesch und nahm den täglichen Linienverkehr nach Zemun auf. Im Juli 1852 trafen Franz Joseph I. und Aleksandar Karađorđević in der Stadt aufeinander. Nach Auflösung der Militärgrenze 1872 wurde Pančevo die Hauptstadt des Verwaltungsbezirks Pantschowa (Pancsovai járás, Stuhlbezirk Pantschowa) des Komitats Torontál. Im Jahre 1887 erhielt die Stadt die erste kommunale Gasbeleuchtung. Aufgrund des ungarischen Reichstagsgesetzes von 1898 über die Gemeinde- und Ortsnamen durfte bis 1918 nur mehr die ungarische Variante Pancsova offiziell verwendet werden. Im Jahre 1902 wurde in der Stadt eine Katastralvermessung durchgeführt und Katasterpläne angefertigt.Felix Milleker: Geschichte der Stadt Pančevo. Wittigschlager, Pančevo 1925, S. 62, 83, 101, 138, 204 u. 227. Österreichische Nationalbibliothek: Die Presse, 14. Juli 1850 Luka Iliċ: Historische Skizze der kaiserlich königlichen Militär-Communität Pantschowa. Siebenhaar Verlag, Pantschowa 1855, S. 37 u. 45. Országgyűlési Könyvtar: Pancsova 1902
Am Ende des Ersten Weltkriegs besetzte die serbische Armee bereits fünf Tage nach dem österreichisch-ungarischen Waffenstillstand vom 3. November 1918 die Stadt und die Region.Felix Milleker: Geschichte der Stadt Pančevo. Wittigschlager, Pančevo 1925, S. 229. In den Verträgen von Trianon und Sèvres wurde 1920 das Komitat Torontál aufgeteilt. Ab 1921 gehörte die Stadt und der Srez Pančevo zum Verwaltungsbezirk Belgrad (Beogradska oblast) des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen, seit 1929 zur Donau-Banschaft.
Pančevo im Zweiten Weltkrieg mini|Konzentrationslager Svilara 1941 mini|Alte Bahnstation an der Temesch
Am 6. April 1941 begann der Angriff auf Jugoslawien. Am 11. April 1941 marschierten Einheiten der Division Großdeutschland in Pančevo ein. Am 21. und am 22. April 1941 wurden, nachdem 9 Mitglieder der paramilitärischen Einsatzstaffel der Deutschen Mannschaft der Volksgruppenführung und ein Schütze der SS-Division „Reich“ von weiterhin Widerstand leistenden Soldaten des jugoslawischen Infanterieregiments Nr. 98 getötet worden waren, insgesamt 36 willkürlich verhaftete Serben ermordet. Am 21. April wurden 4 Personen erschossen. Am nächsten Tag wurden im alten orthodoxen Friedhof der Stadt 18 Personen gehängt und 14 an der äußeren Friedhofsmauer von einem Sonderkommando der Division Großdeutschland erschossen.Walter Manoschek: Du – Strick! Du – Kugel! Pancevo, April 1941. In: Die Zeit, 8. Juli 1999.Walter Manoschek: Die Massaker in Pančevo und Kragujevac im Herbst 1941. Zur deutschen Repressionspolitik gegenüber der Zivilbevölkerung im besetzten Serbien, in: Oliver von Wrochem (Hrsg.): Repressalien und Terror : "Vergeltungsaktionen" im deutsch besetzten Europa 1939-1945. Paderborn: Ferdinand Schöningh, 2017, ISBN 978-3-506-78721-7, S. 89–102
Im Juni 1941 wurde in der Seidenfabrik Svilara ein nationalsozialistisches Konzentrationslager für jüdische Häftlinge mit volksdeutscher Wachmannschaft eingerichtet.Arnold Suppan: Hitler – Beneš – Tito. Konflikt, Krieg und Völkermord in Ostmittel- und Südosteuropa. Teil 2. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2014, ISBN 978-3-7001-7309-0, S. 1059. Ekkehard Völkl: Der Westbanat 1941–1944. Die deutsche, die ungarische und andere Volksgruppen. Trofenik, München 1991, ISBN 3-87828-192-7, S. 85. Kurir, 9. Februar 2015: Picerija na mestu logora za Jevreje u Pančevu! Mondo Portal, 9. Februar 2015: Picerija u zgradi bivšeg nacističkog logora
Am 28. September 1944 ermordeten Mitglieder der paramilitärischen Volksgruppenformation Deutsche Mannschaft 146 Häftlinge, die vom Zwangsarbeitslager Bor nach Nordwesten getrieben worden waren. Die Häftlinge wurden nach einem Fluchtversuch im Kleinen Ried an der Straße nach Jabuka ermordet.Randolph L. Braham: The Politics of Genocide. The Holocaust in Hungary. Band 1. Columbia University Press, New York City 1981, ISBN 0-231-05208-1, Seite 336; Ljubiša Ivanovski: Jabuka kroz vekove. Qubesoft, Pančevo 2011, ISBN 978-86-87881-04-4, S. 41.