Die Moselloreley ist ein Naturdenkmal der Mittelmoselregion in der Ortsgemeinde Piesport, Rheinland-Pfalz. Es handelt sich um einen für die Mosel landschaftstypischen Ufersteilhang mit schroffen, offenen Schiefer-Felsen und -Schutthalden, einem natürlichen Hangwald und einigen nur per Boot zugänglichen Steillagen-Weinbergen. Der Hang erhebt sich auf einer Breite von einem halben Kilometer bis zu 150 m hoch über die Mosel. Als Teil des historischen Bernkasteler Bergbaureviers wurde dort ab Mitte des 19. Jahrhunderts sporadisch industrieller Bergbau betrieben, dessen Spuren noch zu sehen sind. Als schön anzusehendes Naturschutzgebiet und durch seinen romantisierenden Namen ist das Felsgebilde heute eine lokale Attraktion.

Beschreibung mini|links|Die Piesporter Erzlay, ein Steillagenweinberg am Ufer, der nur per Boot bewirtschaftet werden kann. Ein Uferweg, der früher dorthin führte, ist Anfang der 1960er Jahre nach der Mosel­ka­na­li­sie­rung unter dem Wasserspiegel verschwunden. Die rund 500 Rebstöcke bringen einen Ertrag von 300 bis 400 Litern Wein.Reichert, Birgit. Traubenlese per Boot. Saarbrücker Zeitung. 30. Oktober 2013 (Online: https://www.saarbruecker-zeitung.de/saarland/traubenlese-per-boot_aid-862179, abgerufen am 25. November 2022.) mini|links|Uferfelsen der Moselloreley mit zeitgenössischen Graffiti. Das Felsmassiv der Moselloreley befindet sich am linken Moselufer beim Flusskilometer 146. Am gegenüberliegenden flachen Ufer liegt das Dorf Reinsport, das heute einen Ortsteil der Gemeinde Piesport bildet. An dieser Stelle wendet der Mäander von Piesport in den Mäander der Nachbargemeinde Minheim. Die Moselloreley zeichnet sich durch offene Schieferfelsen aus, die sich über ihre ganze Höhe verteilen und von denen einige senkrecht in die Mosel abfallen. Die Felsen werden umgeben von den flächigen Schutthalden ihrer Verwitterungsprodukte, auf denen teilweise kleinere Weinberge angelegt sind und einem natürlich gewachsenen laubholzreichen Hangwald. Der Steilhang erreicht an seiner oberen Kante bis zu , wo heute der älteste Talboden der Mosel aus der Ära der Oberen Moselterrasse liegt. Von dort fällt er um 100 bis 150 Höhenmeter derart abrupt ab, dass es an dieser Seite der Mosel über eine Strecke von einem halben Kilometer keine Uferstraße gibt. Wesentliche Abschnitte des Ufers sind praktisch nur per Boot zu erreichen. Der Abhang, der sich ein Stück weit unter Wasser fortsetzt, ist die Ursache dafür, dass sich hier die mit 9 m zweittiefste Stelle der Mosel befindet. Der landschaftlich schöne Moselhang ist als Naturdenkmal und Fauna-Flora-Habitat-Gebiet im europäischen Natura 2000 Schutzgebietssystem ausgewiesen.

Bergbaugeschichte Am Fuß des Abhangs der Moselloreley, über einer kleinen, isoliert liegenden Terrasse, die sich nur wenig über den Wasserspiegel erhebt, führt ein gemauertes Mundloch in einen Stollen der ehemaligen Grube Piesport-Minheim, auch bekannt als das Eisenstein-Bergwerk. Es ist ein Relikt aus der regionalen Bergbaugeschichte des historischen Bergbaureviers Bernkastel. Die Ursprünge Geologisch zeichnet sich das Mittelmoselgebiet dadurch aus, dass große Eisenerzlagerstätten von den Höhen des Hunsrücks heruntergerutscht sind und sich in den Mulden der Bergplateaus eingelagert haben. Deshalb gehört die Moselloreley zu dem ältesten Bergbaubezirk der Mosel, der sich rund um Bernkastel und dem angrenzenden Hunsrück befindet. Es wird vermutet, dass schon die Römer, die dort zwischen 50 v. Chr. und 500 n. Chr. präsent waren, mit dem Bergbau begonnen haben. Die ältesten schriftlichen Überlieferungen stammen aus dem 15. Jahrhundert. Sie beschreiben die Gruben der Gegend als sehr alt und berichten von einer regen, profitablen Bergbauaktivität in zahlreichen Anlagen. Blei-, Kupfer-, Silber-, Zink- und Eisenerze sowie Dachschiefer wurden abgebaut. Durch Kriege und andere Störungen, wie die Pest, kam es zu verschiedenen Zeiten zu Unterbrechungen und Wiederaufnahmen der Bergbautätigkeit.

