mini|hochkant=1.5|Männerparka der Qikirtamiut aus ungerupftem Eiderentenfell, Belcherinseln, Kanada, aus dem Jahr 1914, ausgestellt im Royal Ontario Museum

Als Vogelfell wird in der Pelzwirtschaft die abgezogene, befiederte Haut eines Vogels bezeichnet. In den letzten Jahrzehnten fand jedoch eine Verwendung von Vogelfellen bei der Herstellung von Kleidung nicht mehr in merklichem Umfang statt. Bereits 1970 wurde ihre Nutzung als „nur noch verhältnismäßig selten als Garnitur für Morgenröcke oder Festkleidung von Teenagern“ erwähnt.

Vogelfelle können, wie Säugetierfelle, durch Gerben haltbar gemacht werden, galten aber als „ein wenig dauerhaftes Pelzwerk“. Infrage kamen nur solche Arten, die über ein volles und gut ausgebildetes Brust- und Bauchgefieder verfügen, denn dieses „hält warm, ist geschmeidig, leicht und seidenweich und spricht zudem mit seinem weißen oder doch lichten Farben voll hohen Glanzes sehr an“. Im Gegensatz zur Gewinnung fast aller Säugetierpelze wurden Vogelfelle am Rücken aufgeschnitten, um die bessere Bauchseite zu schonen.

Da die Feder als Wärmeisolator dem Haar bedeutend überlegen ist, wurden Federfelle in extrem kalten Gegenden, trotz der geringen Haltbarkeit, selbst dort genutzt, wo Pelztiere in reichem Umfang vorhanden waren. Insbesondere in Küstengebieten und auf den Inseln des hohen Nordens war dies schon „frühzeitig“ der Fall, wo neben Vögeln auch Seehunde, Polarfüchse, Eisbären und andere Säugetiere für die Gewinnung von Pelzen bejagt wurden. Lieferanten der Vogelfelle waren vor allem Eiderenten, Grebes, Gänse, Möwen und Schwäne.

Ganz besonders zwischen etwa 1840 und 1890 wurden in den Städten Europas und Nordamerikas die Felle einiger Vogelarten in nennenswertem Umfang von Kürschnern zu Kleidungsstücken verarbeitet. Junge Damen trugen seinerzeit eine Garnitur, bestehend aus einem Barett, einem dazu passenden kleinen Muff und einer schmalen Krawatte aus dem weißglänzenden, an den Seiten ins Blaugraue oder Rotbraune verlaufenden Brust- und Bauchgefieder des Haubentauchers (seinerzeit ‚Haubensteißfuß‘ genannt).

Seit der Entstehung der modernen Biologie am Ende des 18. Jahrhunderts werden befiederte Vogelhäute, die auch Vogelbälge genannt werden, von biologischen Präparatoren konserviert und teils zu Ganzkörperpräparaten für Forschungs- und Lehrzwecke weiterverarbeitet. Vogelbälge sind in der Ornithologie eine wichtige Informationsquelle für die Artbestimmung und -definition. Daneben dienen „ausgestopfte Vögel“ zur Dekoration.

Geschichte Wurde im Mittelhochdeutschen neben Pelz (belz, bellez, belliz) das Wort Feder (veder) gebraucht, handelte es sich nicht um Flaum, wofür es angebracht wäre, sondern um weiches Pelzwerk. Man findet sowohl „ein veder wîzer dan ein swân“ wie „ein veder hermin“ (= Hermelin).Eva Nienholdt: Pelz in der Tracht des frühen und hohen Millelalters. Kapitel II der Beitragsfolge: Pelz in der europäischen Kleidung - Vorgeschichtliche Zeit bis zur Gegenwart. In: Das Pelzgewerbe 1955 Nr. 3, Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig, S. 91.

Im Eremitage Museum Sankt Petersburg befindet sich eine 60 Zentimeter lange und 30 Zentimeter breite Schürze aus Vogelfellen aus Burjatien [Buryat], Sibirien, die laut Gorbatcheva/Federova auf das erste Jahrhundert vor Christus datiert wurde.Valentina Gorbatcheva, Marina Federova: Die Kunst Sibiriens (Kunst in Sibirien). Parkstone Press International, New York 2008, S. 138–139. ISBN 978-1-84484-564-4. → Abbildung in der englischen Werkausgabe

Der deutsche Gelehrte Adam Olearius gab 1647 eine Beschreibung der muscowitischen und persischen Reise heraus. Die 2. Ausgabe erweiterte er mit einem ganzen Kapitel über die Eskimos, ihre Kleidung, Gewohnheiten, Sprache, ihr Gewerbe usw. Seine gründliche Darstellung ist die erste eingehende Schilderung der Grönländer und ihrer Lebensweise: „Was ihre Kleider anbelangt, so sind sie aus Seehund und Rentierfell, dessen Haardecke wie bei den Samojeden nach außen gekehrt ist, hergestellt. Innen sind sie mit Vogelfell gefüttert, besonders von Schwänen, wilden Gänsen, Enten und Möwen. Im Sommer werden auch die Federn nach außen gekehrt“.Adam Olearius (1603–1671): Drei Eskimos auf Besuch in Schleswig In: Sleswigland, 1985, Ausgabe 5.

