Niort ist eine französische Stadtgemeinde in der Region Nouvelle-Aquitaine im Westen des Landes. Sie ist Verwaltungssitz (Präfektur) des Départements Deux-Sèvres, Hauptort (Chef-Lieu) des Arrondissements Niort und ebenfalls Hauptort der drei Kantone Niort-1, Niort-2 und Niort-3.

Geographie Lage Die Stadt liegt in einer fruchtbaren Ebene am Rand des Sumpfgebietes Marais Poitevin, 63 Kilometer östlich von La Rochelle am Fluss Sèvre Niortaise, dessen geschlängeltes Tal in jüngerer Zeit in einen Grüngürtel umgewandelt wurde.

Ursprünglich war die ganze Gegend um Niort ein Sumpfgebiet. Der atlantische Golf von Pictons zog sich auf einer Breite von 30 Kilometern langsam ins Landesinnere zurück und vermischte sich mit der Sèvre Niortaise, die in diesem flachen Gebiet Mäander bildete. In der Landschaft entstanden zahlreiche Inseln, die jedoch fast ganzjährig mit Brackwasser bedeckt waren. Ab dem 11. Jahrhundert wurde der Sumpf schrittweise trockengelegt, wobei sich vor allem Benediktinermönche aus verschiedenen örtlichen Abteien verdient machten. Während des Hundertjährigen Krieges und der Hugenottenkriege ruhte diese Arbeit weitgehend. Erst Anfang des 17. Jahrhunderts wurde die Drainage unter dem französischen König Heinrich IV. mit Hilfe von holländischen Ingenieuren wieder aufgenommen. Im Laufe der Generationen wurden 80.000 Hektar Sumpfgebiet trockengelegt.

Niort lag von 1996 bis 2014 im Parc interrégional du Marais poitevin, der 1979 unter dem Namen Parc naturel régional du Marais poitevin als Naturpark mit dem Ziel gegründet wurde, die ökologisch empfindliche Landschaft in der Gegend zu schützen. Ende 1996 wurde ihm der Status „Naturpark“ aberkannt, was die vorübergehende Namensänderung erklärt. 2014 wurde ihm der Status wieder zuerkannt und er gehört heute zum Regionalen Naturpark Marais Poitevin.

Klima Das Klima ist ozeanisch geprägt, die Winter sind somit mild. Im langjährigen Durchschnitt werden pro Jahr 1934 Sonnenstunden und 890 Millimeter Niederschlag gemessen. Nebel tritt an 49 Tagen auf.

Eingemeindungen Zwischen 1964 und 1972 fusionierten folgende vier Gemeinden mit Niort: Souché am 21. Juni 1964, Sainte-Pezenne am 16. April 1965, Saint-Florent am 1. Januar 1969 und Saint-Liguaire am 1. Januar 1972.

Geschichte Namensherkunft Der Ortsname leitet sich von einem keltischen (gallischen) Begriff, der latinisiert Novioritum lautet, ab. Es ist ein Zusammenzug der beiden Wörter novum für ‚neu‘ und rito für ‚Furt‘. Der Ortsname Niort ist somit als die ‚neue Furt‘ (an der Sèvre) zu verstehen.

Wappen Der azurblaue Hintergrund ist mit güldenen Fleurs-de-Lis besät. Im Vordergrund steht ein silberner Befestigungsturm, der von einem kleineren Turm derselben Farbe gekrönt ist, beide Türme sind schwarz gemauert. Das Ganze wird im Schildfuß von einem silbernen Fluss getragen.

Vorgeschichte und Antike miniatur|Jungsteinzeitliche Axt aus poliertem Eklogit. Fund aus Niort, ausgestellt im Muséum de Toulouse Die Besiedlung der Region ist für die Jungsteinzeit und die frühe gallo-römische Zeit nachgewiesen, wobei sich die archäologischen Funde in der Flussschleife der Sèvre Niortaise verdichten. Bei der Datierung der Gegenstände fällt auf, dass die Kette kurz nach der Eroberung Galliens durch die Römer abbricht (was für die Gegend atypisch ist), so dass anzunehmen ist, dass die Siedlung noch im 1. Jahrhundert vor Christus aufgegeben wurde. Weshalb der Ort, der früher vermutlich ein Handelszentrum war, von den Römern fallen gelassen wurde, ist nicht bekannt. Im 5. Jahrhundert, zur Zeit des Zusammenbruches des Weströmischen Reiches, wurde die Gegend von den Westgoten gehalten. Im Jahr 507, nach der Schlacht von Vouillé, wurden die Westgoten von den Franken vertrieben.Herrmann Kinder, Werner Hilgemann: dtv-Atlas zur Weltgeschichte. 23. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1989, ISBN 3-423-03001-1, S. 116/117.