Bergbau für Preußen (1852 – 1872) mini|links|Das Mundloch des ehemaligen Bergwerks und die davorliegende Arbeitsterrasse am Ufer. Sporadische Besuche sorgen dafür, dass bis heute ein Pfad durch das Gestrüpp offen gehalten wird. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts erlangte der Bergbau in der Region schließlich wieder eine größere Bedeutung. Damals hatte der preußische Staat, auf dessen Territorium die Moselloreley seit 1815 lag, einen großen Bedarf an Metallen für Rüstungszwecke und gab durch staatlichen Ankauf von Erzen interessierten Unternehmern einen Anreiz für deren Abbau. Vier örtliche Unternehmer, Nikolaus Faber, Nikolaus Esseln und Johann Esseln aus Minheim sowie Karl Schwarz aus Veldenz, erhielten am 14. Juni 1852 vom Bergamt Saarbrücken eine Bergbaukonzession für die Rothlay, wie die Moselloreley ursprünglich hieß. Das Toponym Rothlay legt nahe, dass schon länger bekannt war, dass es sich um einen Berg (lay) mit einem Rotheisenstein-Vorkommen (roth) handelte. Die Eingänge lagen auf der Niederemmeler, aber der Berg selbst auf der Minheimer Gemarkung. Es wird berichtet, dass die Erzlagerstätten des Bergbaureviers so mächtig waren, dass die Bergleute in den vorhandenen Bergwerken mit neuen technischen Möglichkeiten im Wesentlichen dort weiterarbeiten konnten, wo ihre Vorgänger mangels Maschinen nicht mehr tiefer eindringen konnten.

Im Jahr 1856 erwarb die „Gewerkschaft der Grube Anna“ das Eigentum an der „Grube Piesport in Piesport-Minheim“. Das zugehörige Grubenfeld hatte eine Ausdehnung von 986.816 Quadratlachter (umgerechnet 4,3 km2), inklusive Flächen in den Nachbargemeinden Niederemmel und Kesten. Die Gewerkschaft war eine illustre Gruppe von sechs Unternehmern: (1) Johann Keller, Notar aus St. Wendel, (2) Carl Welso, Grubenbesitzer in Altenkirchen, (3) Carl Cetto, Gutsbesitzer in Trier, (4) Eduard Karcher, Gutsbesitzer in Saarbrücken, (5) Carl Ludwig Riegel, Apotheker in St. Wendel und (6) Richard Keller, Kaufmann in St. Wendel. Für Mitte Juni 1858 wird berichtet, dass in der „Grube bei Minheim“ mit 29 Bergleuten 385 Tonnen Blende-, Bleiglanz und Kupferkies-Erze gefördert worden waren. Im Jahr 1859 arbeiteten dort bis zu 152 Männer die 415 Tonnen Blende und 138 Tonnen Bleierz förderten. Weil am Bergwerk, das als Zinkerzgrube bezeichnet wurde, wegen der Lage am Steilhang wenig Platz zur Verfügung stand, wurden die Erze über den Fluss ins nahe Wintrich verschifft, wo am rechten Moselufer eine Aufbereitungsanlage eingerichtet worden war.

Die Allgemeine Berg- und hüttenmännische Zeitung widmete im Januar 1861 einen umfangreichen Artikel dem Thema. Sie berichtete, dass sich die meisten und bedeutendsten Gruben des Bernkasteler Bezirks zunächst in den Händen einer einheimischen Gewerkschaft befunden hatten, die wenige Jahre zuvor in eine Aktien-Kommandit-Gesellschaft umgewandelt worden war. Durch Zusammentreffen von ungünstiger Konjunktur und schlechter Bewirtschaftung war es zu einer Liquidation des Zechenvermögens dieser Gesellschaft gekommen. Dadurch konnten deren sämtliche Gruben und die dazugehörigen Aufbereitungswerke von der belgischen Bergbaugesellschaft „Société de mines de Berncastel Actien-Comandite“, Firma „Graff & Cie.“ erworben werden. Die jüngste Erwerbung der belgischen Bergbaugesellschaft war die sogenannte „Grube Minheim“, die beschrieben wird als zwischen Minheim und Piesport gelegen. Diese war neben der Grube Kautenbach (bei Traben-Trarbach) und der Grube Tiefenbach (unmittelbar bei Bernkastel) eine der bedeutendsten Gruben im Bernkasteler Revier gewesen. Es heißt: „Sie hat ein regelmäsziges und mächtiges Lager, welches sich ... nur hie und da als Lager-Gang charakterisirt und das sehr hübsche Blei- und Kupfer-Erze sowie Blende führt und zwar alle diese Erze in bedeutender Menge.“ Nach der Wiederaufnahme des Betriebs wurden im letzten Quartal 1860 mit 30 Arbeitern 60 Tonnen Blende-, Blei- und Kupfer-Haufwerk gefördert. Aus dem Rohmaterial konnten 80 % reine Erze dargestellt werden.

