Der August-Euler-Flugplatz Darmstadt/Griesheim (in der ICAO-Karte Deutschland als Flugplatz Darmstadt/Griesheim bezeichnet) ist ein Sonderlandeplatz, der im Westen Darmstadts, beziehungsweise im Süden von Griesheim, auf ehemals Griesheimer Gebiet liegt. Es ist der älteste Flugplatz in Deutschland mit einer sehr traditionsreichen Vergangenheit. Benannt wurde er nach dem Flugpionier August Euler, der hier 1908 den ersten deutschen Flugplatz sowie die erste deutsche Flugzeugfabrik gründete. Er wurde zwischen 1945 und 1992 als „Darmstadt Army Airfield“dfg-vk-darmstadt.de oder „Griesheim (Army) Airfield“usarmygermany.com bezeichnet. Seit 2005 dürfen insbesondere Start- und Landebahn nur noch für Lehr- und Forschungszwecke genutzt werden.
Geschichte Nachdem August Euler im Oktober 1908 die erste deutsche Flugmaschinenfabrik gegründet hatte, pachtete er für seine Flugversuche den Fuß-Exerzierplatz des Truppenübungsplatzes GriesheimUrsula Eckstein: August-Euler-Flugplatz Darmstadt. Justus von Liebig Verlag, Darmstadt 2008, S. 28. und eröffnete Deutschlands ersten Flugplatz.Deutschlands ältester Flugplatz wird 100 – Jubiläumsveranstaltung mit großer Flugshow. Pressemitteilung der TU Darmstadt vom 14. August 2008. Anfang 1909 ließ Euler sich eine Montagehalle errichten, in der bis 1911 insgesamt 40 Flugzeuge zusammengebaut wurden. Außerdem bildete er von 1910 bis 1918 in Griesheim und Frankfurt am Main 75 Flugzeugführer aus, vor allem Offiziere.Ursula Eckstein: August-Euler-Flugplatz Darmstadt. Justus von Liebig Verlag, Darmstadt 2008, S. 36. Dazu entstand ein Pilotenhaus neben der Montagehalle. Am 25. Oktober 1910 stellte Euler von Griesheim aus mit 3 Stunden, 6 Minuten und 18 Sekunden einen deutschen Dauerflugrekord auf.Ursula Eckstein: August-Euler-Flugplatz Darmstadt. Justus von Liebig Verlag, Darmstadt 2008, S. 41. Im Januar 1912 verlegten die Euler-Werke ihren Sitz nach Schwanheim bei Frankfurt a. M.
Am 1. Oktober 1912 wurde auf dem Flugplatz die Fliegerstation Darmstadt der Preußischen Fliegertruppe offiziell eröffnet.Ursula Eckstein: August-Euler-Flugplatz Darmstadt. Justus von Liebig Verlag, Darmstadt 2008, S. 73. 1911/12 wurde eine etwa 120 Meter lange und 21 Meter weit spannende, hölzerne Flugzeughalle errichtet. 1913 ließ die Heeresverwaltung eine weitere 160 Meter lange, stählerne Flugzeughalle mit Reparaturwerft und die Fliegerkaserne bauen, in der ab dem 1. Oktober 1913 die 3. Kompanie des Fliegerbataillons Nr. 3 untergebracht war. Im Februar 1914 waren bereits 50 Maschinen stationiert. Während des Ersten Weltkrieges wurden in der Fliegerstation Flugzeuge repariert und eingeflogen sowie eine Flugschule betrieben. Die Fliegerersatz-Abteilung Nr. 3 wurde bei Kriegsausbruch aus der stationierten Kompanie aufgestellt. Als die FEA 3 im Februar nach Gotha verlegt wurde, wurde kurz darauf die Fliegerersatz-Abteilung Nr. 9 in Griesheim aufgestellt, sie verblieb dort bis Kriegsende.
Im Dezember 1918 besetzte die französische Armee den Flughafen und untersagte den Flugbetrieb. mini|Gebäudenutzung am Flugplatz 1937 Nach dem Abzug der Franzosen im Juni 1930 wurde der Flugplatz wieder eingerichtet. Am 3. August 1930 landete hier das Luftschiff LZ 127 Graf Zeppelin. Zwei weitere Landungen folgten am 11. August 1930.
Ab dem 1. April 1932 pachtete die Stadt Darmstadt vom Deutschen Reich das zirka 70 Hektar große Flugplatzgelände für ihren neuen Flughafen Darmstadt, der im Herbst 1934 den Landeplatz Lichtwiese ablöste. Die Lufthansa, die zuvor rund zehn Jahre lang Darmstadt angeflogen hatte, stellte zeitgleich als letzte Verkehrsfluglinie den Flugbetrieb nach Darmstadt ein.
