Das Kloster Maria Münster (auch: Nonnenmünster) war eine Zisterzienserinnen-Abtei bei Worms.
Geografische Lage Das Kloster lag im Süden der Stadt Worms, innerhalb des äußeren Mauerrings und in dessen südwestlicher Ecke. Sein Gelände grenzte direkt an den östlichen Abschnitt der Mauer zwischen Aulturm, dem südöstlichen Eckturm der Befestigung, und dem nächst nördlich gelegenen TurmDie Benennung dieses Turms ist nicht bekannt.. Das Klostergelände durchfloss ein vom Eisbach abgeleiteter Wasserlauf in zwei Kanälen, der zwischen den beiden Türmen mit einem Durchlass auch die Stadtmauer Richtung Rhein unterquerte.Kleinjung / Schmidt / Untermann, S. 601. Die Menge des Wassers, die das Kloster dafür entnehmen durfte, war exakt festgelegtKleinjung / Schmidt / Untermann, S. 596. und beruhte auf einer angeblich von 1016 stammenden Urkunde, die um 1140 zugunsten des Klosters gefälscht wurde.Kleinjung / Schmidt / Untermann, S. 598.
Die von Worms nach Speyer verlaufende Römerstraße verließ die Stadt in südliche Richtung durch die Pfauenpforte und zielte ursprünglich direkt auf das Kloster. Anlässlich dessen Erweiterung 1275 wurde ihr Verlauf im Bereich des Klosters westlich darum herumgeführt.Kleinjung / Schmidt / Untermann, S. 602. Beiderseits der Straße erstreckte sich – wie üblich bei Straßen, die eine römische Stadt verließen – ein Friedhof, der auch in christlicher Zeit weiter genutzt und erst 1811 geschlossen wurde.Eugen Kranzbühler: Worms und die Heldensage. Worms 1930, S. 89. Auf diesem Friedhof befand sich ein Grabhügel, der im Mittelalter als Siegfried-Grab, das Grab Siegfried des Drachentöters, galt. Hier ließ Kaiser Friedrich III. am 12. April 1488 eine „archäologische“ Ausgrabung durchführen.Webseite zum angeblichen Siegfriedgrab bei Maria Münster Unmittelbar südlich und östlich der Kirche befand sich ein ummauerter Bereich, der Friedhof für die Nonnen.Kleinjung / Schmidt / Untermann, S. 608.
Bezeichnung Nach 1236 war die übliche Bezeichnung für das Kloster Nonnenmünster, ab der Mitte des 16. Jahrhunderts setzte sich der Name Mariamünster durch.Kleinjung / Schmidt / Untermann, S. 584, 588.
Geschichte Gründung Das Kloster soll bereits 838 als ein dem Bistum Worms zugehöriges Frauenstift von Kaiser Ludwig dem Frommen (813–840) gestiftet worden sein, nachdem er in Worms ein Erdbeben mit großen Zerstörungen und vielen Opfern miterlebt habe.Philipp A. Pauli: Geschichte der Stadt Worms, Worms 1825, Seite 120; (Digitalscan) Dafür gibt es allerdings keinen älteren Beleg und die Geschichte ist erst in der Kirschgartener Chronik aus der Zeit um 1500 niedergeschrieben.Kleinjung: Frauenklöster, S. 33.
Die älteste erhaltene schriftliche Erwähnung von Maria Münster stammt aus der Vita BurchardiVita Burchardi episcopi Wormatiensis. In: ; Vita Burchardi, hg. v. Heinrich Boos, Quellen zur Geschichte der Stadt Worms, Berlin 1893, Bd. 3, 99–126., die um 1030 entstand. Darin wird 1016 als das Jahr genannt, in dem Bischof Burchard von Worms das Kloster als Damenstift neu organisiert und seine Schwester Mathilde als Äbtissin eingesetzt habe.Kleinjung / Schmidt / Untermann, S. 585. Es war damals das einzige Frauenkloster in Worms.Kleinjung: Frauenklöster, S. 35. Die Ordenszugehörigkeit des frühen Stifts ist unklar. Die Angaben früher Chronisten, dass das Stift nach der benediktischen Regel organisiert war, widerspricht den überlieferten Quellen.Kleinjung / Schmidt / Untermann, S. 590. Es blieb eng mit den Bischöfen, dem Domstift und dem Stiftsklerus verbunden, hatte mit den umfangreichsten Grundbesitz unter den zahlreichen klösterlichen Gemeinschaften in Worms und galt als den Männer-Stiften durchaus ebenbürtig.Kleinjung / Schmidt / Untermann, S. 586.