In den Jahren um 1869/70 hatten die Gebrüder Kaes aus Traben-Trarbach als neue Eigentümer die Stollen übernommen. Diese betrieben ebenfalls noch weitere in der Umgebung, so einen Stollen auf der anderen Seite der Mosel an einem ähnlichen Hang gegenüber von Minheim, zwischen Rondelbach und Fuchsbach, in dem Bereich, wo sich heute das Minheimer Kreuz befindet. Dort, fast 3 km flussabwärts gab es eine Aufbereitungsanlage zu der die Erze aus der Rothlay verschifft wurden zum Brechen und Waschen. Insgesamt 70 bis 80 Personen arbeiteten im Bergwerk und 15 in der Aufbereitung am Rondelbach. Die nächsten Hüttenwerke, wo das Erz hätte weiterverarbeitet werden können, befanden sich moselabwärts in Veldenz und moselaufwärts in Quint bei Trier. Ein Unglück in der Anlage gegenüber Minheim, bei dem 7 Arbeiter verschüttet wurden die nicht gerettet werden konnten, beendete einen Teil der Bergbauaktivität in diesem Bereich. Das endgültige Aus für den Betrieb ergab sich durch den deutschen Erfolg im Krieg von 1870/71 mit Frankreich, der der erhöhten Nachfrage nach heimischem Eisenerz ein Ende setzte und gleichzeitig ein Überangebot von Erz aus dem nun annektierten Lothringen verursachte.

Bergbau für das 3. Reich (1935 – 1940) mini|links| Die etwa von 1937 bis 1940 betriebene obere Arbeits­terrasse (ca. 25 m über dem Wasserspiegel) zeigt sich noch heute als horizontale Linie vor einer abgeschroteten Felswand. Über 60 Jahre später, und wieder ging es um Kriegsvorbereitungen, rückte auch das eigentlich unrentable Erzvorkommen der Rothlay noch einmal in den Fokus von Behörden und Industrie. Das Oberbergamt Bonn ließ 1935/36 ein Gutachten erstellen das zu dem Ergebnis kam, dass dort um die 500 Tonnen abbaubares Erz lägen, die mit höchstens 15 Arbeitern gefördert werden könnten. Die Firma Deutsche Montan-Gesellschaft mbH in Wiesbaden, die die Eigentümerin der örtlichen Bergbaurechte war, wollte oder konnte zu dieser Zeit die Ausbeutung des Vorkommens nicht selbst übernehmen. Im März 1936 empfahl sie dem zuständigen Landrat die Öffentlichkeit noch nicht über ein mögliches Vorhaben zu informieren. Schließlich mussten die bisherigen Unternehmer das Unternehmen verkaufen, weil sie wegen ihrer jüdischen Herkunft keine Zuschüsse des Reiches zur Erschließung weiterer Gruben erhielten. Die Arisierung des Unternehmens vollzog die Robert Bosch AG. Sie gründete im September 1937 die Metallerzbergbau Westmark GmbH, mit Sitz in Traben-Trarbach und übernahm mit dieser Firma die Felder der Deutschen Montan GmbH.

Bald schon wurden die Arbeiten am sogenannten Eisenerzbergwerk Niederemmel-Minheim aufgenommen. Das erregte die Aufmerksamkeit der Abteilung Landschaftsschutz bei der Bezirksregierung Trier, die über diese Unternehmung nicht informiert worden war und durch die Anlage von Arbeitsterrassen, Aufschüttung von Abraum und den Bau von massiven Unterkünften das Landschaftsbild am Felshang gestört sah. Ein Brief an den Landrat in Bernkastel vom 11. August 1938 enthält eine detaillierte Beschreibung der beanstandeten Tagesanlagen:

Ende des Bergbaus (1940 – 1951) mini|links| Das Felsgebilde Mosellorelei wurde 1940 unter Naturschutz gestellt. Damit opponierte der zuständige Landrat gegen den das Landschaftsbild störenden Bergbau in dem damals schon für den Tourismus interessanten Gebiet. Im März 1940 wurde, wie es im Trierer Amtsblatt heißt, die „Mosellorelei, Felsgebilde in der Gemeinde Niederemmel, Auf dem linken Moselufer, Reinsport gegenüber“, in die Liste der Naturdenkmale des Kreis Bernkastel aufgenommen. Damit wurden, gemäß der Verordnung zur Sicherung von Naturdenkmalen im Kreise Bernkastel von 1938, „alle Masznahmen (verboten), die geeignet sind die Naturdenkmale oder ihre Umgebung zu schädigen oder zu beeinträchtigen.“ Möglicherweise daraufhin wurde der Bergbaubetrieb eingestellt, vielleicht aber waren die projektierten 500 Tonnen Erz auch schon bald erschöpft, jedenfalls ist seither nichts mehr über eine spätere Bergbautätigkeit bekannt.