Im Mai 1933 verlegte die Deutsche Forschungsanstalt für Segelflug (DFS) ihre Institute in die Kasernengebäude beim Flughafen. Die Gebäude wurden 1934 instand gesetzt und in der Folge ausgebaut. In den 1930er Jahren entstanden für die Forschungsstätte Werfthallen, Werkstätten und ein Windkanal. Ein weiterer Windkanal wurde 1936 für die Technische Hochschule Darmstadt errichtet,Ursula Eckstein: August-Euler-Flugplatz Darmstadt. Justus von Liebig Verlag, Darmstadt 2008, S. 190. der noch heute von der Technischen Universität Darmstadt (TU Darmstadt) genutzt wird. Bis zu 780 Mitarbeiter waren bei der DFS beschäftigt, darunter auch das Personal der Ingenieurschule für Luftfahrttechnik (IfL). Um 1936 wurden hier von Hans Jacobs (DFS) einige bekannte Segelflugzeugmuster, unter anderem DFS Habicht, DFS Kranich, DFS Weihe und DFS 230, konstruiert.
Ab dem 1. Oktober 1937 wurde auf Weisung des hessischen Reichsstatthalters Jakob Sprenger der Flugplatz zusammen mit weiteren Flächen nach Darmstadt ausgemeindet.
Die Deutsche Forschungsanstalt für Segelflug war 1939 nach Braunschweig verlegt worden. Der Flugplatz wurde im selben Jahr von der Luftwaffe übernommen und als Einsatzhafen II. Ordnung Darmstadt-Griesheim bezeichnet. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er als Fliegerhorst genutzt. Länger stationiert waren unter anderem auf dem Fliegerhorst von Dezember 1939 bis Mai 1940 die I. Gruppe des Jagdgeschwaders 53 und vom September 1944 bis März 1945 die 2. Staffel des Nachtjagdgeschwaders 11. Luftangriffe gab es am 29. Juni 1940 um 0:30 Uhr, in der Nacht vom 10. auf 11. April 1943 und mittags am 24. Dezember 1944 im Verlauf eines Großangriffs auf Griesheim durch die 3rd Bombardment Division der 8th Air Force mit 189 Flugzeugen. Vor ihrem Rückzug am 23. März 1945 sprengten deutsche Truppen militärische Anlagen und Flugzeughallen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg Am 31. März 1945 nahm die United States Army Air Forces (USAAF) den Flugplatz als Advanced Landing Ground ALG Y-76 Darmstadt/Griesheim in Betrieb und nutzte ihn bis Dezember 1945.David C. Johnson: U.S. Army Air Forces Continental Airfields (ETO), D-Day to V-E Day; Research Division, USAF Historical Research Center, Maxwell AFB, Alabama (1988). Danach wurde der Platz von der United States Army genutzt und Stützpunkt einer Rettungshubschrauber-Staffel. Die Sikorsky S-58 waren während dieser Zeit in Griesheim im Einsatz. Seit 1987 war hier die 159th Medical Company (Air Ambulance) (15 UH-60A Black Hawk) stationiert (Im Oktober 1987 aufgestellt aus dem 159th Medical Detachment). Die 421st Medical Battalion (Evacuation) wurde 1989 von Nellingen auf den Fildern (Ostfildern) hierher verlegt (Im Oktober 1987 aus der 421st Medical Company (Air Ambulance) aufgestellt. Im April 1989 nach Darmstadt (GE), Griesheim AAF, verlegt).
Im Jahr 1964 wurde die 2040th Civilian Support Group von einer Kaserne in Münster nach Griesheim in eine kleine Kaserne auf den CSG Compound am Rande der AAF Station Darmstadt/Griesheim verlegt. Die Gruppe hatte eine Stärke von 130 Personen. 48 von ihnen waren in Griesheim stationiert.