Mittelalter Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen von Niort stammen aus dem 6. Jahrhundert. Darin werden zwei Weiler auf dem Hügel erwähnt, die man Notre-Dame und Saint-André nannte. Von der erhöhten Lage versprach man sich Schutz in einer Zeit, in der politische Strukturen fast gänzlich fehlten. In friedlichen Zeiten konnte die Sèvre als Handelsweg genutzt werden und in unruhigen Zeiten hatte man wenigstens den Überblick über das Tal und etwas Schutz vor anrennenden Horden. Im Jahre 940 wurde Niort von den Normannen geplündert.

Ab dem Hochmittelalter unterstand die Stadt der Grafschaft Poitou, die später im Herzogtum Aquitanien aufging. Eleonore von Aquitanien heiratete zuerst den französischen König Ludwig VII. (1137), später – nach der Scheidung – den nachmaligen englischen König Heinrich II. (1152) und brachte das Herzogtum als Mitgift in die jeweilige Krondomäne ein. 1204 trotzten die Stadtbürger der inzwischen betagten Eleonore einen Freiheitsbrief ab. Niort unterstand seitdem einem so genannten Consulat. Eleonores Gatte Heinrich II. und ihr gemeinsamer Sohn Richard Löwenherz ließen die Zitadelle mit einer 2.800 Meter langen Mauer befestigen. Im Jahre 1244 wurde Niort wieder französisch. 1285 erhielt die Stadt den Status eines Freihafens. Im Zuge des Hundertjährigen Krieges wehrte Niort 1346 zwar den Angriff von Henry of Grosmont, 1. Herzog von Lancaster, erfolgreich ab, wurde aber dennoch 1360 im Friede von Brétigny an die Engländer übergeben. Bertrand du Guesclin nahm die Stadt am 23. März 1372 schließlich definitiv für Frankreich ein. Dabei soll er sich einer List bedient haben: Zweihundert seiner tapfersten Soldaten wurden in englische Uniformen gekleidet. Die düpierte Wache senkte daraufhin die Zugbrücke und die getarnte französische Vorhut begann mit der Entwaffnung der Engländer.

Während des Aufstandes des Adels gegen König Karl VII., ein Ereignis, das unter dem Namen Praguerie bekannt ist und in das auch der Dauphin verwickelt war, schlug letzterer 1440 gegen Gewährung zahlreicher Privilegien an die Bevölkerung sein Lager in Niort auf. Diese Zugeständnisse sowie das Markt- und Messerecht bestätigte der vormalige Dauphin im Jahr 1461 als König Ludwig XI. von Frankreich.

Im 14. Jahrhundert verdankte Niort seine Bekanntheit den Webern und Gerbern der Stadt. Gegen Ende des Mittelalters wurde die Schifflände unter der Leitung des Grafen Jean de Berry ausgebaut und die Wasserstraße der Sèvre besser an den Atlantik angebunden. In dieser Zeit erlebte Niort einen markanten Bevölkerungsaufschwung; es wurden Salz, Fisch, Weizen, Wolle und Felle nach dem burgundischen Flandern und nach Spanien exportiert.

Neuzeit 1557 konnten sich die Hugenotten in der Stadt zwar durchsetzen, doch wurde Niort nach der Schlacht bei Moncontour im Jahre 1569 von den katholischen Truppen des französischen Königs Karl IX. eingenommen. Die Nacht vom 27. zum 28. Dezember 1588 verlief für die Stadt sehr blutig: Die Hugenottenführer Louis de Saint-Gelais und Théodore Agrippa d’Aubigné fielen mit ihren Söldnern in Niort ein und es kam zu Mord, Plünderung und Brandstiftung. Im Jahre 1627 wurde Niort erneut katholisch, doch hielten sich Protestanten noch bis 1685 in der Stadt. Viele Hugenotten zogen es allerdings vor zu fliehen, wobei Kanada als Exilland im Vordergrund stand. Pierre de Villiers und einige seiner Verwandten aus der Familie De Villiers de Princay emigrierten in die Kapkolonie. Seine Nachkommenschaft ist im Besitz von Weingütern und führt den Titel Baron de Villiers. In der Folge wurde Niort zu einem wichtigen Umschlagplatz für Häute und Felle, die in Nordamerika den Indianern abgehandelt wurden. Dieser Handel kam Mitte des 18. Jahrhunderts zum Erliegen, als Frankreich Kanada im Siebenjährigen Krieg verlor. Dennoch zählte man am Vorabend der Französischen Revolution in der Stadt rund dreißig Walkmühlen zur Herstellung und Veredelung von Stoffen, Leder sowie Filz und mehr als dreißig Kavallerieregimenter statteten sich dazumal in Niort mit Lederhosen aus.