Im südlichen Grönland tragen die Männer der Inuit seit alters her einen langen Pelz um den Oberkörper, den sogenannten Timiak, der meistens aus Fellen der Eiderente genäht wird. Die starren Deckfedern werden dafür ausgerupft, so dass nur die weichen Daunen erhalten bleiben. Diesen Hemden war eine mit Hundefell eingefasste Kapuze angesetzt. Fridtjof Nansen schrieb, dass auch die Felle von Kormoranen genutzt wurden, sowie bei der Seefahrt in den Kajaks vorwiegend solche von nordischen Dohlenarten. Von den in den südlichen Meeren die Schiffe begleitenden Albatrossen wurde berichtet, dass die Matrosen sie häufig fingen, um sich aus den Fellen wärmende Decken zu machen. Eine ähnliche Verwendung fanden in Norwegen und Schweden früher auch die gerupften Felle der meist lebhaft gefärbten Eiderenten.Fridtjof Nansen: Eskimo Life. Cambridge University Press, 27. Juni 2013. Abgerufen am 1. April 2015. Felle von Eiderenten, Lummen und anderen Vögeln wurden von den Eskimos für Strümpfe und Überziehslipper benutzt, wenn keine Karibufelle verfügbar waren. Slipper aus Vogelfellen erfordern nur wenig Näharbeit. Vogelfellmützen wurden unter anderem auf der Québec-Labrador-Halbinsel getragen, wo Inuit und Innu (Naskapi- und Montagnais-Indianer) zusammenleben.Valeria Alia: Kunst und Kunsthandwerk in der Arktis. In: Wolfgang R. Weber: Kanada nördlich des 60. Breitengrades. Alouette Verlag, Oststeinbek 1991, ISBN 3-924324-06-9, S. 102.

Die Sehnen zum Nähen der Kleidung bewahrten die Eskimos häufig in einem Beutel aus einem Vogelbalg auf, Anfang der 1990er Jahre war dies noch bei einigen Frauen der Sanikiluaq in Gebrauch. Dafür wurde einem Eistaucher die Haut abgezogen, die dann wie ein Schlauch aussah. Die Bein- und Flügellöcher wurden zugenäht. An der verbliebenen Öffnung wurde als Abschluss ein Stück Robbenfell oder Stoff angenäht. Der Sehnenbeutel wurde mit den Federn nach innen verwendet, er schütze die Sehnen vor dem Austrocknen und Hartwerden.

Von den Samojeden im westlichen Sibirien heißt es 1776: Die Winterkleider sind gewöhnlich von Renthierfellen, Fuchs oder anderem Pelzwerk, meistens mit weißem, langhaarigem Pelzwerk von Hunden oder Wolfsbäuchen verbremet, theils auch von den Bäuchen der Taucher und anderen Wasservögel, immer übereinandergeschlagen, die Haare oder Federn nach außen und mit einem Gürtel um den Leib befestigt. Die Federkleider sowie die Pelzkleider einiger oft nach jakutischer Weise mit gefärbten langen Haaren befranget und auf Nähten besetzt.Dr. Eva Nienholdt: Männerpelze in den Volkstrachten. In: Das Pelzgewerbe Jg. XVII / Neue Folge 1966 Nr. 3, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin u. a., S. 131–133. Primärquelle für die Pelze der Samojeden: Beschreibung aller Nationen des russischen Reiches, 1776.

Auch von den Azteken ist die Verwendung von Vogelpelzen bekannt.Georg Ebert: Die Entwicklung der Weißgerberei. U. Deichertsche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1913, S. 14. Nach: Biart: Les Aztèkes Histoire, Moeurs, Costumes par lucien Biart. Bibliotheque Ethnologique, Paris 1885, S. 212.