Der Hessen-Flieger Verein für Luftfahrt 1924 Darmstadt durfte von 1974 bis 1992 den Flugplatz mitbenutzen. Im Frühjahr 1992 wurde „Darmstadt Army Airfield“Ursula Eckstein: August-Euler-Flugplatz Darmstadt. Justus von Liebig Verlag, Darmstadt 2008, S. 226. mit dem ICAO-Code EDES aufgegeben. Am 31. Juli 1992 startete letztmals eine Maschine der Hessen-Flieger. Mit einer Verfügung vom 25. Januar 1993 entwidmete das Bundesministerium der Verteidigung als zuständige militärische Luftfahrtbehörde den Flugplatz.Technische Universität Darmstadt, Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e. V.: Die Hessen-Flieger versuchten den Flugplatz für den zivilen Luftverkehr zu erhalten. Sie gründeten am 13. Februar 1992 die August-Euler-Flugplatzbetriebs GbR und sammelten über 3000 Unterschriften. Den Antrag vom Mai 1994 auf Genehmigung des Verkehrslandeplatzes für zivilen Flugbetrieb lehnte das Regierungspräsidium Darmstadt ab. Es wollte wegen der hohen Luftverkehrsdichte, der dichten Besiedlung und der vorhandenen Belastungen des Naturhaushaltes keine zusätzlichen Landeplätze mehr ausweisen. Das Gelände des Flugplatzes wurde zum Naturschutzgebiet erklärt und die Benutzung als Flugplatz nur noch der TU Darmstadt zu Forschungszwecken genehmigt. Eine Klage der Betriebsgesellschaft gegen diese Entscheidung wurde im Mai 1999 vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel abgewiesen.Ursula Eckstein: August-Euler-Flugplatz Darmstadt. Justus von Liebig Verlag, Darmstadt 2008, S. 259–261. mini|hochkant|Windkanal der TU Darmstadt (2008)
Seit 1980 trägt das Areal den Namen „August-Euler-Flugplatz“. Laut der Betriebsgenehmigung von 2013 ist der offizielle Name des Flugplatzes „August-Euler-Flugplatz Darmstadt/Griesheim“. Er besitzt eine asphaltierte Landebahn mit 1155 Meter Länge und gehört seit 2005 als Forschungsfreigelände der TU Darmstadt. Die TU ist Betreiber des Sonderlandeplatzes. Er ist zugelassen für Flugzeuge bis zu 2000 kg höchstzulässiger Flugmasse (MTOM), dreiachsgesteuerte Ultraleichtflugzeuge, Motorsegler und Segelflugzeuge. Er dient dem Flugbetrieb des Platzhalters sowie von Dritten mit vorheriger Zustimmung des Platzhalters (PPR). Als Startarten sind Eigenstart und Flugzeugschlepp zugelassen. Es dürfen jährlich maximal 400 Flugbewegungen durchgeführt werden, hiervon maximal 40 Flugbewegungen mit Luftfahrzeugen Dritter. An Samstagen und Sonntagen sind jeweils nur 2 Abflüge und 2 Anflüge zulässig.
Die US-Army löste 2008 den Standort Darmstadt offiziell auf und gab ein rund 25 Hektar großes Areal nördlich des Flugplatzes frei, das unter anderem mit Gebäuden für den Flugbetrieb, Verwaltungseinrichtungen, Fahrzeughallen, Lagergebäuden und Wohngebäuden bebaut ist. Die Liegenschaft soll veräußert werden.
Im Mai 2022 stellte die Darmstädter Stadtverordnetenversammlung durch einen Bebauungsplan die Weichen für eine gewerbliche Nutzung des auf Darmstädter Stadtgebiet liegenden Areals. Unter anderem soll ein Ausbildungszentrum des Zolls entstehen. Entgegen früherer Erwägungen ist ein Wohngebiet nicht vorgesehen. Bis auf einen unter Denkmalschutz stehenden Hangar sollen alle dort noch vorhandenen Gebäude abgerissen werden.
Im Oktober 2025 setzte das Verteidigungsministerium die Umwandlung militärisch genutzter Liegenschaften für zivile Zwecke aus. Auch das ehemalige Griesheim Airfield ist davon betroffen.Die Liste der 187 Liegenschaften, die sich im Eigentum der BImA betreffen Von der Liegenschaft war im Jahr 2022 noch eine 7,2 Hektar große Konversionsfläche, unter anderem mit Gebäuden für den Flugbetrieb, Verwaltungseinrichtungen, Fahrzeughallen und Wohngebäuden bebaut, im Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben.Claudia Kabel: Darmstadt: Zoll-Trainingszentrum entsteht auf früherem Militärareal. fr.de, 2. April 2022.
US-Soldatenzeitung The Stars and Stripes Die Europazentrale der amerikanischen Armeezeitung The Stars and Stripes war nach dem Zweiten Weltkrieg in der ehemaligen Fliegerkaserne der Fliegerstation DarmstadtUrsula Eckstein: August-Euler-Flugplatz Darmstadt. Justus von Liebig Verlag, Darmstadt 2008, S. 227 (ab 1919, Caserne Garnier du Plessis und später Gebäude der Deutschen Forschungsanstalt für Segelflug) auf dem Stars & Stripes Compound untergebracht. Dieser war in direkter Nachbarschaft zum August-Euler-Flughafen.
Von 1949 bis 2008 wurde dort die europäische Ausgabe von The Stars and Stripes als Tageszeitung, die übrigens auch sonntags erscheint, gedruckt.
Flugabwehrraketenstellung Im Rahmen der Luftverteidigung Westeuropas während des Kalten Krieges waren die US-Streitkräfte an dem quer durch Deutschland verlaufenden Nike-Herkules-Flugabwehrgürtel mit insgesamt sechs Bataillonen beteiligt. Das 1st Missile Bataillon, 67th US Artillery Group, verfügte dazu über Feuerstellungen in den Standorten Griesheim, Mainbullau, Hardheim und Dallau.