Neuere Geschichte Die Lederindustrie von Niort ging graduell zurück und starb im 20. Jahrhundert ganz aus. Während der Befreiung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg verloren am 7. Juni 1944 bei einem fehlgeleiteten Bombardement der Alliierten rund 40 Einwohner ihr Leben. Das eigentliche Ziel waren der Rangierbahnhof und eine Fabrik für Zünder, die von der Wehrmacht betrieben wurde.

Bevölkerungsentwicklung Gemeinde1936194619541962196819751982199019992010 Souché (1964 eingemeindet) 1.217 1.423 1.589 2.386 Sainte-Pezenne (1965 eingemeindet) 1.819 2.118 2.365 3.029 Saint-Florent (1969 eingemeindet) 2.448 2.790 2.876 3.644 4.925 Saint-Liguaire (1972 eingemeindet) 1.237 1.323 1.390 1.945 2.590 Niort 27.830 32.752 33.167 37.512 48.469 Niort (heutige Ausdehnung) (34.551) (40.406) (41.382) (48.516) (55.984) 62.267 58.203 57.012 56.661 57.325

Wirtschaft und Verkehr miniatur|Verkehrsanbindung von Niort Während Niort früher ein Zentrum der Leder- und Tuchindustrie mit den branchenspezifischen Märkten und Messen war, hat sich die Stadt heute zu einem wichtigen Finanz- und Versicherungszentrum gewandelt. Der Automobilhersteller Automobiles Barré musste 1930 aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise die Produktion wieder einstellen.

Der Dienstleistungssektor insgesamt beschäftigt in Niort rund 28.000 Mitarbeiter. Der wichtigste Arbeitgeber der Stadt (und auch des Départements Deux-Sèvres) mit 2.884 Angestellten (Stand 2009) ist das städtische Krankenhaus von Niort. Die regionale Verbraucherausstellung Foirexpo de Niort, welche jedes Jahr Ende April stattfindet, zog 2012 mehr als 100.000 Besucher an. Dank der guten Anbindung an das Autobahnnetz, dem Rangierbahnhof und der relativen Nähe zum Hafen von La Rochelle hat sich Niort auch zu einem Logistikzentrum entwickelt, insbesondere für die Verteilung von Lebensmitteln und pharmazeutischen Produkten. Atlansèrve nennt sich eine 450 Hektar große Gewerbezone, welche sich in der südöstlichen Nachbargemeinde La Crèche ausbreitet und mehr als hundert Unternehmen vereinigt. Das Geschäftsviertel im Zentrum der Stadt wurde zwischen 2009 und 2012 zur Fußgängerzone umgestaltet.

Im Stadtviertel Niort-Noron befindet sich der Hauptsitz der Mutuelle d’assurance des instituteurs de France (MAIF), eine Versicherungsgesellschaft, die ursprünglich für Lehrpersonal gedacht war. Die Mutuelle d’assurance des artisans de France (MAAF), welche sich anfangs an Handwerker richtete, ist in derselben Geschäftssparte tätig und hat ihre Zentrale im Stadtteil Niort-Chauray. Beide Konzerne, die in großen, modernen Gebäuden untergebracht sind, stehen heute mit einer breiten Palette von Versicherungsleistungen allen Interessierten offen und beschäftigen weltweit je rund 7.000 Angestellte.

Niort liegt an der Bahnstrecke Saint-Benoît–La Rochelle-Ville, die von TGV- und TER-Zügen bedient wird. Die Fahrt vom Bahnhof Paris-Montparnasse dauert mit dem TGV im besten Fall 2 Stunden und 10 Minuten, nach La Rochelle-Ville benötigt der Zug 35 Minuten.

Der Radwanderweg Nr. 43, Vélo Francette, von Ouistreham (Calvados) nach La Rochelle (Charente-Maritime) führt durch Niort.

Sport Der Fußballverein Chamois Niort spielte in der Saison 1987/88 in der obersten französischen Liga, ein einmaliges Ereignis für Niort. Er trägt seine Heimspiele im Stadion Stade René Gaillard aus. Der Name Chamois erinnert an die Herstellung von Sämischleder (auch Chamoisleder genannt), für welche die Stadt einst bekannt war und das traditionell aus Fellen von Gämsen (frz. Chamois) gegerbt wurde.

Sehenswürdigkeiten Das Kulturerbe von Niort umfasst zurzeit 23 offiziell unter Denkmalschutz stehende Objekte.

Donjon miniatur|Zwillings-Donjon

Die Burg von Niort besitzt als große Besonderheit einen Zwillings-Donjon. Die beiden romanischen Türme stehen in einem Abstand von 16 Metern und sind durch einen Zwischenbau verbunden. Das Ensemble gab das Kernstück eines großen viereckigen Reduits von 700 Metern Länge ab. Ursprünglich waren die beiden Türme durch eine Kurtine miteinander verbunden.