Anders als die Bewohner kalter Gegenden, wie Eskimos und Feuerländer, die ihre Federkleidung wegen der besseren Wärmewirkung stets nur aus ganzen Fellen fertigten, wurden die teils prächtigen Federkleider der Südseebewohner nicht aus Vogelfellen gearbeitet, sondern aus ausgerupften Flügelfedern gewebt.The American Museum of Natural History : An introduction. 1972. Zuletzt abgerufen am 25. September 2015.

Für Deutschland wird in einer Beschreibung der verschiedenen Berufe von 1762 zwar aufgeführt: „Die Materialien des Kirschners kommen aus dem so weitleuftigen Thierreiche her, mit der Einschränkung, dass er allein die haarigen vierfüssigen Thiere daraus gebraucht“, einige Seiten später sind jedoch als „vornehmste Felle“ die Schwanenfelle erwähnt, aus denen man „Frauensmuffen“ macht. Auch werden dort weitere Vogelarten erwähnt.Der Kirschner, in: J. S. Halle: Werkstätten der heutigen Künste, Berlin 1762, siehe S. 313, S. 308, S. 321. In Holland, wo die schönsten Schwanenfelle herkamen, beschäftigte sich noch in den 1920er Jahren eine eigene Industrie mit der Gewinnung der Schwanenfelle und der Produktion von Schwanenfellbesätzen.

mini|Marlene Dietrich im „Schwanenpelz“ (1960)

In Skandinavien wurden die Felle junger Eidergänse und Eiderenten „zu schönen Decken in allen Formen zusammengestellt, denen man noch zur Verschönerung und Vervollständigung Kanten von besonders farbenprächtigen Vogelarten anfügt und welche Decken besonders von den, den hohen Norden besuchenden Fremden gern gekauft werden“ (1895). Der Kürschner Hanicke schrieb damals, dass in derselben Manier auch die Vogelhälse der sogenannten Flossentaucher und die prächtig grünschimmernden Kormorane, die Pinguine, sowie die sogenannten schwarzblauen Trauergrebesse oder Trauerenten verarbeitet wurden.

In der westlichen Mode wurden Vogelfelle hauptsächlich für Kleinteile, wie Muffe, Schals, Verbrämungen von Kleidung und Kopfbedeckungen sowie für Kragen und Besätze eingesetzt. In der Kindermode spielten sie in gleicher Verwendung zeitweilig eine recht bedeutende Rolle. Im 19. Jahrhundert wurden häufig auch kleine Damencapes daraus gefertigt. Als die Mode Ende des Jahrhunderts längere und bauschigere Capes bevorzugte, wurden Vogelfelle dafür weniger genutzt, weil auch Capes aus den Fellen des Grebes zu schwer und nicht gefügig genug ausgefallen wären.

Mitte der 1950er Jahre trat Marlene Dietrich in London in einem transparenten Chiffonkleid auf, das über und über mit Rheinkiesel und anderem Strass bestickt war; darüber eine gewaltige Stola aus Schwanenpelz von Christian Dior.Marie Louise Steinbauer, Rudolf Kinzel: Marie Louise Pelze. Steinbock Verlag, Hannover 1973, S. 189–190. Als sie dann im Jahr 1960 zum ersten Mal nach ihrer Emigration wieder nach Deutschland kam, trug sie bei einer Vorstellung im West-Berliner Titania-Palast einen vielbeachteten „Schwanenpelz“, „aus 5000 Schwanendunen“ gearbeitet.http://www.marlenedietrich-filme.de:/ Sabina Lietzmann: Wiedersehen mit Marlene. Aus Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 5. Mai 1960. Abgerufen am 26. März 2015.https://www.youtube.com/ Marlene Dietrich im Schwanenpelz, live in Stockholm. Abgerufen am 26. März 2015. Auch dieser Mantel besteht nicht aus einzelnen Daunen, sondern ist aus gerupften Vogelfellen und Stoff hergestellt.Auskunft Barbara Schröter, Stiftung Deutsche Kinemathek (SDK) Museum für Film und Fernsehen Außenstelle Berlin-Marienfelde vom 18. April 2017. Nach einem Eierwurf auf ihre Person antwortete sie einem Reporter auf die Frage, ob sie Angst vor einem Anschlag hätte: „Angst? Nein, ich habe keine Angst. Nicht vor den Deutschen, nur um meinen Schwanenmantel, aus dem ich Eier- oder Tomatenflecken kaum herausbekommen würde, um den habe ich etwas Angst.“

Weniger spektakulär und bekannt geworden ist der Schwanenpelz der Clara Schumann. Das inzwischen stark lädierte Cape der deutschen Pianistin und Komponistin, Ehefrau des Komponisten Robert Schumann, befindet sich heute im Düsseldorfer Heinrich-Heine-Institut.