Zisterzienserinnen Ende des 12. Jahrhunderts geriet die Lebensform von Stiftsfrauen („Kanonissen“) in eine Krise, da die strengere Lebensform der Zisterzienserinnen gesellschaftlich höheres Ansehen genoss. 1233 forderte Papst Gregor IX. den Metropoliten, Erzbischof Siegfried III. von Mainz, auf, das Kloster zu reformieren. Da offensichtlich nichts geschah, erteilte er 1236 dem Wormser Bischof, Landolf von Hoheneck, den Auftrag, den dieser gegen den Widerstand der Stiftsdamen und ihrer Seelsorger gewaltsam durchsetzte. Die Äbtissin, eine Nichte des Bischofs, sperrte dieser, nachdem sie angeblich einen Mordanschlag auf ihn verübt hatte, auf Burg Stein ein.Kleinjung: Frauenklöster, S. 47. Der Bischof verordnete der Gemeinschaft die zisterziensische Regel. 1244 wurde das Kloster vom Generalkapitel in den Zisterzienser-Orden aufgenommenKleinjung / Schmidt / Untermann, S. 586., dem Kloster Eberbach im Rheingau unterstelltKleinjung / Schmidt / Untermann, S. 585., aber die Aufnahme erst 1302 ausdrücklich bestätigt.Kleinjung / Schmidt / Untermann, S. 586. Bischof Landolf wurde 1247 in der Kirche von Maria Münster beigesetzt.Wilhelm Arnold: Wormser Chronik von Friedrich Zorn, Stuttgart, 1857, Digitalscan
1257 wurde das Kloster erweitert, 1253 die Pfarrei und die benachbarte Pfarrkirche St. Cäcilia inkorporiert.Kleinjung / Schmidt / Untermann, S. 586. Vom 13. bis zum 15. Jahrhundert kam es immer wieder zu Streitigkeiten mit der Stadt über Ungeld, Weinausschank und Fragen der Bauunterhaltungspflicht des Klosters, insbesondere der Stadtmauer.
Weitere Reformversuche 1446 betrieb Pfalzgraf Ludwig IV. die Reform des Klosters, indem er ihm die Aufsicht durch die Äbte der unter pfälzischem Einfluss stehenden Klöster Maulbronn und Otterberg aufzudrängen suchte. Die Nonnen widersetzten sich zusammen mit dem Abt des Klosters Eberbach und dem Erzbischof von Mainz der Reform und blieben erfolgreich. Der Streit wurde durch eine Bulle des Papstes Nikolaus V. vom 19. März 1447 beendet, der dem Abt von Erbach das alleinige Recht zur geistlichen Aufsicht über Nonnenmünster zusprach.Kemper, S. 35. 1459 kam es dann zu einer „kleinen Reform“ bei der einige Regeln verschärft wurden.Kleinjung / Schmidt / Untermann, S. 587, 600.
Im Zuge der Reformation versuchte die Stadt Worms, deren bürgerliche Führungsschicht sich der Reformation anschloss, auch das Kloster auf die Seite der Reformation zu ziehen. Instrumente dafür waren die Vertretungsrechte, die die Stadt mit der Vogtei und der Pflegschaft für das Kloster wahrnahm. Zwar bestätigte Kaiser Karl V. 1545 die Rechte des Klosters gegenüber der Stadt. Diese setzte aber 1566 einen evangelischen Prediger für das Kloster ein, beschlagnahmte dessen Archiv und Wertgegenstände und wollte das Kloster säkularisieren. Bischof Dietrich II. von Bettendorf appellierte dagegen an das Reichskammergericht, Kaiser Maximilian II. schritt daraufhin zugunsten des Klosters ein und die Stadt musste den Versuch aufgeben. Kaiser Rudolf II. regelte 1577 den Schutz des Klosters neu: Dieser wurde nun den Bischöfen von Speyer, Worms und dem Erzbischof von Mainz gemeinsam anvertraut. Das Verhältnis zwischen Kloster und Stadt blieb aber bis zu dessen Ende gespannt. Kontinuierlich stritten die Parteien über zahlreiche Fragen, in denen es im Kern meistens um wirtschaftliche Vorteile ging.Kleinjung / Schmidt / Untermann, S. 588.
Die letzten Jahrhunderte Im Dreißigjährigen Krieg litt das Kloster schwer unter der Einquartierung schwedischen Militärs und die Stadt versuchte erneut, das Kloster in ihren Besitz zu bringen, was aber scheiterte. Dagegen versuchten die Nonnen vergeblich, sich gegen die dort inzwischen residierenden Augustinerchorherren in den Besitz der Güter des ehemaligen Zisterzienserklosters Kirschgarten zu setzen. Auch das scheiterte. 1644 schienen sie erfolgreich mit der Übernahme des Klosterbesitzes des aufgegebenen Prämonstratenserinnen-Klosters Gommersheim. Allerdings verloren sie diesen Besitz schon vier Jahre später an die Kurpfalz.Kleinjung / Schmidt / Untermann, S. 588.
