Siebolds Felsflur-Sackträger (Epichnopterix sieboldii, Syn.: Epichnopterix sieboldi) ist ein Schmetterling aus der Familie der Echten Sackträger (Psychidae), welcher in Teilen Mitteleuropas vorkommt. Funde vom Osten Polens bis ins westliche Russland, vom Balkan und von Spanien und Griechenland betreffen möglicherweise andere Arten.
Merkmale Die Männchen dieser Art besitzen eiförmige Flügel mit haardünner grauer Beschuppung und haben eine Flügelspannweite von 10 bis 14 Millimeter. Meist zeigen die Flügel einen Hauch von Gelb, oft sind die Ränder etwas heller. Der Rand der Vorderflügel bei der Kostalader ist gebogen, Apex und Außenrand sind rundlich. Die Fühler haben 16 bis 20 Segmente.
Die Weibchen unterscheiden sich nicht vom Wiesen-Sackträger (Epichnopterix plumella). Ihr Kopf ist schmal, Lippentaster fehlen. Fühler und Beine sind zu winzigen Stümpfen reduziert. Die Thoraxsegmente sind rötlich gelb mit weißlichen Rückenschilden. Die Weibchen besitzen keine Flügel.
Sack und Raupe Die so genannten „Säcke“ von Epichnopterix sieboldii und Epichnopterix plumella sind nur sehr schwer zu unterscheiden. Die der Männchen lassen sich nicht mit absoluter Sicherheit bestimmen, die der Weibchen sind überhaupt nicht unterscheidbar. Die bis zu 15 mm langen und in der Mitte etwas dickeren Säcke sind meist mit flachen Grasstückchen belegt. Die darin lebenden Raupen sind rötlich gefärbt.
Lebensweise Als Habitat bevorzugt die Art warme, trockene, oft felsige Gebiete und Wiesen. Die relativ seltene Art ist in Deutschland im Süden am häufigsten anzutreffen. Die männlichen Falter können schon Anfang April bis Ende März beobachtet werden, wie sie auf der Suche nach Weibchen umherschwirren. Die Raupen ernähren sich von verschiedensten krautigen Pflanzen. Sie leben ebenso wie später die weiblichen Falter in einem Gespinstsack aus trockenen, parallel angeordneten Grasstücken. Die weiblichen adulten Tiere hängen wartend in ihrem Sack und versuchen Männchen anzulocken.
Taxonomie Die Art wurde 1853 von Reutti unter dem wissenschaftlichen Namen Canephora sieboldii erstbeschrieben. Der Artzusatz sieboldii bezieht sich auf den bayerischen Arzt und Naturforscher Philipp Franz von Siebold. Als Typenfundorte wurden Hinterzarten und Frankfurt am Main angegeben, der Verbleib der Typen ist unbekannt. Bei der Durchsicht der Sammlungen Reutti fand sich ein einzelnes männliches Exemplar der Art, gesammelt in Hinterzarten im Schwarzwald, mit einem Etikett mit Reuttis Handschrift „Hinterzarten“. Dieses Exemplar muss als einer der verschollenen Syntypen angesehen werden und wurde mit einem zusätzlichen roten Etikett versehen mit der Aufschrift „Lectotypus, Canephora sieboldii reutti, 1853, det. Arnscheid“. Die anderen Exemplare bleiben verschollen. Der Neotypus befindet sich im Naturhistorischen Museum Wien.
Belege , Epichnopterix sieboldii; Abschnitt Vorkommen – Lebenszyklus, Fluggebiet und Verbreitung Heiko Bellmann: Steinbachs Naturführer. Schmetterlinge.Ulmer, Stuttgart (Hohenheim), 2010, ISBN 978-3-8001-4653-6, S. 24 Wilfried Rudi Arnscheid (2017) Ein Beitrag zur Taxonomie von drei Psychidae-Arten aus der Unterfamilie Epichnopteriginae aus der entomologischen Sammlung des Staatlichen Museums für Naturkunde Karlsruhe (Lepidoptera, Psychidae). In: Carolinea 75, S. 83–87. (Online) Carl Heinrich Reutti (1853): Lepidopteren-Fauna Badens. In: Beiträge zur Rheinischen Naturgeschichte 3, S. 1–216. (Online) Claudia Gack, Angelika Kobel-Lamparski (2018): Raupen von Sackträgern (Lepidoptera: Psychidae) aus Bodenfallen im Rebgelände des zentralen Kaiserstuhls. In: Carolinea 76, S. 129–148. (Online) Wilfried R. Arnscheid, Michael Weidlich: Psychidae. Brill, 2017, S. 148, S. 151–152. ISBN 978-9-0043-3957-6
Weblinks Lepiforum, Epichnopterix sieboldii
Kategorie:Echte Sackträger