mini|Überhöhung x eines Einfeldträgers nach der Herstellung (oben) und Ausgleich der Durchbiegung aus einer definierten Last durch die Überhöhung: Im belasteten Zustand ist der Träger gerade (unten). Als Überhöhung wird im Tragwerksbau das Maß einer Vorverformung bezeichnet, die ein Bauteil absichtlich bei der Herstellung erhält, um z. B. nach Abschluss des Baus die Durchbiegungen aus ständigen Lasten zu kompensieren.

Definitionen Die Überhöhung wird oftmals definiert als der maximale vertikale Abstand zwischen: der Lage der Stabachse des gewichtslosen unbelasteten Bauteils und der Lage der ebenen Stabachse. Es gibt aber auch andere Definitionen, insbesondere wenn man von „bleibender Überhöhung“ oder von der Überhöhung eines gebogenen Trägers spricht.

Notwendigkeit Besonders bei schlanken Trägern und Platten führen oft allein die Eigenlasten des Tragwerkes dazu, dass die Bauteile sichtbar durchbiegen und damit von der planmäßigen Lage abweichen. Um das Maß der Durchbiegung zu begrenzen, müssen daher schlanke Bauteile in der Tragwerksplanung oft stärker dimensioniert werden als für die Tragfähigkeit notwendig wäre. Man spricht in dem Fall von einem Gebrauchstauglichkeitsnachweis.

Ein sich durchbiegender Träger oder sichtbare Risse zufolge Deformationen einer Deckenplatte werden vom Menschen als unsicher empfunden, selbst wenn dies aus technischer Sicht nicht zwingend der Fall ist. Des Weiteren können zu große Durchbiegungen dazu führen, dass Einbauten wie Trennwände oder Glasscheiben unterhalb der Decke oder des Trägers nicht mehr planmäßig ausgeführt werden können. In solchen Fällen führt eine Überhöhung während des Baus dazu, dass nach der Fertigstellung Träger oder Decken praktisch eben sind bzw. Abflüsse planmäßig funktionieren.

Überhöhungen werden oft bei planmäßig ebenen, beidseitig aufgelagerten Trägern vorgesehen; jedoch können auch Kragträger, Durchlaufträger und gebogene Träger überhöht ausgeführt werden.

Größe Übliche Überhöhungen liegen im Bereich der Verformung aus Eigenlasten, inkl. der meistens anwesenden Nutzlasten, wie z. B. Bücher einer Bibliothek inkl. eventuellen Kriechverformungen. Sie betragen zwischen einem Fünfhundertstel und einem Hunderfünfzigstel der Spannweite L des Tragwerks (L/500 bis L/150). Empfohlene Werte sind für übliche Bauvorhaben in den Nationalen Anhängen des Eurocodes des jeweiligen Baumaterials angegeben.

Weitere Einflussgrößen Die Größe der nötigen Überhöhung hängt ab von: den Baustoff-Eigenschaften (im Wesentlichen E-Modul oder Bewehrungsgrad) der Beanspruchung (Dach, Brücke, Decke, …) dem statischen System (eingespannt, drehbar gestützt, …) z. T. dem Herstellungsprozess (z. B. kriechaktives Freivorbauverfahren).

Kategorie:Baustatik