Als Worms 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg durch Truppen König Ludwig XIV. zerstört wurde, kam das Kloster einigermaßen glimpflich davon. Das Kloster selbst blieb weitgehend verschont, erlitt aber an anderer Stelle Schäden in Höhe von 23.000 Gulden.Kleinjung / Schmidt / Untermann, S. 588. Allerdings erholte sich die wirtschaftliche Lage des Klosters im Laufe des 18. Jahrhunderts, an dessen Ende es mit einer guten wirtschaftlichen Bilanz dastand.Kleinjung / Schmidt / Untermann, S. 589.
Als die Franzosen im Ersten Koalitionskrieg die Rheingegend überfielen, legte General Adam-Philippe de Custine 1792 dem Wormser Fürstbischof eine Kontribution von 400.000 Livres auf. Da die Summe nicht sofort aufgebracht werden konnte, nahm er 14 Personen als Geiseln, darunter auch zwei Nonnen und den Propst von Maria Münster.Varrentrapp und Wenner: Statistisch-politische Briefe über Deutschland von einem ausgewanderten Franzosen an seinen Bruder in Paris, Band 3, Seite 81, Frankfurt am Main, 1793; (Digitalscan) Die übrigen Nonnen flohen daraufhin nach Mannheim. Nach dem Abzug der Franzosen im März 1793 kehrten sie zurück, mussten aber 1794 erneut fliehen. Nach einem weiteren Rückzug der Franzosen kehrten sie wieder in die nun beschädigte und inzwischen zum Teil auch fremdgenutzte Anlage zurück, mussten aber erneut vor den wieder anrückenden Franzosen auf das rechte Rheinufer zurückweichen. In den letzten Jahren des Bestehens verfiel die Kloster-Wirtschaft unter der Überbeanspruchung durch die Kriegskosten zunehmend. Im Sommer 1802 wurde das Kloster aufgrund des Säkularisationsdekrets der französischen Verwaltung endgültig geschlossen. Es hatte zu diesem Zeitpunkt noch 23 Schwestern.Kleinjung / Schmidt / Untermann, S. 589.
Nachnutzung Zunächst wurde in den Klostergebäuden ein Hospital untergebracht und 1806 eine Kavalleriekaserne. 1807 wurden Wirtschaftsgebäude und Gärten in private Hand verkauft. 1810 fiel die Anlage an die Stadt, die sie aber weiter als Kaserne zur Verfügung stellen musste, auch nachdem Worms zum Großherzogtum Hessen gehörte.Kranzbühler, S. 107. 1822 begann der Abbruch der Kirche, das Abbruchmaterial wurde wiederum zum Kasernenbau verwendet. 1826 wurde vergeblich versucht, das Kloster insgesamt zu versteigern, so dass in den Folgejahren einzelne Gebäude auf Abbruch versteigert wurden.Kleinjung / Schmidt / Untermann, S. 590. Einige verbliebene Gebäude wurden in den 1840er Jahren als Pulvermagazin genutzt.Kranzbühler, S. 108. 1853 kaufte Cornelius Heyl das Gelände für seine Lederwerke, die dort für ein Jahrhundert das Werk Maria Münster betrieben.Ferdinand Werner: Die Wormser Industriellenfamilie von Heyl: öffentliches und privates Wirken zwischen Bürgertum und Adel, 2010, Seiten 343 und 344, ISBN 3-88462-304-4; (Ausschnitte aus der Quelle) Heute ist von den Klosterbauten nichts mehr erhalten.
Das Hofgut des Klosters in Laumersheim, das Nonnengut, wurde 1825 versteigert.Intelligenzblatt des Rheinkreises, Nr. 262, Speyer, 2. November 1825; (Digitalscan mit Beschreibung des Gutes)
Organisation
Das Kloster verstand sich ab 1236 als Zisterzienserinnenkloster. Die formale Bestätigung erfolgte aber erst 1302, nachdem die Äbtissin den Abt von Cîteaux darum gebeten hatte. Dieser zeigte sich verwundert, weil auch er davon ausgegangen war, dass das schon längst geschehen sei. Die Bestätigung erfolgte sofort und Nonnenmünster war nun der Abtei Clairvaux zugeordnet.Kleinjung / Schmidt / Untermann, S. 590. Es war dem Abt des Klosters Eberbach („Vaterabt“) unterstellt, der die Äbte der näher gelegenen Klöster Otterberg und Schönau mit der Aufsicht beauftragte.Kleinjung / Schmidt / Untermann, S. 590.
Die Vogtei über das Kloster wurde Bischof Landolf 1237 von Kaiser Friedrich II. übertragen und vom Bischof 1242 als Lehen an die Stadt Worms weitergegeben.Kleinjung / Schmidt / Untermann, S. 592.
An der Spitze des Klosters stand eine Äbtissin. Sie wurde vom Konvent gewählt und der Abt des Klosters Erbach musste sie bestätigen.Kleinjung / Schmidt / Untermann, S. 591. Als Äbtissinnen sind überliefertSoweit nicht anders angegeben, stammen die Daten bis 1482 aus Kleinjung: Frauenklöster, S. 291–293, danach aus Kleinjung / Schmidt / Untermann, S. 591.